INTCEN
| EU Intelligence Analysis Centre — EU INTCEN — | |
|---|---|
| Stellung der Behörde | inoffiziell |
| Bestehen | seit 1. Januar 2003<ref name="Moelling2009" /> |
| Hauptsitz | Brüssel, Avenue Cortenbergh (Kortenberglaan)<ref name="Focusproject" /><ref name="Clerix" /> |
| Behördenleitung | José Casimiro Morgado<ref name="HB" /> |
| Mitarbeiter | 70<ref name="Clerix" /> |
EU Intelligence Analysis Centre – EU INTCEN (vor März 2012<ref name="Salmi01" /> Joint Situation Centre, SitCen oder JSC) ist ein Organ des Europäischen Auswärtigen Dienstes der Europäischen Union und hat neben dem Satellitenzentrum der Europäischen Union und der Intelligence Division nachrichtendienstliche Aufgaben.<ref name="Stationery" /><ref name="EUCE" />
Besondere Bedeutung kommt dem Organ bei der Vermittlung und Vernetzung der Nicht-EU-Staaten und der EU mittels des Berner Clubs zu. Dieser spielt eine besondere Rolle, bei dem die Interessen Europas mit dem INTCEN koordiniert werden, um so die Geheimdienste aller europäischen Staaten zu verbinden oder sich lose auszutauschen. Zumindest das INTCEN ist dabei im „Dunklen“ entstanden und kann sich auf keine Gesetzesgrundlage stützen. Im Gegensatz zu anderen Nachrichtendiensten ist das Parlament, hier das Europäische Parlament, nicht eingeschaltet und hat auch kein Einsichtsrecht.
Auch nationale Parlamente haben keine Einsichtrechte, da die Behörde als inoffizielles EU-Organ gewertet wird.<ref name="Ehrenhauser" /><ref name="EP01" /> Mit dem Aufbau des Europäischen Auswärtigen Dienstes durch den Vertrag von Lissabon gilt die Behörde als legitimiert. Durch die Fusion des INTCEN mit zwei weiteren Einheiten wird das Organ als Europäischer Geheimdienst aufgewertet, obwohl die Funktion, Analyse von kombinierten Daten aus fremden Quellen, mehr einem Fusion Center ähnelt. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage bezeichnet Josep Borrell das INTCEN eindeutig als Fusion Center für freiwillig durch die Mitgliedsstaaten gelieferte nachrichtendienstliche Erkenntnisse.<ref name="EU01" />
Aufgaben
Die Aufgaben von INTCEN sind in der EU umstritten, es wird davon ausgegangen, dass INTCEN nicht selbst Informationen ermitteln und erforschen kann und für diese Zwecke auf die Mitarbeit der Mitgliedsstaaten angewiesen ist. Nach Angaben der Wirtschaftswoche aus dem Dezember 2010 wird aktive Spionage explizit ausgeschlossen.<ref name="wiwo02" /> Dies wurde durch den damaligen Leiter, Ilkka Salmi, in einem Interview im März 2014 erneut bestätigt.<ref name="Clerix" />
Eine 2013 vom österreichischen EU-Parlamentarier Martin Ehrenhauser gestellte parlamentarische Anfrage wurde von Catherine Ashton, der ersten Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik und damit der Hausherrin des INTCEN am 27. Juni 2013 im Kern wie folgt beantwortet:<ref name="PAawE-006018/12" />
- Aufgabe des INTCEN sei die Erstellung von nachrichtendienstlichen Bewertungen unter Heranziehung aller Informationsquellen.
- Die Empfänger der Information richteten sich nach Thema und betroffenen Territorien.
- Die Produkte seien – je nach Geheimhaltungsstufe der zugrundeliegenden Dokumente – von „Limited“ bis „EU TOP SECRET“ klassifiziert.
- Das EU-INTCEN erhalte Informationen von Abteilungen des EU-Rats, der EU-Kommission und des Europäischen Auswärtigen Dienstes der EU-Delegationen.
- Von den Nachrichtendiensten der Mitgliedsländer „würde die Übermittlung von Erkenntnissen erwartet“.
