Youssef Nada
Youssef Nada (arabisch يوسف ندا, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); * 17. März 1931 in Alexandria; † 22. Dezember 2024<ref>È morto Youssef Nada. In: RSI. 22. Dezember 2024, abgerufen am 24. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>) war ein ägyptisch-italienischer Unternehmer und Politaktivist. Nach einer Karriere als internationaler Handelsunternehmer, die ihn zum führenden Zementlieferanten im Mittelmeerraum machte, gründete er 1988 die islamische Al-Taqwa-Bank. Daneben fungierte er als inoffizieller Außenminister und Vermittler der Muslimbruderschaft. 2001 wurde er auf Betreiben der USA ohne nachweisbare Grundlage auf internationale Terrorlisten gesetzt. 2012 verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Schweiz wegen Verletzung seiner Grundrechte zur Zahlung einer Entschädigung.
Leben und Wirken
Youssef Nada wurde am 17. Mai 1931 als viertes von 11 Geschwistern geboren. Sein Vater betrieb eine Fabrik für Agrar- und Molkereiprodukte.<ref name="Thompson" details="S. 3.">Youssef Nada, Douglas Thompson: Inside the Muslim Brotherhood. Metro, London 2012, ISBN 978-1-85782-687-6 (archive.org).</ref> 1948, im Alter von 17 Jahren, trat er den Muslimbrüdern bei. Nach seinem High School-Abschluss begann er ein Studium in landwirtschaftlicher Produktionstechnik an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Alexandria.<ref name="Meining" details="S. 244">Stefan Meining: Eine Moschee in Deutschland. Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61411-8.</ref><ref name="Bizarr">Giannis Mavris: Der bizarre Fall um Youssef Nada und die Rolle der Schweiz im „War on Terror“. Eine Rückblende. In: Swissinfo.ch. 7. November 2021, abgerufen am 11. März 2026.</ref><ref name="Misbar">Sally Shakkour: Who Is Youssef Nada? In: Misbar. 22. Dezember 2024, abgerufen am 11. März 2026.</ref> Zeitgleich leitete er ein Unternehmen, das mit Molkereiprodukten handelte.<ref name="Thompson" details="S. 31: „Thoughout his university career, other than that time rudely interrupted by his imprisonment, Youssef Nada ran a dairy business with an export office.“ />
Während des sogenannten „Kanalkriegs“ um 1951,<ref>Zum Kanalkrieg vergleiche Anne-Claire de Gayffier-Bonneville: La guerre du canal 1951–1952. In: Cahiers de Méditerranée. Band 70, Nr. 1, 2005, S. 111–136, doi:10.4000/cdlm.881.</ref> mit dem sich Ägypten endgültig aus der Einflusssphäre ihrer früheren Kolonialmacht Großbritannien befreite (→ Königreich Ägypten),<ref name="Misbar" /> erhielt er an der Universität ein militärisches Training und wurde für den Wachtdienst eingesetzt.<ref name="Thompson" details="S. 5–7." /> In den bewaffneten Auseinandersetzungen oder den Aufständen war er jedoch nicht involviert.<ref name="Kirkpatrick">David D. Kirkpatrick: The Dirty Secrets of a Smear Campaign. In: The New Yorker. 27. März 2023, abgerufen am 21. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Noch während seines Studiums kam es 1954 zum Al-Manschiyya-Vorfall, einem Attentatsversuch auf Gamal Abdel Nasser, für das die Muslimbrüder beschuldigt wurden. Nada wurde gemeinsam mit weiteren Muslimbrüdern verhaftet<ref name="Thompson" details="S. 16" /><ref name="Misbar" /> und verbrachte zwei Jahre ohne Gerichtsprozess im Gefängnis.<ref name="Kirkpatrick" />
Nach seiner Entlassung nahm er sein Studium wieder auf, brachte es mit seinem Unternehmen, das unter anderem auch Molkereiprodukte in die Schweiz exportierte, zum Wohlstand und schloss 1959 sein Studium ab. Auch während dieser Zeit sah er sich Schikanen durch die Sicherheitsbehörden ausgesetzt und entschied sich daher zur Emigration. In den folgenden Jahren expandierte sein Transportunternehmen; Nada richtete Büros in Wien, Tripoli, Riyadh, Glasgow und Liechtenstein ein und transportierte nun auch Agrarprodukte, Metalle und Zement.<ref name="Thompson" details="S. 31–33" /> Insbesondere der Verkauf von Zement nach Libyen und Saudi-Arabien erwies sich als ertragreich. Nada erwirtschaftete ein Vermögen<ref>James M. Dorsey: Delisting of Islamist financier raises questions about US and UN terrorism lists Internetseite der Deutschen Welle vom 16. April 2010</ref> und berichtete später, den Beinamen „König des Zements im Mittelmeerraum“ erhalten zu haben.<ref name="Bizarr" />
1970 ließ er sich nieder in der italienischen Enklave Campione d’Italia in der Schweiz.<ref>Terrorismo, la Svizzera aspetta un documento dall'America 15. November 2001</ref> Seine Villa dort entwickelte sich zu einer Art inoffiziellem Außenministerium der Muslimbruderschaft.<ref name="Bizarr" /> Nada selbst vertrat die Muslimbrüder in verschiedenen Ländern,<ref name="Meining" details="S. 245 f." /> unter anderem gegenüber Saddam Hussein.<ref>Rebecca Roberts: Documentary Examines Muslim Brotherhood Internetseite des National Public Radio, 19. April 2007.</ref>
1988 stieg er außerdem in den Bankensektor ein und gründete zunächst auf den Bahamas die „Al-Taqwa-Bank“, die streng nach islamischem Recht funktionieren sollte<ref name="Thompson" details="S. 112" /> und unter anderem in Liechtenstein und im Schweizerischen Lugano weitere Büros unterhielt. Außerdem gründete er das Unternehmen „Nada International Concrete“ und 1998 die Fiduciär- und Managementgesellschaft „Al Taqwa Mangement Organization“<ref>Eintrag im Handelsregister des Kantons Tessin</ref> (später „Nada Management Organization“).<ref name="ARIJ">The Muslim Brotherhood’s Sources of Funding. In: Arab Reporters for Investigative Journalism. 6. November 2013, abgerufen am 11. März 2026.</ref> Nadas Vize bei al-Taqwa war der syrisch-italienische Ali Ghaleb Himmat, ebenfalls ein Muslimbruder.<ref>Libero D’Agostino: Nada e Himmat, a Campione „persone rispettabili“ 7. November 2001</ref>
Aufnahme in die Sanktionsliste des UN-Sicherheitsrats von 2001 und Gerichtsverfahren
2001, kurz nach den Terroranschlägen am 11. September, bezichtigte der US-amerikanische Präsident George W. Bush die Al Taqwa-Bank, zum Finanz-Netzwerk von Al-Qaida zu gehören.<ref>Remarks at the Financial Crimes Enforcement Network in Vienna, Virginia. In: Weekly Compilation of Presidential Documents. Band 37, Nr. 45, 2001, S. 1607 f. (govinfo.gov).</ref> Die Grundlage dieser Einschätzung wurde nie veröffentlicht. Auf Betreiben der USA wurde Nada daraufhin unter anderem auf die Sanktionsliste des UN-Sicherheitsrats aufgenommen.<ref>Philip Ebels: The curious case of Mr Nada. In: openDemocracy. 11. April 2011, abgerufen am 12. März 2026.</ref><ref name="Bizarr" />
In der Folge ergänzte der schweizerische Bundesrat die sog. Taliban-Verordnung um Nada und seine Firmen.<ref>Verordnung vom 2. Oktober 2000 über Massnahmen gegenüber Personen und Organisationen mit Verbindungen zu Usama bin Laden, der Gruppierung «Al-Qaïda» oder den Taliban. SR 946.203</ref> Damit stand er faktisch in der italienischen Enklave Campione d’Italia unter Hausarrest, da er beim Verlassen des Territoriums zwingend gegen das Einreiseverbot in die Schweiz verstoßen hätte.<ref>Rechtsstaatlichkeit sichern – Effektiven Rechtsschutz bei Terrorismusbekämpfung schaffen, Deutscher Bundestag, Wahlperiode 16, Drucksache 16/8903 vom 23. April 2008, PDF 81 kB</ref> Seine Konten wurden eingefroren. Die Bank brach zusammen;<ref name="Bizarr" /> Nadas zwei anderen Unternehmen wurden 2004 liquidiert.<ref name="ARIJ" />
