Albrecht Wilhelm Tronnier
Albrecht Wilhelm Tronnier (* 19. Februar 1902 in Göttingen; † 1. Dezember 1982 ebenda<ref>grabsteine.genealogy.net Familiengrab</ref>) war ein einflussreicher deutscher Optik-Konstrukteur des 20. Jahrhunderts. Allein in Deutschland wurden von Tronnier 124 Patente erfolgreich angemeldet.<ref>Patentrecherche bei DEPATISnet, abgerufen am 14. Juli 2011</ref>
Berufliche Stationen
Schneider Kreuznach
Tronnier trat am 1. Oktober 1924 als Leiter des wissenschaftlich-mathematischen Büros in die Jos. Schneider Optische Werke in Bad Kreuznach ein.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jubiläumsbroschüre der Firma Jos. Schneider (1938) ( vom 11. Oktober 2011 im Internet Archive)</ref> Er begann dort mit einer Reorganisation des Fertigungsprogramms. Während der Leitung von Tronnier wurden u. a. entwickelt und patentiert:
- 1926: Xenar 1:4,5
- 1929: Aero-Xenar 1:4,5 für die Fairchild Corporation (USA),
- 1930: Angulon 1:6,8; DRP 579788Weitwinkel-Objektiv,<ref>H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 162</ref>
- 1932: Kino-Xenon 1:1,5
- 1934: Xenon (Objektiv) 1:2,0 (Kleinbild, Fernsehaufnahme, Kopiergeräte)<ref>H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 152, 217</ref>
- 1935: Neu-Rechnung Xenar 1:2,8 und 1:3,5 (Kleinbild); DRP 667453 und 753329 sowie US-Patent 2.084.714<ref>H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 137</ref>
- 1935: Aero-Xenar 1:3,5
- 1935: Erweiterung des Kino-Xenon 1:1,5/50 mm zum LEICA-Xenon.
Die von Tronnier entwickelten Objektive waren auch militärisch von hoher Bedeutung. Wichtige Kriegsgüter waren beispielsweise die ab 1934 entwickelten Aero-Xenare für die Luftaufklärung. So wurde das 1934 entwickelte Xenon 1:2.0 ab 1936 als Luftwaffen-Handkamera mit 12,5 cm Brennweite für 7 × 9 cm Negative eingesetzt und bei ISCO (siehe unten) 54.950 Mal gebaut.<ref>Abbildung an Handkamera, abgerufen am 16. Oktober 2016</ref>
ISCO Göttingen
Am 1. Juli 1936 übernahm Stefan Roeschlein die Aufgabe von Tronnier, der den Aufbau des Göttinger Schwesterbetriebs von Schneider, ISCO, übernommen hatte. In der am 30. März 1936 als "Jos. Schneider & Co., Optische Werke, Göttingen, KG" gegründeten ISCO wurde Tronnier zum Geschäftsleiter und Prokuristen bestellt.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jubiläumsbroschüre der Firma Jos. Schneider (1938) ( vom 11. Oktober 2011 im Internet Archive)</ref> Zum Ausbau der Rüstungsproduktion von Schneider beschleunigte das Reichs-Luftfahrtministerium den Aufbau einer hochspezialisierten Göttinger Fabrik. In Ergänzung zu den Aero-Xenaren wurden unter Tronniers Leitung in Göttingen dann die hoch-lichtstarken Nacht-Xenone für die Luftaufklärung entwickelt:
- 1940: Nacht-Xenon 1:1,5/300 mm,
- 1943: Nacht-Xenon 1:2,2/300 mm,
- 1943: Nacht-Xenon 1:2,3/400 mm,
- 1944: Nacht-Xenon 1:1,7/300 mm.
International wurde das 1937 entwickelte Xenar 1:2,8 auch als Kodak-Ektar 1:2,8 verkauft.
