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Weber-Karde

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Weber-Karde
Datei:Dipsacus sativus-17.jpg

Weber-Karde (Dipsacus sativus)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Unterfamilie: Kardengewächse (Dipsacoideae)
Gattung: Karden (Dipsacus)
Art: Weber-Karde
Wissenschaftlicher Name
Dipsacus sativus
(L.) Honck.

Die Weber-Karde (Dipsacus sativus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Honck., Synonym: Dipsacus fullonum <templatestyles src="Person/styles.css" />Huds. non L.<ref name="Exkursionsflora">Werner Rothmaler, Eckehart J. Jäger: Exkursionsflora von Deutschland (Band 2) Gefäßpflanzen: Grundband. Elsevier, München 2005, ISBN 3-8274-1600-0, S. 376.</ref>), auch Rau-, Woll- oder Tuchkarde, wird auch Kardendistel oder Kardel genannt und ist eine Pflanzenart aus der Unterfamilie der Kardengewächse (Dipsacoideae). Heute wird sie oft auch nur als eine Unterart (Dipsacus fullonum L. subsp. sativus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Thell.) der Wilden Karde (Dipsacus fullonum <templatestyles src="Person/styles.css" />L.) aufgefasst.

Beschreibung

Datei:Dipsacus sativus1.jpg
Reife Weber-Karde
Datei:Dipsacus sativus MHNT.BOT.2016.24.75.jpg
Dipsacus sativus, Fruchtstand und Samen

Die Weber-Karde ist, wie die sehr ähnliche Wilde Karde, eine zweijährige Pflanze. Bei der Weber-Karde stehen die Hüllblätter waagrecht ab, während sie bei der Wilden Karde nach oben gebogen sind. Darüber hinaus sind ihre Spreublätter breiter, kürzer, starr und an der Spitze nach rückwärts gekrümmt. Diese hakenförmige Krümmung macht die Karde für die Textilindustrie nutzbar.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.<ref name="Oberdorfer2001" />

Verwendung

Der Name Weberkarde (oder auch Weberdistel und Wolfskamm<ref>Vgl. auch Hermann Paul: Deutsches Wörterbuch. 3. Auflage. Halle an der Saale 1921, 656 („die Wolle wurde gewolft“).</ref>) leitet sich davon ab, dass die dornenförmigen, aber elastischen Spitzen des getrockneten Fruchtstandes geeignet sind, um die Oberfläche von Wollgeweben aufzurauen, ohne sie zu zerreißen. Es wird so eine flanellartige flauschige Oberfläche erzeugt. Zahlreiche Fruchtstände wurden längs durchbohrt und in einer Achse rotierend neben- und hintereinander auf einem Gerät montiert, das über den Wollstoff geführt wurde. Eine Darstellung aus einem der Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftung von 1545 zeigt einen „Kardenmacher“, der diese Geräte bereits so herstellte.<ref>http://www.nuernberger-hausbuecher.de/75-Amb-2-317-166-v [gesichtet am 16. September 2013]</ref> Weitere Abbildungen aus demselben Buch zeigen einen „ferber“ (Färber)<ref>http://www.nuernberger-hausbuecher.de/75-Amb-2-317-156-v</ref> und einen Tuchmacher<ref>http://www.nuernberger-hausbuecher.de/75-Amb-2-317-131-v</ref>, wie sie die Karde verwenden, um den Stoff zu kämmen. Nach einigem Gebrauch sind die Spitzen abgenutzt und die Fruchtstände müssen ersetzt werden, deshalb verwenden modernere Kratzen Draht. Aufgrund dieser Verwendung war die sogenannte Distelkarde das Innungszeichen der Tuchmacher. Heute findet diese aufwändige Methode nur noch bei der Herstellung von hochwertigen Wollstoffen, u. a. Filz für Billardtische, Verwendung.

Verbreitung und Standort

Die früher auch als Labrum veneris, Virga pastoris und „weiße Distel“<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 194 (Labrum veneris – wyß disteln) und 235–236 (Virga pastoris – karten, die die weber bruchen zu dem wullenduch, fullonum, dypseus, persenda, dipsacos, harsiarbai […] – wilde carte […]).</ref> bezeichnete Weber-Karde ist in unseren Breiten als Kulturpflanze bekannt und kommt wild nur im westlichen Mittelmeerraum vor. Möglicherweise stammt sie ursprünglich von Dipsacus ferox ab. Die Weber-Karde wurde im 19. Jahrhundert aus Frankreich nach Deutschland importiert und großflächig kultiviert. Das letzte kommerzielle Anbaugebiet im deutschsprachigen Raum befand sich im österreichischen Mühlviertel; die dortige Kardengenossenschaft wurde 1955 aufgelöst.

Die Wilde Karde ist als Unkraut in Europa und Vorderasien, auf steinigen kalk- und stickstoffhaltigen Böden, in Auwäldern und an Böschungen bis auf eine Höhe von 1000 Metern verbreitet. Die verwilderte echte Weber-Karde dagegen wird in neueren Florenwerken für Deutschland als „verschollen“ bezeichnet. Sie kommt aber am Oberrhein, im Bodenseegebiet und in Vorarlberg vor.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" /> Fundmeldungen sind regelmäßig auf die Verwechslung mit der Wilden Karde zurückzuführen. Dies gilt auch häufig für Angebote von Samenhandlungen.

Taxonomie

Die Weber-Karde wurde 1762 von Carl von Linné in Species Plantarum 2. Auflage Band 2 Seite 1677 als Varietät Dipsacus fullonum var. sativus erstbeschrieben. Diese Varietät wurde 1782 durch Gerhard August Honckeny (1724–1805) in Vollständiges Systematisches Verzeichniss aller Gewächse Teutschlandes... Seite 374 als Dipsacus sativus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Honck. als Art eingestuft.

Wappenzeichen

In Grün dargestellt findet sich eine Weber-Karde im Wappen von Katsdorf, Mühlviertel, Oberösterreich. Auch das oberschwäbische Baienfurt führt so die Pflanze.

Der Heimatverein Katsdorf und Umgebung, der das Karden- und Heimatmuseum Katsdorf betreibt, hat 3 Weber-Karden in seinem ovalen Signet.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Gerald Parolly: Caprifoliaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 835.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Weber-Karde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien