Manfred Vohrer
Manfred Vohrer (* 21. Juni 1941 in Reutlingen) ist ein deutscher Politiker (FDP), Volkswirt und Unternehmer.
Leben
Manfred Vohrer wurde als dritter Sohn des Kaufmanns Adolf Vohrer und dessen Ehefrau Klara Vohrer, geborene Betz, in Reutlingen geboren. Er besuchte dort die Volksschule und anschließend das Friedrich-List-Gymnasium Reutlingen bis zur Mittleren Reife. Seine Lehrzeit schloss er mit der Facharbeiterprüfung als Rundfunk- und Fernsehmechaniker ab. Das Abitur legte er am Theodor-Heuss-Gymnasium Reutlingen ab. Zeitgleich lernte er Einzelhandelskaufmann im elterlichen Sportartikelgeschäft. Er studierte von 1963 bis 1968 Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten in Tübingen, Lausanne und Freiburg, schloss das Studium als Diplom-Volkswirt ab und wurde 1971 an der Universität Freiburg mit einer Arbeit über die Mobilität der Produktionsfaktoren in der Landwirtschaft bei Constantin von Dietze zum Dr. rer. pol. promoviert. Von 1968 bis 1972 war er als Geschäftsführer des Bundes Badischer Landjugend und Leiter des Referats Jugend und Bildung beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband tätig.<ref>Nach dem Lebenslauf in der Dissertation.</ref>
Politik
Vohrer trat 1962 der FDP in Schallstadt<ref>Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1287.</ref> bei. Von 1972 bis 1983 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war er Mitglied in folgenden Ausschüssen: Obmann im Finanzausschuss (1972–1976) und Stellvertreter im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (1972–1983). Er war von 1976 bis 1983 entwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Er wurde stets über die Landesliste Baden-Württemberg gewählt.
Vohrer war von 1973 bis 1983 Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der Westeuropäischen Union und des Europarates in Straßburg. In letzterer war er Generalsekretär der liberalen Fraktion (1974–1980) und von 1980 bis 1983 Fraktionsvorsitzender der Liberalen.<ref>Vohrer: Europarat soll sich „politisieren“. Die Bandbreite der liberalen Fraktion ist groß. In: Badische Zeitung, Nr. 226, 1. Oktober 1981.</ref> Von 1989 bis 1994 war er Mitglied des Europäischen Parlaments und dort Mitglied im Umweltausschuss. Als Berichterstatter im Europarat und Europäischen Parlament gab er seit 1973 Anregungen zu mehr Ökologie in der Marktwirtschaft und trat 1991 im Europäischen Parlament als Berichterstatter für „Ökonomische und fiskalische Instrumente der Umweltpolitik“ für den Emissionshandel in der Klimapolitik ein.<ref>Parliamentary Assembly of the Council of Europe, Doc. 3598 vom 9. April 1975: Report on the economic consequences of „the limits to growth“. Entschließungen des Europäischen Parlaments, A3–130/91 vom 13. Juni 1991. Manfred Vohrer (Hrsg.): Ökologische Marktwirtschaft in Europa. Nomos Verlag, Baden-Baden 1992, S. 273–280; Manfred Vohrer: Ein phantasievolles Instrumentarium ist zu entwickeln. In: Frankfurter Rundschau, 11. Dezember 1979, S. 17.</ref>
Vohrer ist Ehrenvorsitzender des Freundeskreises Walter Scheel e.V.,<ref>Freundeskreis Walter Scheel e.V.</ref> der zusammen mit der Walter-Scheel-Stiftung und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit alle zwei Jahre den Walter-Scheel-Preis verleiht. Er war von 1978 bis 1990 Mitglied des Beirats der Friedrich-Naumann-Stiftung. Er ist seit 1972 Delegierter der europäischen Liberalen und der FDP auf Bundes- und Landesebene.
Vohrer wurden 1980 der Ordre national du Mérite der Französischen Republik, 1981 das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland<ref>Ein Leben für mehr Ökologie in der Marktwirtschaft. Dr. Manfred Vohrer. Ein Öko-Liberaler. Eine Mischung aus Biographie und Festschrift zum 80. Geburtstag. Bearbeitet von Horst Bürkle, Reutlingen 2022, S. 72.</ref> und die Große Verdienstmedaille des Europarates verliehen. 1997 hat er einen „Ehrendoktor“ des nichtstaatlichen Instituts für Parlamentarismus und Unternehmensführung in Minsk erhalten.<ref>Archiv des Liberalismus (ADL), Bestand Manfred Vohrer, N36-30, N36-164, N36-173.</ref> Er ist seit 1994 Ehrenmitglied des Europäischen Parlaments.<ref>Ein Leben für mehr Ökologie in der Marktwirtschaft. Dr. Manfred Vohrer. Ein Öko-Liberaler. Eine Mischung aus Biographie und Festschrift zum 80. Geburtstag. Bearbeitet von Horst Bürkle, Reutlingen 2022, S. 22.</ref>
Ein Depositum mit Akten von Vohrer aus seiner politischen Tätigkeit von 1973 bis 1982 befindet sich im Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach.
Unternehmer im CO2-Emissionshandel
Vohrer investierte 1999 sein gesamtes Vermögen in Aufforstungsprojekte, die zur Reduktion des globalen CO2-Ausstoßes beitragen sollen.<ref>Julia Winkenbach: Mit frischer Luft reich werden. In: Welt online, 8. Februar 2004; abgerufen am 6. März 2016.</ref>
Vohrer war bis 2024 Vorstandsvorsitzender und ist Aufsichtsratsvorsitzender der global-woods international AG Münstertal.<ref>Neue Hoffnung für eine Dorfgemeinschaft in Uganda. Abgerufen am 21. August 2023; Global woods. Abgerufen am 21. Februar 2025.</ref>
Nach Recherchen der Spiegel-Journalistin Susanne Götze kam es rund um Plantagen, die zu einem Unternehmen Vohrers gehörten, zu Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen.<ref>Susanne Götze: Uganda: Waldprojekt raubt Bauern Lebensraum. Abgerufen am 14. Juli 2021.</ref>
Schriften
- Landwirtschaft im Wandel. Die Denkschrift der Deutschen Landjugend-Akademie. [Fredeburg: „Landwirtschaftliche Familienbetriebe – Analyse und Möglichkeiten“]. Interpretiert von Peter Sinkwitz, Fredeburg 1970.
- Die Analyse des Mobilitätsverhaltens der Landwirte als Basis für eine agrarische Mobilitätspolitik dargestellt anhand einer beispielhaften Untersuchung im Landkreis Freiburg. Freiburg (Breisgau), Univ., Wirtschaftswiss. Fak., Diss. 1971.
- (Hrsg.): Ökologische Marktwirtschaft in Europa. Nomos Verlag, Baden-Baden 1992, ISBN 3-7890-2636-0, 2. Aufl. 1994, ISBN 3-7890-3639-0.
Literatur
- Ein Leben für mehr Ökologie in der Marktwirtschaft. Dr. Manfred Vohrer. Ein Öko-Liberaler. Eine Mischung aus Biographie und Festschrift zum 80. Geburtstag. Bearbeitet von Horst Bürkle, Reutlingen 2022.
- Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.), Bruno Jahn (Mitarb.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages. 1949–2002. Bd. 2: N–Z. Anhang. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-23782-0, S. 903.
- Klaus Broichhausen: Bergbauer und grüner FDP-Mann. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. August 1982.
Weblinks
- Literatur von und über Manfred Vohrer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Manfred Vohrer in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments
- Parliamentary Assembly of the Council of Europe
- Video der Konferenz „start up Africa“
- Website der Agentur für Erneuerbare Energien
- Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit am 21. Oktober 2021 in Freiburg
- Website des Freundeskreises Walter Scheel e.V.
- Artikel in der Badischen Zeitung
- Gefragtes Holz. In: Zahnärztliche Mitteilungen 18/2006
- Philipp Krohn: FDP-Politiker Vohrer: Lebenslang öko-liberal, 11. November 2025. Abgerufen am 11. November 2025
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vohrer, Manfred |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (FDP), MdB, MdEP, und Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 21. Juni 1941 |
| GEBURTSORT | Reutlingen |
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- Bundestagsabgeordneter (Baden-Württemberg)
- Mitglied des Europäischen Parlaments für Deutschland
- Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der WEU
- Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats für Deutschland
- Politiker (20. Jahrhundert)
- Unternehmer (Baden-Württemberg)
- FDP-Mitglied
- Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande
- Mitglied im Beirat der Friedrich-Naumann-Stiftung
- Person (Archiv des Liberalismus)
- Deutscher
- Geboren 1941
- Mann