Zum Inhalt springen

Riesenfenchel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2025 um 18:57 Uhr durch imported>Georg Hügler (Trivialnamen: falls da mal keine Verwechslung mit der Birkwurz Ferulago nodosa mögich gewesen wäre).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Riesenfenchel
Datei:Riesenfenchel.JPG

Riesenfenchel (Ferula communis)

Systematik
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Scandiceae
Gattung: Steckenkräuter (Ferula)
Art: Riesenfenchel
Wissenschaftlicher Name
Ferula communis
L.

Der Riesenfenchel (Ferula communis), auch Gemeines Steckenkraut oder Gemeines Rutenkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Steckenkräuter (Ferula) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Im alten Rom wurde er als Narthex ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) bzw. (in einer vermutlich ausgestorbenen Varietät) als Silphium bezeichnet (siehe auch Ferula drudeana).

Beschreibung

Datei:Ferula communis.jpg
Habitus vor der Blüte
Datei:FERULA COMMUNIS - MONTPOL - IB-085 (Canyaferla).jpg
Unreife Früchte
Datei:Ferula communis MHNT.BOT.2008.1.11.jpg
Früchte

Habitus

Der Riesenfenchel ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 1 bis 3 Metern. Die bei Durchmessern von 3 bis 7 Zentimetern relativ dicken Stängel sind gefurcht. Der recht dünnwandige Stängel ist großteils mit einem leichten Mark gefüllt, das einige der wenigen Nutzungsmöglichkeiten dieser Pflanzenart darstellte (siehe Kulturgeschichte).

Blatt

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Wie bei anderen Doldenblütlern sind die Blattspreiten fein zerteilt und dünn. Die weichen Blattspreiten sind drei- bis vierfach gefiedert, mit bis zu 5 Zentimeter langen, flachen, linealischen Abschnitten. Die unteren Blätter sind lang gestielt und 30 bis 60 Zentimeter groß. Die oberen Laubblätter besitzen auffällig große Blattscheiden, bei den obersten ist die Blattspreite völlig reduziert.

Blütenstand, Blüte und Frucht

Die Blütezeit reicht von April bis Juni. Die reich verzweigten Gesamtblütenstände des Riesenfenchels bestehen aus vielen doppeldoldigen Teilblütenständen. Die zusammengesetzten Blütenstände bestehen aus kurz gestielten, Früchte tragenden Enddolden, sie sind 20- bis 40-strahlig und von langstieligen, unfruchtbaren Seitendolden umgeben. Eine Hülle fehlt und die Hüllchenblätter fallen früh ab. Die Kronblätter sind gelb und 8 Millimeter lang.

Die Doppelachänen zerfallen in zwei elliptische, rippige und abgeflachte, kurzflüglige Achänen, die orange-bräunlich sind.

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.<ref name="IPCN" />

Standort

Ferula communis gedeiht meist auf kalkhaltigen Böden.

Datei:Ferula linkii LC0214.jpg
Habitus und Blütenstand von Ferula communis subsp. linkii

Systematik und Verbreitung

Die Erstveröffentlichung von Ferula communis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 246.<ref name="Tropicos" />

Ferula communis ist im gesamten Mittelmeerraum und seit 2011 auf den Kanarischen Inseln verbreitet.

Je nach Autor gibt es bis fünf Unterarten:<ref name="Euro+Med" /><ref name="POWO" />

  • Ferula communis subsp. brevifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Link ex Schult.) Elalaoui ex Dobignard (Syn.: Ferula brevifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Link ex Schult.): Den Rang einer Unterart hat sie seit 2011. Sie kommt auf den Kanarischen Inseln, in Marokko und Algerien vor.<ref name="POWO" />
  • Ferula communis <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. communis: Sie kommt in Spanien, Italien, Frankreich, auf Korsika, Sardinien, Sizilien, Kreta, auf Inseln in der Ägäis, Kroatien, Albanien, Griechenland und in der europäischen und asiatischen Türkei vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Ferula communis subsp. cardonae <templatestyles src="Person/styles.css" />Sánchez-Cux. & M.Bernal: Sie wurde 1998 erstbeschrieben. Dieser Endemit kommt nur auf Menorca vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Ferula communis subsp. catalaunica <templatestyles src="Person/styles.css" />(C.Vicioso) Sánchez-Cux. & M.Bernal: Sie kommt in Portugal, Spanien, Frankreich, auf Mallorca, Menorca und Ibiza vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Ferula communis subsp. linkii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Webb) Reduron & Dobignard (Syn.: Ferula linkii <templatestyles src="Person/styles.css" />Webb): Den Rang einer Unterart hat sie seit 2011. Sie kommt auf den Kanarischen Inseln vor.<ref name="POWO" />
Datei:Ferula faemina Plinii - Fenocchione Salvatico - La Ferule. (Giant fennel) (NYPL b14444147-1130670).tiff
Illustration

