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Dioscurides Neapolitanus

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Datei:59- Dioscoride VII sec.jpg
fol. 116r

Der Dioscurides Neapolitanus ist ein in griechischer Sprache handschriftlich verfasstes Kräuterbuch, das in der Biblioteca Nazionale di Napoli unter der Signatur Codex ex Vindobonensis Graecus 1 aufbewahrt wird. Traditionell wird die Handschrift auf die Jahrzehnte um 600 datiert, in der jüngeren Forschung wird jedoch eine Entstehung um 400 diskutiert.<ref>Boris L. Fonkič: ΔΙΟΣΚΟΥΡΙΔΗΣ. ΠΕΡΙ ΥΛΗΣ ΙΑΤΡΙΚΗΣ. In: Ders.: Монфокон: исследования по палеографии, кодикологии и дипломатике. Band 1. Альянс-Архео, Moskau und St. Petersburg 2007. ISBN 978-5-98874-019-3. Seite 530–534.</ref><ref name="Cronier2025">Marie Cronier: Dioscorides in Southern Italy (11th–13th c.). In: Christian Brockmann, Alessandro Musino, Stefano Valente, Eva Wöckener-Gade (Hrsg.): Die griechische Gelehrsamkeit in Süditalien: Manuskripte, Texte und Wissenstransfer im 10.-13. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, 2025. ISBN 978-3-666-30244-2. Seite 87–120 (doi:10.13109/9783666302442.87)</ref>

Inhalt

Die Handschrift besteht aus 172 Pergamentblättern, 290 × 250 mm, 170 enthalten Illustrationen. Inhaltlich handelt es sich um eine alphabetische Rezension der Arzneimittellehre des Pedanios Dioskurides (um 70/80), in der die Bäume, exotische Pflanzen sowie Mineralien und Tiere nicht berücksichtigt wurden. Der Archetyp dieser Rezension wird im 3. oder 4. Jahrhundert vermutet.

Die Pflanzenillustrationen der Handschrift sind stilistisch einheitlicher als im verwandten Wiener Dioskurides (um 512).<ref name="Cronier2025" /> Ein Vergleich mit Wien und der deutlich jüngeren Handschrift der Pierpont Morgan Library (Morgan 652, entstanden um 950) zeigt, dass 282 Illustrationen einer gemeinsamen Tradition entstammen. Mit Wien teilt sich Neapel weitere 68 Illustrationen, mit Morgan 45. 10 Illustrationen sind exklusiv in Neapel überliefert.<ref>Jules Janick, Anna Whipkey, John Stolarczyk: Synteny of Images in Three Illustrated Dioscoridean Herbals: Juliana Anicia Codex, Codex Neapolitanus, and Morgan 652. In: Notulae Botanicae Horti Agrobotanici Cluj-Napoca, Band 41 (2013), Heft 2, S. 333–339. (doi:10.15835/nbha4129242)</ref><ref>Anna Whipkey, Kirby Kalbaugh, Audra Franz, Jules Janick: A Database for Three Dioscoridean Illustrated Herbals. In: HortScience, Band 49 (2014), Heft 7, S. 977–979. (doi:10.21273/HORTSCI.49.7.977)</ref>

Provenienz

Im 11. Jahrhundert war die Handschrift in Süditalien, vielleicht bereits im 8. oder 9. Jahrhundert. Darauf deuten italo-griechische Ergänzungen hin.<ref name="Cronier2025" />

Der Codex wurde von dem Humanisten Antonio Seripando († 1531) seinem Bruder, dem Kardinal Girolamo Seripando, vermacht, der ihn seinerseits dem Augustinerkonvent San Giovanni a Carbonara in Neapel überließ. Vorbesitzer waren Girolamo Carbone und Aulo Giano Parrasio, Schwiegersohn des Demetrios Chalkokondyles. Daher hatte man früher auch eine Entstehung des Codex in Konstantinopel vermutet. Bernard de Montfaucon hat auf seiner italienischen Studienreise (1698–1701) die Handschrift in Neapel konsultieren können, 1718 wurde sie auf Befehl Karls VI. mit anderen wertvollen Handschriften nach Österreich transportiert. Die Rückgabe dieser und anderer Handschriften<ref>Darunter ms. ex Vindobonensis Latinus 72, ein Autograph des Torquato Tasso (Eintrag bei Manus online).</ref> aus Wien an das Königreich Italien war ein Ergebnis der Kommissionsverhandlungen nach dem Pariser Vorortsfrieden von Saint-Germain (1919) nach Ende des Ersten Weltkriegs. Nach der Rückgabe 1919 kam der Codex zunächst in die Biblioteca Marciana in Venedig, seit dem 7. Juni 1923 befindet er sich in Neapel in der dortigen Biblioteca Nazionale.<ref>V. Boni auf der Startseite des digitalen Angebots der Bibliothek</ref>

Literatur

  • Marie Cronier: L'Herbier alphabétique grec de Dioscoride: quelques remarques sur sa genèse et ses sources textuelles. In: Arsenio Ferraces Rodriguez (Hrsg.): Fito-zooterapia antigua y altomedieval: textos y doctrinas. Universidade da Coruna, 2009. ISBN 978-84-9749-345-1. S. 33–59
  • Marie Cronier: Dioscorides in Southern Italy (11th–13th c.). In: Christian Brockmann, Alessandro Musino, Stefano Valente, Eva Wöckener-Gade (Hrsg.): Die griechische Gelehrsamkeit in Süditalien: Manuskripte, Texte und Wissenstransfer im 10.-13. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, 2025. ISBN 978-3-666-30244-2. Seite 87–120 (doi:10.13109/9783666302442.87)
  • Boris L. Fonkič: ΔΙΟΣΚΟΥΡΙΔΗΣ. ΠΕΡΙ ΥΛΗΣ ΙΑΤΡΙΚΗΣ. In: Ders.: Монфокон: исследования по палеографии, кодикологии и дипломатике. Band 1. Альянс-Архео, Moskau und St. Petersburg 2007. ISBN 978-5-98874-019-3. Seite 530–534.

Faksimileausgaben

  • Dioscurides Neapolitanus. Biblioteca Nazionale di Napoli. Codex ex Vindobonensis Graecus 1. Roma, Salerno Editore 1988 (Codices mirabiles 2) ISBN 88-8402-012-3 / Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1988 (Codices selecti 88) ISBN 3-201-01417-6 Vollständige Faksimile-Ausgabe im Originalformat der Handschrift
  • Mauro Giancaspro, Guglielmo Cavallo, Alain Touwaide, Agamemnōn Tselikas: Dioskouridēs, Peri hylēs iatrikēs: ho Hellēnikos kōdikas 1 tēs Ethnikēs Vivliothēkēs tēs Neapoleōs. Militos, Athen 1999. ISBN 978-960-8033-01-6
  • Alessandro Menghini: De materia medica. Il Dioscoride di Napoli. Aboca, 2013. ISBN 978-88-95642-85-7

Weblinks

Commons: Dioscurides Neapolitanus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

<references />