Gerhard Kapl
Gerhard Kapl (* 11. November 1946 in Wels; † 25. Juli 2011 in Graz) war ein österreichischer Fußballschiedsrichter und Fußballfunktionär<ref name="Kleine Zeitung 26.07.2011">Achim Schneyder: Ein Leben für den Fußball. Kleine Zeitung, 26. Juli 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 17. September 2011.</ref>. Beruflich war Gerhard Kapl ein Spitzenbeamter in der steiermärkischen Landesregierung.<ref name="Lebenslauf">Steirischer Fußballverband: Lebenslauf DDr. Gerhard Kapl (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot (PDF-Dokument, 155 kB; abgerufen am 28. Juli 2011)</ref>
Lebenslauf
Gerhard Kapl verlor bereits früh seinen Vater und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.<ref name="Kleine Zeitung Fotostrecke">Kleine Zeitung: Gerhard Kapl – ein Porträt (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot (abgerufen am 1. August 2011)</ref> Nachdem Kapl 1965 am Gymnasium der Abtei Schlierbach die Matura mit Auszeichnung abgelegt hatte, inskribierte er an der Universität Graz. Dort studierte er Rechtswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und Staatswissenschaften und schloss alle drei Studien 1970, 1974 und 1974 als doppelter Magister und doppelter Doktor ab.
Nach seinem Studium trat Kapl einen Beruf als Kostenverantwortlicher in der Privatwirtschaft an. 1977 trat er in den Landesdienst ein und absolvierte sein Ausbildungsjahr in der Bezirkshauptmannschaft Feldbach. 1978 wurde Kapl mit dem Aufbau und später mit der Leitung des Prüf-, Kontroll- und Beschwerdereferates in der A15 beauftragt. Spätestens ab den 1980er Jahren gehörte er der Aufsichtsbehörde der Gemeinnützigen Baugenossenschaften an.<ref>180 Wohnungen in Planung. In: Stadt Leoben. Amtliche Nachrichten und Informationen. Nr. 2/21, Februar 1990, S. 13.</ref> Im Juni 1994 wurde er Vorstand der steirischen Landesbuchhaltung. Ebenfalls 1994 wurde Kapl, nachdem er schon von 1989 bis 1993 die Funktion des Stellvertreters bekleidet hatte, Disziplinaranwalt der steirischen Landesregierung.<ref name="Lebenslauf" /> Aufgrund seines erfolgreichen Wirkens wurde Kapl der Berufstitel Hofrat verliehen; die höchste Auszeichnung, die ein Landesbeamter erreichen kann.
Bei Kapl, der als Workaholic galt, stellten sich 2009 gesundheitliche Probleme ein. Im Zuge einer schweren Herzoperation wurden ihm vier Bypässe eingesetzt. Er starb am 25. Juli 2011 infolge einer im Herbst 2010 diagnostizierten Erkrankung.<ref name="Kronenzeitung 26.07.2011">Kronen Zeitung vom 26. Juli 2011: Ex-Schiedsrichter Gerhard Kapl gestorben (abgerufen am 28. Juli 2011)</ref> Kapl, der 2011 in Pension gehen wollte, war verheiratet, hatte drei Kinder und drei Enkelkinder.<ref name="Kleine Zeitung 26.07.2011" />
Karriere im Fußball
Als Schiedsrichter
Neben seiner erfolgreichen beruflichen Laufbahn machte Gerhard Kapl eine noch erfolgreichere Laufbahn im Fußballsport. Bereits m Alter von 20 Jahren legte er die Prüfung zum Fußballschiedsrichter ab, die ihn 1980 in die zweithöchste Spielklasse und drei Jahre später bis in die österreichische Bundesliga führte. Am 30. September 1983 leitete Kapl mit der Begegnung SC Eisenstadt gegen SK VOEST Linz sein erstes Spiel in der höchsten österreichischen Liga, dem in den folgenden zehn Saisonen 92 weitere Spiele folgen sollten. Am 28. November 1992 beendete Kapl mit der Begegnung SK Vorwärts Steyr gegen VfB Mödling (3:2) aus Altersgründen seine aktive Laufbahn als Fußballschiedsrichter.<ref>Anton Egger/Kurt Kaiser in Österreichs Fussball Bundesliga von A bis Z, Chronik ab 1974; Verlag Anton Egger, Wasendorf (1995); ISBN 3-9500332-1-1</ref>
