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Oscar Huldschinsky

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Datei:Max Liebermann - Portrait of Oscar Huldschinsky, 1926.jpg
Max Liebermann: Bildnis Oscar Huldschinsky, Zeichnung von 1926

Oscar Huldschinsky (* 16. November 1846 in Breslau; † 21. September 1931 in Berlin)<ref name="ghwk.de_2004"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Oscar Huldschinsky. (Memento vom 14. Januar 2006 im Internet Archive). In: ghwk.de, 10. Oktober 2004.</ref> war ein deutscher Montan-Unternehmer, der als Kunstsammler und Mäzen hervortrat.

Leben

Oscar Huldschinsky war ein Sohn des Fabrikanten Salomon Huldschinsky.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beginning and development. (Memento vom 13. August 2016 im Internet Archive). In: “Zikaron - Memory” Association for the Jewish Heritage of Gliwice, (englisch).</ref> Er wurde, wie sein Bruder Edwin Huldschinsky, Teilhaber in der von seinem Vater gegründeten Firma S. Huldschinsky & Söhne, die im Steinkohlenbergbau und der Eisen­industrie Schlesiens aktiv war und unter anderem Röhrenwalzwerke in Sosnowitz (damals Russisch-Polen) sowie Hüttenwerke in Gleiwitz betrieb.<ref name="ghwk.de_2004" /> Oscar Huldschinsky selbst siedelte in den 1870er Jahren nach Berlin über. Sein Vermögen wurde im Jahr 1914 auf 30 Millionen Mark geschätzt.<ref>Kai Drewes: Jüdischer Adel: Nobilitierungen von Juden im Europa des 19. Jahrhunderts. Campus Verlag, 2013, ISBN 978-3-593-39775-7 (google.co.uk [abgerufen am 1. Dezember 2024]).</ref> 1897 trat er der Gesellschaft der Freunde bei. 1905 verkaufte er seine Firmenanteile an die späteren Vereinigten Oberschlesischen Hüttenwerke und lebte fortan an Privatmann in Berlin.<ref>Oskar Huldschinsky † (Falschschreibung des Vornamens mit "k" im Original), Artikel in der Vossischen Zeitung vom 21. September 1931, S. 7.</ref>

1882 heiratete er in Wien Ida Brandeis-Weikersheim (1860–1912), eine Tochter des Wiener Großhändlers, Bankiers und britischen Konsuls Salomon Brandeis-Weikersheim (1813–1877).<ref>Georg Gaugusch: Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800–1938. Band 1: A-K. Amalthea, Wien 2011, ISBN 978-3-85002-750-2, S. 301.</ref> Huldschinsky ließ 1890/1891 am Großen Wannsee eine Villa bauen, die damals die Adresse Friedrich-Karl-Straße 19 hatte. In direkter Nachbarschaft entstand 1907/1908 im neobarocken Stil eine weitere Villa für seine Kinder. Das Anwesen hat heute die Adresse Am Sandwerder 33/35. Es umfasste neben den beiden Häusern und der Gartenanlage auch einen Bootshafen mit einem Bauwerk, auf dem sich eine Aussichtsterrasse befand, einen Gartenpavillon mit offener Bogenhalle und einen Wintergarten, den Alfred Breslauer und Oscar Huldschinskys Sohn Paul später erweiterten. Im Berliner Tiergartenviertel entstand 1895/1896 Huldschinsky Stadtvilla nach Plänen der Architekten Kayser & von Großheim in der Mathäikirchstraße 3a.

Von 1904 bis 1913 war Oscar Huldschinsky der Besitzer der von William Fife entworfenen Segelyacht Susanne, die zahlreiche Regatten gewann.<ref>Westward, Britannia, White Heather (II) and Susanne, crossing the Royal Yacht Squadron line at Cowes, 1920. In: Christie’s, (englisch)</ref><ref>Atlantic wins again. American Yacht First of Auxillaries in Hellgoland Race. (PDF) In: The New York Times, 20. Juni 1905.</ref><ref>Walter Ludwig: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Konstrukteure. William Fife. (Memento vom 14. Juni 2009 im Internet Archive). In: klassischeyachten.de.</ref>

Datei:Berlin, Villa Oskar Huldschinsky, Salon im Rokokostil.jpg
Villa Oskar Huldschinsky, Salon im Rokokostil, Berlin

Einen Teil seines Geldes investierte Oscar Huldschinsky, der Gründungsmitglied des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins war,<ref>Gründungsmitglieder des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins, aufgerufen am 22. Mai 2020.</ref> in eine umfangreiche Kunstsammlung, die unter anderem Gemälde von Sandro Botticelli, Tiepolo, Rembrandt, Frans Hals, Jacob van Ruisdael<ref name="artic-60755">Landscape with the Ruins of the Castle of Egmond – The Art Institute of Chicago. In: artic.edu. Abgerufen am 25. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und Peter Paul Rubens enthielt. Die Berliner Museen bedachte er mit mehreren großzügigen Stiftungen. So erhielt beispielsweise die Nationalgalerie das Pastellbild Unterhaltung von Edgar Degas und die Skulptur Der Denker von Auguste Rodin, der Gemäldegalerie stiftete er die Werke Beweinung Christi von Hugo van der Goes und Maria mit dem Kind aus der Werkstatt von Jan van Scorel.<ref>Cella-Margaretha Girardet: Jüdische Mäzene für die Preußischen Museen zu Berlin, S. 172.</ref> 1898 präsentierte Wilhelm von Bode, der Huldschinsky bei seinen Käufen beriet,<ref>Andrea Pophanken, Felix Billeter: Die Moderne und ihre Sammler. Akademie-Verlag, 2001, ISBN 978-3-05-003546-8, S. 23.</ref> die Sammlung Huldschinsky in der Berliner Gemäldegalerie.<ref>Michael Zajonz: Das Herrenzimmer als Museumsraum. Von James Simon bis Reinhold Würth: Das Museum hat immer von seinen Sammlern profitiert. In: Tagesspiegel. 19. Oktober 2006 (archive.org).</ref> 1909 gab er eine Broschüre über Huldschinskys Sammlung heraus.<ref>Broschüre: Bode, W. (Hrsg.), Die Sammlung Oscar Huldschinsky. Mit 48 Tafeln und einigen Textabbildungen. Frankfurt, J. Baer 1909. In: Ketterer Kunst, Kunstauktionen, 8. September 2007 in Hamburg, Lot 37.</ref> 1926<ref name="ghwk.de_2004" /> wurde Huldschinsky von Max Liebermann porträtiert.<ref>Frontispiz: Portrait Oscar Huldschinsky. In: Kunstsalon Paul Cassirer (Hrsg.): Die Sammlung Oscar Huldschinsky, Berlin 1928, Digitalisat der UB Heidelberg.</ref>

Oscar Huldschinsky hatte ein Großteil seines Vermögens durch die Zeichnung von Kriegsanleihen, die Inflation und die Wirtschaftskrise verloren.<ref>Thomas Blubacher: Oscar Huldschinsky 1846-1931 und Ann Sommer, geb. Reichenheim 1910-2009, S. 146.</ref> In der Folge ließ er 1928 einen Teil seiner Kunstwerke versteigern.<ref>Thomas Blubacher: Oscar Huldschinsky 1846-1931 und Ann Sommer, geb. Reichenheim 1910-2009, S. 146.</ref> Auch seinen Wohnsitz am Wannsee musste er verkaufen. Zum neuen Eigentümer wurde dort der Industrielle und Bankier Georg Schicht, der wenige Jahre nach dem Kauf nach London emigrierte. 1942 ging das Grundstück in das Eigentum des Deutschen Reichs über. Es wurde zunächst von der Reichsforstverwaltung genutzt, später zog der italienische Botschafter in Huldschinskys Villa. Am 19. Juni 1948 wurde dort die Gründung der Freien Universität Berlin besprochen. Zwischen 1954 und 1995 diente die Villa als Krankenhaus; 1999 wurde das Hauptgebäude verkauft. Die Nebenvilla, in der einst Huldschinskys Kinder lebten, wird saniert. Später verkaufte er auch die Villa in der Mathäikirchstraße und bezog ein Haus in der Rüsternallee 4–6.<ref>Thomas Blubacher: Oscar Huldschinsky 1846-1931 und Ann Sommer, geb. Reichenheim 1910-2009, S. 148.</ref>

Datei:Grabstätte Lindenstr 1 (Zehld) Oscar Huldschinsky.jpg
Familiengruft Huldschinsky auf dem Friedhof Wannsee in Berlin-Zehlendorf

Oscar Huldschinsky wurde als Jude auf dem Neuen Friedhof in Wannsee bestattet. Sein Grab in einer Familiengruft von Otto Stahn ist erhalten geblieben.<ref>Brigitte Ferlet: Oscar Huldschinsky. In: berlin-die-hauptstadt.de, 30. Juni 2017.</ref> Noch zu Lebzeiten hatte er den Antrag gestellt, dass auf diesem Friedhof auch Juden beerdigt werden durften.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Neue Friedhof in Berlin-Wannsee. (Memento vom 7. September 2011 im Internet Archive). In: ghwk.de.</ref> Sein Sohn Paul ließ sich später in den USA nach katholischem Ritus bestatten.<ref>Thema: Paul Huldschinsky. In: thomasmann.de, Forum Thomas Mann, 2005.</ref>

Literatur

  • Thomas Blubacher: Oscar Huldschinsky 1846-1931 und Ann Sommer, geb. Reichenheim 1910-2009. In: Melissa Müller, Monika Tatzkow: Verlorene Bilder, verlorene Leben. Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde. Elisabeth Sandmann, München 2014, ISBN 978-3-938045-30-5, S. 142–153.
  • Kunstsalon Paul Cassirer (Hrsg.): Die Sammlung Oscar Huldschinsky. Berlin, 1928. [Versteigerung: Donnerstag, den 10. Mai, Freitag, den 11. Mai 1928.] Digitalisat der UB Heidelberg.
  • Cella-Margaretha Girardet: Jüdische Mäzene für die Preußischen Museen zu Berlin. Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach 1997, ISBN 3-8267-1133-5, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..
  • Oskar Huldschinsky †<ref>Falschschreibung des Vornamens mit "k" im Originalartikel!</ref>, Artikel in der Vossischen Zeitung vom 21. September 1931, S. 7.

Weblinks

Commons: Oscar Huldschinsky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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