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Pirquitasit

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Pirquitasit
Datei:Pirquitasite-Toyohaite-rar09-wp14b.jpg
Pirquitasit (Pfeil) und Toyohait auf Sulfidmatrix aus der Typlokalität Ag-Sn-Lagerstätte Pirquitas, Departamento Rinconada, Argentinien
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1980-091<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Pi<ref name="Warr" />

Chemische Formel Ag2ZnSnS4<ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/C.06-120<ref name="Lapis" />

2.CB.15a
02.09.02.07
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-disphenoidisch; 4
Raumgruppe I4 (Nr. 82)Vorlage:Raumgruppe/82<ref name="Schumer-et-al" />
Gitterparameter a = 5,7757 Å; c = 10,870 Å<ref name="Schumer-et-al" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="Schumer-et-al" />
Zwillingsbildung polysynthetisch<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4<ref name="Lapis" /> (VHN25 = 170–251 kg/mm2<ref name="Handbookofmineralogy" />)
Dichte (g/cm3) berechnet: 4,822<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit fehlt<ref name="Lapis" />
Farbe bräunlichgrau mit internen roten Reflexionen<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe bräunlichgrau<ref name="Lapis" />
Transparenz undurchsichtig (opak)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Metallglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />

Pirquitasit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Ag2ZnSnS4<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Silber-Zink-Zinn-Sulfid.

Pirquitasit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form von unregelmäßigen Körnern bis etwa 0,5 mm Größe entdeckt werden. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den im Auflicht bräunlichgrauen Kristalliten mit internen roten Reflexionen einen metallischen Glanz.

Etymologie und Geschichte

Datei:ISS029-E-9497 - View of Argentina (cropped).jpg
Sicht von der ISS aus auf den Tagebau der Ag-Sn-Lagerstätte „Pirquitas“

Pirquitasit wurde erstmals in der Silber-Zinn-Lagerstätte „Pirquitas“ Welt-Icon

 {{#coordinates:−22,685833333333|−66,541666666667|
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   |globe=
   |name=Tagebau Pirquitas, Rinconada, Argentinien
   |region=AR-Y
   |type=landmark
  }} im Departamento Rinconada der argentinischen Provinz Jujuy entdeckt. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Zdeněk Johan (1935–2016) und Paul Picot (* 1931), die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.

Johann und Picot sandten ihre Untersuchungsergebnisse 1980 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1980-091<ref name="IMA-Liste" />), die den Pirquitasit als eigenständige Mineralart anerkannte. Publiziert wurde die Erstbeschreibung 1982 im französischen Fachmagazin Bulletin de Minéralogie. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Pirquitasit lautet „Pi“.<ref name="Warr" />

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Mines ParisTech (ENSM) unter der Katalognummer 51364 (CT) aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

Da der Pirquitasit erst 1980 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.06-120. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Pirquitasit zusammen mit Barquillit, Briartit, Černýit, Famatinit, Ferrokësterit, Hocartit, Kësterit, Keutschit, Kuramit, Luzonit, Permingeatit, Petrukit, Rhodostannit, Sakuraiit, Stannit, Toyohait und Velikit die „Stannitgruppe“ mit der Systemnummer II/C.06 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Pirquitasit ebenfalls in die Abteilung der „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Zink (Zn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Silber (Ag) usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Černýit, Ferrokësterit, Hocartit, Idait, Kësterit, Kuramit, Stannit und Velikit die „Stannitgruppe“ mit der Systemnummer 2.CB.15a bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Pirquitasit die System- und Mineralnummer 02.09.02.07. Auch dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“, wo das Mineral zusammen mit Barquillit, Briartit, Černýit, Ferrokësterit, Hocartit, Kësterit, Kuramit, Sakuraiit, Stannit und Velikit in einer unbenannte Gruppe/die „Stannitgruppe (Tetragonal: I42m) A2BCS-Typ“ mit der Systemnummer 02.09.02 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Selenide und Telluride – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 1 : 1“ zu finden ist.