Mit 1. Jänner 1988 wurde Kapl in die Liste der FIFA-Schiedsrichter aufgenommen und kam bei 40 internationalen Spielen zum Einsatz.<ref name="Kleine Zeitung 26.07.2011" /><ref name="Kronenzeitung 26.07.2011" /> Höhepunkt seiner internationalen Schiedsrichterlaufbahn waren die Leitung des Spieles Olympique Marseille gegen Sparta Prag (3:2) am 23. Oktober 1991 im Europapokal der Landesmeister<ref>weltfussball.at: Olympique Marseille vs Sparta Praha 3:2 (abgerufen am 1. August 2011)</ref> sowie das Qualifikationsspiel zur Fußballeuropameisterschaft Griechenland gegen Finnland (2:0) am 30. Oktober 1991 im Olympiastadion in Athen.<ref>transfermarkt.at: Griechenland gegen Finnland (2:0) (abgerufen am 1. August 2011)</ref>
Als Funktionär
Nach dem Ausscheiden aus der aktiven Schiedsrichterlaufbahn begann Kapl eine Karriere als Fußballfunktionär. 1993 wurde er als Mitglied in die Bundesliga-Schiedsrichterkommission aufgenommen.
Seine internationale Funktionärslaufbahn startete Kapl 1994, als er als Delegierter der UEFA und der FIFA bei internationalen Spielen eingesetzt wurde.<ref name="Lebenslauf" />
1997 wurde Kapl zum Vorsitzenden der österreichischen Bundesliga-Schiedsrichterkommission bestellt.
Dank seiner juristischen Kenntnisse wurde Kapl 1998 mit dem Amt als Generalinspektor der UEFA betraut und somit als „General-Staatsanwalt“ und „Chefankläger“ tätig.<ref name="Lebenslauf" /> In dieser Funktion war er unter anderem bei der Fußball-Europameisterschaft 2004, der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, Fußball-Europameisterschaft 2008 und zuletzt der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 tätig. Anlässlich der WM 2006 in Deutschland hatte Kapl die Sicherheitsverantwortung für insgesamt elf Spiele, darunter auch das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica (4:2) in München und das Finale in Berlin Italien gegen Frankreich (1:1 nach Verlängerung, 5:3 im Elfmeterschießen). Bei der WM 2010 in Südafrika war er für die Sicherheit der Spiele in der Soccer City in Johannesburg und somit auch für das Eröffnungsspiel Südafrika gegen Mexiko (1:1) und das Endspiel Niederlande gegen Spanien (0:1 nach Verlängerung) verantwortlich. Neben mehreren Dopingfällen und anderen Vergehen, zählten vor allem die „Spuckaffären“ von Francesco Totti und von Alexander Frei (beide während der EM 2004) zu den spektakulärsten Fällen, die Kapl abzuarbeiten hatte.<ref name="Kleine Zeitung 30.05.2010">Thomas Plauder in Kleine Zeitung vom 30. Mai 2010: Er steht bereits im WM-Finale (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2022. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot (abgerufen am 28. Juli 2011)</ref><ref>Der Standard vom 26. Juli 2011: Gerhard Kapl gestorben (abgerufen am 1. August 2011)</ref>
Ebenso arbeitete Kapl als Disziplinarinspektor und Stadionexperte für die UEFA.<ref name="UEFA">UEFA.com: UEFA und Österreich trauern um Gerhard Kapl (abgerufen am 1. August 2011)</ref> Für den hochrangigen Spitzenfunktionär war es „normal“, für FIFA und UEFA jährlich knapp 600.000 Flugmeilen zurückzulegen.<ref name="Kleine Zeitung Fotostrecke" />
Neben diesen Großereignisse zählten Einsätze im Supercup-Finale Real Madrid gegen Feyenoord Rotterdam (in Monaco), im UEFA-Cup Semifinale AC Mailand gegen Borussia Dortmund, im Champions-League-Semifinale Inter Mailand gegen AC Milan, im Champions-League-Semifinale AS Monaco gegen FC Chelsea sowie im Champions-League-Finale FC Liverpool gegen AC Mailand (in Istanbul) zu den Höhepunkten seiner Funktionärskarriere. Insgesamt stehen mehr als 200 internationale Einsätze als UEFA- und FIFA-Delegierter zu Buche.<ref name="Lebenslauf" /> Als einer von wenigen Fußballfunktionären konnte Kapl darauf verweisen, in allen 53 Mitgliedsländern der UEFA im Einsatz gewesen zu sein.