In den 1940er-Jahren arbeitete Tronnier auch an der Entwicklung von militärischen Großbinokularen für die Flugzeugbeobachtung und -identifikation. Für diesen Zweck entwarf er insbesondere Ultra-Weitwinkel Okulare mit einem scheinbaren Gesichtsfeld von 82° und 110°.<ref>R. W. Gordon (2007) A Chronological History of Smyth & Barlow Lenses. online verfügbar, abgerufen am 5. September 2011.</ref>
Farrand Optical Company, New York
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hielt sich Tronnier zumindest zeitweilig in den USA auf. Für die Farrand Optical Company arbeitete er an der Entwicklung des Militär-Feldstechers T14 (7*50).<ref>R. W. Gordon (2007) A Chronological History of Smyth & Barlow Lenses. online verfügbar, abgerufen am 5. September 2011.</ref> Mitte bis Ende 1950er Jahre reichte Tronnier mit Wohnsitz in New York mehrere Patente für Farrand ein (z. B. Nr. 2.807.983 für ein lichtstarkes, modifiziertes Gaußsches Doppelobjektiv; Nr. 2.923.203 für ein lichtstarkes Objektiv mit großem Bildwinkel; ebenso: 2.837.009). Ein Patent für extrem lichtstarkes Objektiv (bis 1:1,2 und darunter) wurde von ihm für Farrand 1955 eingereicht (Nr. 2.861.500).
Voigtländer Braunschweig
Seit 1944 war Tronnier wissenschaftlicher Berater von Voigtländer im nahen Braunschweig.<ref>Arne Cröll (2005) Voigtländer large format lenses from 1949-1972. View Camera May/June 2005, S. 34–42; überarbeitete Online-Version (PDF; 1,6 MB), abgerufen am 24. November 2011</ref> Nach Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Tronnier, zumindest teilweise als "freier Mitarbeiter" und anfänglich auf Wunsch der englischen Besatzungsverwaltung<ref>Beleg fehlt noch</ref>, für das Braunschweiger Unternehmen Voigtländer.<ref>Pressemappe (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2014. Suche im Internet Archive )</ref> Wichtige für Voigtländer entwickelte Objektive waren
- Color-Skopar 1:2,8 (Kleinbild) bis 1:3,6 (6x9-Mittelformat); US-Patent 2.573.511; eine aus dem älteren Skopar abgeleitete Tessar-Variante<ref>H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 64, 139</ref>
- Color-Heliar 1:3,5 (6x9-Mittelformat); DBP 888772; für die Bessa II<ref>H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 143</ref>
- Ultron 1:2,0 (Kleinbild); US-Patente 2.627.204 und 2.627.205<ref>H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 77, 153</ref>
- Super-Ultron 1:0.87 (Suer-Farron 0,87),
- Nokton 1:1,5 (Kleinbild); US-Patente 2.645.155 und 2.646.721<ref>H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 153</ref> bzw. als siebenlinsige Version für Spiegelreflexkameras das ähnliche Septon.
Für Voigtländer reichte Tronnier 1956 auch ein US-Patent für ein Teleobjektiv (Nr. 2.810.322) ein.
Zeiss/Voigtländer
Ab 1956 kam Voigtländer zum westdeutschen Zeiss-Konzern. Für Zeiss/Voigtländer rechnete Tronnier bis 1970 u. a.
- Color-Ultron 1:1,8 (Zeiss-Planar 1:1,8)
- Ultron 1:1,8/50 mm.
Ehrungen
Am 14. Februar 1951 wurde A. W: Tronnier auf Vorschlag der Mathematisch-philosophischen Fakultät der Technischen Universität Braunschweig der Titel eines Doktors der Ingenieurwissenschaften ehrenhalber (Dr.-Ing. E. h.) verliehen.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bestand B2 - Akten der Ehrendoktoren ( vom 26. Juni 2013 im Internet Archive), Universitätsarchiv der Technischen Universität Braunschweig, abgerufen am 13. Juli 2011.</ref>
Literatur
- Niedersachsen Amt für Landesplanung und Statistik: Neues Archiv für Niedersachsen, Band 5, in: Veröffentlichungen des Niedersächsischen Amts für Landesplanung und Statistik, W. Dorn, Bremen-Horn, 1952, S. 69.
Literatur von A. W. Tronnier
- Albrecht Wilhelm Tronnier (1933) Die Abweichungen geneigter Bündel endlicher Oeffnung im Meridianschnitt zentrierter Linsensysteme. Union-Verlag. 4 S.
- Albrecht Wilhelm Tronnier (1935) Die moderne Optik. Elsner. 2 S.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tronnier, Albrecht Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Optik-Konstrukteur |
| GEBURTSDATUM | 19. Februar 1902 |
| GEBURTSORT | Göttingen |
| STERBEDATUM | 1. Dezember 1982 |
| STERBEORT | Göttingen |