- INTCEN ist in die Single Intelligence Analysis Capacity (SIAC) eingebunden, womit durch INTCEN die zivilen und durch das Nachrichtenwesen des Militärstabs (EUMS INT DIR) die militärischen nachrichtendienstlichen Kapazitäten kooperierten.
In der Ausschreibung für die Position des Direktors 2015 nach dem Abgang von Ilkka Salmi benennt die Personalverwaltung der EU die folgenden Missionsziele:<ref name="IntcenDir2015" />
INTCEN ist die zivile nachrichtendienstliche Organisation der EU. Seine Mission ist es nachrichtendienstliche Analysen, Frühwarnungen und Situationsberichte für den Hohen Repräsentanten und den Europäischen Auswärtigen Dienst zu liefern. INTCEN erfüllt seinen Auftrag durch die Überwachung und Bewertung internationaler Vorfälle mit dem Fokus auf speziellen Regionen, Terrorismus und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie weiteren globalen Bedrohungen. Den nachrichtendienstlichen Produkten liegen Erkenntnisse der Nachrichtendienste von EU-Mitgliedsstaaten und öffentlich zugänglichen Quellen zugrunde. INTCEN bietet seine Dienstleistungen auch weiteren Entscheidungskörperschaften der EU im Bereich der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie der Terrorismusabwehr der Mitgliedstaaten an.
Organisation
Die Ursprünge der Behörde liegen im Jahr 1999 als mit der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU unter der damaligen Leitung von Javier Solana eine Informationsstelle zur Analyse von frei verfügbaren Informationsquellen eingerichtet wurde.<ref name="Focusproject" /> Zusätzlich wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eine Antiterrorismusgruppe (Counter Terrorism Group, CTG) eingerichtet.<ref name="Focusproject" /> In den Anfängen diente das INTCEN hauptsächlich zum Austausch von Geheimdienstinformationen zwischen deutschen, italienischen, niederländischen, spanischen, schwedischen und britischen Diensten.<ref name="Focusproject" />
Seit den Madrider Zuganschlägen im März 2004 engagiert sich das INTCEN auch in der EU-inneren Sicherheit und Terrorismusabwehr.<ref name="nachrichtentube01" />
Mit der Gründung des Europäischen auswärtigen Dienst (eng. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) am 1. Dezember 2010 gilt auch das INTCEN als gegründet.<ref name="Focusproject" />
Mit Wirkung vom März 2012 wurde die Bezeichnung von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) in {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) geändert.<ref name="Salmi01" />
Es gibt zwei Abteilungen:<ref name="Directory140326" />
- A1 – Auswertung ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))
- A2 – Allgemeines und Außenbeziehungen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))
2016 wurde die Einrichtung der {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) bekanntgegeben, die mit der Abwehr von „hybriden Bedrohungslagen“ beauftragt ist, obwohl diese nur diffus definiert sind.<ref name="Netzpolitik20160407" /> Die Definition für die Europäische Union wird mit „irreguläre Kampfweisen“ von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren bezeichnet, die mit „terroristischen Aktionen und kriminellem Verhalten“ einhergehen und als Beispiel die Annexion der Krim durch Russland genannt.<ref name="Netzpolitik20160407" />
Standort und Personal
INTCEN betreibt ein Lage- und Analysezentrum am Sitz des Rates der Europäischen Union in Brüssel und beim Militärstab der Europäischen Union.
