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Ocrelizumab

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Ocrelizumab
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Ocrelizumab
Masse/Länge Primärstruktur 148,1 kDa
Bezeichner
Externe IDs
Arzneistoffangaben
ATC-Code L04AA36
Wirkstoffklasse Immunsuppressiva

Ocrelizumab (Handelsname Ocrevus; Hersteller Roche) ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen das B-Lymphozytenantigen CD20 und ein Arzneistoff, der zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) eingesetzt wird. Ocrelizumab ist sowohl zur Behandlung der primär progredienten MS (PP-MS), als auch der häufigeren schubförmig verlaufenden Form von MS (RR-MS) in den Vereinigten Staaten als Arzneimittel zugelassen.<ref name="hb-19584136" /> Seit dem 28. September 2017 ist Ocrelizumab in der Schweiz zur Behandlung der primär progredienten sowie der schubförmig verlaufende Form von MS zugelassen.<ref>Ocrelizumab von Roche in der Schweiz für primär progrediente und schubförmige multiple Sklerose zugelassen. 2017 F. Hoffmann-La Roche Ltd, 28. September 2017, abgerufen am 4. November 2017.</ref> Die EU-Zulassung erfolgte im Januar 2018.<ref>John Miller, Michael Shields: Roche's star MS medicine Ocrevus wins EU approval. In: Reuters. 12. Januar 2018, abgerufen am 12. Januar 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Ocrevus - ocrelizumab, EPAR (engl.) der EMA, abgerufen am 30. Mai 2022</ref><ref>Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, EPAR (dt.) der EMA, abgerufen am 30. Mai 2022</ref>

In zwei Phase-III-Studien war Ocrelizumab wirksamer gegen das Fortschreiten der Erkrankung als das zur Kontrolle gegebene Interferon.<ref name="PMID28002679">S. L. Hauser, A. Bar-Or u. a.: Ocrelizumab versus Interferon Beta-1a in Relapsing Multiple Sclerosis. In: The New England Journal of Medicine. Band 376, Nummer 3, 01 2017, S. 221–234, doi:10.1056/NEJMoa1601277, PMID 28002679.</ref>

Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)

Ocrelizumab wirkt immunsuppressiv. Daher können auch unerwünschte Wirkungen durch eine Veränderung der körpereigenen Abwehr entstehen. Dies sind grippeähnliche Nebenwirkungen, Kopfschmerzen, Knochenschmerzen, eine gesteigerte Infektanfälligkeit und in einzelnen Fällen auch allergische Reaktionen auf die Substanz.

Ein erhöhtes Risiko für maligne Neubildungen kann nicht ausgeschlossen werden. In klinischen Studien traten maligne Neubildungen häufiger unter Ocrelizumab (bei 6 von 781 Frauen) auf als in der Kontrollgruppe (bei keiner von 668 Frauen), die Interferon beta-1a bzw. Placebo erhielt. Patientinnen sollten daher am empfohlenen Brustkrebs-Screening teilnehmen.<ref>HIGHLIGHTS OF PRESCRIBING INFORMATION (USA). Genentech, 2017, abgerufen am 30. März 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Mai 2017 erkrankte ein Patient nach einem Monat Behandlung mit Ocrelizumab an einer PML, nachdem er zuvor bereits 3 Jahre mit Natalizumab behandelt worden war.<ref>Reuters: Deadly brain infection in German MS patient prompts Roche investigation. 24. Mai 2017, abgerufen am 30. November 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Jutta Scheiderbauer: Gier frisst Hirn – reloaded, PML-Fall unter Ocrevus. Trierer Aktionsgruppe Multiple Sklerose, abgerufen am 30. November 2017.</ref>

Wirkmechanismus (Pharmakodynamik)

Ocrelizumab wirkt durch Hemmung der B-Zellen<ref name="aerzteblatt-47903">rme/aerzteblatt.de: B-Zell-Antikörper bei multipler Sklerose wirksam. In: aerzteblatt.de. 2. November 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. März 2017; abgerufen am 29. März 2017.</ref> und gehört zur Gruppe der Immunsuppressiva.<ref>Der Nervenarzt 2, 2009, S. 196</ref> Der Antikörper bindet selektiv das CD20-Antigen, das auf der Oberfläche von B-Zellen zu finden ist. Er interagiert mit dem körpereigenen Immunsystem, um die CD20-positiven B-Zellen zu eliminieren, die bei der MS eine wichtige Rolle spielen.

