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Nasrin Sotudeh

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 6. April 2026 um 09:18 Uhr durch imported>Seemannssonntag (Kategorie:Menschenrechtsaktivist (Iran) ist Unterkategorie von Kategorie:Person (Menschenrechte im Iran), +Kategorie).
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Datei:Nasrin Sotoudeh Reza Khandan.jpg
Nasrin Sotudeh mit ihrem Ehemann (2012)

Nasrin Sotudeh (persisch نسرین ستوده‎; * 30. Mai 1963 in Teheran) ist eine iranische Rechtsanwältin, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin. Im Jahr 2020 wurde ihr der als „Alternativer Nobelpreis“ bekannte Right Livelihood Award zugesprochen.

Leben

Sotudeh schloss 1995 ihr Jurastudium ab, musste jedoch acht Jahre auf ihre Anwaltszulassung warten, weswegen sie zunächst als Journalistin arbeitete und für reformorientierte Zeitungen vor allem über Frauenrechte schrieb.<ref name="taz20110111">Beate Seel: Portrait Nasrin Sotudeh: Kämpferin für Frauenrechte. In: Die Tageszeitung: taz. 11. Januar 2011, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 4. April 2026]).</ref><ref>Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 83 und 85.</ref>

Nasrin Sotudeh ist mit Reza Chandan verheiratet und hat eine Tochter, die unter fadenscheinigen Gründen von der Justiz eine Ausreisesperre erhalten hat, und einen im Herbst 2008 geborenen Sohn.<ref>Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 83 und 85.</ref>

Arbeit als Rechtsanwältin

Ab 2003 arbeitete Sotudeh als Rechtsanwältin und „verteidigte Frauen, die gegen das Kopftuch protestierten, Dissidenten und religiöse Minderheiten“.<ref>Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 83.</ref>

Sotudeh war auch als Anwältin für die von der iranischen Justiz verfolgte und inzwischen exilierte iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi tätig.

Vor ihrer Verhaftung setzte sie sich insbesondere für die Gleichberechtigung von Frauen in der Islamischen Republik Iran ein. Beispielsweise unterstützte sie die Kampagne „Eine Million Unterschriften“.

Wahlen 2009

Sotudeh vertrat insbesondere minderjährige Straftäter in Todeszellen und festgenommene Oppositionelle, die im Juni 2009 gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadineschad protestiert hatten. Nach der Niederschlagung der Proteste, die als „Grüne Bewegung“ auch im Westen bekannt wurden, flohen viele Aktivistinnen soweit möglich ins Ausland – Sotudeh blieb. Im September 2010 wurde sie verhaftet, nachdem ihr schon 2008 die Ausreise nach Italien zur Entgegennahme eines Menschenrechtspreises in Südtirol durch Einbehalt des Reisepasses verwehrt worden war.

Ihrem Mandanten Arasch Rahmanipur, der wegen Mohareb (deutsch „Krieg gegen Gott“) zum Tode verurteilt wurde, wurde an keinem einzigen Prozesstag der Beistand seiner Rechtsanwältin erlaubt. Der 20-jährige Rahmanipur wurde schließlich am 28. Januar 2010 gehängt.<ref>Financial Times Deutschland, 2. Februar 2010: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref><ref>Kommentare: Hinrichtung von Oppositionellen im Iran: Das Regime schlägt um sich - WELT. Abgerufen am 4. April 2026.</ref><ref>planet-iran.com, 28. Januar 2010: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Arash Rahmanipour’s Lawyer Speaks on the Executions + video (in Persian, English and German) (Memento vom 30. Oktober 2010 im Internet Archive)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lawyer of Executed Activist Interrogated over Media Interview (Memento vom 30. Oktober 2010 im Internet Archive), in planet.iran.com, 16. Februar 2010 (englisch)</ref><ref>Al-Jazeera-Interview mit dem Vater von Arash Rahmanipour. In: Julias Blog. 29. Januar 2010, abgerufen am 4. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Verhaftung, Verurteilung und Hungerstreik

Nach ihrer Verhaftung am 22. September 2010 befand sich Sotudeh mehrfach im Hungerstreik.<ref>The Feminist School. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. Januar 2011; abgerufen am 4. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 9. Januar 2011 wurde – nach Auskunft ihres Mannes – ihr Verteidiger von dem verfahrensführenden Richter, dessen Name noch nicht bekannt wurde, darüber informiert, dass Sotudeh wegen angeblicher „Angriffe auf die nationale Sicherheit“, „Propaganda gegen die Staatsführung“, Mitgliedschaft im Zentrum der Verfechter der Menschenrechte (eine Menschenrechtsgruppe der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi) und „Verstoßes gegen die islamischen Kleidervorschriften in einer Videobotschaft“ zu elf Jahren Haft verurteilt worden sei. Darüber hinaus sei gegen die Rechtsanwältin ein 20-jähriges Berufs- und Ausreiseverbot verhängt worden. Zur Unterstützung während ihres dritten Hungerstreiks, den sie am 7. Dezember 2010 begann, wurden im Internet Petitionen verbreitet.<ref name="gopetition">gopetition.com, Roya Irani: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Release human rights lawyer, Nasrin Sotoudeh, in Iran! (Memento vom 2. März 2014 im Internet Archive) (mit Foto von Nasrin Sotoudeh)</ref> Mehrmals musste sie im Evin-Gefängnis in Teheran medizinisch behandelt werden.<ref name="gopetition" />

Internationale Reaktionen

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi rief im Dezember 2010 vor dem UN-Gebäude in Genf zur Freilassung der inhaftierten iranischen Menschenrechtsanwältin auf und forderte von der Hohen Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Navi Pillay, gegen die sehr ernste Situation politischer Gefangener in Iran vorzugehen.<ref>Wochenzeitschrift Stern, 20. Dezember 2010: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ebadi ruft zu Freilassung inhaftierter iranischer Anwältin auf (Memento vom 22. September 2011 im Internet Archive), stern.de.</ref>

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesrepublik Deutschland, Markus Löning, bezeichnete die langjährigen Haftstrafen für Nasrin Sotudeh und die Journalistin Shiva Nazar Ahari als schweres Unrecht und forderte die sofortige Freilassung beider Frauen.<ref>Lange Haftstrafe für iranische Aktivistin. Abgerufen am 4. April 2026.</ref>

Volker Beck, damals Mitglied des Deutschen Bundestages und Sprecher der Grünen für Menschenrechtspolitik, verlangte die umgehende Freilassung von Sotudeh.<ref>Volker Beck: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Volker Becks Rede zur Menschenrechtslage im Iran am 2. Dezember 2010 (Memento vom 3. Januar 2013 im Internet Archive)</ref>

Europäische Reaktionen

Auch das Parlament der Europäischen Gemeinschaft verurteilte am 20. Januar 2011 auf das Schärfste das außergewöhnlich harte Urteil gegen Nasrin Sotoudeh und die Einschüchterungsmaßnahmen gegen ihren Ehemann und sprach ihr für ihren Mut und ihr Engagement seine Hochachtung aus (Punkt 2 der Entschließung). Das Europäische Parlament forderte unter Punkt 1 der gleichen Entschließung die Regierung der Islamischen Republik Iran auf, Nasrin Sotoudeh und alle anderen Gefangenen aus Gewissensgründen unverzüglich und bedingungslos freizulassen. Weiterhin erweiterte das Parlament europäische Sanktionen (Einfrieren von Vermögenswerten, Einreiseverbot) auf diejenigen iranischen Amtsträger, die für Menschenrechtsverletzungen, Unterdrückung und die Einschränkung der Freiheitsrechte in Iran verantwortlich sind (Forderung 11 der 13 Punkte umfassenden Entschließung).<ref>Angenommene Texte - Iran und der Fall Nasrin Sotudeh - Donnerstag, 20. Januar 2011. Abgerufen am 4. April 2026.</ref>

Als Reaktion auf den internationalen Druck reduzierte ein Berufungsgericht im September 2011 die Strafe auf sechs Jahre.<ref>Stern, Nr. 50/2011, S. 123</ref>

Freilassung und erneute Verhaftungen

Kurz vor einem Besuch des neugewählten Präsidenten Hassan Rohani bei der UN-Vollversammlung in New York am 25. September 2013 wurden um den 18. September 2013 rund ein Dutzend politische Gefangene vorzeitig aus der Haft entlassen, unter anderem Nasrin Sotudeh. Einige Beobachter werteten dies als einen ersten Ansatz Rohanis, sein Wahlversprechen umzusetzen, in Iran künftig mehr politische Freiheiten zuzulassen. Andere, wie Human Rights Watch, begrüßten die Freilassungen, forderten aber, dass Iran erst beweisen müsse, dass dies mehr als eine symbolische Geste sei, indem beispielsweise unverzüglich weitere konkrete Schritte unternommen würden, um die bedingungslose Freilassung von hunderten anderen politischen Gefangenen zu veranlassen. Zudem müsse das Regime dafür sorgen, dass die Freigelassenen nicht erneut Ziel der Sicherheitskräfte und der Justiz würden.<ref>Saeed Kamali Dehghan: Iran frees political prisoners ahead of Hassan Rouhani's UN visit. In: The Guardian. 18. September 2013, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 4. April 2026]).</ref>

Ebadi kritisierte auch nach den Freilassungen die Menschenrechtsbilanz Rohanis, auch im Hinblick auf einen deutlichen Anstieg der Hinrichtungen seit seinem Amtsantritt,<ref>Nobelpreisträgerin Ebadi kritisiert Rouhani und Westen. 5. November 2013, abgerufen am 4. April 2026.</ref><ref>Ebadi Slams Rohani's Rights Record. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 6. November 2013 (rferl.org [abgerufen am 4. April 2026]).</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„IRAN: President Rouhani must deliver on human rights promises“ (Memento vom 3. Januar 2014 im Internet Archive), Amnesty International, 25. November 2013.</ref> scharf und warf der Regierung vor, über die Freilassung von politischen Gefangenen zu lügen. Keine ihrer Erwartungen sei erfüllt.<ref>Ebadi rügt Menschenrechtslage im Iran. Abgerufen am 4. April 2026.</ref>

Am 13. Juni 2018 wurde Nasrin Sotudeh ohne ihr Wissen in Abwesenheit zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt und erneut in ihrem Haus verhaftet. Vor ihrer erneuten Verurteilung arbeitete Nasrin Sotoudeh an der Verteidigung zweier junger Frauen, die öffentlich gegen das per Gesetz erzwungene Tragen des Kopftuches protestiert hatten und daraufhin inhaftiert worden waren. Sotudeh kam ins Evin-Gefängnis in Teheran.<ref name="IGFM">Charlotte Bachmann-Gumbs: Nasrin Sotoudeh. In: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Abgerufen am 2. Oktober 2020.</ref>

Am 6. März 2019 wurde Sotudeh von einem Revolutionsgericht mit den Vorwürden „Störung der öffentlichen Ordnung“, „sündhaftes Auftreten ohne Kopftuch“, „Spionage“ und „Schüren von Prostitution“ zu 33 Jahren Haft und 148 Peitschenschlägen verurteilt.<ref name="IGFM" /><ref>Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 82–83.</ref> Von der Haftzeit müsse sie mindestens 12 Jahre absitzen.<ref name=":0">als/dpa: Iranische Menschenrechtlerin Sotudeh muss Resthaft im Frauengefängnis absitzen. In: Der Spiegel. 21. Oktober 2020, abgerufen am 11. Juni 2021.</ref>

Am 11. August 2020 ist Sotudeh im Gefängnis erneut in den Hungerstreik getreten,<ref>Sorge um Nasrin Sotoudeh im Hungerstreik. Abgerufen am 4. April 2026.</ref> um die Welt auf die katastrophalen Zustände in den Gefängnissen Irans in Zeiten der Pandemie aufmerksam zu machen.<ref>Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 85.</ref> Nachdem sich der Gesundheitszustand der laut Natalie Amiri herzschwachen Sotudeh stark verschlechtert hatte, brach sie die Aktion am 25. September ab.<ref>tagesschau.de: Iranische Menschenrechtlerin Sotoudeh beendet Hungerstreik. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. September 2020; abgerufen am 4. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Oktober 2020 wurde sie vom Evin-Gefängnis in die Frauenhaftanstalt Gharchak verlegt.<ref name=":0" /> Am 8. November wurde sie nach zwei Jahren Haft und 50 Tagen Hungerstreiks in den Hafturlaub entlassen.<ref>Nasrin Sotudeh: Hafturlaub nach 50 Tagen Hungerstreik für iranische Menschenrechtsaktivistin. In: Der Spiegel. Abgerufen am 8. November 2020.</ref> Am 3. Dezember 2020, am Tag, als ihr der am 1. Oktober bekanntgegebene „Alternative Nobelpreis“ für die Förderung politischer Freiheiten und der Menschenrechte in Iran überreicht hätte werden sollen, kehrte sie in das Frauengefängnis zurück; ihr Hafturlaub wurde nicht verlängert.<ref>tagesschau.de: Iranische Menschenrechtlerin Sotoudeh wieder im Gefängnis. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Dezember 2020; abgerufen am 4. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Am 5. November 2023 wurde Sotudeh zusammen mit mehr als 100 Menschen von der Sittenpolizei unter Gewalteinsatz verhaftet, als sie – wie alle anderen anwesenden Frauen – unverschleiert an der Beerdigung von Armita Garawand teilnehmen wollte.<ref>Susanne Koelbl: (S+) Iran: Aktivist erklärt, was die wenigen Demonstranten gegen das Regime noch antreibt. In: Der Spiegel. 7. November 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. November 2023]).</ref>

Am 1. April 2026 wurde Sotudeh erneut festgenommen.<ref>Tochter: Bekannte iranische Anwältin Sotudeh festgenommen. In: stern.de. 2. April 2026, abgerufen am 2. April 2026.</ref>

Ehrungen

Literatur

  • Nasrin Sotudeh in: Internationales Biographisches Archiv 19/2013 vom 7. Mai 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 82–86.

Weblinks

Commons: Nasrin Sotoudeh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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