Chemismus

In der idealen Zusammensetzung von Pirquitasit (Ag2ZnSnS4) besteht das Mineral im Verhältnis aus zwei Teilen Silber (Ag), je einem Teil Zink (Zn) und Zinn (Sn) sowie vier Teilen Schwefel (S). Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 40,85 Gew.-% Ag, 12,39 Gew.-% Zn, 22,48 Gew.-% Sn und 24,29 Gew.-% S.<ref name="Mineralienatlas" />

Insgesamt 21 Elektronenmikrosonden-Analysen ergaben allerdings aufgrund der umfangreichen Mischkristallbildung zwischen Pirquitasit und Hocartit (Ag2FeSnS4<ref name="IMA-Liste" />) von 12 bis 67 Mol-%, bei der Zink gegen Eisen (Fe) ausgetauscht wird, eine abweichende Zusammensetzung. Das Mineralkorn, das der theoretischen Endgliedformel am nächsten kommt, besteht aus 39,72 Gew.-% Ag, 11,40 Gew.-% Zn, 23,12 Gew.-% Sn und 24,42 Gew.-% S sowie 1,31 Gew.-% Fe und als formelfremde Beimengung 0,06 Gew.-% Cu.<ref name="Dunn-et-al" />

Auf der Basis von 8 Atomen pro Formeleinheit ergibt sich daraus die empirische Formel (Ag1,93Cu0,01)Σ=1,94(Zn0,92Fe0,12)Σ=1,04Sn1,02S4,00 oder idealisiert (Ag,Cu)2(Zn,Fe)SnS4.<ref name="Dunn-et-al" />

Kristallstruktur

Pirquitasit kristallisiert in der tetragonalen Raumgruppe I4 (Raumgruppen-Nr. 82)Vorlage:Raumgruppe/82 mit den Gitterparametern a = 5,7757 Å und c = 10,870 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Schumer-et-al" />

Bildung und Fundorte

Pirquitasit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in subvulkanischen, polymetallischen Gangsystemen. An seiner Typlokalität Pirquitas, deren Lagerstätte das äußerste südliche Ende des sogenannten „Bolivianischen Zinn-Gürtels“ darstellt,<ref name="Mineralienatlas-Typlokalität" /> fand sich das Mineral in Paragenese mit Aramayoit, Chalkostibit, Franckeit, Hocartit, Kassiterit, Kësterit, Markasit, Miargyrit, Pyrit, Rhodostannit, Stannit und Wurtzit.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Pirquitasit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, von denen bisher nur wenige Proben aus weniger als 10 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025).<ref name="Fundorte" /> Seine Typlokalität, der Tagebau Pirquitas mit einigen untergeordneten Fundpunkten im Departamento Rinconada ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Argentinien.

Der ebenfalls bisher einzige Fundort in Europa ist ein Tagebau in einer hydrothermal umgewandelten, subvulkanischen porphyrischen Au-Ag-Lagerstätte bei Roșia Montană (auch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) in der rumänischen Region Siebenbürgen.

Des Weiteren konnte Pirquitasit nur noch im Bergbaurevier Santa Fé in der Provinz Pantaleón Dalence (Oruro) und in der 6 de Agosto Mine am Cerro Rico (auch Cerro de Potosí) bei Potosí in Bolivien sowie in der Toyoha-Mine bei Minami-ku (Sapporo) in der japanischen Präfektur Hokkaidō und in der Uchucchacua Mine nahe Oyón im Nordosten der Region Lima in Peru gefunden werden.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Pirquitasite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Dunn-et-al"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Pirquitasit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 8. Februar 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – P. (PDF 296 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 9. Februar 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Pirquitasit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 11. Februar 2025. </ref> <ref name="Mineralienatlas-Typlokalität"> Pirquitas Ag-Sn-Lagerstätte, Departamento Rinconada, Provinz Jujuy, Argentinien. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 11. Februar 2025. </ref> <ref name="Schumer-et-al"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>