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Einschlagkrater

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Ein Einschlagkrater (auch: Einschlagskrater) oder Impaktkrater ist eine zumeist annähernd kreisförmige Senke auf der Oberfläche eines erdähnlichen Planeten oder eines ähnlich festen Himmelskörpers, die durch den Einschlag – den Impakt – eines anderen Körpers wie eines Asteroiden oder eines hinreichend großen Meteoroiden entsteht. Nach den gefundenen Resten solcher Impaktoren, den Meteoriten, spricht man auch von einem Meteoritenkrater.<ref> Bevan M. French: Traces of Catastrophe - A Handbook of shock-metamorphic effects in terrestrial meteorite impact structures Lunar and Planetary Inst., Houston 1998 PDF online, 19.7 MB lpi.usra.edu, abgerufen am 17. Februar 2011 </ref><ref> Christian Koeberl: Mineralogical and geochemical aspects of impact craters. Mineralogical Magazine; Oktober 2002; v. 66; no. 5; S. 745–768; doi:10.1180/0026461026650059 Abstract</ref><ref> Christian Koeberl: Remote sensing studies of impact craters - how to be sure? C. R. Geoscience 336 (2004), S. 959–961, PDF online abgerufen am 17. Februar 2011.</ref>

Für Einschlagskrater auf der Erde schlug der US-amerikanische Geophysiker Robert S. Dietz 1960 die Bezeichnung Astroblem („Sternwunde“) vor, die sich im Deutschen, teilweise auch im Französischen – beispielsweise Astroblème de Rochechouart-Chassenon – eingebürgert hat.

Allgemeines

Alle Himmelskörper des Sonnensystems mit fester Oberfläche besitzen solche Krater. Der Mond ist von Einschlagskratern übersät. Auf der Erde, deren Oberfläche laufend durch morphodynamische Prozesse wie Denudation, Erosion, Sedimentation und zudem geologische Aktivität geformt wird, lassen sich Einschlagskrater nicht so leicht erkennen wie auf davon nicht oder weniger betroffenen Himmelskörpern. Ein extremes Beispiel dafür ist Io, ein erdmondgroßer Satellit des Jupiter, dessen Oberfläche durch große Gezeitenkräfte und sehr aktiven Vulkanismus geprägt ist und dadurch fast keine Einschlagskrater besitzt.

Entstehung eines Kraters mit zentraler Ringstruktur (5 Bilder)
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Entstehung

Kleinere Meteoroide, die sich auf einem Kollisionskurs mit der Erde befinden, verglühen oder zerplatzen in der Erdatmosphäre und fallen als kleine Bruchstücke zu Boden. Größere Objekte, ab einem Durchmesser von etwa 50 m, können die Erdatmosphäre durchdringen und den Boden mit Geschwindigkeiten von 12 bis 70 km in der Sekunde erreichen. Daher werden solche Einschläge als Hochgeschwindigkeitseinschläge bezeichnet. Da die kinetische Energie dabei durch starke Kompression des Materials beider Körper in Sekundenbruchteilen in thermische Energie umgewandelt wird, kommt es zu einer Explosion. Das umliegende Material wird weggesprengt und es entsteht, unabhängig vom Einschlagwinkel, gleich einem Explosionskrater eine kreisrunde Senke, an deren Rändern das ausgeworfene Material einen Wall bildet. Um den Krater herum findet sich ausgeworfenes Material, die sogenannten Ejekta. Diese Ejekta können Sekundärkrater um den primären Krater hervorrufen.

Einfache und komplexe Krater

Kleinere Krater haben im Allgemeinen eine einfache, schüsselartige Form und werden in dieser Form als einfache Krater bezeichnet.<ref> Morphodynamics of Planetary Impact Craters. S. 157–201 in: Hiroaki Katsuragi: Physics of soft impact and cratering. Springer, Tokyo 2016, ISBN 978-4-431-55647-3.</ref> Ab einer bestimmten Größe, die umgekehrt proportional zur Schwerkraft am jeweiligen Himmelskörper abnimmt und außerdem vom Zielgestein abhängt, entstehen komplexe Krater. Auf dem Mond liegt dieser Grenzdurchmesser bei 15 bis 20 km, auf der Erde bei 2 bis 4 km.

