Lyle Tuttle
Lyle Gilbert Tuttle (* 7. Oktober 1931 in Chariton, Iowa; † 26. März 2019 in Ukiah, Kalifornien)<ref>Daniel E. Slotnick: Lyle Tuttle, Who Recast Tattooing’s Image Pore by Pore, Dies at 87. In: The New York Times, 3. April 2019. Abgerufen am 4. April 2019.</ref> galt als einer der bekanntesten Tätowierer der USA, er begann bereits 1949, professionell zu tätowieren.<ref name="prick">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Lyle Tuttle: Forefather of modern tattooing (interview).] Prick Magazine, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 24. Dezember 2006.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Tuttle tätowierte unter anderem Janis Joplin,<ref>Myra Friedman: Buried Alive: The Biography of Janis Joplin. Crown 2011, ISBN 0-307-79052-5, S. 206.</ref> Cher, Henry Fonda, Paul Stanley, die Rolling Stones, Joan Baez und einige andere namhafte Musiker und Prominente.<ref>Vgl. Marcel Feige, Das Tattoo- und Piercing Lexikon, ISBN 3-89602-209-1, S. 331.</ref> Im Jahr 1970 berichtete die Zeitschrift Rolling Stone mit einer Titelstory und 1972 die Zeitschrift Life ausführlich über Tuttle.
Biografie
Tuttle wurde 1931 als Sohn des Farmers Howard H. Tuttle (* 11. November 1899 in Chariton; 14. Februar 1989 in Ukiah) und dessen Ehefrau<ref>Heirat am 24. Dezember 1921</ref> Erma Opal (* 12. Dezember 1901 als Erma O. Kaster; † 19. August 1987 in Ukiah)<ref>Daniel E. Slotnik: Lyle Tuttle, Who Recast Tattooing’s Image Pore by Pore, Dies at 87. In: New York Times vom 3. April 2019.</ref> geboren und wuchs in Ukiah, Kalifornien, auf. Im Alter von vierzehn Jahren erhielt er seine erste Tätowierung.<ref>Darline Bergere: Legendary Locals of Ukiah. Arcadia Publishing 2015, ISBN 1-4671-0182-6, S. 91.</ref> Wie viele der Tattoo-Pioniere begann auch Tuttle, mit der Hand zu tätowieren;<ref>Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 56</ref> 1946 zog er nach San Francisco. Ab 1949 arbeitete er professionell mit einer Tätowiermaschine.<ref>Aaron Beck: For tattoo master, every mark is special 2006-05-13 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2017. Suche im Internet Archive )</ref> Tuttle nahm als Soldat der Marines am Koreakrieg teil, aus dem er mit schweren Erfrierungen heimkehrte. Für diese Kriegsverletzungen wurde er ausgezeichnet. Am 4. Juli 1954 heiratete er Betty Lawson, die Ehe wurde in Reno geschlossen.<ref>Ukhia Dayly Journal vom 15. Juli 1954, S. 2.</ref> Im Jahr 1956 begann er, in San Diego im Shop von Bert Grimm zu arbeiten, 1957 eröffnete er sein eigenes Studio in San Francisco.<ref>Marcel Feige: Das Tattoo- und Piercing Lexikon. ISBN 3-89602-209-1, S. 329.</ref> In zirka 40 Jahren arbeitete er auf sechs Kontinenten als Tätowierer, und – wie er selbst betonte –, habe er „nie wissentlich eine minderjährige Person tätowiert“. Im Oktober 1970 gab Tuttle der Journalistin Amie Hill ein umfangreiches Interview, das als Titelstory im Rolling Stone Magazin publiziert wurde; die Bilder fertigte die renommierte Fotografin Annie Leibovitz an. Tuttle prägte den Satz „Tätowierer müssen mit ihren Fehlern leben, Ärzte begraben sie“.<ref>Marcel Feige: Das Tattoo- und Piercing Lexikon, ISBN 3-89602-209-1, S. 331.</ref> Im Jahr 1976 erstellte die Fotografin Imogen Cunningham eine Bilderserie von Tuttle.<ref>Judith Fryer Davidov: Women’s Camera Work: Self/body/other in American Visual Culture. Duke University Press 1998, ISBN 0-8223-2067-3, S. 379-</ref>
In den 1970er Jahren erlangte Tuttle, der auch unter dem Namen Frisco Flyer<ref>Tattoo Kunst und die Geschichte, magazinusa.com</ref> bekannt war, den Ruf „als Tätowierer der Stars“, und seine Verbindung zur Frauenbefreiungsbewegung tat ihr Übriges. „Die Tätowierung von Janis Joplin, Joan Baez und Cher brachte Tuttle in Kalifornien einen Prominentenstatus ein und er wurde mit Anfragen nach Armbandtattoos, Schmetterlingen, Herzen, Rosenknospen und Blumen überschwemmt.“<ref>Frankie Harrington: San Francisco’s Iconic Illustrated Man In: The SanFranciscan vom 25. Februar 2019.</ref> Im Jahr 1972 ließ Tuttle eine große Serie von T-Shirts anfertigen, die als Aufdruck seine vollständige Oberkörpertätowierung widerspiegelten. Das Shirt wurde zu einem Kultobjekt, über das im März 1972 das LIFE Magazine berichtete.<ref>LIFE 10. März 1972, Band 72, Nr. 9.</ref> Das Shirt wurde 2018 in einer limitierten/nummerierten Auflage im Rahmen der Retrospektive mit dem Titel Lyle Tuttle: 70 years in Tattooing retrospective and fundraising neu angefertigt.
Die erste internationale Tattoo-Convention wurde von Lyle Tuttle und David Yurkew am 24./25. Januar 1976 in Houston, Texas, abgehalten. Am 19. und 21. Januar 1996 richteten Yurkew und Tuttle das 20. Jubiläum der ersten Welt-Tattoo-Convention ebenfalls in Houston aus.<ref>Manfred Kohrs: From the Past – First US-Tattoo Convention Houson/Texas 1976, in: Tattoo Kulture Magazine 37, März/April 2020, S. 88–89.</ref> In dieser Zeit lernte er Horst Streckenbach kennen, der ab 1944 in verschiedenen Kriegsgefangenenlagern, zuletzt in Kalifornien, inhaftiert war. Tuttle und Streckenbach verband in der Folgezeit eine enge Freundschaft.<ref>Manfred Kohrs: Horst H. Streckenbach der vergessene Pionier. In: Tattoo Kulture Magazine Issue No.32 vom 12. April 2019, S. 28–40.</ref>
1990 ging Tuttle in den Ruhestand. Auf der Tattoo Convention Frankfurt im Mai 2000 initiierte er eine Spendenaktion für seinen alten Freund Horst Streckenbach.<ref>Marcel Feige: Das Tattoo- und Piercing Lexikon, S. 282.</ref> Gelegentlich tätowierte er noch Freunden und Bekannten seine Unterschrift auf die Haut. Im Jahr 2001 verkaufte er sein Tattoo-Studio. Seine Sammlung von mehr als 800 elektrischen Tätowiermaschinen aus der Zeit von 1897 bis heute ist im Eigentum einer Stiftung mit Sitz in seinem Heimatort Ukiah. Dazu gehören auch viele antike Tätowiervorlagen und Fotos von namhaften Tätowierkünstlern und tätowierten Personen.<ref>Lyle Tuttle ist gestorben. In: Tattoo-Spirit. 27. März 2019, abgerufen am 31. März 2019.</ref>
Späte Jahre
