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Flashball

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Datei:Flashball - French Police 01.jpg
Französischer Polizist mit einer Flashball

Flashball ist eine registrierte Marke des französischen Unternehmens Verney-Carron,<ref>44 mm Flashball-Modelle von Verney Carron abger. 4. März 2019.</ref> die Gummigeschoss-Waffen bezeichnet. Diese werden von staatlichen Sicherheitskräften als nicht-tödliche Waffen kategorisiert und unter anderem in der Schweiz, Frankreich, Spanien, Portugal und Macau gegen gewalttätige Personengruppen eingesetzt. Verwendung findet dabei vor allem der LBD-40 („lanceur de balles de défense 40 mm“) von Verney-Carron sowie das Modell GL-06 des Schweizer Konkurrenten B&T.<ref>Nathalie Roller: Gummikugelhagel Heise.de, 25. August 2009.</ref> Der Einsatz von Gummigeschossen durch die Polizei wird aufgrund des Verletzungsrisikos kontrovers diskutiert und wurde medial insbesondere im Zusammenhang mit den Protesten der französischen Gelbwesten wahrgenommen.<ref>Gernot Kramper: Zerschossene Augen, gesplitterte Kiefer – der Gummigeschoss-Werfer LBD 40 spaltet Frankreich. In: Stern.de. 9. Februar 2019, abgerufen am 24. August 2019.</ref>

Kontroversen

Nach offiziellen Angaben kann der Einsatz der Waffe bei unsachgemäßem Gebrauch oder ungenügender Ausbildung zu schweren Verletzungen führen; die polizeilichen Bestimmungen verlangen gezielte Schüsse auf den Rumpf oder die Extremitäten (und nicht auf Kopf oder Genitalien). Da sich die Zielpersonen jedoch im Regelfall bewegen, führt der Einsatz der auf Distanz stark verlangsamten Projektile auch unabsichtlich zu Treffern etwa am Kopf und hat mehrfach u. a. zum Verlust des Augenlichtes oder auch zu Frakturen des Schädels geführt.<ref>Gilets Jaunes: French 'flash-ball' row over riot-gun injuries BBC, 18. Januar 2019.</ref><ref>Die Opfer von LBD40 Süddeutsche Zeitung, 29. Januar 2019.</ref>

Die Energie der Munition ist unterschiedlich und variiert u. a. zwischen 116 und 176 Joule (SIR bzw. SIR-X)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vergleich der B&T Patronen SIR-X 40x46mm und SIR 40x46mm (Memento vom 6. März 2019 im Internet Archive) B&T AG, abger. 4. März 2019.</ref> und wird vom Hersteller – munitionsabhängig – teilweise als „sicher auf Nahdistanz“ eingestuft (SIR 40 × 46 mm). Insgesamt wird die Waffe herstellerseitig als „less lethal“ (weniger tödlich) bezeichnet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Download B&T GL-06 40mm LESS LETHAL LAUNCHER (Memento vom 6. März 2019 im Internet Archive) B&T AG, abger. 4. März 2019.</ref> Der Hersteller B&T verwies in einer Stellungnahme bzgl. der Gelbwesten-Proteste darauf, dass dabei seitens der Behörden dem Unternehmen unbekannte Munition eingesetzt wurde, aber nicht das für den Werfer entwickelte, nicht-letale Impulsgeschoss SIR. Andere Munition vergrößere das Verletzungsrisiko erheblich und verschlechtere die Präzision des Werfers.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stellungnahme zum Einsatz des GL06 in Frankreich (Memento vom 17. Dezember 2019 im Internet Archive) auf www.bt-ag.ch, abgerufen am 29. Januar 2019.</ref> Trotz der o. g. polizeilichen Anweisungen birgt auch der Einsatz auf den Körper erhebliche Risiken, da (wie auch z. B. bei Faustschlägen) insbesondere ein Projektilaufschlag in die Region des Sonnengeflechts (ein Geflecht aus Nervenfasern und -knoten des Vegetativen Nervensystems) zu Schwindel, Übelkeit oder Bewusstlosigkeit, bei Vorerkrankungen in Ausnahmefällen bis zum Reflextod führen kann. Je nach Bekleidung sind durch die herstellerseitig grob mit einem „Pferdetritt“ verglichene Energie<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Granatwerfer B&T GL-06 im Kaliber 40x46mm (Memento vom 6. März 2019 im Internet Archive) B&T AG, abger. 4. März 2019.</ref> potentiell auch Rupturen von Milz oder Leber oder z. B. der Hoden möglich.