Gründungsdirektor war der ehemalige britische Diplomat William Shapcott, der das INTCEN von 2001 bis 2010 leitete.<ref name="MaiaCross" /> Im Dezember 2010 wurde er von Ilkka Salmi abgelöst, dem vormaligen Direktor des finnischen Sicherheitsdienstes (Suojelupoliisi), der sich in einem Ausschreibungsverfahren durchgesetzt hatte.<ref name="Focusproject" /> Anfang 2016 übernahm der deutsche Bundesnachrichtendienst-Beamte Gerhard Conrad die Leitung des Zentrums,<ref name="ParliamentMag20151214" /><ref name="Spiegel20151211" /><ref name="SuedD20160212" /> die er bis zum 31. August 2019 innehatte. Sein Nachfolger wurde der Portugiese José Casimiro Morgado.<ref name="HB" />
INTCEN besteht aus mehr als 110 Mitarbeitern und befasst sich mit Analyse und Evaluierung von Informationen.<ref name="orf01" /><ref name="cia01" /><ref name="Kurier" /> Von diesem Personal sind ca. 70 % Mitarbeiter von nachrichtendienstlichen Organisationen der Mitglieder.<ref name="EUObserver01" /> Der Rest sind Verwaltungsmitarbeiter der EU.<ref name="EUObserver01" /> In einem Interview im März 2014 sprach der damalige Leiter von INTCEN von 70 Mitarbeitern, von denen 30 durch nationale Geheimdienste für die Arbeit im INTCEN abgestellt sind.<ref name="Clerix" />
Datenquellen
Die Daten erhält INTCEN aus frei zugänglichen öffentlichen Quellen, wie Presseagenturen und der Presse selbst ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Daneben geben verschiedene Dienste der EU-Mitgliedsstaaten, der Schweiz und Norwegens Informationen an das INTCEN weiter.<ref name="EUObserver01" /> Der Bundesnachrichtendienst liefert dabei nur die nötigsten Hinweise der untersten Verschwiegenheitsstufe „Dienstgebrauch“.<ref name="nachrichtentube01" /> Trotzdem ist nach Ansicht der Regierungsbeamten die Behörde für die Koordinierung Europäischer Informationen sinnvoll.<ref name="nachrichtentube01" /> EU INTCEN und der Militärstab der Europäischen Union (EUMS) sind Teil der Single Intelligence Analysis Capacity (SIAC), in deren Rahmen ziviler (EU INTCEN) und militärischer Nachrichtendienst (EUMS) zusammengeführt werden.<ref name="PAawE-006018/12" /> Neben diesen Diensten liefern auch die EU-Grenzkontrollbehörde Frontex in Warschau und Europol in Den Haag Informationen an das INTCEN.<ref name="EUObserver01" />
Durch die im Jahre 2009 vermehrt eingerichteten Delegationen der Europäischen Union ist der Geheimdienst mittlerweile unabhängiger und genießt durch die Berichterstattungen der EU-Botschaften auch über eigene Quellen zur Auswertung von Material.<ref name="PAawE-006018/12" /><ref name="wiwo01" />
Neben Satellitenbildern aus den Vereinigten Staaten von Amerika stehen dem INTCEN Daten verschiedener EU-Mitgliedsstaaten zur Verfügung, darunter der deutschen SAR-Lupe, dem italienischen COSMO-Skymed und den französischen Systemen Helios und Pléiades.<ref name="Focusproject" /> Auch Daten des Satellitenzentrums der Europäischen Union stehen dem INTCEN zur Verfügung.
Strukturen
Das INTCEN gliedert sich in drei Bereiche:<ref name="EUObserver01" />
- Operationen – 24/7-Krisen-Überwachung und Information der Diplomaten der Mitgliedsländer.
- Analyse – Fusionieren und Auswerten der gesammelten Daten.