Datei:Craterstructure.gif
Ein einfacher Krater und ein Krater mit Zentralberg (die einfachste Form eines komplexen Kraters)

Mit zunehmendem Durchmesser des Kraters kommt es zunächst zur Ausbildung eines Zentralbergs. Bei noch größerem Durchmesser wird daraus eine zentrale Ringstruktur, im Weiteren kann eine Multiringstruktur entstehen. Diese kann dann im innersten Ring im Grenzfall auch einen Zentralberg enthalten. Ursache für diese Strukturen eines komplexen Kraters ist das Rückfedern des Kraterbodens nach dem Aufprall des Impaktors, womit zunächst ein Zentralberg in der Kratermitte aufgeworfen wird, und das anschließende Kollabieren des instabilen tiefen Primärkraters. Diese Vorgänge finden im Bereich der bereits von der Stoßwelle zertrümmerten Kraterumgebung innerhalb weniger Minuten nach dem Einschlag statt. Während des Ablaufs vergrößert sich der Kraterdurchmesser erheblich.

Manche Mondkrater zeigen auch terrassenartige Absenkungen, die wie bei einem Einbruchsbecken durch allmähliches Nachgeben der Gesteinskruste entstehen.

Kraterentstehungsphasen

Kontakt und Kompression

Datei:Impact movie.ogg
Simulation eines Einschlags im Labor

Beim Aufprall beginnt die Kontakt- und Kompressionsphase, bei der sich eine Stoßwelle mit Überschallgeschwindigkeit vom Auftreffpunkt in zwei Richtungen, nämlich in den Impaktor und in den Zielkörper, durch das Gestein ausbreitet, dabei das Material stark verdichtet und dadurch teilweise verflüssigt oder verdampft. An der Stoßwellenfront können kristalline Minerale durch die hohen Drücke in Phasen höherer Dichte umgewandelt werden. Zum Beispiel kann das gewöhnliche Mineral Quarz in die Hochdruckmodifikation Coesit oder Stishovit umgewandelt werden. Viele weitere stoßwelleninduzierte Veränderungen treten beim Durchlauf der Stoßwelle im Impaktor als auch im Zielkörper auf. Einige dieser Veränderungen können als Diagnosemittel verwendet werden, um nachzuweisen, ob eine bestimmte geologische Struktur durch einen Impakt entstanden ist oder nicht.

Exkavation

Anschließend folgt die sogenannte Exkavationsphase (Aushöhlungsphase), bei der das zertrümmerte, flüssige und gasförmige Material aus dem Krater geschleudert wird. Ein Großteil dieser Ejekta (Auswurfmasse) wird in Form eines kegelförmigen Auswurfvorhangs aus dem Krater befördert und bildet eine ringförmige Schicht um den Krater. Über dem Krater bildet sich eine zunächst sehr heiße Rauch- und Staubwolke, deren kondensierende Bestandteile später teilweise wieder in den Krater regnen können.

Modifikation und Kollaps

In den meisten Fällen ist der transiente Krater (Übergangskrater), der das Ende der Exkavationsphase markiert, nicht stabil. Es beginnt die Modifikationsphase, die den transienten Krater kollabieren lässt.

In einfachen Kratern wird die ursprüngliche Aushöhlung durch Brekzie, Ejekta und Gesteinsschmelze überlagert.

Ab einer bestimmten Kratergröße, die von der planetaren Gravitation abhängt, ist die Modifikation und der Kollaps des Übergangskraters weitaus stärker. Die dabei entstehende Kraterform wird komplexer Krater genannt. Der Kollaps des transienten Kraters wird durch die Gravitation getrieben und bewirkt sowohl den Anstieg des Zentrums des Kraters als auch das nach innen gerichtete Zusammenrutschen des Kraterrandes.

Die zentrale Anhebung entsteht nicht durch elastisches Rückfedern, sondern durch das Bestreben eines Materials mit wenig oder keiner Festigkeit in einen Gleichgewichtszustand der Gravitation zurückzukehren. Dies ist der gleiche Prozess, der auch das Wasser nach oben schießen lässt, nachdem ein Gegenstand ins Wasser gefallen ist.

In dieser Phase vergrößert sich der Krater erheblich. Daher wird der transiente und nicht der finale Krater als Maß für die Energie und Größe des Impaktereignisses verwendet.