Die ermittelnden italienischen und Schweizer Behörden hatten bereits 2005 die Ermittlungen gegen ihn eingestellt,<ref>Mark Hosenball, Michael Isikoff: Terror Watch: Probe Closed. In: Daily Beast. 31. Mai 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Mai 2012; abgerufen am 11. März 2026.</ref> da die Vorwürfe „offenkundig ohne Basis“ gewesen seien.<ref>Case of Nada v. Switzerland. 12. September 2012, Nr. 187 (European Court of Human Rights): „clearly unfounded“</ref> Das schweizerische Bundesgericht lehnte dennoch 2007 eine Aufhebung der Reisebeschränkung ab.<ref>BGE 133 II 450. In: Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts. 14. November 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Oktober 2013; abgerufen am 11. März 2026.</ref> Es ging davon aus, dass die Sanktionsbeschlüsse des UN-Sicherheitsrats anderen völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz vorgehen würden.<ref name="gestrichen">Dick Marty: United Nations Security Council and European Union blacklists | Doc. 11454. 2008, Addendum, Kap. II.i (assembly.coe.int).</ref> Von der UN-Terrorliste wurde er kommentarlos erst 2009 gestrichen,<ref name="Bizarr" /> wonach auch die Schweiz das Einreise- und Transitverbot gegen ihn aufhob.<ref name="gestrichen" /><ref name="Meining" details="S. 252." /><ref>Solène Guggisberg: The Nada case in front of the ECtHR – A new milestone in the European debate on Security Council targeted sanctions and human rights obligations. In: Croatian Yearbook of European Law and Policy. Band 8, Nr. 8, 2012, S. 411–436, hier 416, doi:10.3935/cyelp.08.2012.151 (researchgate.net).</ref><ref>Gavin Sullivan, Ben Hayes: Blacklisted: Targeted sanctions, preemptive security and fundamental rights. Hrsg.: European Center for Constitutional and Human Rights. 2011, S. 61–63 (statewatch.org [PDF]).</ref> In den USA blieb er bis 2015 gelistet.<ref name="Kirkpatrick" />
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) entschied am 12. September 2012, dass die Schweiz das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens von Nada sowie seinen Anspruch auf Zugang zu einer effektiven Beschwerdemöglichkeit verletzt habe.<ref>http://hudoc.echr.coe.int/sites/eng/pages/search.aspx?i=001-113118</ref> Er sprach ihm eine Entschädigung von 30'000 Franken zu.
Nadas angebliche Verbindungen zu Terrorismus waren Gegenstand eines Buches des Journalisten Sylvain Besson, das gemeinhin als „verschwörungstheoretisch“ eingeordnet wird.<ref name="Kirkpatrick" />
Literatur
- Youssef Nada, Douglas Thompson: Inside the Muslim Brotherhood. Metro, London 2012, ISBN 978-1-85782-687-6 (archive.org).
(autorisierte Biographie) - Philip Ebels: The curious case of Mr Nada. In: openDemocracy. 11. April 2011.
- Stefan Meining: Eine Moschee in Deutschland. Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61411-8.
- Giannis Mavris: Der bizarre Fall um Youssef Nada und die Rolle der Schweiz im „War on Terror“. Eine Rückblende. In: Swissinfo.ch. 7. November 2021.
Einzelnachweise
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Nada, Youssef |
| KURZBESCHREIBUNG | ägyptisch-italienischer Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 17. März 1931 oder 17. März 1937 |
| GEBURTSORT | Alexandria |
| STERBEDATUM | 22. Dezember 2024 |