- Kommunikation und Konsulatsdienste – Betreiben von COREU
Produkte
Aus der 24-stündigen Nachrichtenüberwachung produziert das INTCEN eine tägliche Nachrichtenübersicht und informiert betroffenes Personal im Falle von besonderen Vorkommnissen.<ref name="Focusproject" /> Nach offiziellen Angaben ist das Volumen mit ca. 200 strategischen Lageberichten und 50 Sonderberichten bzw. Briefings angegeben.<ref name="PAawE-006018/12" /> Nach Angaben des Statewatch nahestehenden Journalisten Matthias Monroy hatte sich diese Anzahl Anfang 2013 schon verdoppelt.<ref name="Monroy20131001" /> In einem Interview mit der belgischen Mondiaal Nieuws nennt Ilkka Salmi die Zahl von 500 Berichten pro Jahr.<ref name="Clerix" />
INTCEN erstellt regional oder thematisch fokussierte Analysen sowie Auftragsanalysen zu aktuellen Themen, insbesondere werden Informationen und Analysen im Krisenmanagement geliefert.<ref name="Moelling2009" /> Neben diesen speziellen Analysen werden auch regelmäßige Berichte erstellt:
- INTCEN produziert Berichte, die über das Politische und Sicherheitspolitische Komitee der EU verfügbar gemacht werden.<ref name="Focusproject" />
- Intelligence Assessments: sechsmonatliche Berichte für bestimmte Hotspots.<ref name="Clerix" />
- Intelligence Report: Wöchentliche Nachrichtenzusammenfassung.<ref name="Clerix" />
- Morning Highlight: Tägliche Nachrichtenübersicht.<ref name="Clerix" />
- INTCEN organisiert den regelmäßigen Informationsaustausch zwischen dem beteiligten Diensten der verschiedenen Nationen, der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik und leitet direkte Maßnahmen im Rahmen dieser Politik ein.<ref name="Focusproject" />
- Das INTCEN betreibt das COREU-System (frz. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ~ europäischer Schriftverkehr), mit dem europäische Staaten ihren nicht-öffentlichen Nachrichtenverkehr betreiben.<ref name="Focusproject" /> Daneben wird auch das Netzwerk für die Kommunikation mit EU-Missionen außerhalb Europas betrieben.<ref name="Focusproject" />
Zusätzlich begleitet Personal INTCEN EU-Offizielle als Sicherheitspersonal auf Reisen.<ref name="Focusproject" /> Für die Berichte gibt es keine offizielle Regelung, ab wann diese der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.<ref name="Clerix" /> Salmi begründet diese mit der nationalen Gesetzgebung der informationsliefernden Mitgliedsstaaten.<ref name="Clerix" />
Geheimhaltungsstufen
Auf die direkte Frage, welche Geheimhaltungsstufen durch das INTCEN verwendet werden, nannte Direktor Salmi:<ref name="Clerix" />
- LIMITED – niedrigste, nicht schutzwürdige Information
- EU RESTRICTED
- EU CONFIDENTIAL
- EU SECRET
- EU TOP SECRET – Information aus einer Primärquelle, die laut Salmi bei INTCEN mangels operativer Kräfte nicht vorkommt.<ref name="Clerix" />
Aktivitäten
Nach Informationen des EUobservers im April 2011 wurden direkt durch das INTCEN bezahlte Personen auf eine Mission in Libyen geschickt.<ref name="EUObserver01" /> Offiziell nannte Direktor Salmi die Expertise der Personen mit Satellitentelefonen und ähnlichen Themen als Anlass.<ref name="Clerix" /><ref name="EUObserver01" /> Eine Informationssuche sei nicht das Ziel der Reisen gewesen.<ref name="EUObserver01" />
Kritik
Das INTCEN wurde von Mitgliedsstaaten wegen der schlechten Qualität der Berichte kritisiert.<ref name="Focusproject" /> Auch wird offensichtlich, dass verschiedene Länder mit einer Geschichte von Zusammenarbeit im Geheimdienstbereich Informationen effizienter auf informellem Weg austauschen, als über das INTCEN.<ref name="Focusproject" />
Bei der Gründung äußerte der Gründer von Statewatch, Tony Bunyan, Bedenken, dass die Kommission „unbeschränkte Macht“ (unfettered powers) erlangen wolle, einen Überwachungsstaat zu begründen und die Privatsphäre der Bürger unter dem Vorwand diese zu schützen auszuspähen.<ref name="Jeffreys-Jones2013" />
Das Europäische Parlament kritisierte wiederholt, keine Kontrolle über das SitCen zu haben.<ref name="wiwo02" /> Dieser Darstellung wird durch INTCEN-Offizielle widersprochen, da die Parlamentsmitglieder schon Aufsicht über den europäischen auswärtigen Dienst hätten.<ref name="EUObserver01" /> Die Diskussion wurde durch die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden erneut angeheizt.<ref name="Clerix" /> Anfang 2014 hatte der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres ein Papier an die Kommission gesandt, die praktikable Vorschläge für eine wirksame Aufsicht des Parlaments über den INTCEN ermöglichen sollte.<ref name="Clerix" />
Geschichte
2002 wurde das Joint Situation Centre (SITCEN) geformt<ref name="EUINTCENfactsheet" /> und am 1. Januar 2003 durch die Strategieplanungs- und Frühwarneinheit (engl. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) zur Unterstützung der PU mit nachrichtendienstlichen und sicherheitspolitischen Analysen eingesetzt.<ref name="Moelling2009" /> Kurz darauf begannen Analysten von Nachrichtendiensten aus Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden und Großbritannien mit der gemeinsamen Analyse von Daten.<ref name="SWJones" /> Leiter des Dienstes in dieser Zeit war der britische Berufsdiplomat William Shapecott.<ref name="SWJones" />
Die Initiative ging nach dem niederländischen Analysten Jelle van Buuren von der Stichting Eurowatch aber nicht von der Kommission aus, sondern von Javier Solana.<ref name="SWJones" /> Trotzdem liegt kein formales Gründungsdokument mit einer Mission oder Agenda vor.<ref name="SWJones" /> Auf Anfragen teilt die Kommission mit, dass SITCEN als Teil des Generalsekretariats und im Rahmen der Autonomie dieser Organisation gegründet wurde und keiner weiteren Legitimation bedürfe.<ref name="SWJones" />
2005 wurden die Fähigkeiten des INTCEN durch Teams von Terrorismusabwehrexperten erweitert.<ref name="EUINTCENfactsheet" /> INTCEN belieferte den Rat fortan mit Analysen über terroristische Bedrohungslagen.<ref name="EUINTCENfactsheet" /> 2007 wurde die Zusammenarbeit mit dem europäischen Militärstab verstärkt, wodurch sich nach eigenen Angaben eine Single Intelligence Analysis Capacity (SIAC) ergab.<ref name="EUINTCENfactsheet" />
Mit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon wurde das INTCEN der Kontrolle durch den hohen Repräsentanten unterstellt.<ref name="EUINTCENfactsheet" />
Am 1. Dezember 2010 wurde das SITCEN der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und damit dem Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik zugeordnet.<ref name="Focusproject" /> Damit war der „Geheimdienst der Europäischen Union“ direkt der Europäischen Kommission unterstellt, denn Lady Ashton war ja die erste Vizepräsidenten der Kommission.<ref name="Jeffreys-Jones2013" /> Auch diese Entscheidung teilt die Mission, Aufgaben und Funktionen des INTCENs nicht mit, sondern überträgt nur die Funktionen en bloc zur GASP.<ref name="SWJones" /> 2011 wurde das INTCEN in den Verwaltungsapparat des Europäischen Auswärtige Dienstes integriert.<ref name="EUINTCENfactsheet" /> Nach Änderungen in der Verwaltungsstruktur des EADs wechselte auch die Führung auf den vormaligen Leiter des finnischen Geheimdienstes, Ilkka Salmi. 2012 wurde die Bezeichnung des SITCEN in INTCEN geändert.<ref name="SWJones" />
Ende 2015 wurde überraschend mitgeteilt, dass Salmi als Direktor für Sicherheit der Europäischen Kommission innerhalb der EU-Administration eine neue Rolle übernahm.<ref name="VerfassSchz20160502" /><ref name="WiWDirDS" /> Sein Nachfolger in der Leitung von INTCEN wurde der deutsche BND-Mitarbeiter Gerhard Conrad.<ref name="Telegraph20151211" /><ref name="Gebauer2015" /><ref name="Times20151212" /> Die Ernennung wurde als Indikator für eine Stärkung des Dienstes und eine Erweiterung der Befugnisse und Aufgaben betrachtet.<ref name="Telegraph20151211" /> im September 2019 wurde der Portugiese José Casimiro Morgado sein Nachfolger.
