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Wohlriechender Schneckling

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Wohlriechender Schneckling
Datei:Hygrophorus agathosmus 70328.jpg

Wohlriechender Schneckling (Hygrophorus agathosmus)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Schnecklingsverwandte (Hygrophoraceae)
Gattung: Schnecklinge (Hygrophorus)
Art: Wohlriechender Schneckling
Wissenschaftlicher Name
Hygrophorus agathosmus
(Fr.): Fr.

Der Wohlriechende Schneckling (Hygrophorus agathosmus (Fr.) Fr.) ist eine essbare Pilzart aus der Familie der Schnecklingsverwandten (Hygrophoraceae). Es ist eine weitverbreitete Art, die in Nordamerika, Europa, Afrika und Asien vorkommt. In Mitteleuropa findet man sie vorwiegend in Bergnadelwäldern unter Fichten und Kiefern. Der Schneckling hat einen hellgrauen, klebrigen Hut, wachsartige und am Stiel herablaufende Lamellen und einen typischen und unverwechselbaren Geruch nach Bittermandeln. Fruchtkörperextrakte zeigten in Laborversuchen antimikrobielle Wirkung gegenüber verschiedenen humanpathogen Bakterien und Pilzen.

Beschreibung

Datei:Hygrophorus agathosmus 70362.jpg
Die Hutränder junger Fruchtkörper sind eingerollt.

Der Hut hat einen Durchmesser von 4 bis 8 Zentimeter und ist anfangs fast halbkugelig, dann mehr gewölbt bis abgeflacht und schließlich leicht niedergedrückt mit einem flachen Buckel in der Mitte. Der Rand bleibt lange Zeit eingerollt. Die Farbe ist stumpf hell- bis dunkelaschgrau und in seltenen Fällen auch fast weiß. Die Hutoberfläche fühlt sich, wenn sie feucht ist, klebrig an. Sie ist glatt, wobei der Rand oft eine Schicht kleiner, feiner Härchen tragen kann. Die Mitte ist oft feinschuppig.

Die Lamellen sind gerade am Stiel angewachsen, aber bei Reife können sie auch leicht herablaufen, das heißt, die Lamellen wachsen ein kurzes Stück am Stiel herab. Die ziemlich eng bis entfernt stehenden Lamellen sind zuerst weiß, werden aber später gräulich. Sie sind mit kürzeren Lamellen (Lamelletten) untermischt und mitunter gegabelt. Die Lamellenblätter sind relativ schmal und dünn und haben eine glatte Schneide.

Der Stiel ist vier bis acht Zentimeter lang und etwa 1 bis 1,5 Zentimeter dick. Er ist zunächst weißlich, im Alter blassgrau und zylindrisch oder zur Basis hin etwas zugespitzt. Der Stiel ist fest, trocken oder feucht, zur Spitze hin ist er mit kleiigen Flöckchen besetzt. Im Alter ist die Stieloberfläche oft glatt, weist aber keine Schleimschicht auf, die für viele Schnecklinge so typisch ist und auf ein gallertiges Velum universale zurückzuführen ist.<ref name="Hesler&Smith" />

Das Fleisch ist weich und weißlich oder wässrig grau und schmeckt mild. Der Schneckling hat einen ausgeprägten Geruch nach Bittermandeln oder Kirschkernen (gelegentlich ist der Geruch schwach ausgeprägt).<ref name="Arora1986" />

Mikroskopische Merkmale

Datei:Hygrophorus agathosmus 70364.jpg
Sporen bei 1000facher Vergrößerung. Jede kleinere Unterteilung beträgt 1 µm.

Wenn sie wie bei einem Sporenabdruck in Massen betrachtet werden, erscheinen die Sporen weiß. Mit einem Lichtmikroskop betrachtet, messen die Basidiosporen 8 bis 10,5 mal 4,5 bis 5,5 Mikrometer, sie sind ellipsoid, glatt und in Melzers Reagenz gelblich. Die sporentragenden Zellen, die Basidien, sind viersporig und messen 48 bis 65 Mikrometer in der Länge und 6 bis 8 Mikrometer in der Dicke. Pleurozystiden und Cheilozystiden (Zystiden auf den Lamellenflächen beziehungsweise auf den Lamellenschneiden) sind bei dieser Art nicht vorhanden. Die Huthaut (Pileipellis) besteht aus einem breiten (175 bis 350 Mikrometer) gallertartigen Bereich, bestehend aus lose verwobenen, schlanken (1,5 bis 4 Mikrometer) Hyphen; die oberflächlichen Hyphen sind von dunkelbräunlich-grauer Farbe. Diese Hyphenanordnung ist eine sogenannte Ixocutis, in der die Hyphenwände aufquellen und gelieren und lassen die Schicht durchscheinen, die sich gegenüber dem darunterliegenden Fleisch abhebt. Die gelierte Hyphenschicht ist zäh und kann vom Hut als Film abgezogen werden.<ref name="Hesler&Smith" /> Obwohl sich Schnallenverbindungen auf dem Hyphengewebe finden, aus denen das Fleisch der Lamellen besteht, finden sich im Hutfleisch oder in der Huthaut keine.<ref name="Hesler&Smith" />

Essbarkeit und antimikrobiotische Aktivität

Datei:Hygrophorus spec. - Lindsey 1a.jpg
Mit dem Ausreifen flachen die Hüte ab und können eine mittige Eindellung entwickeln.

Der Wohlriechende Schneckling ist essbar, wird aber als nichtssagend angesehen.<ref name="Arora1986" /> Nach einer Untersuchung der antioxidativen Potenzials des Pilzes enthält er mindestens fünf organische Säuren: Oxal-, Citronen-, Äpfel-, China- und Fumarsäure.<ref name="Carboxylic" /> Nach einem Standard-Labortest zur Feststellung der antimikrobiellen Aktivität zeigte der Wohlriechende Schneckling eine Hemmung des Wachstums verschiedener pathogener Bakterien einschließlich Escherichia coli, Klebsiella aerogenes (ehemals Enterobacter aerogenes), Salmonella typhimurium, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis und Bacillus subtilis; er hemmt auch das Wachstum der Hefen Candida albicans und Saccharomyces cerevisiae.<ref name="Antimicrobial" />

Artabgrenzung

Ähnlich ist der erst 2018 beschriebene Hygrophorus suaveolens, der ebenfalls nach Bittermandeln riecht, aber ausschließlich bei Kiefern vorkommt, recht spät im Jahr (Oktober bis Dezember) wächst und meist eine deutlich dunklere Hutmitte hat.<ref>Ellen Larsson, Jesko Kleine, Stig Jacobsson, Michael Krikorev: Diversity within the Hygrophorus agathosmus group (Basidiomycota, Agaricales) in Northern Europe. In: Mycological Progress. Band 17, Nr. 12, 1. Dezember 2018, ISSN 1861-8952, S. 1293–1304, doi:10.1007/s11557-018-1445-y.</ref>

Der Schwarzpunktierte Schneckling (Hygrophorus pustulatus) ähnelt dem Wohlriechenden Schneckling, hat jedoch keinen Bittermandelgeruch, kleinere Fruchtkörper und größere Sporen (11 bis 14 Mikrometer lang). Hygrophorus occidentalis, der unter Nadelbäumen oder Eichen wächst, hat einen klebrigen Stiel und einen weniger ausgeprägten Geruch.<ref name="Arora1986" /> Der seltene Märzschneckling (Hygrophorus marzuolus) kommt im Frühjahr vor, wird deutlich größer und kräftiger, hat einen unauffälligen Geruch und kleinere Sporen als der Wohlriechende Schneckling.<ref name="Hesler&Smith" />

