Filmtitel
Der Filmtitel ist in der Filmwirtschaft der Werktitel eines Kino- oder Fernsehfilms.
Allgemeines
Der Titel ist neben dem Filmplakat einer der wichtigsten Vermarktungsfaktoren in der Filmverwertung. Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem Originaltitel eines Films in seiner Originalsprache und dem landesspezifischen bzw. internationalen Verleihtitel eines Films, der vom Originaltitel erheblich abweichen kann. Zudem kann es vorkommen, dass ein Film unter mehreren alternativen Verweistiteln geführt wird, zum Beispiel wenn ein Film aufgrund von Zensurauflagen oder für eine Umarbeitung vom Markt genommen wurde und später mit einem anderen Titel neu herausgebracht wird. Auch für die TV-Ausstrahlung und den Videovertrieb werden bereits veröffentlichte Filme gelegentlich unter einem neuen Titel herausgebracht. Während der Produktionsphase existiert häufig auch ein vorläufiger Titel, der sogenannte Arbeitstitel.<ref>James zu Hüningen: Arbeitstitel. In: Lexikon der Filmbegriffe. Hans J. Wulff und Theo Bender, abgerufen am 11. März 2014.</ref>
Übersetzungsstrategien
| Titelidentität | |
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→ Beibehaltung |
Pulp Fiction → Pulp Fiction |
| Titelanalogie | |
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→ Wörtlich |
The Great Dictator → Der große Diktator |
| Titelvariation | |
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→ Abwandlung |
Picnic at Hanging Rock → Picknick am Valentinstag |
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→ Reduktion |
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→ Erweiterung |
The Swarm → Der tödliche Schwarm |
| Titelinnovation | |
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→ Neu formulierte Titel |
Above the Law → Nico |
| Hybridformen | |
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→ Einfachtitel |
Everyone Says I Love You → Alle sagen: I love you |
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→ Titelgefüge |
D.O.A. → D.O.A. – Bei Ankunft Mord |
Traditionell wurde für den deutschen Verleih ein deutscher Filmtitel gewählt (z. B. Krieg der Sterne, 1977). Neben der reinen Übersetzung (Titelanalogie) waren zu dieser Zeit auch Neuinterpretationen des Filmtitels verbreitet (Titelinnovation), z. B. Der unsichtbare Dritte (North by Northwest, 1959).<ref>Frank Preuß: Filmtitel auf Deutsch für Fortgeschrittene. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 7. August 2009, abgerufen am 11. März 2014.</ref> Ab den 1980er Jahren wurde teilweise auch der Originaltitel mit einem deutschen Zusatz oder Untertitel (Tagline) versehen (z. B. Beverly Hills Cop – Ich lös’ den Fall auf jeden Fall, 1984), oder die deutsche Übersetzung an den Originaltitel angefügt (z. B. La Boum – Die Fete, 1980). Neben diesen Hybridformen ist auch die Strategie der Titelvariation üblich, bei der der Filmtitel abgewandelt wird, jedoch weiterhin eine strukturelle Ähnlichkeit zum Originaltitel besitzt. Möglich sind dabei kleinere Abwandlungen wie Mehrzahlbildungen oder einzelne Wortänderungen, Reduktionen sowie Erweiterungen (vgl. Tabelle).<ref name="bouchehri66f" />
Die Gründe für erhebliche Abweichungen des deutschen Verleihtitels vom Originaltitel sind teilweise schwer oder gar nicht übertragbare Phrasen (z. B. Jaws → Der weiße Hai, 1975) oder Wortspiele (z. B. Lock, Stock & Two Smoking Barrels → Bube, Dame, König, grAS, 1998). Üblicherweise sollen die deutschen Filmnamen auch besonders werbewirksam sein (z. B. Lethal Weapon → Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis, 1987) oder, im Falle von Komödien, besonders lustig klingen (z. B. Help! → Hi-Hi-Hilfe!, 1965 oder Airplane! → Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, 1980).
In den letzten Jahren zeigt sich jedoch eine wachsende Tendenz hin zu nicht übersetzten (englischen) Originaltiteln (Titelidentität).<ref name="bouchehri66f" /> Der Anteil beträgt in Deutschland mittlerweile über 50 %.<ref name="bouchehri89">Bouchehri: Filmtitel im interkulturellen Transfer. 2008, S. 89 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Auf diese Weise wird der Wiedererkennungseffekt im globalen Filmmarkt gewährleistet, der durch die veränderte Konsumkultur von Filmen hart umkämpft ist. Voraussetzung für die Beibehaltung von englischen Originaltiteln ist die hohe Attraktivität des Englischen (vgl. auch Amerikanisierung) sowie eine Verbesserung der Englischkenntnisse in den betreffenden Kulturräumen.<ref name="bouchehri66f">Bouchehri: Filmtitel im interkulturellen Transfer. 2008, S. 66 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> So gaben im Jahr 1961 22 %, 1979 41 % und 1989 bereits 58 % der deutschen Bundesbürger an, Englisch zu sprechen.<ref>Schreitmüller: Filmtitel. 1994. S. 328.</ref> Durch die Verbreitung von Computern und Internet in den letzten Jahren ist von einer weiteren Verbesserung der allgemeinen Englischkenntnisse auszugehen.<ref name="bouchehri66f" />
Insgesamt ergibt sich für die genannten Übersetzungsstrategien die in der Tabelle dargestellte Entwicklung in Deutschland.<ref name="bouchehri89" /> Dabei zeigen sich insbesondere die starken Trends des steigenden Anteils der Titelidentität und des sinkenden Anteils der Titelanalogie.
| 1930er | 1940er | 1950er | 1960er | 1970er | 1980er | 1990er | 2000er | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Titelidentität | (10 %) | 10,5 % | 8,5 % | 15,1 % | 17,7 % | 28,2 % | 42,7 % | 56,5 % |
| Titelinnovation | (25 %) | 39,5 % | 30,5 % | 38,7 % | 38,3 % | 31,1 % | 24,0 % | 21,7 % |
| Titelanalogie | (50 %) | 28,9 % | 35,4 % | 22,7 % | 22,5 % | 15,3 % | 11,9 % | 4,3 % |
| Titelvariation | (15 %) | 13,2 % | 19,5 % | 16,8 % | 15,8 % | 14,6 % | 11,9 % | 13,0 % |
| Hybridformen | - | 7,9 % | 6,1 % | 6,7 % | 5,7 % | 10,8 % | 9,6 % | 4,3 % |
Phraseologismen
Filmtitel sind in nicht wenigen Fällen Phraseologismen, da diese wie auch Filmtitel prägnant und aussagekräftig sind bzw. sein müssen und das Interesse des Rezipienten wecken.<ref name="nehm_fischer">Kathrin Nehm, Tim Fischer: Phraseologismen als Filmtitel. April 2006, abgerufen am 12. März 2014.</ref> Die zu einer festen Form verwachsene Folge von sprachlichen Bedeutungseinheiten (Phraseologismus) lässt sich in Bezug auf Filmtitel in verschiedene Klassen einteilen, die im Folgenden anhand von Beispielen erläutert werden.
Bei der Modellbildung werden Ausdrücke „nach einem [festen] Strukturschema gebildet“.<ref name="burger">Harald Burger: Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen. 2., überarbeitete Auflage. Berlin 2003, Erich Schmidt Verlag. S. 44f.</ref> Damit kann beispielsweise der Bezug zu Vorgängerfilmen hergestellt werden, zum Beispiel bei The Fast and the Furious (2001) und 2 Fast 2 Furious (2003).<ref name="nehm_fischer" /> Mit der Zwillingsformel werden „Wörter der gleichen Wortart […] mit einer Konjunktion oder einer Präposition zu einer paarigen Formel verbunden“,<ref name="burger" /> etwa bei Seite an Seite (1998) oder Mr. & Mrs. Smith (2005). Zwillingsformeln sind besonders kurz und prägnant und eignen sich deshalb gut als Filmtitel.<ref name="nehm_fischer" /> Ebenfalls verbreitet ist die Gruppe des komparativen Phraseologismus, „einem festen Vergleich, der häufig der Verstärkung eines Verbs oder Adjektivs“ dient.<ref name="burger" /> Ein Subjekt, zu dem ein Vergleich aufgestellt wird, ist dabei nicht unbedingt notwendig, zum Beispiel bei Wie ein wilder Stier (1980) oder Scharf wie Chili (2005). Zur besonderen Identifikation von Filmen werden häufig auch Eigennamen verwendet, etwa Roter Drache (2002) oder Der rote Kakadu (2006).<ref name="nehm_fischer" /> Üblicherweise werden auch geflügelte Worte als Filmtitel verwendet, beispielsweise … denn sie wissen nicht, was sie tun (1955), ein Zitat, das aus der Bibel stammt. Dabei sind auch Modifikationen denkbar, um inhaltliche Elemente aus dem Film vorwegzugreifen. So liegt dem Film Ein Duke kommt selten allein (2005) das Sprichwort „Ein Unglück kommt selten allein“ zugrunde. Auf diese Weise wird suggeriert, dass dem Duke ebenfalls ein Unglück geschieht. Ähnliches lässt sich aus den Filmtiteln Dem Himmel so nah (1995) und Dem Himmel so fern (2002) ableiten.<ref name="nehm_fischer" />
Literatur
- Andreas Schreitmüller: Filmtitel. MakS, Münster 1994, ISBN 3-88811-557-4.
- Regina Bouchehri: Filmtitel im interkulturellen Transfer. Verlag für wissenschaftliche Literatur, Berlin 2008. ISBN 978-3-86596-180-8.
- Noëlle Rouxel-Cubberly: Les titres de film. Economie et évolution du titre de film français depuis 1968. Michel Houdiard, Paris 2011, ISBN 978-2-35692-062-1.
Weblinks
- Søren Kolstrup: The Film Title and its Historical Ancestors. In: P.O.V. No. 2
Einzelnachweise
<references />