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Ernst Weinmann

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Ernst Weinmann (* 16. April 1907 in Frommenhausen; † 20. Januar 1947 in Belgrad) war ein deutscher Zahnarzt, SS-Obersturmbannführer, Oberbürgermeister von Tübingen zur Zeit des Nationalsozialismus und Kriegsverbrecher.

Leben

Ernst Weinmann, älterer Bruder von Erwin Weinmann, absolvierte nach dem Abschluss seiner Schullaufbahn ein Studium der Zahnmedizin an der Universität Tübingen, das er mit der Promotion abschloss. Er war Mitglied der Landsmannschaft Ghibellinia zu Tübingen. Der Titel seiner im Jahr 1931 erschienenen Dissertation lautete Klinische Untersuchungen über die zahnärztliche Diathermie.

Datei:W Kleinfeldt - Einmauern des Grundsteins des „Hauses der Jugend“ 20.10.1935 (TJiG11).jpg
Ernst Weinmann (Zweiter von rechts) als Bürgermeister bei der Grundsteinlegung des „Hauses der Jugend“ in Tübingen, 20. Oktober 1935.

Weinmann war bereits im Jahr 1927 der NSDAP (Mitgliedsnummer 70.136) und SA beigetreten.<ref name="Klee663">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 663.</ref> Nach Studienende wurde Weinmann stellvertretender Kreisleiter und Ortsgruppenleiter der NSDAP in Tübingen und führte die NSDAP-Fraktion im Gemeinderat. Zudem gehörte er dem Führerrat der Universität Tübingen an und war dort Vorsitzender der Ehrenrichter im Ehrenrat.<ref>Uwe Dietrich Adam: Hochschule und Nationalsozialismus. Die Universität Tübingen im Dritten Reich. Mohr Siebeck, Tübingen 1977, S. 52, 77.</ref> 1936 trat er der Altherrenschaft der Kameradschaft Langemarck des Tübinger NSDStB bei.<ref>H. F. Hofmann (Hrsg.): Universität Tübingen 1938-1939. J. B. C. Mohr/Paul Siebeck, Tübingen 1940 (historische-kommission-muenchen-editionen.de [PDF]).</ref>

Weinmann wurde 1939 als Nachfolger von Adolf Scheef Oberbürgermeister von Tübingen und bekleidete dieses Amt bis zum April 1945. Während seiner häufigen Abwesenheiten 1940–1941 und seit seinem Einzug 1941 bis Ende November 1942 wurde Weinmann „kommissarisch“ von seinem Beigeordneten und früheren Stadtrat Max Stockburger und anschließend bis 1944 durch den Kornwestheimer Bürgermeister Alfred Kercher vertreten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tübinger Oberbürgermeister seit 1805 (Memento vom 16. September 2008 im Internet Archive) auf www.tuebingen.de</ref>

Ab 1936 gehörte Weinmann dem Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) an.<ref name="Klee663"/> Er leitete in Tübingen die Außenstelle des SD.<ref>Horst Junginger: Tübinger Exekutoren der Endlösung – Effiziente Massenmörder an vorderster Front der SS-Einsatzgruppen und des Sicherheitsdienstes, S. 3 <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />(PDF; 61 kB) (Memento vom 21. Januar 2022 im Internet Archive).</ref> Weinmann wechselte im Jahr 1938 von der SA zur SS (SS-Nummer 308.173) und erreichte in dieser NS-Organisation 1944 den Rang eines SS-Obersturmbannführers.<ref name="Klee663"/>

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war er – wahrscheinlich ab 1940 – im Reichssicherheitshauptamt in der Abteilung IV D tätig.<ref name="Klee663"/> Nach dem Balkanfeldzug wurde Weinmann „Beauftragter für das Umsiedlungswesen beim Militärbefehlshaber in Serbien“ in Belgrad. In dieser Funktion war er in Jugoslawien an Judendeportationen sowie Zwangsumsiedlungen von Slowenen beteiligt. Weinmann wurde der „Henker von Belgrad“ genannt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rundgang zur Geschichte der Juden in Tübingen (Memento vom 15. August 2004 im Internet Archive) auf www.tuebingen.de</ref> Im September 1942 wurde Weinmann das Kriegsverdienstkreuz I. Klasse mit Schwertern verliehen.<ref name="Klee663"/> Seine Versetzung nach Belgrad wurde im Herbst 1944 aufgehoben, da er sich bereits in Norwegen befand. Hier hatte er die Position des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (KdS) für Bergen übernommen. Dieses Amt führte er bis Mai 1945 aus.

In den letzten Kriegstagen hielt sich Weinmann wieder in Tübingen auf. Kurz vor dem Einmarsch französischer Truppen in die Stadt setzte er Mitte April 1945 Fritz Haussmann (1873–1951) als Leiter einer Notverwaltung ein und tauchte danach unter. Weinmann begab sich Ende 1945 freiwillig in französische Internierung und wurde anschließend nach Jugoslawien ausgeliefert, wo er wegen Beteiligung an der NS-Umsiedlungspolitik angeklagt wurde.<ref>Karl Moersch, Reinhold Weber: Die Zeit nach dem Krieg: Städte im Wiederaufbau, Band 37, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 3-17-019724-X, S. 370.</ref> Am 22. Dezember 1946 wurde Weinmann in Belgrad zum Tode verurteilt.<ref name="Klee663" /> Das Urteil wurde am 20. Januar 1947 in Belgrad vollstreckt.<ref>Karl Moersch, Reinhold Weber: Die Zeit nach dem Krieg: Städte im Wiederaufbau, Band 37, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 3-17-019724-X, S. 394.</ref>

Werke

  • Klinische Untersuchungen über die zahnärztliche Diathermie, Diss. 1931.

Literatur

  • Uwe Dietrich Adam: Hochschule und Nationalsozialismus. Die Universität Tübingen im Dritten Reich. Mohr Siebeck, Tübingen 1977, ISBN 3-16-939602-1.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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Johann Andreas Laupp (1819–1823)| Ernst Wilhelm Bierer (1823–1857)| August Friedrich Rapp (1857–1874)| Julius Gös (1874–1897)| Hermann Haußer (1897–1927)| Adolf Scheef (1927–1935)| Ernst Weinmann (1939–1945)| Fritz Haussmann (1945)| Viktor Renner (1945–1946)| Adolf Hartmeyer (1946–1948)| Wolfgang Mülberger (1949–1954)| Hans Gmelin (1954–1975)| Eugen Schmid (1975–1999)| Brigitte Russ-Scherer (1999–2007)| Boris Palmer (2007–)

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