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Anna Sommer

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Anna Sommer in ihrem Atelier

Anna Sommer (* 13. Mai 1968 in Aarau) ist eine Schweizer Comiczeichnerin und Illustratorin. Sie lebt und arbeitet in Zürich.

Biografie

Anna Sommer wuchs in Staffelbach und Aarau auf.<ref>Daniel Vizentini: Anna Sommer und Yves Noyau stellt im «Beletage» beim KIFF aus. 5. Mai 2022, abgerufen am 21. März 2025.</ref> Sie absolvierte den Grundkurs an der Zürcher Hochschule der Künste und eine Lehre als Grafikerin. Gleichzeitig zeichnete sie immer gerne und viel; als Kind waren es „am liebsten Frauen in Stöckelschuhen“,<ref>Feine Striche, starke Stories. In: Brigitte. 20. Juni 2007.</ref> dennoch kam Sommer fast zufällig zum Comiczeichnen: „Als Kind las ich natürlich Tintin und Wilhelm Busch, die offensichtlich wichtig für meine Comic-Bildung waren. Dann aber habe ich jahrelang keine Comics gelesen“.<ref>Vom Alltäglichen gezeichnet. In: Der Bund. 18. April 2007.</ref>

1996 erschien Sommers Comic-Erstling Damen Dramen. Der Band im A5-Format erzählt ohne Worte von unterschiedlichen Frauen, „verspielt und gleichzeitig voller Ernst, unschuldig, aber absolut frei von Skrupel“, so schreibt Milena Moser im Klappentext dazu.<ref name=":0"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Edition Moderne 2007 (Memento vom 11. Dezember 2011 im Internet Archive)</ref> Durch den Erfolg ihrer wild-schrägen, teils frivolen Geschichten mit und um Frauen wurde für Sommer der Schritt von der fest angestellten Grafikerin zur freien Comiczeichnerin und Illustratorin möglich.

Auch das zweite Buch Honigmond (1998), „eine bitterböse Geschichte in Collage-Technik über die Auswüchse eine Hochzeitsnacht“, ist schnell vergriffen.<ref>Vom Erwachsenwerden. In: Schweizer Illustrierte. 5. März 2007.</ref>

In der Folge etablierte sich Sommer sowohl als Illustratorin wie auch als Comiczeichnerin, das Comicfestival Fumetto widmete ihr 2007 schliesslich eine Einzelschau, denn „sie gehört zu den cleversten Fabuliererinnen auf der progressiven Comicszene“.<ref>Im Zeichen der Nabelschau. In: St. Galler Tagblatt. 27. März 2007.</ref>

2007 erschien das autobiografisch geprägte Buch Die Wahrheit und andere Erfindungen. In diesem änderte Sommer keinen Namen, alle auftretenden Figuren heissen so wie in Wirklichkeit. „Unbefangen und offen erzählt Anna Sommer von den liberalen Erfahrungen und Entdeckungen ihrer Kindheit und Pubertät, von ersten Boyfriends, Küssen, sanftem Kokettieren mit Homoerotik und kindlichem Ausprobieren des Beischlafs.“<ref>Porträt Anna Sommer. The-Title, 3/2007</ref> Sie selbst meint „Das Stochern in der Vergangenheit zeigt mir, wie schwammig unsere Erinnerungen sind.“<ref name=":0" /> Das Buch sei „äusserst amüsant“,<ref>Die Besten. In: Schweizer Illustrierte. 24. März 2007.</ref> urteilen die einen Medienschaffenden, andere loben „an der zeichnerischen Leichtigkeit liegt es vor allem, dass man sich das Buch sehr gerne anschaut“<ref>Die Arbeit des Erinnerns. In: NZZ. 19. April 2007.</ref> und merken an „die hohe Qualität ihrer Geschichten rührt nicht zuletzt von den subtilen Brüchen her, die sich durch alles ziehen.“<ref>Vom Alltäglichen gezeichnet. In: Der Bund. 18. April 2007.</ref> Sie habe mit ihren Schwarz-Weiss-Zeichnungen „eine kleine Comic-Perle“<ref>Vom Tampon und von den Küssen der Jungs. In: Mittellandzeitung. 12. April 2007.</ref> gezeichnet.

2010 wurde das Auftragswerk Julie ist wieder da! veröffentlicht. Die Geschichte eines an Leukämie erkrankten Mädchens soll Eltern und Geschwistern helfen, die Belastungen dieser Krankheit erträglicher zu machen. Bereits zuvor hatte sie 2003 mit Eugen und der freche Wicht ein Kinderbuch über Hirntumor veröffentlicht, das sich an betroffene Kinder und deren Familien richtet sowie an Lehrer, Freunde, Betreuer und Ärzte. Danach arbeitete sie an einem Bilderbuch für Blinde.

Seit den 1990er Jahren arbeitet Sommer regelmässig auch als Illustratorin unter anderem für NZZ Folio, Die Zeit, Libération, WoZ und Strapazin.

Ihr Lebenspartner ist der Comiczeichner Noyau.<ref>Vom Tampon und von den Küssen der Jungs. In: Mittelland-Zeitung. 12. April 2007.</ref>

Sie ist Ehrengast am Comicfestival BD-FIL 2017 in Lausanne, Festival international de bande dessinée de Lausanne und hat das Festivalplakat kreiert.<ref>Endgültiges Plakat 2017. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Februar 2017; abgerufen am 20. Februar 2017.</ref>

Stil

„Motivation zum Zeichnen war immer das Geschichtenerzählen. Auch in einzelnen Bildern habe ich immer Geschichten erzählt“,<ref>Kesse Comics. In: Frauenzeitung FRAZ. 2. Juni 2007.</ref> so Sommer über ihre Arbeit. Dazu nutzt sie unterschiedliche Techniken: Anfangs zeichnete sie vor allem Schwarz-Weiss-Zeichnungen in Tusch, die „sich besser zum schnell Erzählen eignen“;<ref>Kesse Comics. In: Frauenzeitung FRAZ. 2. Juni 2007.</ref> heute gestaltet sie Papierschnitte mit Japanmesser und Sprühleim als „poppige, plakative Collagen“<ref>Vom Erwachsenwerden. In: Schweizer Illustrierte. 5. März 2007.</ref> ohne Sprechblasen, zudem schafft sie auch Kaltnadelradierungen. „Die untypische Bildsprache fern von Comic-Schablonen ist einer der Gründe, warum Anna Sommer auch Leserinnen und Leser anspricht, die sich gewöhnlich nicht für Comics interessieren“.<ref>Vom Alltäglichen gezeichnet. In: Der Bund. 18. April 2007.</ref>

Sommer selbst schätzt speziell „die intimen Comics von Julie Doucet, Chester Brown oder David B“ sowie unter den schreibenden Autoren Agota Kristof, Emmanuel Bove und Werke wie Effi Briest oder Madame Bovary.<ref>Sans paroles, ils vont plus vite au lit. In: La Libération. 25. Juni 2009.</ref>

Werke

  • Remue-ménage. L’Association, Paris 1996, ISBN 2-909020-67-3.
    • Neuauflage bei Frémok, Brüssel 2024, ISBN 978-2-39022-048-0.
    • Damen Dramen. Arrache Cœur, Zürich 1996, ISBN 3-907010-91-4. (Neuauflage 2004)
  • Honigmond. Arrache Cœur, Zürich 1998, ISBN 3-907055-14-4.
  • John Fante: Rêves de Bunker Hill. Editions Demoures, Genf 1999, ISBN 2-940244-07-3.
  • Amourettes. Cahiers Dessinés, Paris 2002, ISBN 2-283-01909-5.
  • Baies des Bois. Edition Moderne, Paris 2002, ISBN 3-907055-64-0.
  • Gilbert Sorrentino: Im Land der Liebe. Übersetzt von Joachim Kalka. Maro Verlag, Augsburg 2002, ISBN 3-87512-663-7.
  • mit Michael Grotzer: Eugen und der freche Wicht. Edition Moderne, Zürich 2003, ISBN 3-907055-70-5.
  • Juan d’Oultremont: Portrait d’Ari la nuit. Estuaire, Belgien 2006.
  • Die Wahrheit und andere Erfindungen. Edition Moderne, 2007, ISBN 978-3-03731-017-5. frz.: Tout peut arriver, Buchet-Chastel, Paris 2009.
  • Julie ist wieder da! Edition Moderne, Zürich 2010, ISBN 978-3-03731-053-3.
  • mit Michael Grotzer: Was kitzelt in meiner Hand? Edition Moderne, Zürich 2012, ISBN 978-3-03731-087-8. (Siebdruck, Relief nur 200 Exemplare im Verkauf)
  • L’inconnu. Les Cahiers Dessinés, Paris 2017, ISBN 979-10-90875-58-6.
    • Das Unbekannte. Edition Moderne, Zürich 2018, ISBN 978-3-03731-173-8.
  • Chambre d’amies. Les Cahiers Dessinés, Paris 2023, ISBN 978-2-493-18819-9.

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 1993: Goldenes Kalb, Aarau
  • 1995: Galerie XS, Basel
  • 1998: mit Martin tom Dieck, Papiers Gras, Genf
  • 1999: Comicfestival Fumetto, Luzern
  • 1999: Comixshop, Basel
  • 2003: Galerie Martine Gossieaux, Paris
  • 2002: mit Yves Nussbaum, Galerie Espace Saint-Francois, Lausanne
  • 2005: mit Yves Noyau, Galerie Hauptmann & Kampa, Zürich
  • 2007: Fumetto, Luzern
  • 2009: Werkschau «Anna Sommer & Noyau», Cartoonmuseum Basel
  • 2017: BD-Fil, Lausanne
  • 2017: Galerie Papiers Gras, Genf
  • 2018: Never Stop Reading, Zürich
  • 2018: Comic Festival Fumetto, Luzern (artist in residence im Hotel Schweizerhof)
  • 2022: mit Yves Noyau: «Dos à dos», Atelier Beletage beim KIFF Aarau

Gruppenausstellungen

  • Little sexual things, Galerie Bommer, Zürich, 1994
  • Festival de la bande dessinée, Siders, 1994
  • Art Magazin, Zürich, 1995
  • Comixx, Geneva, Paris, Langental, BAK, 1996
  • Galerie Marie-Louise Wirth, Zürich, 1997
  • Comicfestival Helsinki, 1997
  • Frauenkunstforum, Bern, 1997
  • Mutanten, Düsseldorf, 1999
  • Comicfestival Athen, 2001
  • Fumetto, Luzern, 2001
  • Papiers Gras, Genf, 2002
  • Raum 62, Rapperswil, 2002
  • Arts Factory, Paris, 2002
  • Comic Brew, Johannesburg und Kapstadt, 2004
  • I. G. Halle, Rapperswil, 2004
  • 20 Jahre STRAPAZIN, Walcheturm, Zürich, 2004
  • Comic-Land Schweiz, Pro Helvetia, 2005
  • Les 7 péchés capitaux, BD-Fil, 2011

Auszeichnungen

  • 1997: «Prix d’humour» am Festival de la bande dessinée Sierre für Damen Dramen
  • 2006: Werkjahr Comics der Stadt Zürich
  • 2018: «Comicstipendium der Deutschschweizer Städte» anlässlich des Comicfestival Fumetto
  • 2024: «Max-und-Moritz-Preis» in der Kategorie Beste deutschsprachige Comic-Künstlerin auf dem Comic-Salon Erlangen in Erlangen

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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