BBC berichtete im Januar 2019, dass nach damaligem Stand 40 Demonstranten durch Flash-Balls schwer verwundet worden seien.<ref>Gilets Jaunes: French 'flash-ball' row over riot-gun injuries BBC, 18. Januar 2019.</ref> Im Februar 2019 kritisierte die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatović, das Vorgehen des französischen Polizei gegenüber den sogenannten Gelbwesten und deren Einsatz mittels LBD-40 scharf. Angesichts vieler Verletzter forderte sie ein vorläufiges Verbot von Hartgummigeschossen.<ref>Europarat sieht Menschenrechte der Gelbwesten in Gefahr faz.net, 26. Februar 2019 (aktualisiert), abger. 4. März 2019.</ref> Mijatovic führte in ihrem Memorandum aus, dass bis zum 4. Februar 2019 nachweislich 12.122 LBD-Schüsse abgefeuert wurden, bei denen es zu 193 Verletzungsfällen durch Einsatz des LBD-40 kam, in vielen Fällen in Form von Kopfverletzungen.<ref>Memorandum on maintaining public order and freedom of assembly in the context of the “yellow vest” movement in France b. Methods used by the law enforcement agencies, 16. (S. 3).</ref> Dies zeige „einen unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt und die Ungeeignetheit dieser Art von Waffe im Zusammenhang mit Operationen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“.<ref>Memorandum on maintaining public order and freedom of assembly in the context of the “yellow vest” movement in France d. Conclusions and recommendations, 28. (S. 5).</ref> Bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten der Gelbwestenbewegung und der französischen Polizei im Januar 2019 wurde ein Demonstrant von einem Geschoss eines Flashballs am Hinterkopf getroffen und lag nach notärztlicher Behandlung und Operation mehrere Tage in einem künstlichen Koma.<ref>Bordeaux : le Gilet jaune blessé à la tête est sorti du coma. 18. Januar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Todesfälle

2010 starb ein Mann in Marseille nach dem Einsatz der Waffe. Der 40-Jährige hatte die zur Schlichtung eines Streits in einem Wohnheim gerufenen Polizisten angegriffen, woraufhin ein Beamter ihn mit seinem LBD-Werfer in den Oberkörper schoss. Daraufhin erlitt der Mann einen Herz- und Atemstillstand. Nachdem er zunächst wiederbelebt werden konnte, starb er einen Tag später im Krankenhaus.<ref>Rudolf Balmer: Den „Flics“ sitzt der Colt oft locker. Nach zehnjähriger Tätigkeit wird die Beschwerdestelle für Polizeiübergriffe in Frankreich geschlossen. Sie veranlasste zahlreiche Verfahren gegen Beamte. In: taz.de. 28. April 2011, abgerufen am 10. August 2012.</ref><ref>Marseille : l'homme touché par un flash-ball est mort. In: Le Figaro vom 13.12.2010. Abgerufen am 1. Februar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Bei den Unruhen in Frankreich 2023 brach in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli wiederum in Marseille ein vermutlich an den Ausschreitungen nicht beteiligter Motorrollerfahrer tot zusammen. Im Krankenhaus wurde bei dem 27-jährigen Familienvater eine Verletzung im Brustbereich festgestellt. Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, der Tod des Mannes sei wahrscheinlich durch ein Flashball-Projektil verursacht worden, und eröffnete ein Ermittlungsverfahren.<ref>Émeutes : rassemblement pour Mohamed à Marseille, possible victime d’un tir de LBD policier. In: sudouest.fr. 6. Juli 2023, abgerufen am 11. Juli 2023.</ref>

Einzelnachweise

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