Große und bekannte Einschlagskrater

Krater der Erde

Datei:Vredefort Dome STS51I-33-56AA.jpg
Vredefort-Krater, Südafrika
Datei:Impakt Krater Manicouagan Quebec.jpg
Manicouagan-Krater, Kanada
Datei:Siljan WorldWind.jpg
Siljan-Krater, Schweden
Datei:Landsat Meteor Crater.jpg
Barringer-Krater, Arizona, USA
Datei:Tswaing, Salt Pan Crater.jpg
Tswaing-Krater mit See, Südafrika

Auf der Erde sind außer zahlreichen kleineren Einschlagskratern über hundert mit einem Durchmesser von mehr als 5 km entdeckt worden (siehe auch: Liste der Einschlagkrater der Erde). Allerdings sind viele der aufgefundenen Impaktstrukturen nicht unmittelbar als Krater zu erkennen, da der Kraterrand durch Erosion längst abgetragen wurde (Beispiel Vredefort-Krater), oder die entstandene Vertiefung inzwischen von jüngeren Sedimenten überdeckt wurde (Beispiel Chicxulub-Krater). Auch die auf bis zu 70 km Durchmesser geschätzte Struktur des Yarrabubba-Kraters in Westaustralien ist an der Oberfläche weitgehend eingeebnet. Auf Basis von Uran-Blei-Datierungen gelang eine Bestimmung ihres Alters auf etwa 2,23 Milliarden Jahre (2229 ± 5 Ma).<ref name="erickson-2020">Erickson, T.M., Kirkland, C.L., Timms, N.E. et al. Precise radiometric age establishes Yarrabubba, Western Australia, as Earth’s oldest recognised meteorite impact structure. Nat Commun 11, 300 (2020) DOI:10.1038/s41467-019-13985-7</ref> Damit ist Yarrabubba die älteste anerkannte Impaktstruktur der Erde.<ref name="erickson-2020" />

Weitere Impaktstrukturen der Erde

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Krater anderer Himmelskörper

Datei:Valhalla crater on Callisto.jpg
Multiring-Impaktbecken Valhalla auf Jupiters Mond Kallisto
Datei:Mimas moon.jpg
Krater Herschel auf Saturns Mond Mimas
  • Auf der erdzugewandten Seite des Mondes kennt man etwa 300.000 Krater mit über 1 km Durchmesser. Die größeren bis etwa 100 km bzw. 300 km werden Ringgebirge bzw. Wallebenen genannt. Noch größere werden schon den Mondbecken zugeordnet. Der größte Mondkrater Hertzsprung misst im Durchmesser 536 km<ref>Moon: Crater, craters. Im Gazetteer of Planetary Nomenclature der IAU (WGPSN)/USGS. Abgerufen am 13. Juni 2017</ref> (siehe auch: Liste der Krater des Erdmondes).
  • Das Südpol-Aitken-Becken ist mit 2240 km Durchmesser das größte Einschlagbecken auf dem Mond und nimmt einen beachtlichen Teil seines Durchmessers ein.
  • Die nördliche Tiefebene auf dem Mars ist mit 10000 km × 8000 km die größte bekannte Impaktstruktur des Sonnensystems.
  • Hellas Planitia ist mit 2100 km × 1600 km Durchmesser eines der größten Einschlagbecken auf dem Mars und ist über 8 km tief (siehe auch: Liste der Marskrater).
  • Caloris Planitia ist mit 1550 km Durchmesser das größte Einschlagbecken auf dem Merkur (siehe auch: Liste der Merkurkrater).
  • Valhalla ist die größte Impaktstruktur auf dem Jupitermond Kallisto. Sie hat 600 km Durchmesser und ist von konzentrisch verlaufenden Ringen bis in eine Entfernung von fast 3000 km umgeben.
  • Abisme ist mit 767 km Durchmesser der größte Krater auf dem Saturnmond Iapetus
  • Rheasilvia ist mit 505 km Durchmesser der größte Krater auf dem Asteroiden Vesta.
  • Mamaldi ist mit 480 km Durchmesser der größte Krater auf dem Saturnmond Rhea.
  • Odysseus ist mit 445 km Durchmesser der größte Krater auf dem Saturnmond Tethys.
  • Menrva ist mit 392 km Durchmesser der größte Krater auf dem Saturnmond Titan.
  • Evander ist mit 350 km Durchmesser der größte Krater auf dem Saturnmond Dione.
  • Burney ist mit 350 × 296 km Durchmesser der größte bekannte Krater auf dem Zwergplaneten Pluto.
  • Epigeus ist mit 343 km Durchmesser der größte Krater auf dem Jupitermond Ganymed.
  • Gertrude ist mit 326 km Durchmesser der größte bekannte Krater auf dem Uranusmond Titania.
  • Kerwan ist mit 280 km Durchmesser der größte Krater auf dem Zwergplaneten Ceres.
  • Mead ist mit 270 km Durchmesser der größte Krater auf der Venus (siehe auch: Liste der Venuskrater).
  • Dorothy ist mit 261 km Durchmesser der größte bekannte Krater auf dem Plutomond Charon.
  • Wokolo ist mit 208 km Durchmesser der größte bekannte Krater auf dem Uranusmond Umbriel.
  • Hamlet ist mit 206 km Durchmesser der größte bekannte Krater auf dem Uranusmond Oberon.
  • Pharos ist mit 255 × 230 km Durchmesser der größte Krater auf dem Neptunmond Proteus.
  • Herschel ist mit etwa 130 km Durchmesser der größte Krater auf dem Saturnmond Mimas. Er ist bis 10 km tief. Der Einschlag hätte den nur 400 km großen Mond fast zerstört.
  • Jason ist mit 101 km Durchmesser der größte Krater auf dem Saturnmond Phoebe.
  • Pan ist mit etwa 100 km Durchmesser der größte Krater auf dem Jupitermond Amalthea.
  • Lob ist mit 45 km Durchmesser der größte bekannte Krater auf dem Uranusmond Puck.
  • Zethus ist mit etwa 40 km Durchmesser der größte Krater auf dem Jupitermond Thebe.
  • Mazomba ist mit 27 km Durchmesser der größte bekannte Krater auf dem Neptunmond Triton
  • Himeros ist mit 10 km Durchmesser der größte Krater auf dem nur 11 × 34 km messenden Asteroiden Eros, der wahrscheinlich kein Monolith ist.
  • Stickney ist mit 9 km Durchmesser der größte Krater auf dem Marsmond Phobos.

