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Ken Adam

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 18. April 2026 um 12:09 Uhr durch imported>Eugénie Pellissier (Matthes & Seitz Berlin) (Link Petra Ahne).
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Datei:Boulevard der Stars 2012 Sir Kenneth Adam (cropped).jpg
Adam bei der Einweihung seines Sternes auf dem Boulevard der Stars in Berlin (2012)

Sir Kenneth Adam, auch Ken Adam, OBE, (* 5. Februar 1921 in Berlin; † 10. März 2016 in London;<ref>Andreas Conrad: Ken Adam gestorben. Der Mann, der 007 bewaffnete. In: Der Tagesspiegel, 11. März 2016, mit Bildern aus der Ken-Adam-Ausstellung.</ref> gebürtig Klaus Hugo Adam) war ein deutsch-britischer Filmarchitekt. Adams Arbeit erlangte besondere Berühmtheit, als er in den 1960er und 1970er Jahren aufwendige Szenenbilder für mehrere James-Bond-Filme schuf. Adams bekanntestes Szenenbild ist der War Room in Stanley Kubricks Militärsatire Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (1964).<ref>AP: ‘Dr. Strangelove,’ Bond Production Designer Adam Dies at 95. In: New York Times, 10. März 2016: „In the art of production design, Adam’s work on Stanley Kubrick’s 1964 classic is widely considered among the craft’s highest achievements.“</ref> Der Regisseur Steven Spielberg hält den War Room für „das beste Szenenbild, das jemals für einen Film entworfen worden ist.“<ref>William Grimes: Ken Adam, Who Dreamed Up the Lairs of Movie Villains, Dies at 95. In: New York Times, 12. März 2016: „… it’s the best set that’s ever been designed.“</ref>

Leben

Klaus Adam wurde in einer großbürgerlichen jüdischen Berliner Familie geboren.<ref name="SZ" /> Adams Eltern Lilli und Fritz Adam waren mit den Brüdern Georg, Siegfried und Otto Adam die Eigentümer einer Warenhauskette, darunter das Sportmodegeschäft<ref>Petra Ahne: Vor 67 Jahren verließ Ken Adam Berlin – jetzt arbeitet der James-Bond-Architekt in Babelsberg: Der Baumeister der Illusionen. In: Berliner Zeitung, 16. September 2000.</ref> S. Adam in Berlin, Friedrichstraße / Ecke Leipziger Straße. Der in den 1920er Jahren errichtete Neubau war ein Eisenbeton-Gebäude mit einer damals modernen Glasfassade, das von Mies van der Rohe entworfen worden war.<ref>Entwurf für das Geschäftshaus Adam. In: Bildindex der Kunst & Architektur. Abgerufen am 15. August 2021.</ref><ref name="ttt" /> Das Unternehmen wurde 1863 von Saul David Adam gegründet und hatte Kaufhäuser in Berlin, Hamburg und Chemnitz.<ref>Nicole Büsing, Heiko Klaas: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bonds Baumeister. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 25. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mobil.pfaelzischer-merkur.de In: Pfälzischer Merkur, 29. Dezember 2014.</ref> Saul David Adam starb 1905 in Berlin. Bruder Georg Adam starb 1930 in Berlin, Siegfried Adam 1929 in Tarasp-Vulpera, Schweiz.

Klaus Adam besuchte das Französische Gymnasium.<ref name="Telegraph">Horatia Harrod: Ken Adam: the man who drew the Cold War. In: Daily Telegraph, 28. September 2008.</ref> In dieser Zeit fand er Gefallen am Kopieren von Gemälden und Skulpturen, er stellte Büsten von Goethe und Schiller her und malte Selbstporträts Van Goghs ab.<ref name="Telegraph" /> 1934 wanderte er gemeinsam mit seinen Eltern und seinen Geschwistern Dieter, Loni und Peter nach Großbritannien aus. Seine Mutter Lilli Adam betrieb in London-Hampstead eine Pension, die zu einem Treffpunkt für emigrierte Ärzte, Schauspieler und Musiker wurde.<ref name ="Adam-Archiv" /> Adam ging auf die St Paul’s School in Barnes, London. Danach studierte er Architektur an der Bartlett School of Architecture am University College London. Zugleich arbeitete er bereits in einem Architekturbüro, wo einer der jüngeren Partner ein ehemaliger Assistent von Erich Mendelsohn war.<ref>Norman Kietzmann: Interview mit Ken Adam. In: designlines.de, 9. Dezember 2008.</ref>

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war seine Familie in Gefahr, als feindliche Ausländer interniert zu werden. Doch Ken Adam meldete sich für das Royal Pioneer Corps und flog später als Jagdflieger der britischen Luftwaffe Einsätze „gegen die Nazis und Hitler, aber nicht gegen Deutschland“.<ref name="ttt">Stefanie Appel: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />50 Jahre James Bond. Wie der Designer Ken Adam den Mythos von 007 schuf. (Memento vom 9. April 2016 im Internet Archive) In: 3sat, 9. Dezember 2014.</ref> Adam hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen britischen Pass und war damit der einzige Deutsche in der britischen Luftwaffe. 1944 kam sein Bruder Dieter hinzu.

Nicht alle Angehörigen der Familie Adam konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Georg Adams Sohn Herbert wurde 1937 inhaftiert und in das KZ Dachau, 1938 in das KZ Buchenwald deportiert. Am 9. November 1939 wurde Herbert Adam mit weiteren 20 Häftlingen aus Rache für Georg Elsers Bürgerbräu-Attentat auf Hitler in München im Steinbruch des KZ Buchenwald erschossen. Georg Adams Ehefrau Hedwig starb am 14. Januar 1940 in Berlin. Ken Adams Cousin Gerhard kehrte 1969 von Brüssel nach Deutschland zurück, wo er bis 1986 lebte.

Im Jahr 1951 lernte Ken Adam bei den Dreharbeiten von The Crimson Pirate auf Ischia das italienische Mannequin Letizia Moauro kennen und heiratete sie im folgenden Jahr. Sie entwarf schon damals Handtaschen und wurde von da an seine wichtigste Beraterin.<ref>Michael Zöllner: Der Architekt, den James Bond liebte. In: B.Z., 10. Dezember 2014.</ref>

Alle seine Filmsets sind mit einem breiten Filzstift der Marke Flo-Master gezeichnet,<ref name="SZ">Felix Stephan: Film-Architektur von Ken Adam. Der fröhliche Futurist. In: Süddeutsche Zeitung, 13. Dezember 2014.</ref> der auch für viele andere Grafiker zu einem bevorzugten Arbeitsmittel wurde.<ref name="Der Tagesspiegel">Andreas Conrad: Ausstellung in der Deutschen Kinemathek. Ken Adam: Zauberer mit Zeichenstift. In: Der Tagesspiegel, 11. Dezember 2014.
Carolin Weidner: Ein großformatiges Leben. In: taz, 18. Dezember 2014.</ref>

Zum Film kam Adam in den 1950er Jahren als Szenenbildner. Seine berühmtesten Entwürfe wurden für die Filme des Perfektionisten Stanley Kubrick und für sieben Filme der James-Bond-Reihe realisiert. Künstlerisch beeinflusst waren seine Entwürfe von der Bauhaus-Architektur und dem expressionistischen deutschen Film.<ref name="Adam-Archiv" /> Der War Room aus Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (1964) hat nicht nur für Szenenbildner Filmgeschichte geschrieben. Als der damalige US-Präsident Ronald Reagan 1981 in seinen Amtssitz eingeführt worden war, erkundigte er sich nach dem Standort des War Room.<ref name="Telegraph" /> Ab 1962 entwarf Adam die immer aufwendigeren Szenenaufbauten für die erfolgreiche James-Bond-Reihe, deren Design die Filme entscheidend prägte. Adam konzipierte unter anderem die geheimen Kommandozentralen von Bonds Widersachern, die durch ihre monumentalen Ausmaße und ihre spektakuläre Konzeption auffielen (künstlicher Vulkankrater, Supertanker, Raumstation etc.). Architekten wie Daniel Libeskind bekennen, dass ihre Architektur von den Filmsets Ken Adams angeregt worden sei.<ref name="SZ" />

Ken-Adam-Archiv bei der Deutschen Kinemathek

Im September 2012 übergab Ken Adam sein künstlerisches Werk der Deutschen Kinemathek in Berlin<ref>Andreas Conrad: James Bonds Chefdesigner. In: Der Tagesspiegel, 4. September 2012.</ref>. Die Sammlung besteht aus 6200 Objekten, darunter über 4000 Zeichnungen,<ref name="Der Tagesspiegel" /> Skizzen zu Titeln aus allen Schaffensperioden, Fotoalben zu einzelnen Filmen, Storyboards seiner Mitarbeiter, Motivfotos, Erinnerungsstücken, militärischen Orden und Ausweispapieren sowie allen filmischen Auszeichnungen inklusive der zwei Oscars.

