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August Keim

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August Keim, um 1915

August Justus Alexander Keim (* 25. April 1845 in Marienschloß bei Rockenberg; † 12. Januar 1926 in Jugenheim an der Bergstraße)<ref>Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 5: Hitz–Kozub. 2. Auflage, Saur, München 2006, ISBN 978-3-598-25035-4, S. 559.</ref> war ein preußischer Generalleutnant, Mitbegründer des Deutschen Flottenvereins sowie 1912 Begründer und Vorsitzender des Deutschen Wehrvereins.<ref>Gordon A. Craig: Deutsche Geschichte 1866-1945. Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber, 2. Aufl., Beck, München 1999, ISBN 3-406-42106-7, S. 322.</ref>

Leben

Keim trat am 31. Oktober 1862 als Dreijährig-Freiwilliger mit Aussicht auf Beförderung in das 4. Infanterie-Regiment „Prinz Carl“ der Großherzoglich Hessischen Armee ein und avancierte am 16. Juni 1866 zum Leutnant. Im gleichen Jahr nahm er am Krieg gegen Preußen teil, wurde wegen „vorzüglichen Benehmens vor dem Feinde“ im Gefecht bei Laufach belobigt sowie im Gefecht bei Gerchsheim durch einen Schuss in das linke Fußgelenk schwer verwundet. Nach dem Krieg war er ab Mitte Juli 1867 im 2. Jäger-Bataillon tätig und wurde Anfang Mai 1869 in sein Stammregiment rückversetzt. 1870/71 nahm Keim als Premierleutnant und Regimentsadjutant am Krieg gegen Frankreich teil. Für sein Wirken verlieh ihm Großherzog Ludwig III. am 12. Mai 1871 sein Militär-Verdienstkreuz.<ref>Verzeichnis der mit Großherzoglich Hessischen Orden und Ehrenzeichen dekorierten Personen. 1875. Darmstadt, S. 74. (Digitalisat)</ref>

Durch die Militärkonvention wurde Keim am 1. Januar 1872 mit einem Patent vom 25. November 1871 in den Verbund der Preußischen Armee übernommen. Mitte Februar 1877 folgte seine Kommandierung als Adjutant der 44. Infanterie-Brigade. Unter Belassung in diesem Kommando wurde er Ende März 1878 in das 3. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 16 versetzt. Mit der Beförderung zum überzähligen Hauptmann trat Keim Ende September in den Truppendienst zurück und wurde Anfang Dezember 1878 zum Kompaniechef ernannt. Unter Stellung à la suite seines Regiments wurde er am 17. September 1882 in den Nebenetat des Großen Generalstab nach Berlin versetzt. Unter Belassung in dieser Stellung erfolgte Mitte Dezember 1887 seine Beförderung zum Major sowie die Versetzung à la suite in das 6. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 55. Keim wirkte vom 1. Oktober 1887 bis zum 16. April 1889 als Lehrer an der Kriegsakademie. Anschließend versah er Dienst als Bataillonskommandeur im Infanterie-Regiment Nr. 136 und war ab dem 18. April 1891 in gleicher Eigenschaft im 2. Hannoverschen Infanterie-Regiment Nr. 77 tätig. Kurzzeitig war er vom 1. Oktober 1892 bis 15. Juli 1893 zum Reichskanzler Leo von Caprivi kommandiert, avancierte Ende März zum Oberstleutnant und war nach seiner Rückkehr zum Regiment etatmäßiger Stabsoffizier. Er stieg am 18. April 1896 zum Oberst auf und war ab dem 16. Juni 1896 Kommandeur des Füsilier-Regiments „Fürst Karl-Anton von Hohenzollern“ (Hohenzollernsches) Nr. 40 in Aachen. Dieses Kommando gab er am 18. November 1898 ab und wurde mit der gesetzlichen Pension sowie der Berechtigung zum Tragen der Regimentsuniform in den Ruhestand versetzt.<ref>Militär-Wochenblatt. Nr. 104 vom 26. November 1898, S. 2678.</ref> Anlässlich seiner Verabschiedung wurde Keim mit dem Kronenorden II. Klasse ausgezeichnet.<ref>Militär-Wochenblatt. Nr. 105 vom 30. November 1898, S. 2696.</ref>

Am 18. Januar 1901 erhielt er den Charakter als Generalmajor<ref>Militär-Wochenblatt. Nr. 6 vom 18. Januar 1901, S. 122.</ref> und Ende April 1903 die Erlaubnis zur Annahme des Komturkreuzes I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen.<ref>Großherogliche Ordenskanzlei (Hrsg.): Großherzoglich Hessische Ordensliste. 1909. Darmstadt 1909, S. 196.</ref>

Im Ersten Weltkrieg wurde Keim wiederverwendet und er war zunächst Landsturminspektor in Lüttich sowie später Militärgouverneur der Provinz Limburg im besetzten Belgien. In dieser Stellung erhielt er am 9. Juli 1916 den Charakter als Generalleutnant.<ref>Militär-Wochenblatt. Nr. 12/13 vom 15. Juli 1916, S. 264.</ref>

Er sah sich als Militärschriftsteller u. a. in der Deutschen Gedenkhalle (National-Verlag, Berlin), er war Schriftleiter der Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine 1903 bis 1914 und war vielfach militärisch und militärpolitisch in der Tagespresse tätig. Diese seine Tätigkeit führte auch zum Ende seiner preußisch-militärischen Laufbahn, als er am 12. Dezember 1898 seinen Abschied nahm. Der Abschied war ihm aufgrund öffentlicher Kritik an der Politik des Kaisers nahegelegt worden.