Ökologie

Der Riesenfenchel dient Schmetterlingsraupen als Futter, unter anderem dem Korsischen Schwalbenschwanz (Papilio hospiton Gunée).

Kulturgeschichte

Der Sage nach soll Prometheus den trockenen Stängel eines Riesenfenchels verwendet haben, um ihn am Sonnenwagen des Helios zu entzünden und den Menschen das Feuer zu bringen, das die Götter ihnen vorenthalten wollten.

„[…] Doch Iápetos’ Sohn [= Prometheus], der berühmte,
stahl dem allweisen Zeus nun dieses zurück für die Menschen
in einem hohlen Narthex, dem Donnerfrohen verborgen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Hesiod: Werke und Tage

Das leicht entzündliche Mark des Stängels schwelt langsam und verbrennt, ohne die Rinde des Stängels völlig zu zerstören. Das Mark kam als Zunder zum Einsatz und diente zum Transport von Glut.

Die Pflanze war auch dem Gott des Weines, Dionysos heilig. Der leichte und doch stabile Stängel wurde mit einem Pinienzapfen bekrönt. Wer dem Wein zu stark zugesprochen hatte, konnte sich ohne Verletzungsgefahr auf solche Stäbe stützen, die thyrsoi genannt wurden.

In Italien nutzten die mittelalterlichen Benandanti die Stängel des Riesenfenchels, um gegen Hexen zu kämpfen.<ref>Carlo Ginzburg: I benandanti: Ricerche sulla stregoneria e sui culti agrari tra Cinquecento e Seicento. 1966, Die Benandanti. Feldkulte und Hexenwesen im 16. und 17. Jahrhundert. Syndikat, Frankfurt a. M. 1980.</ref>

Nutzung

Im antiken Rom wurde der Stängel zur Züchtigung verwendet. Für die Züchtigung von Sklaven wurde er in Wasser eingeweicht und war schmerzhaft, für Kinder wurde er trocken (laut, aber wenig schmerzvoll) verwendet. Das lateinische Verb {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) und die lateinische Bezeichnung der Pflanze, Ferula, deuten auf diesen Zusammenhang.

Die Stängel des Riesenfenchels wurden auch für Kleinmöbel wie Hocker und Regale genutzt, die ähnlich wie solche aus Bambus gearbeitet waren.

Ebenso wurde (und wird zum Teil heute noch) Ferula communis in Nordafrika und vor allem in Sizilien zur Herstellung von Bienenbeuten verwendet: Aus den trockenen Stängeln werden quadratische Rähmchen gebaut, die mit durchgezogenen Ruten zu ca. 1 m langen Tunneln zusammengeheftet werden. Diese werden mit einer Mischung aus Kuhdung und Lehm verfugt und nach dem Trocknen in Reihen übereinander gestapelt.<ref>Friedrich Ruttner: Historische Entwicklung des Bienenstockes. Apimondia, Bukarest 1979, S. 17.</ref>

Aus den Wurzeln wird ein Gummiharz gewonnen (Fasoy, Fasukh, Fessoukh, Afrikanisches Ammoniakgummi).

Trivialnamen

Für den Riesenfenchel bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Aruten (Tirol im Pongau, Pinzgau), Bickwurz und Birkenwurz<ref>Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 151. (online).</ref> sowie birckwortz.<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 185 („Ferula – birckwortz, Marchiti, enterion“ = Ferulac spec., besonders F. communis L.)</ref>

Siehe auch

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="Tropicos"> Ferula communis bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="IPCN"> Ferula communis bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Euro+Med"> Ralf Hand (2011): Apiaceae.: Datenblatt Ferula communis In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Ferula communis bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Riesenfenchel (Ferula communis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien