Zum Inhalt springen

Richard A. Muller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 13. Januar 2026 um 08:32 Uhr durch imported>Gereon K. (Trivia: S. 9).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Muller antimatter.jpg
Richard A. Muller (2005)

Richard A. Muller (* 6. Januar 1944 in New York City) ist ein US-amerikanischer Physiker (experimentelle Teilchenphysik, Geophysik, Astrophysik), der durch populärwissenschaftliche Bücher bekannt ist. Er gründete das Berkeley-Earth-Surface-Temperature-Projekt, dessen Ergebnisse ihn von dem menschengemachten Klimawandel überzeugten.

Leben und Werk

Muller studierte Physik an der Columbia University (Bachelor-Abschluss) und wurde an der University of California, Berkeley promoviert. Dort arbeitete er anfangs bei Luis Walter Alvarez, unternahm Teilchenphysikexperimente mit Blasenkammern, war an der Entwicklung der Beschleuniger-Massenspektrometrie beteiligt (und benutzte diese für Datierungsfragen<ref>Richard A. Muller: Radioisotope dating with accelerators, in: Physics Today, Band 32, 1979, S. 23; Radioisotope dating with a cyclotron, in: Science, Band 196, 1977, S. 489</ref>) und vermass früh Anisotropien in der Kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung (wobei er mit George Smoot zusammenarbeitete)<ref>Richard A. Muller: Cosmic background radiation and the new ether drift, in: Scientific American 1978. Smoot, Muller, M. Gorenstein: Detection of anisotropy in the cosmic blackbody radiation, in: Physical Review Letters, Band 39, 1977, S. 898</ref>. Er ist Professor in Berkeley und am Lawrence Berkeley National Laboratory.

Er ist für verschiedene populärwissenschaftliche Bücher und Artikel bekannt. Mehrere Jahre war er Kolumnist der MIT Technology Review.

Insbesondere befasste er sich mit Fragen der Geowissenschaften, wie Aussterbe-Zyklen<ref>M. Davis, Muller, P. Hut: Extinction of species by periodic comet showers, in: Nature, Band 308, 1984, S. 715</ref>, Eiszeiten, der Wechselwirkungsdynamik zwischen Erdkern und Erdmantel und Mechanismus der Umkehrungen des Erdmagnetfeldes<ref>Muller, D. Morris: Geomagnetic reversals from impacts on the earth, in: Geophysical Research Letters, Band 13, 1986, S. 1177, dazu Bertram Schwarzschild: Do asteroid impacts trigger geomagnetic reversals?, in: Physics Today, Februar 1987, S. 17</ref>, Einschlagkratern und Red Sprites. 1988 veröffentlichte Muller das Buch Nemesis, in dem er Zyklen von 26 Millionen Jahren in den Aussterberaten auf der Erde durch Einschläge von Kometen erklärt, entsprechend einer periodischen Störung der Oortschen Wolke durch einen bisher unentdeckten Doppelstern-Begleiter der Sonne (Nemesis)<ref>Walter Alvarez, Muller: Evidence in crater ages for periodic impact on the earth, in: Nature, Band 308, 1984, S. 718</ref>. Er setzte die Suche nach diesem hypothetischen Zwergstern-Begleiter der Sonne auch später fort und konstruierte dafür mit seiner Gruppe ein automatisiertes Teleskop.<ref>Seite von Muller zu seinen Forschungen, abgerufen am 30. November 2018.</ref>

Muller war auch an der automatisierten Supernova-Suche von Saul Perlmutter und anderen beteiligt, die zur Entdeckung einer beschleunigten Expansion führte.

Mit Gordon MacDonald veröffentlichte er einen Aufsatz in Science und ein Buch, in dem er periodische Variationen in der Neigung der Erdbahn zur Ekliptik (mit einer Periode von 100.000 Jahren) für die Eiszeiten verantwortlich macht, im Gegensatz zur Theorie von Milanković, die diese auf Variationen in der Neigung der Erdachse und andere Parameter zurückführt. Unmittelbare Ursache sind nach Muller und MacDonald dann damit verbundene Variationen in interstellarem Staub je nach Lage der Erdbahn. Sie untermauern das durch Analyse des Gehalts an Sauerstoffisotopen in Ozeansedimenten und von Iridium Häufigkeit in Ozeansedimenten und Eiskernen aus Grönland.<ref>Jeffery Kahn: Astronomical Theory Offers New Explanation For Ice Age. 11. Juni 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. April 2011; abgerufen am 11. April 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Muller, MacDonald: Glacial cycles and orbit inclination, in: Nature, Band 377, 1995, S. 107, dieselben: Glacial cycles and astronomical forcing, in: Science, Band 277, 1997, S. 215</ref>

Der Einschlag von Kometen und Asteroiden führt nach Muller und Morris auch zu Umkehrungen des Erdmagnetfeldes nach folgender Argumentation: die durch den Einschlag eingebrachten Staubteilchen führen zu einer Absenkung der Temperatur auf der Erde, Vereisung der Polkappen senkt den Meeresspiegel ab und führt zu einer Reduzierung des Trägheitsmoments von Kruste und Mantel gegenüber dem Erdkern (im ppm-Bereich), worauf sich der Mantel schneller gegenüber dem Kern dreht, was die Konvektionszyklen, die das Erdmagnetfeld erzeugen, stört.<ref>Review der Thesen von Muller, Morris in Science Frontiers</ref>

Muller meint auch Hinweise (aus Datierungen mit Argon-Isotopen von Mikrotektiten in Mondgesteinproben) für einen Anstieg in der Einschlagsrate auf dem Mond in den letzten 400 Millionen Jahren gefunden zu haben (bei vorherigem Abfall in den letzten 3 Milliarden Jahren).<ref>T. S. Culler, Muller u. a.: Lunar impact history from 40 Ar/39 Ar dating of glass spherules, in: Science, Band 287, 2000, S. 1785</ref>

Ansichten zur globalen Erwärmung

Muller war bis etwa 2011/2012 Klimaskeptiker. 2004 übte er in einem Beitrag<ref>Richard A. Mueller: Global Warming Bombshell. In: MIT Technology Review, 15. Oktober 2004.</ref> Kritik an der als „Hockeyschläger-Diagramm“ bekannten Rekonstruktion des mittleren Temperaturverlaufs in der nördlichen Hemisphäre während der letzten 1.000 Jahre. Später gründete Muller das Berkeley-Earth-Surface-Temperature-Projekt, dessen Ziel es nach eigenen Angaben ist, sich auf transparente Weise mit Kritik an den globalen Temperaturaufzeichnungen in der Klimaforschung auseinanderzusetzen. Finanziert wurde Muller dabei unter anderem von Klimaleugnern, darunter die Gebrüder Koch.<ref>Vgl. G. Thomas Farmer, John Cook: Climate Change Science. A modern Synthesis. Volume 1 – The Physical Climate. Dordrecht 2013, S. 168f.</ref>

Die Ergebnisse des Projekts, in dem u. a. auch Physiknobelpreisträger Saul Perlmutter und Klimatologin Judith A. Curry mitarbeiten, widersprechen der Kritik von Klimaleugnern. Nach Auswertung von 16 Millionen<ref>Global Temperature Report for 2017 - Berkeley Earth. In: Berkeley Earth. 18. Januar 2018 (berkeleyearth.org [abgerufen am 29. Juni 2018]).</ref> Temperaturaufzeichnungen aus den letzten zwei Jahrhunderten konstatieren die Wissenschaftler des Berkeley Earth Surface Temperature-Projekts, sowohl hinsichtlich des Ausmaßes als auch der menschlichen Verursachung der globalen Erwärmung, eine starke Übereinstimmung ihrer Ergebnisse mit denen früherer Studien zu diesem Thema.<ref>zu den neuesten Ergebnissen des Projekts, siehe Forscher hoffen auf Einsicht bei Klimawandel-Skeptikern, in: Spiegel Online, 7. November 2011</ref> Muller hielt es in Konsequenz der Studienergebnisse als Wissenschaftler für geboten, seine Meinung zu ändern, und bezeichnete sich als „konvertierten Skeptiker“.<ref>Leo Hickman: Climate change study forces sceptical scientists to change minds - Earth's land shown to have warmed by 1.5C over past 250 years, with humans being almost entirely responsible. Hrsg.: Guardian. 29. Juli 2012 (HTML).</ref><ref>Richard A. Muller: The Conversion of a Climate-Change Skeptic. Hrsg.: New York Times. 30. Juli 2012 (HTML). Deutsche Fassung: Richard A. Muller: Wandlung eines Zweiflers. Hrsg.: Süddeutsche Zeitung. 1. August 2012 (HTML).</ref> Nach Ende der Arbeiten schrieb er Mitte 2012 einen Gastbeitrag für die New York Times, in dem er erläuterte, wie er durch das Projekt und die in ihm gewonnenen Daten vom Skeptiker zum überzeugten Vertreter der globalen Erwärmung wurde. Unter anderem betonte er, dass die globale Erwärmung existierte, die geschätzten Erwärmungsraten korrekt seien und dass der Mensch die nahezu alleinige Ursache für die Erwärmung sei.<ref>The Conversion of a Climate-Change Skeptic. In: The New York Times, 28. Juli 2012. Abgerufen am 15. November 2017.</ref>

Trivia

Muller schrieb auch einen historischen Roman.

Er ist Mitglied der JASON Defense Advisory Group. Muller hat eine eigene Beratungsfirma in Energiefragen, Muller & Associates. 1982 war er MacArthur Fellow und er erhielt den Alan T. Waterman Award der National Science Foundation. 1999 erhielt er einen Preis für Lehre der Universität Berkeley und seine an der Universität beliebten Physikvorlesungen für allgemeines Publikum. Physics for Future Presidents erschienen als Buch und von der Universität autorisiert als frei zugängliche Mitschnitte bei YouTube.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Webseite zu seinem Buch Physics for Future Presidents (Memento vom 19. Juni 2013 im Internet Archive)</ref> 2010 wurde Muller in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Ein Asteroid wurde 2026 nach ihm benannt: (37139) Richardmuller.<ref>WGSBN Bulletin Volume 6, #1 vom 9. Januar 2026, Seite 9 (PDF; englisch)</ref>

Schriften

  • Nemesis: The Death Star, Weidenfeld & Nicolson, 1988, ISBN 0-7493-0465-0.
  • mit Phil Dauber: The Three Big Bangs: Comet Crashes, Exploding Stars, and the Creation of the Universe, Addison-Wesley 1996, ISBN 0-201-15495-1.
  • mit Gordon J. F. MacDonald Ice Ages and Astronomical Causes: data, spectral analysis, and mechanisms, Springer Science+Business Media, 2002, ISBN 3-540-43779-7.
  • The Sins of Jesus, Auravision Publishing 1999, ISBN 0-9672765-1-9 (historischer Roman).
  • Physics for Future Presidents, Custom Publishing, 2006, ISBN 1-4266-2459-X.
  • The Instant Physicist: An Illustrated Guide, W.W. Norton, 2010.
  • Now. The Physics of Time, W.W. Norton, 2016.
    • dt.: Jetzt. Die Physik der Zeit, S. Fischer Verlag, 2018, ISBN 978-3-10-002536-4

Weblinks

Commons: Richard A. Muller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein