Holger Kreymeier
Holger Volker Kreymeier (* 8. Dezember 1971 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist, Autor und Medienunternehmer.
Leben und früher Werdegang
Holger Kreymeier wuchs in Hamburg-Horn auf, wo er auch die Gesamtschule besuchte. Kreymeier ist homosexuell;<ref>Ein Fall fürs Jugendamt: GESCHLECHTSNEUTRALE Erziehung auf Funk | Betreutes Gucken #24. Abgerufen am 29. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> in den 1990er Jahren engagierte er sich in der Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD (Schwusos) und war zeitweise Sprecher des Hamburger Landesverbandes.<ref name="taz1">Silke Mertins: Flugblätter gegen „Schwulenticker“. In: Die Tageszeitung. 4. März 1996, abgerufen am 28. Juli 2019.</ref> In dieser Funktion wurde Kreymeier mit anderen Sozialdemokraten im Jahre 1997 Opfer eines schwulenfeindlich motivierten Überfalls. Kreymeier wurde dabei am Auge verletzt.<ref>sim: Schwusos überfallen. In: Die Tageszeitung: taz. 15. September 1997, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 25. Mai 2025]).</ref>
Zwischen 1992 und 1997 studierte Kreymeier Soziologie an der Universität Hamburg. Die Universität verließ er ohne Abschluss.<ref>Daniel Hoffmann: Fernsehkritik-TV – Methodik und Urteilsbildung eines Online-Magazins im Vergleich zur klassischen Fernsehkritik (Seminararbeit). (PDF) 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Mai 2011; abgerufen am 30. Juli 2019.</ref> Im Jahr 1994 absolvierte Kreymeier ein Praktikum bei OK Radio,<ref>Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 28.</ref> zwei Jahre später eines bei der Zeitschrift Cinema.<ref>Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. 1. Auflage. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 30–31.</ref> Anschließend war er bei der Interactive Media, einem Tochterunternehmen des Axel-Springer-Verlags, in der Videotext-Redaktion für Sat.1 tätig und machte 1998 zwischenzeitlich ein Praktikum beim Hamburger Regionalmagazin des Senders.<ref>Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. 1. Auflage. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 34–35.</ref> Nach der betriebsbedingten Kündigung war Kreymeier gelegentlich als freier Mitarbeiter für die Verlagstochter AS Content tätig. Im Herbst 2002 arbeitete er freiberuflich an Bild-TV, einer Videoproduktion des Axel-Springer-Verlags in Kooperation mit Spiegel TV, mit und war ab Anfang 2003 wenige Monate Redakteur.<ref>Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. 1. Auflage. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 38–39, 50.</ref> Etwa zur selben Zeit erwarb Kreymeier die Domain fernsehkritik.tv, unter der er zunächst nur Texte und Bilder veröffentlichte. Zwischen 2007 und 2018 betrieb er die Online-Magazinsendung Fernsehkritik-TV, in welcher er einen kritischen Blick auf das deutsche Fernsehen warf.<ref>Handelsblatt TV-Experte über „Wetten, dass..?“, „Die Samstagabendshow wird sterben“</ref>
Tätigkeit als Medienunternehmer
In der Anfangszeit von Fernsehkritik-TV war Holger Kreymeier noch als freier Journalist tätig, unter anderem für die Untertitelung für Hörgeschädigte beim Norddeutschen Rundfunk.<ref>Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. 1. Auflage. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 74.</ref> Durch seine Tätigkeiten hatte Kreymeier nach eigenen Angaben interne Einblicke in den öffentlich-rechtlichen Sender und die seiner Ansicht nach fehlgeleitete Verwendung von Gebührengeldern. Aufgrund dieser Erfahrungen startete Kreymeier Mitte Februar 2009 die Kampagne „Dafür zahl’ ich nicht“, die als Parodie auf Werbung der GEZ<ref>Süddeutsche Zeitung: „Dafür zahl ich nicht“</ref> den Umgang mit den Rundfunkgebühren durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisierte. Sie warf den Sendern eine ständig sinkende Qualität des Programms vor – die Sender orientierten sich nicht mehr an ihrem Bildungsauftrag, sondern strebten stattdessen eine möglichst hohe Einschaltquote an.<ref name="heise1">Ernst Corinth: Dafür zahl’ ich nicht. In: Telepolis. 2. März 2009. Abgerufen am 23. Dezember 2012.</ref> Die GEZ verglich Kreymeier dabei mit der Stasi.<ref name="FR3">Simon Hurtz: Der Meckerer vom Dienst. In: Frankfurter Rundschau. 26. November 2011, abgerufen am 3. April 2020.</ref> Kernstück der Aktion war ein Kinospot, der in einer kleinen Anzahl von Kinos in Großstädten zu sehen war und durch welchen Kreymeier und seiner Sendung gesteigerte Aufmerksamkeit zuteilwurde. Nach Veröffentlichung und Ausstrahlung dieses Werbespots endete die Zusammenarbeit vom NDR und Kreymeier. Aufgrund gegenteiliger Stellungnahmen der Parteien ist nicht bekannt, ob dies auf Wunsch des NDR geschah oder eine freie Entscheidung Kreymeiers war.<ref name="heise2">Peter Muehlbauer: Dafür zahlen wir nicht. In: Telepolis. Heise Zeitschriften Verlag, 4. März 2009, abgerufen am 23. Dezember 2012.</ref><ref name="presseportal">NDR zur angeblichen Entlassung von Holger Kreymeier. Presseportal.de, 4. März 2009. Abgerufen am 23. Dezember 2012.</ref><ref name="spiegel1">Christoph Cadenbach: Posse um GEZ-Parodie: Herr Heidenreich vom NDR. In: Spiegel Online. 4. März 2009, abgerufen am 23. Dezember 2012.</ref>
Kreymeier ist Geschäftsführer des Medienunternehmens Alsterfilm.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Focus: Alsterfilm auf neuen Wegen: Internet soll das bessere Fernsehen bieten ( vom 6. Januar 2015 im Internet Archive)</ref> Im Juni 2013 eröffnete er ein Studio in Hamburg und gründete das Online-Portal Massengeschmack-TV, auf dem verschiedene Magazine veröffentlicht werden – unter anderem Fernsehkritik-TV (bis September 2018), das Nachfolgeformat Die Mediatheke, das Filmmagazin Pantoffelkino und Der ComicTalk (2017–2025) mit Hella von Sinnen.
Für Aufmerksamkeit sorgten mehrere Rechtsstreitigkeiten. So verklagte ihn Katharina Saalfrank auf Unterlassung einiger Aussagen über eine „Super-Nanny“-Sendung in einem „Fernsehkritik-TV“-Beitrag vom September 2011 und gewann den Prozess.<ref>Alexander Krei: Landgericht spricht Urteil: „Super Nanny“-Prozess: Kreymeier will keine Berufung, DWDL, 2. Oktober 2015.</ref><ref>Die Welt: „Super Nanny“ zieht gegen Blogger vor Gericht</ref> Auch in einem Rechtsstreit mit RTL unterlag Kreymeier in zwei Instanzen und darf seither keine T-Shirts mit dem Aufdruck „Scheiß RTL“ mehr verkaufen.<ref>Die Welt: „Scheiß RTL“-T-Shirts bleiben verboten</ref> Kritiker warfen ihm dabei vor, die zahlreichen, zum Teil durch die Community durch Spenden finanzierten Prozesse zur Selbstinszenierung instrumentalisiert zu haben.<ref>DWDL.de: RTL mahnt Geschäftemacherei von fernsehkritik.tv ab</ref> So ließ Kreymeier 2011 beispielsweise seine Community darüber diskutieren und auch abstimmen, ob er ein auferlegtes Ordnungsgeld bezahlen oder lieber Ordnungshaft antreten solle.<ref>fernsehkritik.tv Community: Diskussion und Blogeintrag zur Ordnungshaft</ref> Einige Tage später entschied er sich, das Ordnungsgeld zu bezahlen, und startete dafür einen Spendenaufruf auf der Webseite.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />fernsehkritik.tv Blog: Ich zahl’ dann jetzt doch! ( vom 2. Februar 2017 im Internet Archive)</ref>
2021 kritisierte er in einem Videobeitrag eine Reportage von Radio Bremen über rechte Infokrieger. Da er dabei in großem Umfang Bildmaterial des Senders verwendete, wurde er von diesem vor dem Landgericht Berlin verklagt. Sein Anwalt Markus Kompa wies darauf hin, dass auch Dritte das Sendermaterial verwenden würden. Das Gericht sah aber das Zitatrecht hier überstrapaziert und verurteilte Kreymeier zur Unterlassung, so dass er den Beitrag entfernen musste.<ref>Matthias Schwarzer: Streit ums Urheberrecht: Videoblogger muss Kritik an ARD-Reportage löschen. In: RND. 16. November 2021, abgerufen am 23. Februar 2022.</ref>
Auszeichnungen
Holger Kreymeier (Fernsehkritik-TV) gewann im Jahr 2010 den Publikumspreis des Grimme Online-Awards.<ref>Alle Preisträger - Grimme Online Award. Grimme Institut, abgerufen am 22. August 2023.</ref>
Im Jahr 2011 erhielt er den Deutschen Webvideopreis in der Kategorie „Persönlichkeit“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Eintrag von Holger Kreymeier beim Deutschen Webvideopreis ( vom 23. Dezember 2014 im Internet Archive)</ref>
Kritik
Der Branchendienst DWDL kritisierte 2011 die „Selbstinszenierung“ Holger Kreymeiers „als einsamer Kämpfer gegen die Großen“ in Fernsehkritik-TV, wobei er „sich manchmal eher des Holzhammers denn der Analyse“<ref>RTL mahnt Geschäftemacherei von fernsehkritik.tv ab</ref> bediene.
Die Frankfurter Rundschau bezeichnete Kreymeier 2011 als „Meckerer vom Dienst“, der „vom Nörgeln lebe“ und „kein gutes Haar [an seinen Opfern]“ lasse.<ref name="FR3" />
Werke
- 2000: Showtime. Books on Demand, ISBN 3-89811-276-4 (2. Auflage 2019)
- 2004: Deutsche TV-Skandale. Ein polemisches Sachbuch. Kritischer Verlag, Hamburg, ISBN 3-9810011-0-9.
- 2017: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3.
- 2023: Hashtag #DDR. Solibro Verlag, Münster, ISBN 3-96079-108-9
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kreymeier, Holger |
| ALTERNATIVNAMEN | Kreymeier, Holger Volker (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist, Autor und Medienunternehmer |
| GEBURTSDATUM | 8. Dezember 1971 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
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