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Palpus

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Datei:Palpus.png
Schematische Darstellung der Palpi (jeweils rot) bei:
A Anopheles, B Heuschrecke, C Floh

Ein Palpus (lat. palpare „streicheln, betasten“, palpus „Taster“, Plural palpi) ist ein Taster an den Mundwerkzeugen verschiedener Tiergruppen. Beispielsweise findet man Palpi an verschiedenen Vielborstern, Insekten, Spinnen- und Krebstieren. Sie sind immer paarweise angeordnet.

Der Begriff Taster ist insofern irreführend, als viele Tiere damit nicht nur tasten. Häufig haben die Palpi eine dichte Behaarung, wobei es sich aber nicht nur um Tasthaare, sondern auch um Kontaktchemorezeptoren handeln kann. Auch zum Schmecken und Riechen können sie dienen.

Gliederfüßer

Datei:Paranchus albipes detail1.jpg
Kopf eines Käfers (Paranchus albipes) von unten, rechts teilweise koloriert.
Rot: Fühler. Blaugrün: Kiefertaster.
Grün: Lippentaster. Pink: Borstenpaar auf dem vorletzten Glied des Lippentasters.

An manchen Tiergruppen, wie z. B. den Käfern und Schmetterlingen unterscheidet man Lippentaster (Palpus labialis oder Labialpalpen) und Unterkiefertaster (Palpus maxillaris oder Maxillarpalpen). Erstere sind an der Unterlippe, dem Labium angewachsen, letztere am Unterkiefer, der Maxille.

Pedipalpen sind multifunktionale Organe der Spinnentiere (Arachnida). Sie können der Kommunikation dienen (Stridulation oder Substratschwingungen, Netzschwingungen, optische Signale), aber auch der Balz, Begattung (Webspinnen) oder Fortbewegung (Palpenläufer). Pedipalpen können als Scheren (Skorpione) ausgeprägt sein oder als Beiß- bzw. Bohrwerkzeuge (Milben). Bei letzteren weisen die Palpi eine einfache, lineare, viersegmentige Form auf, während sie an anderen Spinnentieren meist fünfteilig auftreten.<ref>E. Lindquist, E. Sidorchuk: The labidostommatid palpus: a morphological enigma (Acariformes: Prostigmata). In: Acarologia, Band 55, Nr. 3, 2015, S. 337–350, doi:10.1051/acarologia/20152172.</ref>

Für Insekten und Spinnen werden Form, Stellung und innerer Feinbau der Palpi beziehungsweise ihr Vorhandensein oder Fehlen als Bestimmungsmerkmal herangezogen.<ref>P. Merrett: The palpus of male spiders of the family Linyphidae. In: Proceedings of the Zoological Society of London, Band 140, Nr. 3, Mai 1963, S. 347–467, doi:10.1111/j.1469-7998.1963.tb01867.x.</ref><ref>Jonathan A. Coddington: Ontogeny and Homology in the Male Palpus of Orb-weaving Spiders and Their Relatives, with Comments on Phylogeny (Araneoclada: Araneoidea, Deinopoidea). In: Smithsonian Contributions to Zoology, Band 496, 1990, S. 1–52, (PDF).</ref><ref>Ru Zhang, Zhong-jie Zhang, Ye Yu, Yong-ping Huang, Ai-rong Qian, An-jiang Tan: Proboscipedia and Sex combs reduced are essential for embryonic labial palpus specification in Bombyx mori. In: Journal of Integrative Agriculture, Band 19, Nr. 6, Juni 2020, S. 1482–1491, doi:10.1016/S2095-3119(19)62785-1.</ref><ref>Hiroyuki Morimoto: The use of the labial palpus as a measure of proboscis length in worker honeybees Apis mellifera ligustica and Apis cerana cerana. In: Journal of Apicultural Research, Band 7, Nr. 3, 1968, S. 147–150, doi:10.1080/00218839.1968.11100205.</ref>

Ringelwürmer

Datei:Magelona johnstoni.jpg
Der Magelonidae Magelona johnstoni, unten links sind die beiden langen Palpi erkennbar

In den Ringelwürmern können Palpen für die Ernährung oder als Sinnesorgane benutzt werden; normalerweise sind die ersten lang und fadenförmig, während die letzteren stämmig sind. Die, die für die Ernährung benutzt werden, können eine Rille mit Wimpern haben, in der die Nahrung zum Mund transportiert wird. Es wird vermutet, dass der Vorfahre aller Ringelwürmer Palpi hatte (es ist ein plesiomorphisches Charakter der Ringelwürmer).<ref name="Kalke">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref name="Ballentine">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Palpi sind bei Magelonidae und Oweniidae vorhanden (diese Familien bilden Palaeoannelida), sowie in Chaetopterida, in Errantia (in den Familien Protodrilidae, Saccocirridae und Dorviellidae) und in Sedentaria (in den Familien Sabellariidae, Siboglinidae, Terebellidae, Spionidae und Cirratuliformia). In der Familie Amphinomidae sind fünf ähnliche Sinnesorgane: ein zentraler Fühler, ein Paar seitliche Fühler und ein weiteres Paar Sinnesorgane, manchmal "Fühler" und manchmal "Palpi" genannt. Die Larve der Amhinomidae (Rostraria) hat ein Paar Palpi für die Ernährung.<ref name="Kalke" /><ref name="Ballentine" />

Weichtiere

Datei:Anatomie de pecten.jpg
Anatomie einer Kammmuschel, oben rechts ist einer der Lippentaster (palpe labial) angezeigt

Muscheln, mit der Ausnahme von Protobranchia, haben drei Strukturen, mit denen sie Wasser filtern: die Kiemen, die Lippen und die Lippentaster. Die Lippentaster, bei den Kammmuscheln, sind zwei Paar Lappen am Rande des Mundes, sie können Wimpern und Zellen die Schleim produzieren (Mucociten) haben.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

In manchen fleischfressenden Schneckenarten haben die seitlichen Lippen Taster, die den Tieren helfen, Nahrung zu finden.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Gastropod: the head.] Britannica, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 10. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Einzelnachweise

<references/>