Snakeboard
Ein Snakeboard (auch Streetboard oder Pivotboard oder Sydewynder genannt) ist eine Variation eines traditionellen Skateboards, welche 1989 von James Fisher, Oliver Macleod Smith und Simon King erfunden wurde. Es ist inspiriert von Elementen von Snowboards und Surfboards.
Im Unterschied zum im Wesentlichen starren Skateboard besteht ein Snakeboard aus drei in Fahrtrichtung hintereinander liegenden Segmenten, die über vertikale Gelenkachsen verbunden sind. Die zwei endständigen Segmente tragen jeweils ein Paar Walzen (Laufräder) auf einer starren Achse unter oder sehr nahe dem jeweiligen Segmentgelenk.
Auf halber Länge des Boards (ohne Bindungen) steht vertikal eine Spiegelebene, es gibt also mechanisch keinen Unterschied zwischen Vorne und Hinten. Ein Snakeboard kann in beide Richtungen gefahren werden. Die Endsegmente sind unabhängig voneinander verdrehbar.
Eine gewisse Torsionsweichheit in der Längsachse stellt sicher, dass auch auf tordierter Fahrbahn, oder wenn nur ein Rad in eine Mulde einsinkt, alle 4 Räder Bodenkontakt haben.
Unter dem vorderen und dem hinteren Segment befindet sich jeweils eine – starre – Achse mit den Laufrädern. Die Füße des Fahrers stehen über den Achsen auf den Endsegmenten, die sich in einer Art „Lenkbewegung“ gegenüber dem mittleren Segment verdrehen lassen. Indem die Füße rhythmisch zueinander und wieder auseinander gedreht werden und gleichzeitig mit dem Oberkörper unterstützende Drehbewegungen ausgeführt werden, nimmt das Board fahrt auf. Ohne dass die Füße den Boden berühren, können so relativ hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Für spezielle Tricktechniken sind separate Bindungen erhältlich, in die der Fahrer seine Füße steckt. Aktuelle Boards haben Holzdecks und sind damit für Freestyle-Skaten geeignet.
Name
Der Name Snakeboard ist eigentlich ein Markenname.<ref name=":5">Snakeboard USA, Inc.: Trademark 'SNAKEBOARD' – Registration Number 1794562 (Goods: Skateboards). Justia Trademarks, 21. September 1993, abgerufen am 20. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Rechte wurden von den Erfindern des Boards gehalten. Die Bezeichnung ist inspiriert vom „Snaken“, also der schlängelnden Bewegung die das Board beim Fortbewegen macht.<ref name=":0">engorile :: The Snake Concept. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 21. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":4"> Patent US4955626: Skateboard. Veröffentlicht am 11. September 1990, Erfinder: E. O. Macleod Smith, James Fisher, Simon King. </ref><ref> Patent DE69013910: Skateboard. Veröffentlicht am 24. Mai 1995, Erfinder: E. O. Macleod Smith, James Fisher, Simon King.
</ref>
Die World Streetboard Association änderte im Jahr 2000 den Namen des Sports zu Streetboarding.<ref>Streetboard / Schlangenboard. In: The Indian Face. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 30. Dezember 2025; abgerufen am 21. November 2025.</ref> Dementsprechend wird das Sportgerät Streetboard genannt.
Der Begriff Streetboard beschreibt ein generisches Board dessen Räder und Achsen sich zusammen mit den Füßen des Fahrers bewegen und ist nicht an eine Marke oder ein Patent gebunden. Die Idee des Namens Streetboard kommt von einem Snowboard, das für Straßen ausgelegt ist.<ref name=":0" />
Fortbewegung
Anders als beim Skateboard, beschleunigt der Fahrer das Snakeboard, ohne den Boden zu berühren. Dies wird durch eine Drehbewegung und resultiert in einer nicht-holonomen Bewegung.<ref>Jim Ostrowski, Andrew Lewis, Richard Murray, Joel Burdick: Nonholonomic Mechanics and Locomotion: The Snakeboard Example. (caltech.edu [PDF]).</ref> Dabei stehen die Füße des Fahrers über den Achsen auf den Fußplatten, welche sich gegenüber dem mittleren Segment verdrehen lassen. Indem die Füße rhythmisch, horizontal zueinander und wieder auseinander gedreht werden, bewegt der Fahrer das Snakeboard nach vorne.<ref>Snakeboard Streetboard Tutorials. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 20. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Fahrer kann zusätzlich, synchron zu der Fußbewegung, den Oberkörper drehen und die Arme bewegen, um die Geschwindigkeit zu erhöhen oder um das Gleichgewicht zu halten.
