Wembach-Hahn
Wembach-Hahn Stadt Ober-Ramstadt
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| Das Ortswappen bitte nur als Dateipfad angeben! | ||||||
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1035)&title=Wembach-Hahn 49° 48′ N, 8° 47′ O
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| Höhe: | 196 (192–219) m ü. NHN | |||||
| Fläche: | 5,12 km²<ref name="DF" /> | |||||
| Einwohner: | 1035 (30. Juni 2023) HW+NW<ref name="DF">Zahlen und Fakten. Gemeinde Ober-Ramstadt, abgerufen am 26. Oktober 2024.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 202 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. Januar 1977 | |||||
| Postleitzahl: | 64372 | |||||
| Vorwahl: | 06154 | |||||
Wembach-Hahn ist ein Stadtteil von Ober-Ramstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Der Stadtteil besteht aus den beiden, schon 1927 miteinander verbundenen Orten Wembach (dem deutlich größeren) und Hahn und liegt im Vorderen Odenwald. Durch den Stadtteil verlaufen die Bundesstraße 426 und die Landstraße 3472.
Ortsteil Wembach
Geschichte des Ortsteils Wembach
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1287 als Wendebach.<ref>Karl Ernst Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 298, 15. Juli 1287.</ref> Lehnsherren von Wembach waren die Grafen von Katzenelnbogen und der Ort fiel mit deren Aussterben im Jahre 1479 an die Landgrafschaft Hessen.<ref name="lagis" /> Durch Urkunden belegt sind: der Lehensträger Ludwig Blache (1287) und 1392 hatte Werner Kalb von Reinheim Güter in Wembach von Graf Eberhard von Katzenelnbogen zu Lehen. Weitere Lehensträger waren die Familien von Eulbach (Ulbach), Mosbach-Lindenfels und die Herren von Erligheim. 1382 richteten in „Werner Kalbs Krieg“ Reisige (bewaffnete Dienstleute) der Städte Frankfurt, Mainz und Worms erhebliche Schäden in Nieder-Modau, Ober-Modau, Rohrbach, Wembach (Wendebach) und auf dem Hofgut Illbach (Eulbach) an.
1489 belehnte Landgraf Wilhelm I. von Hessen Philipp Kalb von Reinheim. 1589 hatte der Landgraf Cent, hohe Gerichtsbarkeit, Gebot und Verbot. Vor dem Dreißigjährigen Krieg bestand Wembach nur aus zwei hessischen Lehnshöfen, wovon einer den Kalb von Reinheim, der andere den Mosbach-Lindenfels gehörte.<ref>Brigitte Köhler: Der landgräfliche Hof in Wembach. In: Odenwälder Nachrichten. Dez. 1998, Beilage Nr. 7, S. 27.</ref> Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war der Ort unbewohnt. 1669 ließ Landgraf Ludwig VI. ein Gestüt und einen zweiten Forellenteich in Wembach einrichten und stattete das landgräfliche Hofgut Wembach 1671 mit einem Jagd- und Lusthaus aus. Die beiden Teiche wurden 1835 trockengelegt.<ref>Heinz J. Reitz: Mühlen und Müller in Reinheim. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1969, Heft 2, S. 38.</ref> Der Landgraf bewohnte sein Hofgut in Wembach zur Erholung und verweilte gerne dort.<ref>Wilhelm Diehl: Hessische Volksbücher. Band 37/38. Selbstverlag Wilhelm Diehl, 1918, ZDB-ID 991403-1, S. 49–50.</ref> Von 1727 bis 1810 wurde das Hofgut als Kirche genutzt und wurde danach abgebrochen.
1699 wurden in Wembach, Hahn und im Nachbarort Rohrbach mehrere flüchtige Waldenser-Familien aus der Gemeinde Pragela aus dem Herzogtum Piemont in Italien angesiedelt. 25 Familien mit 125 Personen kamen nach Rohrbach; 23 Familien mit 115 Personen nach Wembach und Hahn. Neben eigenen Pfarrern hatte die Kolonie auch eigene Lehrer sowie eigene Bürgermeister und somit eine eigenständige Verwaltung. Hahn wurde 1718 neu aufgebaut. In Wembach entstanden neue Häuser entlang des Weges zur Ziegelhütte, viele Familien lebten weiter in den alten Hofgebäuden. 1738 starb Pfarrer Jacques Moutoux, er wurde 1656 in Traverses/Pragela geboren und begleitete seine Gemeinde in die neue Heimat; ihm folgte sein Sohn David als Pfarrer für die Kolonie. 1745 erfolgten umfangreiche Waldrodungen zur Vergrößerung der drei landgräflichen Höfe, die vom Landgrafen den 48 Waldenser-Familien zugewiesen worden waren.