Verabreichung

Ocrelizumab wird als intravenöse Infusion verabreicht. Die ersten zwei Infusionen à 300 mg müssen mit einem Abstand von zwei Wochen erfolgen. Danach erhalten Patienten einzelne, nachfolgende Infusionen à 600 mg alle 6 Monate. Zur Vermeidung unerwünschter Infusionsreaktionen wird häufig eine Prä- und Komedikation (insb. Antihistaminika, Glucocorticoide, Acetylsalicylsäure) eingesetzt.<ref>William L. Conte, Nancy Arndt, Veronica P. Cipriani, Andrea Dellaria, Adil Javed: Reduction in ocrelizumab-induced infusion reactions by a modified premedication protocol. In: Multiple Sclerosis and Related Disorders. Band 27, Januar 2019, S. 397–399, doi:10.1016/j.msard.2018.11.027, PMID 30508784.</ref> Seit Juni 2024 gibt es eine subkutane Darreichungsform mit 920 mg Ocrelizumab, die die Behandlungsdauer von einer 2-stündigen Infusion auf eine 10-minütige subkutane Injektion verkürzt.<ref>M.Schubert: Ocrelizumab bei Multipler Sklerose: Subkutane Formulierung. August 2024 (aerzteblatt.de).</ref> Dabei kommt die rekombinante humane Hyaluronidase zum Einsatz, die die Aufnahme des Arzneistoffs in das Gewebe erleichtert.<ref>Scott Newsome, Ewa Krzystanek, Krzysztof Selmaj, Lawrence Goldstick, Catarina Figueiredo, Ben Townsend, Christian Wolf, Dusanka Zecevic, Caroline Giacobino, Oscar Bortolami, Yun-An Shen, Heidemarie Kletzl, Susanne Clinch, and Diego Centonze: Results of Subcutaneous Ocrelizumab Administration in Patients with Multiple Sclerosis. In: Neurology. Band 102, April 2024 (neurology.org).</ref> Nach dem derzeitigen Wissensstand können schwangere MS-Patientinnen unter Ocrelizumab-Therapie nach der Entbindung ohne Bedenken mit dem Stillen beginnen.<ref>Dr. Melanie Klingler: Stillen bei MS: Antikörper-Therapie scheint unproblematisch. 30. März 2024 (gelbe-liste.de).</ref><ref>Kerstin Hellwig,MD: Good News—MS Drugs Taken While Breastfeeding May Not Affect Child Development. 4. April 2024 (aan.com).</ref><ref>Laura Witt,MD: Child development after exposure to monoclonal antibodies during breastfeeding. 4. März 2024 (windows.net).</ref>

Geschichtliches

Ocrelizumab wurde von der Hoffmann-La Roche-Tochter Genentech und Biogen entwickelt.<ref>Der Nervenarzt 2, 2009, S. 193, 196</ref> Ursprünglich wurde Ocrelizumab zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis entwickelt, hier wurden jedoch die weitergehenden Untersuchungen eingestellt, nachdem es bei Tests zu Todesfällen kam. Der Studienarm für Multiple Sklerose wurde hingegen weitergeführt.<ref>AMSEL e.V. - Landesverband der DMSG: Roche stoppt Tests nach Todesfällen. (amsel.de [abgerufen am 31. Oktober 2016]).</ref> Die Substanz selbst ist abgeleitet von Rituximab, das bei onkologischen Erkrankungen und in der Rheumatherapie eingesetzt wird. In den USA stand der Wirkstoff im beschleunigten Zulassungsverfahren.<ref>U.S. FDA grants Breakthrough Therapy Designation for Roche’s investigational medicine ocrelizumab in primary progressive multiple sclerosis, PM Roche vom 17. Februar 2016, abgerufen am 25. Februar 2016</ref> Ende März 2017 wurde Ocrelizumab von der FDA zugelassen.<ref name="hb-19584136">Reuters: Roche macht Merck mit MS-Mittel Konkurrenz. In: handelsblatt.com. 29. März 2017, abgerufen am 29. März 2017.</ref> Die FDA hat im September 2024 die subkutane Applikationsform unter dem Namen Ocrelizumab Zunovo zugelassen.<ref>Marco Meglio: FDA Approves Subcutaneous Formulation of Ocrelizumab for Relapsing and Progressive Multiple Sclerosis. In: Neurologylive. 13. September 2024 (neurologylive.com).</ref>

Kritik an der Preispolitik von Roche

Der humanisierte Antikörper Ocrelizumab ist eine Weiterentwicklung des chimären Antikörpers Rituximab (ebenfalls ein Anti-CD20-Antikörper), welcher allerdings nie für Multiple Sklerose zugelassen war. Ocrelizumab kostet mehr als das 10fache von Rituximab (33000 € gegenüber 3000 €). Auf die Gesundheitssysteme kommen daher mehrere Milliarden Euro Mehrausgaben zu.<ref name="Tagesschau-Roche-MS">Tagesschau: https://web.archive.org/web/20180208041725/http://www.tagesschau.de/wirtschaft/roche-ms-101.html. 8. Februar 2018, abgerufen am 7. Mai 2024.</ref><ref>Übersicht zu Rituximab der EMA (abgerufen am 21. Februar 2018)</ref><ref>Artikel in der DAZ (abgerufen am 21. Februar 2018)</ref><ref>Artikel in der Apotheken Umschau (abgerufen am 21. Februar 2018)</ref>

Einzelnachweise

<references />

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