Literatur
- Mai'a K. Davis Cross: A European Transgovernmental Intelligence Network and the Role of IntCen. In: Perspectives on European Politics and Society Band 14 Heft 3 vom September 2013, S. 388–402
- Christian Kaunert, Sarah Leonard, John Occhipinti (Hrsg.): Justice and Home Affairs Institutions in the European Union. Routledge, Abingdon und New York 2015, ISBN 978-1-138-77955-6
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />EU INTCEN Factsheet ( vom 14. Februar 2016 im Internet Archive) (PDF; 75 kB) offizielle Kurzdarstellung vom Februar 2015 (englisch)
Einzelnachweise
<references> <ref name="cia01"> Developing an Intelligence Capability- the EU. In: cia.gov. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 7. Juni 2023. </ref> <ref name="Clerix"> Kristof Clerix, Ilkka Salmi, the EU’s spymaster, Mondiaal Nieuws vom 14. März 2014; abgerufen am 14. Juli 2015. </ref> <ref name="Directory140326"> The official directory of the European Union, European External Action Service – EN 24/03/2014; abgerufen am 26. März 2014. </ref> <ref name="Ehrenhauser"> Geheimdienst. EU-Geheimdienst ohne demokratische Kontrolle. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 7. Juni 2023. </ref> <ref name="EP01"> Martin Ehrenhauser: VP/HR — Intelligence Division (INT). Anfrage zur schriftlichen Beantwortung E-006027/2012 an die Kommission (Vizepräsidentin/Hohe Vertreterin) Artikel 117 der Geschäftsordnung. Europäisches Parlament, 19. Juni 2012, abgerufen am 7. Juni 2023. </ref> <ref name="EUCE"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mai’a K. Davis Cross: EU Intelligence Sharing & The Joint Situation Centre: A Glass Half-Full ( vom 1. Februar 2014 im Internet Archive) euce.org, pdf, abgerufen am 6. September 2012 </ref> <ref name="EU01"> Josep Borrell: Answer given by High Representative/Vice-President Borrell on behalf of the European Commission. In: Webseite des Europäischen Parlaments. Europäisches Parlament, 4. Juni 2021, abgerufen am 13. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Antwort auf parlamentarische E-001243/2021(ASW) von Lars Patrick Berg (Mitglied des Europäischen Parlaments)). </ref> <ref name="EUINTCENfactsheet"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />EUINTCEN factsheet ( des Vorlage:IconExternal vom 21. März 2023 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf der Website des Europäischen Auswärtigen Dienstes; abgerufen am 13. September 2016.</ref> <ref name="EUObserver01"> Andrew Rettman: EU intelligence bureau sent officers to Libya. In: EU-Observer. 12. April 2011, abgerufen am 7. Juni 2023. </ref> <ref name="Focusproject"> EU SitCe. (PDF) Cross-border Research Association, abgerufen am 14. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), CBRA – BMT, Ave d ́Echallens 74, CH-1004 Lausanne). </ref> <ref name="Gebauer2015"> Matthias Gebauer: Deutscher Top-Spion koordiniert EU-Geheimdienste: Mr. Hisbollah in neuer Mission. In: www.spiegel.de. 11. Dezember 2015, abgerufen am 7. Juni 2023. </ref> <ref name="HB"> Top-Geheimdienstler Gerhard Conrad geht in den Ruhestand. In: handelsblatt.com. Handelsblatt, abgerufen am 2. September 2019. </ref> <ref name="IntcenDir2015"> Stellenausschreibung für den Director of the EU Intelligence and Situation Centre (INTCEN) (EEAS Vacancy Notice 2015/57HQ (AD) Director) auf der Website des European External Action Service; abgerufen am 7. Juli 2016.
Die übersetzte Passage lautet im Original wie folgt:
The INTCEN is the civilian intelligence function of the EU. Its mission is to provide intelligence analyses, early warning and situational awareness to the High Representative and to the EEAS. The INTCEN does this by monitoring and assessing international events, focusing particularly on sensitive geographical areas, terrorism and the proliferation of weapons of mass destruction and other global threats. Its analytical products are based on intelligence provided by EU Member States' intelligence and security services as well as open sources.
The INTCEN also offers its services to the various EU decision making bodies in the fields of the Common Foreign and Security Policy (CFSP), the Common Security and Defence Policy (CSDP) and Counter Terrorism, as well as to the Member States.
</ref> <ref name="Jeffreys-Jones2013"> Rhodri Jeffreys-Jones (2013) In Spies We Trust: The Story of Western Intelligence; Oxford University Press; Oxford. </ref> <ref name="Kurier"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />EU will eigene Spione, Kurier ( vom 4. April 2011 im Internet Archive) </ref> <ref name="MaiaCross"> Mai'a K. Davis Cross: A European Transgovernmental Intelligence Network and the Role of IntCen. In: Perspectives on European Politics and Society Band 14 Heft 3 vom September 2013, S. 388–402, hier S. 392 (englisch) </ref> <ref name="Moelling2009"> Christian Mölling: Militärisches Krisenmanagement innerhalb der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik – Strukturen, Akteure und Prozesse für die Planung und Entscheidung. (PDF) Center for Security Studies der ETH Zürich, abgerufen am 7. Juni 2023. </ref> <ref name="Monroy20131001"> Matthias Monroy: EUMS INT und INTCEN: Die Geheimdienste der Europäischen Union. In: Netzpolitik.org. 1. Oktober 2013, abgerufen am 7. Juni 2023. </ref> <ref name="nachrichtentube01"> Europäischer CIA. 16. Januar 2011, abgerufen am 7. Juni 2023 (dpa/dpaweb). </ref> <ref name="Netzpolitik20160407"> Matthias Monroy: „Hybride Bedrohungen“: EU fordert zivil-militärische Aufrüstung und Maßnahmen zur Internetkontrolle. In: www.netzpolitik.org. 7. April 2016, abgerufen am 7. Juni 2023. </ref> <ref name="orf01"> „Sensibelstes EU-Organ“. ORF, 21. September 2010, abgerufen am 7. Juni 2023. </ref> <ref name="PAawE-006018/12"> Antwort von Frau Catherine Ashton — Hohe Vertreterin/Vizepräsidentin im Namen der Kommission. Schriftliche Anfragen : E-006018/12 , E-006020/12. In: www.europarl.europa.eu. 21. August 2012, abgerufen am 14. Juni 2023. </ref> <ref name="ParliamentMag20151214"> Movers and Shakers - 14 December 2015. In: The Parliament Magazine. 14. Dezember 2015, abgerufen am 14. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Mitteilung über die Ablösung von Ilkka Salmi durch Gerhard Conrad in [ Movers and Shakers], Kolumne in vom 14. Dezember 2015. </ref> <ref name="Salmi01">Ilkka Salmi, Director of EU IntCen, Keynote Address. About the Speaker. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2014; abgerufen am 14. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> <ref name="Spiegel20151211"> Deutscher Top-Spion koordiniert EU-Geheimdienste: Mr. Hisbollah in neuer Mission. In: Spiegel Online vom 11. Dezember 2015, abgerufen am 14. Februar 2016 </ref> <ref name="Stationery"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Joint Situation Centre (JSC) ( vom 16. Juni 2012 im Internet Archive) parliament.the-stationery-office.co.uk </ref> <ref name="SuedD20160212"> Wenn Geheimdienstbosse einfühlsam über Datenschutz reden. In: Süddeutsche Zeitung vom 12. Februar 2016 </ref> <ref name="SWJones"> Chris Jones (2013) Secrecy reigns at the EU’s Intelligence Analysis Centre; auf der Website von www.Statewatch.org. </ref> <ref name="Telegraph20151211"> Justin Huggler (2015) Germany's 'Mr Hizbollah' to head up EU's joint intelligence operation in The Telegraph vom 11. Dezember 2015. </ref> <ref name="Times20151212"> German spy who negotiated with Israel’s foes to head EU intel agency in The Times of Israel vom 12. Dezember 2015. </ref> <ref name="VerfassSchz20160502"> Eröffnungsrede von Präsident Dr. Hans-Georg Maaßen beim 13. Symposium des BfV am 2. Mai 2016 in Berlin; Dimension und Szenarien des islamistischen Terrorismus in Deutschland und Europa. </ref> <ref name="WiWDirDS"> EU Who is Who, Dir DS Sicherheit, abgerufen am 14. März 2016. </ref> <ref name="wiwo01"> Silke Wettach und Henning Krumrey, Europäischer CIA; Wirtschaftswoche vom 23. September 2010; abgerufen am 4. März 2014. </ref> <ref name="wiwo02"> Silke Wettach (2010) Finne leitet Vorstufe zum EU-Geheimdienst, Wirtschaftswoche vom 20. Dezember 2010; abgerufen am 4. März 2014. </ref> </references>
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2025-07
- Verteidigungspolitik der Europäischen Union
- Behörde (Europäische Union)
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- Abkürzung