Siehe auch

Literatur

  • Erwin Rutte: Land der neuen Steine – auf den Spuren einstiger Meteoriteneinschläge in Mittel- und Ostbayern. Univ.Verl., Regensburg 2003, ISBN 3-930480-77-8.
  • Julius Kavasch: Meteoritenkrater Ries – ein geologischer Führer. Auer, Donauwörth 2005, ISBN 3-403-00663-8.
  • Christian Köberl, Francisca C. Martínez-Ruis: Impact markers in the stratigraphic record. Springer, Berlin 2003, ISBN 3-540-00630-3.
  • Christian Köberl, Wolf U. Reimold: Meteorite Impact Structures – An Introduction to Impact Crater Studies. Springer Berlin 2006, ISBN 3-540-23209-5.
  • C. Wylie Poag, (et al.): The Chesapeake Bay crater – geology and geophysics of a Late Eocene submarine impact structure. Springer Berlin 2004, ISBN 3-540-40441-4.
  • Paul Hodge: Meteorite craters and impact structures of the earth. Cambridge Univ. Press, Cambridge 1994, ISBN 0-521-36092-7.
  • Kevin Evans: The sedimentary record of meteorite impacts. Geol. Soc. of America, Boulder 2008, ISBN 978-0-8137-2437-9.
  • O. Richard Norton, Lawrence A. Chitwood: Field guide to meteors and meteorites. Springer, London 2008, ISBN 978-1-84800-156-5.
  • Isidore Adler: The analysis of extraterrestrial materials. Wiley New York 1986, ISBN 0-471-87880-4.
  • Roald A. Tagle-Berdan: Platingruppenelemente in Meteoriten und Gesteinen irdischer Impaktkrater – Identifizierung der Einschlagskörper. Diss. Humboldt-Univ., Berlin 2004.
  • André J. Dunford: Discovery and investigation of possible meteorite impact structures in North Africa – applications of remote sensing and numerical modeling. Dipl. Arb., Univ. Wien, Wien 2008.

Weblinks

Commons: Einschlagskrater – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Meteoritenkrater – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references/>