Assata Shakur
Assata Olugbala Shakur (* 16. Juli 1947 in New York City als Joanne Deborah Byron, verheiratet Chesimard; † 25. September 2025 in Havanna) war eine US-amerikanische militante Politaktivistin, die in den 1970er Jahren wegen Mordes verurteilt wurde und nach Kuba floh. In den USA stand sie bis zuletzt auf der FBI-Liste der meistgesuchten Terroristen.
Leben
Ende der 1960er-Jahre kam die Studentin Assata Shakur in Kontakt mit der aufkommenden Bürgerrechtsbewegung in den USA. Sie tauschte ihren „Sklavennamen“ Joanne Deborah Byron gegen den selbstgewählten afrikanischen. Shakur politisierte sich und stieß zu der Black Panther Party, für die sie unter anderem an Universitäten aktiv war, und arbeitete mit Kindern aus schwarzen Communitys. Später schloss sie sich dem militanten Arm der Bewegung an und wurde Mitglied der schwarz-nationalistisch-marxistischen Untergrundorganisation Black Liberation Army.<ref>Sabine Rohlf: Das Leben der Assata Shakur. In: Missy Magazin. 24. März 2017, abgerufen am 16. Dezember 2017.</ref>
Am 2. Mai 1973 wurde ihr Auto wegen einer Verkehrsordnungswidrigkeit angehalten, während sie wegen mehrerer Straftaten gesucht wurde. Bei der folgenden Schießerei wurde ein Polizist getötet und ein weiterer lebensgefährlich verletzt. Shakur wurde angeschossen und kurz darauf mit einem Begleiter festgenommen, der andere wurde bei dem Schusswechsel getötet. In einem Strafverfahren wurde sie unter anderem wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, ihr Begleiter erhielt ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe. Shakur bestand darauf, nicht selbst geschossen zu haben.<ref>Volker Hermsdorf: FBI bläst zur Terrorjagd. In: junge Welt. 5. April 2013, S. 1 (jungewelt.de [abgerufen am 27. September 2025]).</ref>
Am 2. November 1979 wurde sie von einem bewaffneten Kommando der Black Liberation Army aus dem Gefängnis Clinton Correctional Facility for Women befreit. Seither führte sie das FBI auf einer Fahndungsliste. Bis 1984 lebte sie im Untergrund, zunächst in Pittsburgh und auf den Bahamas, dann erhielt sie in Kuba politisches Asyl. Dort arbeitete sie für den Rundfunk, ihre Tochter kam nach Kuba und 1987 erschien ihre Autobiografie. Gloria Rolando drehte in den späten 1990er Jahren einen Dokumentarfilm über sie.<ref name="bio1">Vanessa E. Thompson/Raul Zelik: Meistgesucht, aber nie geschnappt Die schwarze US-Linke Assata Shakur stirbt mit 78 Jahren im kubanischen Exil. In: nd-aktuell.de. 28. September 2025, abgerufen am 29. September 2025.</ref>
Am 2. Mai 2013 hatte das FBI ein Kopfgeld in Höhe von bis zu einer Million US-Dollar auf ihre Ergreifung ausgesetzt.<ref>FBI Fahndungsblatt.</ref> Eine weitere Million kam vom Bundesstaat New Jersey. Da sie als Inlandsterroristin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) eingestuft wurde, war sie damit die erste Frau, die das FBI auf der Liste der meistgesuchten Terroristen führte.<ref>Focus Online: Vorwurf des Polizistenmordes in USA: Erste Frau auf Liste der meistgesuchten Terroristen. In: Focus Online. 3. Mai 2013 (archive.org [abgerufen am 27. September 2025]).</ref><ref>Erstmals Frau auf Terrorfahndungsliste der USA. In: Der Spiegel. 3. Mai 2013, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 27. September 2025]).</ref> Bis zu diesem Zeitpunkt lebte Shakur offen auf Kuba, danach wurde sie von kubanischen Behörden aus der Öffentlichkeit geholt.<ref name="bio1"/>
Im Zuge des im Dezember 2014 eingeleiteten Verhandlungsprozesses zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten rückte auch Assata Shakurs Situation wieder in den Fokus medialer Berichterstattung. Eine von US-amerikanischer Seite thematisierte Auslieferung schloss die kubanische Regierung jedoch mit dem Hinweis aus, dass sie an ihrem Recht festhalte, Menschen nach eigenem Ermessen politisches Asyl zu gewähren.<ref>Cuba: America's most wanted woman Assata Shakur will not be extradited. In: The Guardian. 23. Dezember 2014, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 27. September 2025]).</ref>
Assata Shakur war Patin des 1996 gewaltsam ums Leben gekommenen Rappers Tupac Shakur und war in der Rap-Szene mehrfach in Musikstücken ehrend erwähnt worden. Unter anderem widmeten ihr Chuck D von der Band Public Enemy, Paris, David Rovics und Common Lieder,<ref>Sean Posey: Assata Shakur: Still America's Nightmare? in: The Hampton Institute vom 2. Juli 2013, abgerufen am 26. Januar 2015 (englisch).</ref> wobei vor allem Commons Aufführung von A Song for Assata bei einer Veranstaltung im Weißen Haus im Mai 2011 für eine Kontroverse sorgte.<ref>Sara Just: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Common Controversy Comes to White House Poetry Night; Cops, Conservatives Cry Foul at Some of His Past Work, ( vom 18. Januar 2015 im Internet Archive) in: ABC news vom 11. Mai 2011, abgerufen am 26. Januar 2015 (englisch).</ref>
Shakur war Mitglied der New Communist Movement. Sie starb am 25. September 2025 in Kuba im Alter von 78 Jahren.<ref>Assata Shakur, wanted Black Liberation Army member, dies at 78 in Cuba. In: ABC News. 26. September 2025, abgerufen am 26. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Literatur
- Assata Shakur: Assata. Eine Autobiographie aus dem schwarzen Widerstand in den USA (Bremen 1990/91: Agipa-Press) ISBN 3-926529-02-4; (Neuauflage: Bremen 2003: Atlantik-Verlag) ISBN 3-926529-44-X
- Assata Shakur: Ein Interview in Havanna / Cuba (Bremen, Agipa-Press, Juni 1992, Heft mit 15 S. und Abbildungen) ISBN 3-926529-07-5.
Weblinks
- Literatur von und über Assata Shakur im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Vorlage:IMDb/1
- Website für Assata Shakur
- Thomas Pfaff: 16. Juli 1947 - Die „Black-Panther“-Aktivistin Assata Shakur wird geboren WDR ZeitZeichen vom 16. Juli 2022, mit Norbert Finzsch. (Podcast)
- GKW07 Assata Shakur & die Black Panther Party (Podcastbeitrag), buzzsprout.com
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Shakur, Assata |
| ALTERNATIVNAMEN | Shakur, Assata Olugbala; Byron, Joanne Deborah (Geburtsname); Chesimard, Joanne |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Politaktivistin, Mitglied der Black Panther Party |
| GEBURTSDATUM | 16. Juli 1947 |
| GEBURTSORT | New York City, USA |
| STERBEDATUM | 25. September 2025 |
| STERBEORT | Havanna, Kuba |