Zum Inhalt springen

Diaboleit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 28. Mai 2025 um 20:45 Uhr durch imported>Bubenik (Klassifikation: Korrektur).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Diaboleit
Datei:Diaboleite-203806.jpg
Prismatischer Diaboleit von den Schlackenfeldern der Thorikos Bucht, Bezirk Lavrio, Attika, Griechenland (Bildbreite: 0,8 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

2007 s.p.<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

IMA-Symbol

Dbol<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Pb2Cu(OH)4Cl2<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Halogenide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

III/D.12
III/D.12-050

3.DB.05
10.06.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol ditetragonal-pyramidal; 4mm<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P4mm (Nr. 99)Vorlage:Raumgruppe/99<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 5,88 Å; c = 5,50 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 1<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen tafelig nach {001}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,42; berechnet: 5,48
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}
Bruch; Tenazität muschelig, spröde
Farbe dunkelblau bis leuchtend himmelblau
Strichfarbe hellblau
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Diamantglanz, Perlglanz auf den Spaltflächen
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 1,980<ref name="Mindat" />
nε 1,850<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ = 0,130
Optischer Charakter einachsig negativ

Diaboleit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Halogenide. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb2Cu(OH)4Cl2<ref name="StrunzNickel" /> und entwickelt meist durchsichtige bis durchscheinende Kristalle mit tafeligem bis prismatischem Habitus und quadratischer oder achteckiger Tracht, aber auch massige Aggregate von dunkelblauer bis leuchtend himmelblauer Farbe bei hellblauer Strichfarbe.

Unverletzte Kristallflächen weisen einen diamantähnlichen Glanz auf, Spaltflächen dagegen eher einen perlmuttartigen Glanz.

Etymologie und Geschichte

Benannt wurde das Mineral nach dem griechischen Wort {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) für „auseinander“ oder „verschieden“ in Anspielung auf seine Verwandtschaft zum Boleit, von dem es sich dennoch durch Kristallform deutlich unterscheidet.

Erstmals entdeckt wurde Diaboleit in der „Higher Pitts Mine“ bei Priddy in der englischen Grafschaft Somerset. Beschrieben und benannt wurde er 1923 von Leonard James Spencer (1870–1959)<ref name="Tilley" /> und Edgar Donald Mountain (1901–1985)<ref name="jacksand" />, der die Zusammensetzung analysierte.<ref name="Spender" />

Typmaterial des Minerals wird im Natural History Museum von London unter der Register-Nr. 1923,521 sowie im National Museum of Natural History in Washington D.C. in den USA unter der Register-Nr. 94813 aufbewahrt.

Klassifikation

Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Diaboleit zur Gruppe der nicht stöchiometrischen Doppelperowskite mit unbesetzter B-Position in der Perowskit-Supergruppe. Hier ist er das bislang (2025) einzige Mineral in der Diaboleit-Untergruppe.<ref name="Mitchell et al. 2017" />

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Diaboleit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung der „Oxihalogenide“, wo er zusammen mit Bideauxit, Boleit, Chloroxiphit, Cumengeit, Hämatophanit, Pseudoboleit und Yedlinit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Diaboleit in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die Abteilung der „Oxihalogenide, Hydroxyhalogenide und verwandte Doppel-Halogenide“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der beteiligten Metalle, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Pb, Cu usw.“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 3.DB.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Diaboleit in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die Abteilung der „Oxihalogenide und Hydroxyhalogenide“. Hier ist er einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 10.06.01 innerhalb der Unterabteilung der „Oxihalogenide und Hydroxyhalogenide mit der Formel AmBn(O,OH)pXq“ zu finden.

Kristallstruktur

Diaboleit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe P4mm (Raumgruppen-Nr. 99)Vorlage:Raumgruppe/99 mit den Gitterparametern a = 5,88 Å und c = 5,50 Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Datei:Chloroxiphite-Diaboleite-Mendipite-bem-18b.jpg
Chloroxiphit und Diaboleit in Mendipit aus der Higher Pitts Mine bei Priddy, Somerset, England

Diaboleit bildet sich als Sekundärmineral in stark verwitterten mangan- oder blei- und kupferhaltigen Erzen. Begleitminerale sind unter anderem Atacamit, Boleit, Caledonit, Chloroxiphit, Cerussit, Hydrocerussit, Leadhillit, Mendipit, Paratacamit, Phosgenit und Wherryit.

Weltweit konnte Diaboleit bisher (Stand: 2011) an rund 50 Fundorten nachgewiesen werden. Neben seiner Typlokalität Priddy wurde das Mineral noch in den Mendip Hills, bei Holwell, Cranmore und Cheddar in der Grafschaft Somerset sowie bei Padstow und Crantock in der Grafschaft Cornwall gefunden.

In Deutschland trat das Mineral in einem Schlackenfeld bei Richelsdorf in Hessen, bei Astfeld in Niedersachsen und in der Essener Zeche Christian Levin in Nordrhein-Westfalen zutage. In Österreich fand sich das Mineral bisher nur in einem Schlackenfeld bei Waitschach in Kärnten.

Weitere Fundorte sind Australien, Chile, Frankreich, Griechenland, Iran, Italien, Südafrika und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Mindat" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="jacksand"> Minéraux et étymologie vom 28. Februar 2009 (Mountainite benannt nach Prof. Edgar Donald Mountain (1901-1985), Geologue et Mineralogiste anglais) </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Diaboleite (englisch) </ref> <ref name="Mitchell et al. 2017"> </ref> <ref name="Spender"> L. J. Spender: New Lead-Copper Minerals from the Mendip Hills (Somerset). In: Journal of the Chemical Society, Abstracts. Band 124, 1923, S. ii774, doi:10.1039/CA9232405774 (rruff.info [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 8. Februar 2018] mit Analysen von E. D. Mountain). </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X. </ref> <ref name="Tilley"> C. E. Tilley: Memorial of Leonard James Spencer. In: The American Mineralogist. Band 45, 1960, S. 403–406 (minsocam.org [PDF; 288 kB; abgerufen am 8. Februar 2018]). </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Diaboleite (englisch) </ref> </references>