Habitat und Verbreitung

Der Wohlriechende Schneckling ist ein Ektomykorrhiza-Pilz, der hauptsächlich mit Fichten in Symbiose lebt.<ref>brd.pilzkartierung.de</ref> Er wurde isoliert, gezüchtet und in Reinkultur als vegetativ vermehrtes Inokulum gehalten für das künstliche Mykorrhizieren des Pflanzgutes von Forstbaumschulen.<ref name="Repac" /> Fruchtkörper finden sich in den Vereinigten Staaten verteilt unter Fichten, Kiefern und in Mischwäldern. Der Pilz ist auch in Europa (Tschechien,<ref name="Holec" /> Polen,<ref name="Kornas" /> Russland,<ref name="Kovalenko" /> der Türkei<ref name="Demirel" /> und im Vereinigten Königreich<ref>Grid map of records on the Gateway for Almond Woodwax (Hygrophorus agathosmus). In: National Biodiversity Network Gateway. National Biodiversity Network, abgerufen am 22. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>), sowie in Afrika und Indien verbreitet.<ref name="Agaricales" />

Taxonomie und Systematik

Die Art wurde von dem schwedischen Mykologen Elias Magnus Fries 1815 ursprünglich als Agaricus agathosmus benannt;<ref name="Observationes" /> er verlegte sie 1838 in die Gattung Hygrophorus.<ref name="Epicrisis" /> In der Zwischenzeit benannte 1836 der englische Naturforscher Miles Joseph Berkeley die Art Agaricus cerasinus,<ref name="English" /> wobei auch er diese 1860 in die Gattung Hygrophorus verlegte.<ref name="Outlines" /> 1948 untersuchte Richard Dennis die Typusbeschreibungen und schloss, dass sich beide Namen auf dieselbe Art bezogen.<ref name="Dennis" /> Weitere historische Synonyme umfassen Limacium pustulatum var. agathosmum (Kummer, 1871)<ref name="Kummer" /> und Limacium agathosmum (Wünsche, 1877).<ref>Limacium agathosmum (Fr.) Wünsche 1877. In: MycoBank. International Mycological Association, 13. April 2006, abgerufen am 23. Januar 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

In ihrer 1963 erschienenen Monographie über die Hygrophorus-Arten Nordamerikas klassifizierten die amerikanischen Mykologen Lexemuel Ray Hesler und Alexander H. Smith den Wohlriechenden Schneckling in die Unterabteilung Camarophylli, einer Gruppe verwandter Arten, die durch einen trockenen Stiel und das Fehlen eines gallertartigen äußeren Velums gekennzeichnet sind.<ref name="Hesler&Smith" />

Das Art-Epitheton „agathosmus“ leitet sich aus dem griechischen Wort „agathos“ ab, welches „gut“ bedeutet, und „osme“ für „Geruch“ („agathosmus“ = „wohlriechend“).<ref name="Quattrocchi" />

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Agaricales"> Arkamitra K. Mandal, Nirmalendu Samajpati: Agaricales of West Begal VI. some mushrooms of 24-Parganas district, West Bengal. In: Journal of Mycopathological Research. Band 36, Nr. 2, ISSN 0971-3719, S. 59–65. </ref> <ref name="Antimicrobial"> </ref> <ref name="Arora1986"> </ref> <ref name="Carboxylic"> </ref> <ref name="Demirel"> </ref> <ref name="Dennis"> </ref> <ref name="English"> </ref> <ref name="Epicrisis"> </ref> <ref name="Hesler&Smith"> </ref> <ref name="Holec"> </ref> <ref name="Kornas"> </ref> <ref name="Kovalenko"> </ref> <ref name="Kummer"> Paul Kummer: Der Führer in die Pilzkunde. Anleitung zum methodischen, leichten und sichern Bestimmen der in Deutschland vorkommenden Pilze, mit Ausnahme der Schimmel- und allzu winzigen Schleim- und Kern-Pilzchen. 1. Auflage. Verlag von E. Luppe’s Buchhandlung, Zerbst 1871, S. 119 (archive.org). </ref> <ref name="Observationes"> </ref> <ref name="Outlines"> </ref> <ref name="Quattrocchi"> </ref> <ref name="Repac"> </ref> </references>

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