„In der Praxis muss die Drehung des Oberkörpers sowie das Öffnen und Schließen der Füße ohne Pause ineinander übergehen. Die Bewegungen sollen sich sogar überlappen, damit das typische Bild des Snakens entstehen kann. An dieser Stelle wird ganz wichtig, die Drehung der Füße unter die Lupe zu nehmen. Um eine nahtlose Verbindung zwischen den Kurven zu erreichen, dürfen die Füße jetzt nicht mehr gleichzeitig ein- oder auswärts gedreht werden, sondern leicht zeitversetzt. Der Fuß, der in Bewegungsrichtung steht, muss die Drehung einleiten.“<ref name=":1" details="S. 50 Snaking">Dirk Rennekamp: Snakeboarding (More Skill, More Fun). Meyer & Meyer Verlag, ISBN 3-89124-618-8.</ref>
Tricks
Die Tricks können von der Benennung und Ausführung mit Skateboardtricks gleichgesetzt werden und werden auch entsprechend gleich benannt.<ref name=":6">World Championships. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. Mai 1998; abgerufen am 21. November 2025.</ref> Es ist Grinden möglich, aber auch ein Slide (Streetskating) sowie auch Snowboardtricks.
Forschung
Auch für die Forschung in der Robotik ist die Art und Weise der Fortbewegung interessant. Einem zweibeinigen Roboter ist es gelungen ein Snakeboard zu fahren und Hindernissen auszuweichen.<ref></ref>
Geschichte
Das Streetboard, ursprünglich unter dem Markennamen Snakeboard bekannt, wurde in seiner Grundform bereits Ende 1988 patentiert.
Das Snakeboard wurde 1988 in Johannesburg, Südafrika erfunden. Drei College-Studenten, James Fisher, Eric O. M. Smith und Simon King, suchten nach einem neuen Boardtyp, um an steilen Straßen wie beim Snowboarden (Carving) Kurven fahren zu können.<ref name=":4" /> Abbremsen sollte ebenso funktionieren. Ihr erster Entwurf, das Ursnakeboard, trug den Namen „Wobbel-Board“. Dieses erste Board bestand aus einem Wasserrohr als Verbindungsstück („Bar“) zwischen den Fußplatten („Plates“, diese wiederum waren ausgesägte Stücke einer Tischtennisplatte) und als Achse dienten auseinandergesägte Rollschuhe.
Zeitgleich entwickelten die Firmen Alterskate und TomTom ebenfalls Streetboards. Da Fisher und McLeod-Smith den Bewegungsablauf und Grundaufbau patentierten, musste Alterskate die Produktion einstellen. Die beiden Südafrikaner gründeten die Firma Snakeboard. Absatzschwierigkeiten trieben das Unternehmen Ende der 1990er Jahre in den Bankrott. Die Patente und Namensrechte wurden von dem englischen Spielwarenhersteller „MV-Sports“ übernommen, die Firma wurde Anfang 2000 an „Toll-Collect“ weiterverkauft und produziert auch wieder.<ref>S n a k e b o a r d e r . com - history. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Mai 2008; abgerufen am 24. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Anfang der 2000er Jahre begann die amerikanische Firma Dimension Streetboards mit der Produktion neuer Boards und trieb die Weiterentwicklung des Sports voran.<ref>History of Dimension Streetboards. Dimension Streetboards, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 30. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dies war auch der Anfang der „From Riders for Riders“-Firmen, die von ehemaligen Pro Fahrern gegründet wurden.<ref>About Us – Streetboarding from the source! In: https://ositos.eu/. Ositos Streetboards, 20. November 2025, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 20. November 2025.</ref>
Wettkämpfe
Für einheitliche Bewertungskriterien wurde die Streetboarding Association gegründet. Dies sollte die Grundlage für eine Weltrangliste sein.<ref>The Snakeboarding Association. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. Mai 1998; abgerufen am 21. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das festgelegte Bewertungskriterium legte eine Jury von 3 Personen fest:
- Person bewertet die Schwierigkeit
- Person bewertet den Stil und die Nutzung der Obstacle
- Person bewertet die Linienwahl und Ausführung
Disziplinen
Neben den aus dem Skateboarding bekannten Skateboard-Disziplinen gibt es im Streetboarding zusätzlich noch Downhill und Slalom.
Slalom
Beim Slalom sind 21 Pylonen auf 20 Meter in gerader Linie mit einem Abstand von jeweils 1 Meter aufgestellt.<ref name=":1" details="Seite 61 - "James-Fischer-Slalom"" /> Einer der Erfinder (James Fisher) hatte 1992 den Rekord in dieser Disziplin aufgestellt mit einer Zeit von 4,50 Sekunden.<ref name=":22">The Fastest Slalom Rider Ever - Snakeboard // Streetboard // Championship // 2024 // Olympiapark // Bavarian Open. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Juli 2025; abgerufen am 24. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Hanno Windisch hat 1996 diesen Rekord mit einer Zeit von 3,82 Sekunden übertroffen. Bis heute ist diese Zeit ungebrochen.<ref name=":22" />
Parallelslalom
In dieser Disziplin sind zwei Slalom Strecken parallel zueinander aufgebaut.<ref name=":1" details="S. 61 - "Parallelslalom"" /> Die Streetboarder treten paarweise in dieser Disziplin an.<ref name=":22" />
Weltmeisterschaften
Die erste Weltmeisterschaft wurde 1994 in Guernsey ausgetragen, in der Jay Beatty (USA) den ersten Platz belegte.<ref>Power Technology, Inc. Kara Guire: Power Technology Changes Name to Flipside International Towards New Global Branding Initiative. In: prnewswire.com. Power Technology, Inc., 16. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 23. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dies erreichte er, indem er einen 720 schaffte.<ref>The Definitive History of Snakeboarding. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Dezember 2024; abgerufen am 21. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Austragungsort 1995 war die Olympiahalle München, wo Ingo Fohre (Deutschland) Weltmeister wurde.<ref>S n a k e b o a r d e r . com - timeline. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Mai 2008; abgerufen am 21. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die USA dominierte die Weltmeisterschaft 1996, welche in London ausgetragen wurde. Dies war die erste Weltmeisterschaft, die Großkonzerne wie Burger King, Coca-Cola oder Foster’s Lager als Sponsoren hatte. Von den 80 Teilnehmern konnte sich Rob Nye (USA) den Weltmeistertitel erkämpfen.<ref name=":6" />
Boardtypen
Seit der Erfindung von Streetboards sind immer wieder leicht veränderte Varianten auf den Markt gekommen. Aufgrund des eingetragenen Warenzeichens der Firma „Snakeboard USA“ wurde es von anderen Firmen unter verschiedenen Namen wie Streetboard/Sydewynder/Pivotboard vermarktet.<ref name=":5" />
Das Klassische Snakeboard unterscheidet sich von anderen Streetboards besonders durch die Mittelstange (Bar) aus Kunststoff.
Heutige Streetboards besitzen als Bar oft eine Breite Fläche aus Holz, welches das Grinden vereinfachen soll.
Als Weiterentwicklung des typischen Streetboards gibt es das Snakeboard 2.0. Dieses besitzt an vorderen Achse ein weiteres Gelenk zur Footplate hat, wodurch eine leichte Bewegung der vorderen Plate seitlich zur Fahrtrichtung möglich wird.<ref>Ositos Streetboards: Snakeboard Pro 2.0. Ositos Streetboards, 2024, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 20. November 2025.</ref> Die meisten Boards besitzen Möglichkeiten zur Befestigung von Halterungen für die Füße. Diese Halterungen gehen von schmalen Schlaufen über „Toe Hooks“ bis hin zu Halterungen, die Snowboard-Bindungen ähneln.
Bekannte Personen
James Fisher
- Miterfinder des Snakeboards
- Erfinder des James-Fisher-Slalom<ref name=":1" details="Seite 61 - "James-Fischer-Slalom"" />
- ehemaliger Weltrekordhalter des James-Fisher-Slaloms<ref name=":1" details="Seite 61 - "James-Fischer-Slalom"" />
Jay "The Captain" Nowman
- seit 1994 in der Snakeboard-Szene aktiv<ref name=":2">Our Moderator: Jay Nowman. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. Mai 2025; abgerufen am 24. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- sowohl Fahrer als auch Moderator und Veranstalter von Wettbewerben<ref name=":2" />
Lothar "Lohde" Christoph
- einziger Slalom-Fahrer ohne Bindungen<ref name=":3">German Championships 1995. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 24. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- bekannt für seine Technik und Schnelligkeit<ref name=":3" />
Literatur
- Dirk Rennekamp: Snakeboarding (More Skill, More Fun). Meyer & Meyer Verlag, ISBN 3-89124-618-8<ref>Dirk Rennekamp: Snakeboarding : more skill - more fun. Aachen : Meyer und Meyer, 2000, ISBN 978-3-89124-618-4 (archive.org [abgerufen am 21. November 2025]).</ref>
Siehe auch
Weblinks
- YouTube-Kanal "Red Pen Streetboard Magazine" mit Tests und Tutorials zu Streetboarding
- Offizielle Website der Streetboard World Series
- Offizielle Website der Bavarian Open Streetboard Championship
Einzelnachweise
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