Zwischen 1901 und 1908 saß Keim im Vorstand des Deutschen Flottenvereins, anfangs als Beisitzer, zuletzt als geschäftsführender Vorsitzender. Zusammen mit dem Präsidenten Otto Fürst zu Salm-Horstmar und dem Vorstandsmitglied Generalmajor z.D. Wilhelm Menges war er in diesen Jahren die prägende Persönlichkeit im Flottenverein, der mit seinen kompromisslosen, radikalnationalen Ansichten sowohl innerhalb wie außerhalb des Vereins polarisierte. 1907 äußerte er etwa die Ansicht, er verzichte gerne auf die Mitgliedschaft von Katholiken im Flottenverein.<ref>Engelbert Bröckerhoff: Kriegerverein und Flottenverein, in: Schlesische Volkszeitung Nr. 187, 25. April 1907, S. 1.</ref> Nach jahrelangem, heftig geführten vereinsinternen Streit musste Keim im Januar 1908 zusammen mit seinen Vorstandskollegen zurücktreten und spielte fortan keine Rolle mehr im Flottenverein.<ref>Sebastian Diziol: „Deutsche, werdet Mitglieder des Vaterlandes!“ Der Deutsche Flottenverein 1898-1934. Solivagus Praeteritum, Kiel 2015, ISBN 978-39817079-0-8. S. 64–83.</ref>

Von 1911 bis 1919 gehörte Keim zur Hauptleitung des Alldeutschen Verbands.<ref>Rainer Hering: Konstruierte Nation: der Alldeutsche Verband 1890 bis 1939. Christians, Hamburg 2003, S. 129.</ref>

1912 war er einer der Mitbegründer und treibenden Kräfte des Deutschen Wehrvereins.<ref>Marilyn Shevin Coetzee: The German Army League. Popular Nationalism in Wilhelmine Germany. Oxford University Press, Oxford 1990, ISBN 978-0195061093.</ref>

Am 14. November 1901 erhielt Keim 25.000 Reichsmark von Krupp. 1909 erhielt er von Krupp einmalig 20.000 Reichsmark, und ab 1910 10.000 Reichsmark jährlich für den „vaterländischen Schriftenverband“.<ref>Michael Epkenhans: Die wilhelminische Flottenrüstung 1909-1914. Weltmachtstreben, industrieller Fortschritt, soziale Integration. München 1991, S. 165 f.</ref>

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Keims Schriften Graf Schlieffen. Eine Studie im Zusammenhange mit dem Weltkriege (= Politische und militärische Zeitfragen. Heft 32, Georg Bath, Berlin 1921.) und Prinz Max von Baden (= Reichsverderber. Teil 2, Georg Bath, Berlin 1922.) in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.<ref>http://www.polunbi.de/bibliothek/1948-nslit-k.html</ref><ref>http://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-q.html</ref>

Schriften

  • Warum muß Deutschland seine Wehrmacht verstärken? Mittler, Berlin 1893.
  • Geschichte des 4. Großherzoglich Hessischen Infanterie-Regiments (Prinz Karl) Nr. 118 und seiner Stämme 1699–1878. Mittler & Sohn, Berlin 1879.
  • Geschichte des Infanterie-Leibregiments Großherzogin (3. Großherzogl. Hessisches) Nr. 117 und seiner Stämme 1677–1902. Bath, Berlin 1903.
  • Ein Warner und Mahner. Vaterländischer Schriftenverband, Berlin 1912.
  • Belgien und das deutsche Wirtschaftsleben. Wilhelma, Berlin [um 1918].
  • Die Schuld am Weltkriege. Deutsche Zeitung, Berlin 1919.
  • Graf Schliefen. Georg Bath, Berlin 1921.
  • Prinz Max von Baden und das Kriegskabinett. Bath, Berlin 1922.
  • Erlebtes und Erstrebtes. Lebenserinnerungen. Ernst Letsch Verlag, Hannover 1925.

Literatur

  • Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien. 32. Band, Verlag C. A. Starke, Görlitz 1920.
  • Ernst-August von Mansberg: Offizier-Stammliste des Königlich Preußischen Infanterie-Regiments Graf Bülow von Dennewitz (6. Westfälischen) Nr. 55 vormals 6. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 55. Mittler & Sohn, Berlin 1900, S. 183–184.

Weblinks

Commons: August Keim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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