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Ernst Freudenberg

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Ernst Freudenberg (* 24. Juni 1884 in Weinheim; † 7. Juni 1967 in Basel) war ein deutscher Kinderarzt und Ordinarius für Kinderheilkunde an den Universitäten Marburg und Basel.

Leben

Ernst Freudenberg war der Sohn des Weinheimer Lederfabrikanten Friedrich Carl Freudenberg (1848–1942). Nach dem Abitur am Frankfurter Lessing-Gymnasium und einem Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Karlsruhe begann er 1903 ein Studium der Philosophie und Psychologie an der Universität Leipzig. Im darauffolgenden Jahr wechselte er an die Universität München, wo er Medizin studierte.

1910 wurde er mit der von Jussuf Ibrahim betreuten Arbeit Versuche mit Diureticis an chlorarm gemachten Tieren promoviert. Bis 1911 arbeitete er als Medizinalpraktikant an der Münchner Poliklinik bei Meinhard von Pfaundler. Ebenfalls 1910 heiratete Freudenberg Ida Siegheim (1887–1951), mit der er vier Töchter hatte. Seine Frau konvertierte später vom jüdischen zum evangelischen Glauben.

Nach einem Studienaufenthalt an der Universität Straßburg im Jahr 1912 war Freudenberg ab 1913 als Oberarzt unter Ernst Moro an der Heidelberger Kinderklinik tätig. Während des Ersten Weltkrieges diente er als Sanitätsoffizier an der Westfront. 1917 habilitierte er sich mit der Schrift Über Enteiweißung durch Tierkohle. Nach einer Kriegsgefangenschaft in England kehrte er 1919 nach Heidelberg zurück.

1922 trat Freudenberg in Marburg als Extraordinarius die Nachfolge von Georg Bessau an, der an die Universitätskinderklinik Leipzig gewechselt war. 1927 wurde der von ihm initiierte Neubau der Universitätskinderklinik mit 60 Betten („Carolinenhaus“) neben der Elisabethkirche abgeschlossen. Nach einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten im Jahr 1929 war er im Wintersemester 1929/1930 und im Sommersemester 1930 Dekan der Marburger Medizinischen Fakultät. Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 kam es – wahrscheinlich infolge einer Denunziation eines Mitarbeiters – zu einer Hausdurchsuchung bei der Familie Freudenberg. Im selben Jahr führte das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zur Entlassung seines Assistenten Heinz Brühl und zu dessen Emigration. Freudenberg konnte jedoch entgegen einem ministeriellen Erlass die Neubesetzung der Stelle mit einer Kinderärztin durchsetzen. Ende 1933 wurde er ordentliches Mitglied der Leopoldina, im Folgejahr wurde sein Extraordinariat in ein Ordinat umgewandelt.

Mit Wirkung vom 31. Oktober 1937 wurde Freudenberg auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums als „jüdisch versippt“ in den Ruhestand versetzt, nachdem er sich geweigert hatte, sich von seiner Frau zu trennen. Die Leitung der Leopoldina strich ihn daraufhin aus der Mitgliederliste. Freudenberg emigrierte in die Schweiz, wo er von 1938 bis 1954 als Nachfolger Emil Wielands und Ordinarius für Pädiatrie das Kinderspital der Universität Basel leitete. In dieser Zeit entstanden am Spital zahlreiche neue Fachbereiche. Sein Nachfolger wurde Adolf Hottinger. Unter seiner Herausgeberschaft entwickelte sich das Jahrbuch der Kinderheilkunde zur internationalen Fachzeitschrift Annales Paediatrici.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Universität Basel: Geschichte der Basler Kinder- und Jugendmedizin (Unigeschichte 2010) (Memento vom 27. Februar 2012 im Internet Archive)</ref>

Zu Freudenbergs Arbeitsschwerpunkten zählten die Physiologie der Verdauung im Kindesalter, der Säure-Basen-Haushalt sowie Zöliakie, Rachitis und Tetanie.

Auszeichnungen

  • Eisernes Kreuz (1914) I. und II. Klasse
  • Mitglied der American Academy of Pediatrics, 1929
  • Otto-Heubner-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde, 1932 (für das Buch Physiologie und Pathologie der Verdauung im Säuglingsalter)
  • Mitglied der Leopoldina, 1933
  • Mitglied der American Geographic Society, 1960
  • Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg, 1962
  • Ehrendoktorwürde der Universität Marburg, 1965

Publikationen

  • Physiologie und Pathologie der Verdauung im Säuglingsalter. Springer, Berlin 1929.

Literatur

  • Adolf Hottinger: In memoriam Prof. Ernst Freudenberg. In: Helv Paediatr Acta. 22, 1967, S. 497–499, PMID 4874393.
  • Josef Ströder: In memory of Ernst Freudenberg. In: Arch Kinderheilkd. 177, 1968, S. 111–113, PMID 4880027.
  • Josef Neumann: Freudenberg, Ernst. In: Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg (Hrsg.): Badische Biographien. Neue Folge, Band 3, Kohlhammer, Stuttgart 1990, S. 88–90 (online).
  • Michael Bernhard: Der Pädiater Ernst Freudenberg 1884–1967. Tectum Verlag, Marburg 2001, ISBN 978-3-8288-8231-7.
  • Andreas Mettenleiter: Selbstzeugnisse, Erinnerungen, Tagebücher und Briefe deutschsprachiger Ärzte. Nachträge und Ergänzungen II (A–H). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. 21, 2002, S. 490–518, hier S. 506 (Freudenberger, Ernst).

Weblinks

Einzelnachweise

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