Die Deutsche Kinemathek hat 2016 das grafische Werk des Archivs über eine Online-Präsentation zugänglich gemacht.<ref>Jörg Becker: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />I love to draw very quickly to let the ideas flow. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 3. Oktober 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ray-magazin.at In: Ray, März 2016.</ref> Damit erfüllt sich Ken Adams Wunsch, dass sein Werk nachfolgenden Generationen als Inspiration dienen möge.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bigger Than Life. Ken Adam’s Film Design. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 6. Dezember 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.deutsche-kinemathek.de In: Deutsche Kinemathek, Ausstellung 2014/15, aufgerufen am 3. Januar 2015.</ref>

Am 10. Dezember 2014 wurde im Rahmen einer Pressekonferenz und in Anwesenheit von Ken Adam in der Deutschen Kinemathek die Ausstellung Bigger than Life. Ken Adam’s Filmdesign eröffnet.<ref>Anke Sterneborg: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. In: RBB Kulturradio, 11. Dezember 2014.</ref> Die Ausstellung war in deren Räumen vom 11. Dezember 2014 bis 17. Mai 2015 zu sehen,<ref>Pressemitteilung: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bigger than Life. Ken Adam’s Filmdesign. (Memento vom 22. Juli 2015 im Internet Archive). In: Deutsche Kinemathek, November 2014, (PDF-Datei, 2 S., 82 kB).</ref> anschließend wurde sie vom 30. Juni bis zum 13. September 2015 im Kunstfoyer der Bayerischen Versicherungskammer in München gezeigt.

Filmografie

Filmarchitekt

Art Department

Beteiligung in der Phase der Pre-Production (in Klammern das Jahr, in dem Ken Adam an dem Filmprojekt arbeitete):

Auszeichnungen (Auswahl)

Oscar

  • 1957: Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild für In 80 Tagen um die Welt
  • 1976: Bestes Szenenbild für Barry Lyndon
  • 1978: Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild für James Bond 007 – Der Spion, der mich liebte
  • 1994: Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild für Die Addams Family in verrückter Tradition
  • 1995: Bestes Szenenbild für King George – Ein Königreich für mehr Verstand

Weitere Auszeichnungen

Literatur (chronologisch)

  • Andreas Rost (Hrsg.): Der schöne Schein der Künstlichkeit. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-88661-158-2.
  • Alexander Smoltczyk: James Bond, Berlin, Hollywood. Die Welten des Ken Adam. Nicolai, Berlin 2002, ISBN 3-87584-069-0.
  • Christopher Frayling: Ken Adam: The Art of Production Design. Faber and Faber, London 2005, ISBN 0-571-22057-6.
  • Petra Kissling-Koch: Macht(t)räume. Der Production-Designer Ken Adam und die James Bond-Filme. Bertz + Fischer, Berlin 2012, ISBN 978-3-86505-396-1.
  • Boris Hars-Tschachotin, Kristina Jaspers, Peter Mänz, Rainer Rother (Hrsg.): Bigger Than Life. Ken Adam’s Film Design. Kerber Art, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7356-0027-1.
  • Christopher Frayling: The Ken Adam Archive. TASCHEN, März 2023, ISBN 978-3-8365-5187-8

Dokumentarfilme

  • Schatten und Licht. Ken Adam, Filmarchitekt. Dokumentarfilm, Deutschland, 2003, 60 Min., Buch und Regie: Jörg Plenio und Andreas Velten, Produktion: Plenio Filmproduktion, Bayerisches Fernsehen, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks

Commons: Ken Adam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Interviews

Einzelnachweise

<references />

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