In seiner Heimat blieben die Fähigkeiten Kapls ebenso nicht verborgen, weshalb er 1999 mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten des Steirischen Fußballverbandes (StFV) gewählt wurde. Dieser Bestellung sollten drei weitere Wahlen – die letzte davon am 29. Jänner 2011 – folgen.<ref name="Kleine Zeitung 26.07.2011" /> 2003 wurde er zum Vize-Präsidenten des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) bestellt, wo er für Rechts-, EU- und Schiedsrichterangelegenheiten sowie für die Satzungen des ÖFB verantwortlich war. Seit 2004 war Kapl zudem Vorsitzender der Schiedsrichterkommission des ÖFB.<ref name="Lebenslauf" />
In Fußballkreisen zeigte man sich vom Ableben Kapls tief betroffen. Sowohl die UEFA als auch die FIFA würdigten das erfolgreiche Wirken von Kapl als Fußballschiedsrichter und vor allem als Fußballfunktionär.<ref name="UEFA" /><ref>FIFA.com: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. (abgerufen am 1. August 2011)</ref> FIFA-Präsident Sepp Blatter, der zu den Du-Freunden Kapls gezählt hatte, würdigte in einem persönlichen Schreiben die „in vielfältiger Weise hervorragenden Dienste“ von Gerhard Kapl.<ref>FIFA.com: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />In Gedenken an MMag. DDr. Gerhard Kapl ( vom 9. März 2016 im Internet Archive) (PDF-Dokument, 529 kB; abgerufen am 1. August 2011)</ref>
Auszeichnungen
- Silbernes Ehrenzeichen des ÖFB für Schiedsrichter (2. Juni 1989)
- Goldenes Ehrenzeichen des ÖFB für Schiedsrichter (3. Juni 1992)
- Goldene Ehrennadel des Steirischen Fußballverbandes (15. März 1986)
- Goldenes Ehrenzeichen des Steirischen Fußballverbandes (5. Februar 1995)
- Sportehrenzeichen für besondere Verdienste in Gold des Landes Steiermark (3. Dezember 2001)
- Großes Ehrenzeichen des Landes Steiermark (14. Dezember 2004)
- Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (11. September 2010)
Weblinks
- Fußballverbandschef Gerhard Kapl gestorben auf ORF.at
- worldreferee.com: Gerhard Kapl (englisch)
- weltfussball.at: Steckbrief Gerhard Kapl
- transfermarkt.at: Profil Gerhard Kapl
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kapl, Gerhard |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Fußballschiedsrichter |
| GEBURTSDATUM | 11. November 1946 |
| GEBURTSORT | Wels, Österreich |
| STERBEDATUM | 25. Juli 2011 |
| STERBEORT | Graz |
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- FIFA-Schiedsrichter (Österreich)
- Fußballfunktionär (Österreich)
- Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich (1952)
- Träger des Großen Ehrenzeichens des Landes Steiermark
- Hofrat (Berufstitelträger)
- Absolvent der Universität Graz
- Österreicher
- Geboren 1946
- Gestorben 2011
- Mann