Zahlreiche Familien der Kolonie wanderten 1750 unter Führung von David Moutoux nach Brandenburg aus. Neuer Pfarrer wurde Johann Philipp May (1750–1779), ihm folgte sein Sohn gleichen Namens (1779–1820).
1772 wurde die Pfannenmühle erbaut.<ref>Erbauung der Pfannenmühle. In: Odenwälder Nachrichten. 27. Juli 1907.</ref> Der 1814 begonnene Bau der neuen Kirche wurde zum Teil durch den Ingenieurleutnant Karger geleitet, vollendet wurde sie erst 30 Jahre später.<ref>Quartalblätter des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen. 5. Band, 1913, S. 206.</ref> Den Waldensern wird um 1820 die Benutzung der französischen Sprache in Kirche und Schule verboten. Nach und nach verlieren sie auch ihre Privilegien.
Die deutschen Einwohner von Wembach gehörten zum Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“<ref>Reiswagen = Bereitstellung von Frachtwagen einschließlich Zugtieren und Fuhrknechten für Feldzüge.</ref> eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Wembach gehörte zum „Oberramstädter Reiswagen“, dem auch noch die Orte Ober-Ramstadt, Hahn, Rohrbach, Asbach, Dilshofen, Ober-Modau, Nieder-Modau und Frankenhausen angehörten. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.<ref>Ferdinand Dieffenbach: Das Großherzogthum Hessen in Vergangenheit und Gegenwart. Literarische Anstalt, Darmstadt 1877, S. 254 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die 321 französischen Einwohner in Rohrbach, Wembach und Hahn (Stand 1791) unterstanden zwar der Zentgerichtsbarkeit waren ab nicht den Reiswagen zugeteilt.<ref name="Adr-LG-HD" />
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Wembach:
„Wembach (L. Bez. Reinheim) luth. und reform. Filialdorf; liegt 1 1⁄2 St. von Reinheim, hat 58 Häuser und 384 Einw., unter welchen sich 188 Luth., 194 Reform. und 2 Kath. befinden. – Hier fand sich früher ein Hof, Wendenbach genannt, an dessen Stelle 1670 von Landgraf Ludwig VI. eine Wohnung, nebst einem Marstall und einer Scheuer erbaut wurde. Diese Gebäulichkeiten wurden 1699 den Waldensern eingeräumt, und von denselben zu einem Dorfe erweitert. Die dabei gelegenen zwei Teiche wurden 1669 bis 1672 angelegt.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>
Am 16. November 1838 starb der Zieglermeister Johann Balthasar Dörr in Wembach. Ab 1866 wurde die Verwaltung geteilt: Ein Bürgermeister war fortan für Rohrbach zuständig, ein anderer für Wembach und Hahn.<ref>Pfarrer D. Mertens: Waldenser-Kolonie Rohrbach-Wembach-Hahn. In: Zeitschrift Der Deutsche Waldenser.</ref> Das neue Schulhaus in Wembach wurde im Jahre 1900 errichtet.<ref>Schulhausbau. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt). 18. Juli 1900.</ref> Am 18. August 1912 wurde die Kleinkinderschule eingeweiht. Der Fabrikant Karl Dörr, Nieder-Ramstadt, hatte sie errichten lassen und der Gemeinde als eine Stiftung vermacht.<ref>Kleinkinderschule. In: Odenwälder Neueste Nachrichten vom 17. August 1912.</ref> 1910 schloss die Ziegelei Dörr ihren Betrieb, 1938 wurde sie abgebrochen.<ref>Ziegelwerk Philipp Flott in Wembach-Hahn 1939–1968, Quelle: Hess. Staatsarchiv Darmstadt, Signatur H 14 Darmstadt R 1947.</ref><ref>Ziegelwerk Otto Mölter in Wembach-Hahn 1969–1985, Quelle: Hess. Staatsarchiv Darmstadt, Signatur H 14 Darmstadt R 1974.</ref>
1934 wurde die Freiwillige Feuerwehr Wembach-Hahn gegründet.
