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Alternativlos

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Alternativlos ist ein politisches Schlagwort in der Bedeutung „keine Alternativlösung zulassend, keine andere Möglichkeit bietend, ohne Alternative“.<ref>alternativlos in duden.de; abgerufen am 3. Dezember 2011</ref> Es wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum deutschen Unwort des Jahres 2010 gekürt.<ref>Sprachkritik – „Alternativlos“ ist das Unwort des Jahres. Spiegel Online, 18. Januar 2011, abgerufen am 18. Januar 2011.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Alternativlos“ ist das Unwort des Jahres. (Memento vom 20. Januar 2011 im Internet Archive) tagesschau.de, 18. Januar 2011</ref> Im englischen Sprachraum wird das Akronym „TINA“ (Akronym für {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) sinngemäß verwendet.

TINA-Prinzip

Datei:KAS-Bonitz, Peter-Bild-15535-1.jpg
Plakat von Peter Bonitz zur Landtagswahl in Thüringen 1994 mit dem Slogan Es gibt keine Alternative

Mit dem politischen Schlagwort „TINA-Prinzip“ (auch „TINA-Argument“ oder „TINA-Syndrom“) wird meist in polemischer Absicht ein Standpunkt bezeichnet, der geltend macht, dass es zu einer auf den Markt, insbesondere auf die Wettbewerbsfähigkeit, ausgerichteten Politik keine Alternative gebe. Der Terminus hat im Deutschen um die Mitte der 1980er Jahre Verbreitung gefunden.<ref>„TINA-Prinzip“ im Google Books NGram Viewer. Abgerufen am 27. Juli 2020.</ref>

Der politische Slogan there is no alternative („Es gibt keine Alternative“) wurde von der britischen Premierministerin Margaret Thatcher in der Anfangszeit ihrer Regierung wiederholt verwendet, um ihre Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik (vgl. Thatcherismus) zu legitimieren, welche durch den Abbau des Sozialstaates und wirtschaftsliberale Reformen bei gleichzeitig konservativen Gesellschaftsvorstellungen geprägt war.<ref>Beispielsweise sagte Margaret Thatcher auf der Conservative Women’s Conference, 21 May 1980: “We have to get our production and earnings in balance. There’s no easy popularity in what we are proposing, but it is fundamentally sound. Yet I believe people accept there is no real alternative.” Zitiert nach: Antony Jay (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Political Quotations. OUP, Oxford / New York 1996, S. 361.</ref> Diese Formel bringt nach Auffassung des Soziologen Helmut Dubiel ein technokratisches Weltbild auf den Punkt und versucht soziale und ökologische Forderungen abzuwehren, indem es auf einen zwingend zu beschreitenden Entwicklungspfad verweist.<ref>Helmut Dubiel: Die Stunde der Verführer. In: Die Zeit, Nr. 37/2002.</ref> Die Bekanntheit dieses Slogans für Thatchers Politik zeigte sich unter anderem darin, dass Claire Berlinski für die von ihr geschriebene Thatcher-Biographie diesen Slogan als Titel wählte.<ref>Claire Berlinski: There Is No Alternative: Why Margaret Thatcher Matters. New York 2010, ISBN 978-0-465-02027-0</ref> Tina wurde bald als Spitzname für Thatcher gebraucht.<ref>Etwa Alle scharen sich um TINA. In: Die Zeit, Nr. 43/1981.</ref>

Die Globalisierungskritikerin Susan George hat dem TINA-Prinzip den Ausruf „TATA!“ (There Are Thousands of Alternatives!, dt. Es gibt Tausende Alternativen!) entgegengestellt.<ref>Susan George: Another World Is Possible. In: The Nation Magazine. 18. Februar 2002, abgerufen am 31. Oktober 2010.</ref><ref>Christian Neuhäuser: TINA. (PDF) In: Krisis Journal for Contemporary Philosophy 2018, Issue 2. 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Juli 2020; abgerufen am 9. März 2026.</ref> Spätestens nach dem Weltsozialforum in Porto Alegre (2001) wurde dem TINA-Paradigma der Alternativlosigkeit der Ausspruch „Eine andere Welt ist möglich“ entgegengestellt.<ref>Oliver Nachtwey: Die globalisierte Revolte. S. 9. In: Christine Buchholz et al.: Unsere Welt ist keine Ware. Köln 2002, S. 1–10.</ref>

Als wissenschaftlich anspruchsvollere Version des TINA-Arguments wird die These des Philosophen Francis Fukuyama über das Ende der Geschichte angesehen, nach der das liberale, marktwirtschaftliche Modell keine historischen Herausforderungen mehr zu erwarten habe.<ref>Elmar Altvater: Globalisierter Neoliberalismus. In: Christoph Butterwegge: Neoliberalismus: Analysen und Alternativen. VS Verlag, 2008, S. 58.</ref>

Unwort des Jahres 2010

Datei:Angela Merkel Juli 2010 - 3zu4 (cropped).jpg
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bekannt für die Verwendung des Schlagworts „alternativlos“.

Die Wahl zum Unwort bezieht sich auf die jüngere Verwendung in Deutschland. Dabei wurde das Schlagwort „alternativlos“ in verschiedenen Zusammenhängen insbesondere ab 2009 von Angela Merkel und anderen Mitgliedern der Bundesregierung verwendet.<ref>Merkel verteidigt Banken-Enteignungsgesetz. N24, 18. Februar 2009</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Für Merkel ist Afghanistan-Einsatz alternativlos. (Memento vom 12. Dezember 2009 im Internet Archive) Netzeitung, 2. Juli 2009</ref><ref>Schäuble verteidigt Schuldenabbau als alternativlos. Stern, 7. Juli 2010</ref><ref>Brüderle sieht keine Inflationsgefahr für den Euro. Welt Online, 28. November 2010</ref> Mit dieser Begründung waren mehrere politische Entscheidungen gerechtfertigt worden.<ref>Das Totschlagargument. Deutschlandradio Kultur, 18. Januar 2011</ref> Die Jury befand:

„Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.“

Zitat der Jury-Entscheidung<ref>Horst Dieter Schlosser: Zum 20. Mal „Unwort des Jahres“ gewählt. (PDF; 84 kB) Medienmitteilung. In: www.unwortdesjahres.net. Sprachkritische Aktion UNWORT DES JAHRES, 18. Januar 2011, abgerufen am 12. Dezember 2025.</ref>

Horst Dieter Schlosser sagte weiter, dass mit dem Begriff auch die Gesundheitsreform, das Bahnprojekt Stuttgart 21 und andere politische Entscheidungen gerechtfertigt wurden, welche „das Basta der Merkel-Regierung“ sei. Ebenso habe Roland Koch mit diesem Begriff unter anderem den umstrittenen Ausbau des Frankfurter Flughafens begründet.<ref>Spiegel Online, „Alternativlos“ ist das Unwort des Jahres. 18. Januar 2011</ref>

Die Benennung der 2013 gegründeten Partei Alternative für Deutschland (AfD) ist eine bewusste Anspielung und Antwort auf Merkels Verwendung des Slogans „alternativlos“, insbesondere hinsichtlich der sogenannten Euro-Rettung.<ref>Joachim Jahn: Gründungsparteitag der AFD – Aufstand gegen Merkels „alternativlose Politik“. In: Frankfurter Allgemeine, 14. April 2013.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Claire Berlinski: There Is No Alternative: Why Margaret Thatcher Matters. New York 2010, ISBN 978-0-465-02027-0.
  • Dirk Kurbjuweit: Alternativlos. Merkel, die Deutschen und das Ende der Politik. München, Hanser Verlag 2014, ISBN 978-3-446-24712-3.
  • Astrid Séville: „There is no alternative“. Politik zwischen Demokratie und Sachzwang. Campus, Frankfurt am Main/New York 2017, ISBN 978-3-593-50788-0.

Weblinks

Wiktionary: alternativlos – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang 1991 Ausländerfrei | 1992 Ethnische Säuberung | 1993 Überfremdung | 1994 Peanuts | 1995 Diätenanpassung | 1996 Rentnerschwemme | 1997 Wohlstandsmüll | 1998 Sozialverträgliches Frühableben | 1999 Kollateralschaden | 2000 National befreite Zone | 2001 Gotteskrieger | 2002 Ich-AG | 2003 Tätervolk | 2004 Humankapital | 2005 Entlassungsproduktivität | 2006 Freiwillige Ausreise | 2007 Herdprämie | 2008 Notleidende Banken | 2009 Betriebsratsverseucht | 2010 Alternativlos | 2011 Döner-Morde | 2012 Opfer-Abo | 2013 Sozialtourismus | 2014 Lügenpresse | 2015 Gutmensch | 2016 Volksverräter | 2017 Alternative Fakten | 2018 Anti-Abschiebe-Industrie | 2019 Klimahysterie | 2020 Corona-Diktatur und Rückführungspatenschaften | 2021 Pushback | 2022 Klimaterroristen | 2023 Remigration | 2024 Biodeutsch | 2025 Sondervermögen

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