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Erhard Goldbach

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Erhard Goldbach (* 25. Juni 1928<ref>Erdöl & Kohle, Erdgas, Petrochemie in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref>; † 9. Mai 2004), auch bekannt als der Ölkönig von Wanne, war Eigentümer der Tankstellenkette Goldin und ein Sportmäzen.

Leben

Erhard Goldbach begann seine Karriere als Kohlenhändler in Wanne-Eickel. 1956 stieg er in den Benzinhandel ein und gründete an der Heerstraße in Crange eine freie Tankstelle. Aus der Tankstelle wurde eine Tankstellenkette namens Goldin. Goldbach expandierte weiter; Ende der 1970er Jahre unterhielt er über 260 Tankstellen und besaß außerdem Autohäuser sowie ein großes Tanklager.<ref>Wolfgang Berke, Jan Zweyer: Echt kriminell. Die spektakulären Fälle aus dem Ruhrgebiet. Klartext Verlag, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0705-8, S. 39f.</ref> An seinen Tankstellen unterbot er die Preise der Konkurrenz meist um zwei Pfennig, er stellte sich als „Robin-Hood der Zapfsäule“ im Kampf gegen die großen Mineralölkonzerne dar.<ref name="Ralf Piorr">Ralf Piorr: Der „Robin Hood der Zapfsäule“. In: Ulrich Homann, Achim Nöllenheidt (Hrsg.): Disco, Willy & Flokati. Klartext Verlag, Essen 2019, S. 10–14.</ref> Um die Nachfrage decken zu können, ließ er am Rhein-Herne-Kanal, im westlichen Teils des Wanner Osthafens, einen eigenen Hafen anlegen, den „Ölhafen Goldbach“.<ref>Klaus Fritsche: Wandel zwischen Papageienbrücke und Reemrenreh, 2021, darin S. 8: Exkurs: Tatort Ölhafen: 360 Millionen versenkt, abgerufen am 16. Mai 2022.</ref>

Mitte der 1970er Jahre waren die Tankstellen nicht mehr rentabel. Dies wurde jedoch unter anderem durch einen weiterhin ungebremsten Ausbau des Tankstellennetzes verschleiert. Obwohl die Steuerbehörden und der Zoll bereits 1974 erhebliche Zweifel an der Korrektheit von Goldbachs Buchführung hegten, wurden auf „Weisung von oben“ zunächst keine weiteren Schritte unternommen. Stattdessen wurde trotz wachsender Steuerschulden Zahlungsaufschub gewährt, auch dank der Mithilfe des ehemaligen Zollinspektors Karl Krammig (CDU, MdB 1953-61 und 1965-80), der während seiner zweiten Amtsperiode Mitglied im Bundesfinanzausschuss war, und der von Goldbach zugleich einen Millionenvertrag als „Berater“ erhielt. Krammig stieg als Finanzfachmann zur zentralen Figur in Goldbachs Imperium auf und konnte Zoll- und Finanzbehörden immer wieder beschwichtigen und hinhalten. Unter anderem wurde Goldbach Ende 1977 auf Betreiben Krammigs durch Beamte im von Otto Graf Lambsdorff (FDP) geführten Bundeswirtschaftsministerium eine Staatsbürgschaft für einen Bankkredit in Höhe von 18 Millionen DM gewährt.<ref>Geld im Koffer. In: Der Spiegel. 10. Februar 1980, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 16. April 2026]).</ref>

Das Ende kam mit einer unangekündigten Betriebsprüfung seiner Firmenzentrale an der Heerstraße in Crange durch die Zoll- und Steuerfahndung am 24. Juli 1979.<ref>Stefan Budde-Siegel: Goldbach/Goldin: Der größte Benzin- und Steuerbetrug der BRD. 3. Oktober 2025, abgerufen am 16. April 2026.</ref> Goldbachs System flog auf und entpuppte sich als kriminelle Handlung. Er verkaufte am Zoll vorbeigeschmuggeltes und unversteuertes Benzin, fingierte Belege und transportierte Schwarzgeld in Koffern auf seine Konten im Ausland. Goldbach konnte zunächst im Ausland untertauchen. Daraufhin wurde international nach ihm gefahndet, auch mittels der Fernsehsendung Aktenzeichen XY … ungelöst. Am 13. Februar 1980 wurde er in Boppard festgenommen. Im selben Jahr wurde er wegen Betrugs zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Am 3. April 1985 wurde er wegen Steuerhinterziehung zu zwölf weiteren Jahren Haft verurteilt. Goldbach hatte mindestens 360 Millionen DM an Steuern hinterzogen.<ref name="Ralf Piorr" /> Der von Goldbach bis zur Pleite seiner Firma geförderte Sportclub Westfalia Herne verlor seine Spiellizenz und wurde vom DFB von der 2. Fußball-Bundesliga in die Oberliga Westfalen herabgestuft.

Nach 9 Jahren wurde Goldbach aus dem Gefängnis entlassen. Er versuchte erneut in der Mineralölbranche Fuß zu fassen, blieb aber erfolglos.

Im Jahr 2010 wurde ein verborgener "Geheimtresor" in Goldbachs ehemaligem Wohnhaus anlässlich der Recherche zur Dokumentation „Goldbach/Goldin: Der größte Benzin- und Steuerbetrug der BRD“ auf Betreiben des Filmemachers Christoph Weber vor laufender Kamera von einem "Safeknacker" aufgebohrt, erwies sich aber als leer. Der neue Hauseigentümer hatte den Tresor schon Jahre früher kurz nach dem Kauf zufällig entdeckt, ihm aber keine Bedeutung beigemessen.<ref>Arne Poll: Auf Jagd nach den Goldbach-Millionen, WAZ/Funke Mediengruppe, 11. Oktober 2010, abgerufen am 1. Januar 2019.</ref>

„Es ist bis heute der größte deutsche Steuerskandal. Niemand hat den Staat um mehr Geld betrogen, niemand saß für ein Wirtschaftsverbrechen länger im Knast; und es ist einfach die größte Herner Geschichte überhaupt.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Ralf Piorr, Historiker

Literatur

  • Ralf Piorr: Der „Robin Hood der Zapfsäule“. In: Ulrich Homann, Achim Nöllenheidt (Hrsg.): Disco, Willy & Flokati. Klartext Verlag, Essen 2019, ISBN 978-3-8375-2014-9, S. 10–14.
  • Geld im Koffer. In: Der Spiegel. Nr. 7, 1980, S. 48–50 (online).
  • Stefan Budde-Siegel: „Goldbach/Goldin: Der größte Benzin- und Steuerbetrug der BRD“. In: Sonntagsnachrichten

Filme

  • TV-Dokumentation: Der große Benzinbetrug (WDR, Erstsendung 15. April 2011, 45 Minuten) - diese Dokumentation wurde aufgrund einer Klageandrohung der Familie Goldbach seit seiner Erstausstrahlung nicht mehr gezeigt.
  • Podcast: Steiler Aufstieg, schneller Fall (Stefan Wette auf waz.de, 3. Januar 2020, 19:47 Min)

Einzelnachweise

<references />

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