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Neulingen, ein nach Süden erweitertes Straßendorf mit Kirche, liegt fünf Kilometer südöstlich von Arendsee (Altmark) und etwa 20 Kilometer südwestlich von Wittenberge und der brandenburgischen Landesgrenze entfernt.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref><ref name="HOB-12" />
Im Westen der Gemarkung liegt das mit Kiefern kultivierte Waldgebiet Neulinger Holz mit dem 50 Meter hohen Papenberg. Östlich von Neulingen liegen Wiesen und Weiden sowie der etwa 38 Meter hohe Steinberg. Die Gemarkung ist von zahlreichen moorähnlichen Feuchtstellen durchsetzt sowie Standort einer natürlichen Wasserquelle. Die Gräben werden zum östlich liegenden Landgraben Neulingen entwässert.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>
Geschichte
Mittelalter bis 20. Jahrhundert
Neulingen wird urkundlich erstmals am 5. Juli 1271 als villa Neylinghe erwähnt, als die Markgrafen Otto und Albert dem Kloster Arendsee eine Hebung aus Neulingen überließen.<ref name="Riedel-22, S. 8" /><ref name="Krabbo Regesten, Nr. 999" /> Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird der Ort als Nyelinghe in Besitz des Klosters Arendsee aufgeführt. Einkünfte und Besitz hatten auch die von Jagow, die von Bodendiek hatten ebenfalls Einkünfte.<ref name="Landbuch" />
Weitere Nennungen sind 1541 Neiling, 1687 Neilingen<ref name="HOB-12" /> und 1804 Neulingen, ein Dorf mit 6 Freihöfen, Krug und Windmühle.<ref name="Bratring-1" /> 1842 gab es zwei Windmühlen.<ref name="Hermes-Weigelt" /> Eine stand noch am Anfang den 20. Jahrhunderts im Südosten des Dorfes am Weg nach Gagel.<ref name="KDR-240" />
Archäologie
Im September 1719 wurde auf einem Neulinger Feld bei einem Megathligrab eine mehrteilige kupferne Urne gefunden, die von Johann Georg Keyßler erstmals beschrieben und gezeichnet wurde.<ref name="Keyßler 1720" /><ref name="Beckmann-1, Sp. 389" /> Beckmann fertigte 1751 eine verbesserte Zeichnung.<ref name="Beckmann-1, Tab. V." /> Der Fund ist heute bekannt als das Bronzebecken von Neulingen.
Um 1780 wurde in Neulingen eine Urne gefunden, die sich 1838 in der Sammlung des Königlichen Museums zu Berlin befand.<ref name="Ledebur 1838" />
Am 25. Juli 1950 wurde die Gemeinde Neulingen in den Kreis Seehausen und einige Jahre später am 2. Juli 1965 in den Kreis Osterburg umgegliedert.<ref name="Metzler-Poeschel" />
Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Neulingen am 2. Juni 2009, dass die Gemeinde Neulingen in die Stadt Arendsee (Altmark) eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.<ref name="AB-SAW 2009-08" /><ref name="Destatis" />
Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Neulingen wurde Neulingen Ortsteil der Stadt Arendsee (Altmark). Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Neulingen und künftige Ortsteil Neulingen wurde zur Ortschaft der aufnehmenden Stadt Arendsee (Altmark). In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Neulingen wurde ein Ortschaftsrat mit fünf Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.<ref name="AB-SAW 2009-08" />
Einwohnerentwicklung
Gemeinde
Jahr
Einwohner
1734
105
1779
107
1789
103
1798
124
1801
119
1818
150
1840
154
1864
170
1871
186
1885
173
1892
[00]171<ref name="Zahn-1928" />
Jahr
Einwohner
1895
164
1900
[00]167<ref name="Zahn-1928" />
1905
176
1910
[00]170<ref name="Zahn-1928" />
1925
147
1939
144
1946
257
1964
190
1971
173
1981
130
1985
[00]125<ref name="EW-1964-2007" />
Jahr
Einwohner
1990
[00]113<ref name="EW-1964-2007" />
1993
122
1995
[00]128<ref name="EW-1964-2007" />
1998
[00]117<ref name="EW-1964-2007" />
2000
[00]112<ref name="EW-1964-2007" />
2003
[00]098<ref name="EW-1964-2007" />
2005
[00]086<ref name="EW-1964-2007" />
2006
[00]086<ref name="EW-1964-2007" />
2007
[00]079<ref name="EW-1964-2007" />
2008
[00]077<ref name="EW-LSA" />
2009
[00]071<ref name="EW-LSA" />
Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1993<ref name="HOB-12" />
Ortsteil
Jahr
Einwohner
2011
71
2012
70
2013
72
2014
73
2015
72
2016
72
Jahr
Einwohner
2017
64
2020
[00]63<ref name="EW-2021" />
2021
[00]70<ref name="EW-2021" />
2022
[0]71<ref name="EW-2023" />
2023
[0]66<ref name="EW-2023" />
Quelle, wenn nicht angegeben, 2011–2017<ref name="EW-2011-2017" />
Religion
Die evangelische Kirchengemeinde Neulingen, die früher zur Pfarrei Neulingen bei Leppin (Altmark) gehörte,<ref name="Almanach1903" /> wird heute betreut vom Pfarrbereich Arendsee im Kirchenkreis Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.<ref name="Pfarrbereich" />
Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Neulingen stammen aus dem Jahre 1685.<ref name="Machholz" />
Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Laurentius in Salzwedel im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.<ref name="Bistum-MD" />
Politik
Ortsbürgermeister
Axel Tiemann ist Ortsbürgermeister der Ortschaft Neulingen.<ref name="OR" /> Die letzte Bürgermeisterin der Gemeinde war Helga Lechler.<ref name="HP" />
Ortschaftsrat
Bei Ortschaftsratswahl am 9. Juni 2024 errang die Wählergemeinschaft Freiwillige Feuerwehr Neulingen alle 5 Sitze.<ref name="Wahl-2024" />
Gewählt wurden eine Frau und 4 Männer.<ref name="OR" /> Die Wahlbeteiligung betrug 69,09 Prozent.<ref name="Wahl-2024" />
Die evangelische Dorfkirche St. Marien Neulingen, ein um das Jahr 1200 entstandener Feldsteinbau, weist als Besonderheit einen schwebenden Engel auf. 1912 brannte die Neulinger Kirche und wurde stark beschädigt, besonders im Turm. Das Feuer entstand durch eine zurückgelassene brennende Kerze nach dem Läuten der Glocken. 1998 bekam die Kirche eine neue Spitze, später dann auch ein neues Dach. In der Kirche gibt es seit 1914 eine Rühlmann-Orgel, die dank des Vereins „De Dörpstroat – Verein zur Erhaltung dörflichen Kulturguts“ und Spenden aus der Kirche im Mai 2011 restauriert wurde. Datei:MarienKirche Frontal.JPGMarienkirche frontal
Eine weitere Sehenswürdigkeit in Neulingen sind die natürlichen Wetterstationen, sogenannte „Totenleber“. Einige Tage bevor es regnet, werden sie feucht. Aus einer solchen „Totenleber“ entstand ein Teich, von den Einwohnern „Karpfenteich“ genannt.
Die Idee, die Vierseitenhöfe und anderes Kulturgut, hauptsächlich aus der Landwirtschaft, zu erhalten, begann 2005. Im Februar 2006 konkretisierten sich die Ideen und man suchte nach einem Namen. „De Dörpstroat“ ist Altmärker-Platt und heißt: Die Dorfstraße. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass in Neulingen, einem Dorf, das nur eine Straße besitzt, sich das Dorfleben auf dieser Straße abspielt. Der Zusatz „Verein zur Erhaltung dörflichen Kulturguts“ erklärt die Ziele des Vereins. Hauptveranstaltung des Vereins und somit auch des ganzen Dorfes ist der jährliche „Kartoffeltag“. Dort wird an einem Samstag im August gezeigt, wie Kartoffeln früher und heute geerntet werden (das heißt sowohl mit Pferden als auch mit großen Traktoren).<ref name="VS 2014" />
<references>
<ref name="AB-SAW 2009-08">
Altmarkkreis Salzwedel: Gebietsänderungsvertrag - Eingemeindung der Gemeinde Neulingen in die Stadt Arendsee (Altmark) mit Genehmigung des Altmarkkreises Salzwedel vom 12. August 2009. In: Amtsblatt Altmarkkreis Salzwedel. 15. Jahrgang, Nr.8, 26. August 2009, S.233–235 (altmarkkreis-salzwedel.de [PDF; 308kB; abgerufen am 28. Mai 2022]).
</ref>
<ref name="EW-1964-2007">
Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung der Gemeinden nach Kreisen 1964 – 2007 (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Statistische Berichte / A / I / 103). Halle (Saale) Februar 2009 (statistischebibliothek.de [PDF]).
</ref>
<ref name="EW-2011-2017">
Einheitsgemeinde Stadt Arendsee (Altmark) (Hrsg.): Einwohnerdaten der Jahre 2011 bis 2017. 12. Januar 2018.
</ref>
<ref name="EW-2021">
Christian Ziems: Arendsee im Aufwind. In: Salzwedeler Volksstimme, Jeetze-Kurier Salzwedel. 5. Januar 2022, DNB954815971, S.18.
</ref>
<ref name="EW-2023">
Christian Ziems: Arendsee verliert über 100 Einwohner. In: Salzwedeler Volksstimme, Jeetze-Kurier Salzwedel. 25. Januar 2024, DNB954815971, S.16.
</ref>
<ref name="EW-LSA">
Bevölkerung der Gemeinden (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Statistische Berichte / A / I / A / II / A / III / 102). Halle (Saale) – (statistischebibliothek.de). (Jahr anklicken)
</ref>
<ref name="Krabbo Regesten, Nr. 999">
Hermann Krabbo: Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S.247, Nr. 999 (uni-potsdam.de).
</ref>
<ref name="Landbuch">
Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S.399 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />uni-potsdam.de (Memento vom 27. April 2019 im Internet Archive)).
</ref>
<ref name="Metzler-Poeschel">
Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3824603217 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
</ref>