In einem Interview, geführt 2006 von Chuck Brank für das PRICK Magazine, antwortete Tuttle auf die Frage, wodurch die Renaissance maßgeblich befördert wurde: „Women’s liberation! One hundred percent women’s liberation! That put tattooing back on the map. With women getting a newfound freedom, they could get tattooed if they so desired. [...] For three years, I tattooed almost nothing but women.“<ref>Die Befreiung der Frauen! Hundertprozentige Frauenbefreiung! Das rief das Tätowieren zurück auf den Plan. Mit der neu gewonnenen Freiheit konnten sich Frauen tätowieren lassen, wenn sie es wollten. [...] Drei Jahre lang habe ich fast nur Frauen tätowiert.</ref><ref>Marcus Schäfer: Niedergang und Renaissance einer Kulturtechnik – Der Einfluss der US-amerikanischen Frauenbewegung auf die Wiederbelebung der Tätowierung, zeitgeschichte-online.de vom 28. Juli 2021, abgerufen am 14. Februar 2023.</ref>
Im Palace of Fine Arts in San Francisco fand vom 21. bis 23. September 2018 eine Retrospektive mit dem Titel Lyle Tuttle: 70 years in Tattooing retrospective and fundraising statt.<ref>Danielle Boiardi: Lyle Tuttle: 70 Years in Tattooing – Retrospective Tattoo Art Collection Exhibit and Celebration, Palace of Fine Arts, Sept. 21–23, 2018. In: Digitaljournal. 27. August 2018, abgerufen am 30. März 2019.</ref>
Vom 26. bis 28. Oktober 2018 gab Tuttle dem Tattoo-Forscher Manfred Kohrs ein Interview. Es war die letzte umfangreiche Ton- und Bilddokumentation zu seinem Leben und Wirken.<ref>Manfred Kohrs: From the Past – First US-Tattoo Convention Houson/Texas 1976, in: Tattoo Kulture Magazine 37, März/April 2020, S. 88–89.</ref> Lyle Tuttle verstarb friedlich im Alter von 87 Jahren in der Nacht zum 25. März 2019 in seinem Haus in Ukiah. Er hinterließ seine Frau Judy (Aurre) und aus der früheren Ehe mit Betty Lawson die Tochter Suzanne Tuttle.<ref>Barbara Sobel: Lyle Tuttle Legendary San Francisco Tattoo Artist Dies at 87. In: guardianlv.com. 27. März 2019, abgerufen am 29. März 2019.</ref>
„Am 25.03.2019 hat jetzt das große Herz eines der wertvollsten Tattoo-Pioniere aufgehört zu schlagen. Die Tattoo-Szene trauert um einen ganz großen Mann – Ruhe in Frieden Lyle.“
Trivia
„Ich tätowiere zum Beispiel keine Hände, Füße, nicht den Hals oder das Gesicht. Ich hab da keine Tattoos. Wenn ich an den Stellen keine Tattoos habe, brauchst du da auch keine. Und als Tätowierer brauchst du ein Gewissen. Ich kann dir dein Leben versauen, also echt jetzt. Ich kann dir irgend ’nen Mist auf die Stirn tätowieren. Aber so nötig hab ich’s nicht, dass ich so was machen müsste. Wenn einer so was will, soll er die Straße runterlaufen und er wird irgendeinen finden, der ihm das macht, aber dann belastet es nicht mein Gewissen.“
Literatur
- Albert L. Morse: The Tattooists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1
- Marcel Feige: Das Tattoo- und Piercing Lexikon, ISBN 3-89602-209-1
- Lyle Tuttle: Tattoo Book of Days: Past Present and Future, Proteus Pr 2006, ISBN 0-9631708-4-8
Weblinks
- Offizieller Internetauftritt (englisch)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />TattooFinder.com's Tattoos-101 September 2007 interview with Lyle Tuttle ( vom 18. August 2012 im Internet Archive) (englisch)
- Vorlage:IMDb/1
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tuttle, Lyle |
| ALTERNATIVNAMEN | Tuttle, Lyle Gilbert |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Tätowierer |
| GEBURTSDATUM | 7. Oktober 1931 |
| GEBURTSORT | Chariton, Iowa |
| STERBEDATUM | 26. März 2019 |
| STERBEORT | Ukiah, Kalifornien |
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