In historischen Dokumenten ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):<ref name="lagis" /> Wendebach (1287); Wendebach (1318); Wendebach (1382); Wendebach (1392); Wendebach (1398); Wembach (1457); Hoff Wennbach (1620); Wennbach, Hoff (1620);
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Wembach-Hahn angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>
- vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg, Zent Oberramstadt, Ober-Ramstädter Reiswagen
- ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg, Zent Oberramstadt, Oberramstädter Reiswagen
- ab 1500: Heiliges Römisches Reich, Oberrheinischer Reichskreis (bis 1806), Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg, Zent Oberramstadt, Oberramstädter Reiswagen
- ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg, Zent Oberramstadt, Oberramstädter Reiswagen
- ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg
- ab 1806: Großherzogtum Hessen,<ref group="Anm.">Infolge der Rheinbundakte.</ref> Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg<ref name="EW1806" />
- ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Lichtenberg
- ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Reinheim<ref group="Anm.">Trennung zwischen Justiz (Landgericht Lichtenberg) und Verwaltung.</ref>
- ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg
- ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg
- ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg
- ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg
- ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg
- ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Darmstadt<ref name=RB1937 /><ref group="Anm.">Im Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst.</ref>
- ab 1945: Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen,<ref group="Anm.">Infolge des Zweiten Weltkriegs.</ref> Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt
- ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt
- ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt Ober-Ramstadt<ref group="Anm.">Am 1. Januar 1977 als Stadtteil zu Ober-Ramstadt.</ref>
Einwohnerentwicklung
- 1791: 321 (in Rohrbach, Wembach und Hahn) französische Einwohner<ref name="Adr-LG-HD"/>
- 1800: 128 französische Einwohner<ref name="Adr-LG-HD-1800"/>
- 1806: 120 Einwohner, 25 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806"/><ref name="EW1806">Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl (1806).HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.</ref>
- 1829: 384 Einwohner, 58 Häuser<ref name="GW" />
- 1867: 508 Einwohner, 97 Häuser<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref>
- 1961: 530 evangelische (= 84,94 %), 85 katholische (= 13,62 %) Einwohner<ref name="lagis" />
| Wembach(-Hahn): Einwohnerzahlen von 1806 bis 2017 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1806 | 120 | |||
| 1829 | 384 | |||
| 1834 | 491 | |||
| 1840 | 490 | |||
| 1846 | 580 | |||
| 1852 | 559 | |||
| 1858 | 490 | |||
| 1864 | 513 | |||
| 1871 | 551 | |||
| 1875 | 555 | |||
| 1885 | 509 | |||
| 1895 | 492 | |||
| 1905 | 484 | |||
| 1910 | 456 | |||
| 1925 | 492 | |||
| 1939 | 443 | |||
| 1946 | 733 | |||
| 1950 | 677 | |||
| 1956 | 583 | |||
| 1961 | 624 | |||
| 1967 | 614 | |||
| 1970 | 617 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2005 | 1.004 | |||
| 2011 | 1.011 | |||
| 2017 | 1.040 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: <ref name="lagis" />; Stadt Ober-Ramstadt: 2005<ref name="EW2005" />, 2017:<ref>Stadtteil Modau. In: Internetauftritt. Stadt Ober-Ramstadt, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. März 2014; abgerufen am 18. Juni 2018.</ref>; Zensus 2011<ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juli 2021.</ref> | ||||
Wappen von Wembach
| [[Datei:{{#property:p94}}|100px|links|Wappen von Wembach]] | Blasonierung: „In Gold eine bewurzelte grüne Tanne, deren Stamm von zwei steigenden, einander zugekehrten blau-gekrönten schwarzen Löwen beiderseits gehalten wird.“<ref name="Wappen">Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 153.</ref> |
| Wappenbegründung: Das Wappen wurde am 31. Mai 1951 durch das Hessische Ministerium des Innern genehmigt.<ref>Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Wembach im Landkreis Darmstadt, Reg.-Bezirk Darmstadt. vom 31. Mai 1951. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1951 Nr. 25, S. 333, Punkt 540 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 2,9 MB]).</ref> Wembach gehörte mit Rohrbach und Hahn zu den drei Waldenserdörfern, denen 1700 vom Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt das Recht verliehen wurde, ein eigenes Gericht zu bilden und an ihm ein eigenes Gerichtssiegel zu führen. Grund dessen wurde der Gemeinde amtlich dasselbe Wappen verliehen, wie es Rohrbach erhalten hatte; nur die Farben wurden geändert. |
Ortsteil Hahn
Geschichte des Ortsteils Hahn
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1318 als Han.<ref>Karl Ernst Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 592, 26. August 1318.</ref> Lehnsherren von Hahn waren die Grafen von Katzenelnbogen und der Ort fiel mit deren Aussterben 1479 an die Landgrafschaft Hessen. Durch Urkunden belegt sind:<ref name="lagis1" />
1318 fallen Staderstatt und Hahn bei der Mutschierung (Erhaltung des Gesamteigentums mit geteilter Nutzung) der Grafen Berthold III. und Eberhard II. von Katzenelnbogen dem ersteren zu.
Lehensträger in Hahn waren im Spätmittelalter die Familien von Braubach (gen. von Angelach) (1392), die Familie war später Mitglied im Ritterkanton Odenwald, Hans von Möhringen, Schwager von Hans von Rohrbach (1463), von Ortenberg (1403), von Reckershausen (1386), von Rohrbach (1440), von Rheinberg (1392) und Werberg von Lindenfels (1403), eine im 15. Jahrhundert zeitweise sehr einflussreiche Familie am Heidelberger Hof. Noch im Jahre 1403 ist die Wildhube Hahn in einem Katzenelnbogener Lehensbrief beschrieben worden: „Die Wildhufe zu dem Heynichen [Hahn] bei Ulbach [Illbach]“.<ref>Karl Ernst Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen, Wiesbaden 1954, Band I. Nr. 2355</ref>
Im Jahr 1449 übertrug Graf Philipp I. von Katzenelnbogen, genannt der Ältere (1402–1479) Hahn seinem Sohn Philipp dem Jüngeren (* 1427; † 27. Februar 1453 – er wurde in Brügge erstochen), damit er seinen eigenen Hausstand gründen konnte.<ref>Urkunden der Grafen von Katzenelnbogen, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, B 3 Nr. 452</ref><ref>Karl Ernst Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 4590</ref>
Um 1490 war Hahn neben weiteren benachbarten Orten nach altem Herkommen verpflichtet, im Frondienst Brennholz auf das Schloss Lichtenberg zu bringen.<ref>Online Regest Nr. 6513 vom 29. September 1490. Regesten der Landgrafen von Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref> Der Ort wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und verlassen. 1700 Vertrag des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt mit der Waldenser-Gemeinschaft Pragela (Piemont) wegen Überlassung der Höfe Rohrbach, Wembach und Hahn an die Waldenser.
Die deutschen Einwohner von Hahn gehörten zum Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“<ref>Reiswagen = Bereitstellung von Frachtwagen einschließlich Zugtiere und Knechte für Feldzüge.</ref> eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Hahn gehörte zum „Oberramstädter Reiswagen“, dem auch noch die Orte Ober-Ramstadt, Wembach, Rohrbach, Asbach, Dilshofen, Ober-Modau, Nieder-Modau und Frankenhausen angehörten. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.<ref>Ferdinand Dieffenbach: Das Großherzogthum Hessen in Vergangenheit und Gegenwart. Literarische Anstalt, Darmstadt 1877, S. 254 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die 321 französischen Einwohner in Rohrbach, Wembach und Hahn (Stand 1791) unterstanden zwar der Zentgerichtsbarkeit waren ab nicht den Reiswagen zugeteilt.<ref name="Adr-LG-HD" />
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Hahn:
„Hahn (L. Bez. Reinheim) reform. Filialdorf; liegt 11⁄4 St. von Reinheim, und hat 15 Häuser und 92 Einw., die bis auf 9 Luth. reform. sind. Hier war 1318 ein Hof, welchen im gedachten Jahre Berthold II. Graf von Katzenellenbogen zu seinem Theil erhielt. Im Jahr 1699 wurde der Hof von den Waldensern bevölkert, und Hahn zu einem Dorfe erweitert.“<ref name="GW-Hahn">Vorlage:BibOCLC</ref>
1905 wurde der Wasserbehälter der Gemeinde Hahn errichtet. Im Jahr 1927 wurde Hahn nach Wembach eingemeindet.
In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:<ref name="lagis1" />
- Han (1318)
- Hane (1384)<ref>Karl Ernst Demandt: Ehevertrag zwischen Graf Johann IV. v. K. (von der jüngeren) und Gräfin Anna v. K. (von der älteren Linie) zum Zwecke der Wiedervereinigung der seit etwa 1260 geteilten Grafschaft Katzenelnbogen. In: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 1733, 2. Februar 1383 und Nr. 1774, 26. März 1384.</ref>
- Hennichin (1386)
- Hayne by Lichtenberg; Haene; Heynichin (1403)<ref>Hain bei Lichtenberg oder Heynchen war ursprünglich ein den Grafen von Katzenelnbogen unterworfenes und wohl aus herrschaftlicher Rodung hervorgegangenes Dörfchen mit eigener Mark. In: Quartalblätter des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen. 1921, VI. Band, S. 424.</ref>
- Heynchin bij Ulbach (1412)<ref>Hof Illbach (ehedem Eulbach/Ulbach) bildete früher eine eigene Hofgemarkung und war einst Stammsitz eines früh erloschenen Adelsgeschlechts von Eulbach/Ulbach. Die Hofsiedlung geht in der 2. Hälfte des 14. Jh.s (1368) wohl durch Kauf an die Grafen von Katzenelnbogen über, die die von Eulbach/Ulbach/Illbach fortwährend belehnen. Später gehörte es den Herren von Willich. In: Quartalblätter des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen. 1921, VI. Band, S. 424. Karl Ernst Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 1388.</ref>
- Heynchen, Henchin (1451)<ref>Karl Ernst Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 6095/13, 1451.</ref>
- Heynchin bii Oberramstadt (1454)<ref>Karl Ernst Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 6096/25, 1454.</ref>
- Henchgin (1456)
- Heinchin (1478)
- Hain (1485)
- Heyniche (1491)
Belegte Einwohnerzahlen sind:
- 1630: 35 Einwohner (geschätzt)<ref>Einwohnerzahl 1630. In: „Der Odenwald“, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1965, Heft 3, S. 79.</ref>
- 1791: 321 (in Rohrbach, Wembach und Hahn) französische Einwohner<ref name="Adr-LG-HD" />
- 1800: 50 französische Einwohner<ref name="Adr-LG-HD-1800" />
- 1806: 66 Einwohner, 11 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" /><ref name="EW1806" />
- 1829: 92 Einwohner, 15 Häuser<ref name="GW-Hahn" />
- 1867: 124 Einwohner, 24 Häuser<ref>Vorlage:BibOCLC</ref>
- 1927: 123 Einwohner<ref name="lagis1" />
Wappen von Hahn
| Blasonierung: „In Gold ein blau-bewehrter roter Hahn auf schwarzem Dreiberg.“<ref name="Wappen_2">Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 104.</ref> | |
| Wappenbegründung: Das Gerichts-Insiegel zeigt im Schild einen Hahn, der zum Unterschied von den anderen Hahnwappen auf einen Dreiberg gestellt und in die katzenelnbogischen Farben gesetzt wurde, da der Ort katzenelnbogischer Besitz war. |
Ehemalige Bürgermeister
- 1821–1830 Rambaud, Daniel sen.<ref>Daniel Rambaud, seit 1795 Maire de la Colonie wird erster Bürgermeister der Gemeinde Rohrbach – Wembach – Hahn.</ref>
- 1830–1831 Rambaud, Daniel jun.
- 1831–1836 Bertaloth, Abraham
- 1836–???? Gaydoul, Abraham II.
- 1841–???? Perron, Jean George III.
- 1846–1857 Gaydoul, Abraham III.<ref>Bürgermeister Abraham Gaydoul aus Hahn. Die Bürgermeisterei Rohrbach ist zuständig für die Gemeinden Rohrbach und Wembach mit Hahn. In: Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg u. Neustadt Nr. 7/1856.</ref>
- 1857–1892 Gaydoul, Karl I.<ref>Wiederwahl des bisherigen Bürgermeister Gaydoul aus Hahn. In: Starkenburger Provinzial-Anzeiger – Dieburger Kreisblatt, Nr. 78/1874, 92/1874.</ref><ref>Bürgermeister Gaydoul, Karl I. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt) 4. August 1883 und 24. August 1892.</ref>
- 1892–1901 Bonin, Georg II.<ref>Bürgermeister Bonin, Georg II. *1841 †1931. Bürgermeisterwahl 1892: In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt), 24. August 1892.</ref>
- 1901–1933 Bonin, Georg IV.<ref>Bürgermeister Bonin, Georg IV. *1869 †1957.</ref>
- 1933–1945 Buß, Georg
- 1950–1952 Keller
- 1952–???? Lantelme, Philipp Karl
- ????–1964 Bermond, Georg
- 1964–1976 Gantzert, Ludwig<ref>Bürgermeister Gantzert, Ludwig * 1927</ref>
Hessische Gebietsreform
Am 1. Januar 1977 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Gemeinde Wembach kraft Landesgesetz nach Ober-Ramstadt eingemeindet.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II Nr. 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318 ff., § 8 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,5 MB]).</ref> In der Folge wurde als Stadtteilname Wembach-Hahn festgelegt. Ein Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden für den Stadtteil nicht errichtet.
Literatur
- Karl Ernst Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen 1060–1486, Band I–IV. Selbstverlag der Historischen Kommission für Nassau, Wiesbaden 1953/57
- Klaus Keinert: Bibliographie von Brigitte Köhler – Diethard Köhler und Die Geschichte eines alten Hauses. Im Auftrag des Vereins für Heimatgeschichte e. V. Ober-Ramstadt 2010
- Brigitte Köhler: Die Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn im 18. Jahrhundert, 1974.
- Brigitte Köhler: Die Waldenserprivilegien des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, In: Archiv f. hess. Geschichte u. Altertumskd. N.F. 38/1980, S. 181–234
- Brigitte Köhler: Die drei welschen Dörfer im Odenwald, In: Jahrbuch für den Kreis Darmstadt-Dieburg 1981 und 1982
- Brigitte Köhler: Die Verschwisterung Pragelato und Rohrbach-Wembach-Hahn, 1985
- Brigitte Köhler: Emigrierten die Waldenser nur aus Glaubensgründen?. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1994, Heft 1, S. 36–43.
- Brigitte Köhler: Daniel Bonin – Waldenserforscher, hrsg. vom Verein f. Heimatgeschichte Ober-Ramstadt 1996
- Brigitte Köhler: Deutsche als "Fremde" unter französischen Waldensern in Wembach, In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 55, 1997, S. 181–234
- Brigitte Köhler: Der landgräfliche Hof in Wembach. In: Beilage Nr. 7 der Odenwälder Nachrichten vom Dezember 1998
- Brigitte Köhler: Dreihundert Jahre Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn, Herkunft und Geschichte ihrer Bewohner Verein für Heimatgeschichte, Ober-Ramstadt 1999, ISBN 3-9805727-1-4
- Brigitte Köhler: Haus- und Herkunftsnamen in der Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn, In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 2002, Heft 1, S. 34
- Brigitte Köhler: Auswanderung nach Amerika um 1830. Von der Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn nach Pennsylvanien. In: "Der Odenwald", Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 2009, Heft 4, S. 148–152
- Brigitte Köhler: Die Pfannenmühle in Wembach. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 2009, Heft 2, S. 73
- Brigitte Köhler: Zur Herkunft der Waldenser von Rohrbach, Wembach und Hahn. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 2011, Heft 1, S. 22
- Diethard Köhler: Die Familien von Rohrbach, Wembach und Hahn im Odenwald, Eigenverlag, 1977–1978
- Diethard Köhler: Traditionelles Heiratsverhalten in der Waldenserkolonie Rohrbach, Wembach, Hahn. In: Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1977, Heft 2, S. 64
- Diethard Köhler: Deutsche Familien in Rohrbach, Wembach, Hahn 1700–1800, Selbstverlag 1985
- Peter Georg Lantelme: Die Geschichte der Waldensergemeinden Rohrbach, Wembach und Hahn. Jacob Helene, Pfungstadt 1950
- Magistrat der Stadt Ober-Ramstadt: Ober-Ramstadt – Eine Chronik zur Geschichte der Stadt. Ober-Ramstadt 2010, ISBN 978-3-9813356-0-6
- Pfarrer D. Mertens: Waldenser-Kolonie Rohrbach-Wembach-Hahn. In: Zeitschrift Der Deutsche Waldenser.
Weblinks
- Stadtteil Wembach-Hahn. In: Webauftritt der Stadt Ober-Ramstadt.
- Wembach, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Hahn (Ober-Ramstadt), Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Anmerkungen und Einzelnachweise
Anmerkungen <references group="Anm." />
Einzelnachweise <references> <ref name=lagis>Wembach, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Institut für Landesgeschichte, abgerufen am 18. Juni 2018.</ref> <ref name=lagis1>Hahn, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 9. Februar 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Institut für Landesgeschichte, abgerufen am 18. Juni 2018.</ref> <ref name="Adr-LG-HD"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 125 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1800"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 126 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 120 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="EW2005"> Stadtteile. In: Webauftritt. Stadt Ober-Ramstadt, 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. November 2007; abgerufen im Juni 2019. </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> </references>