Zitadelle Lille
| colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Citadelle de Lille | |
|---|---|
| Datei:Citadelle vue du ciel.jpg | |
| colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Daten | |
| Ort | Lille |
| Baumeister | Sébastien Le Prestre de Vauban |
| Bauzeit | 1667–1673 |
| Baukosten | 1.409.702 Livres, 2 Sols, 5 Deniers |
| Grundfläche | 700.000 m² |
Die Zitadelle Lille ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist eine zwischen 1668 und 1671 nach Entwurf von Sébastien Le Prestre de Vauban angelegte bastionierte Festung. Die Zitadelle von Lille wird auch als Königin der Zitadellen bezeichnet, liegt an der Grenze zu Flandern und ist Teil der Pré carré, einer doppelten Festungslinie aus 28 befestigten Städten zwischen Gravelines, Dünkirchen und Maubeuge-Rocroi. Sie diente als Vorbild für die meisten von Vauban entworfenen Zitadellen.
Bau
Ende August 1667 war Lille von der Armee Ludwig XIV. erobert worden. Um die Stadt zu sichern, beauftragte François-Michel Le Tellier, Marquis de Louvois, als Kriegsminister unter Ludwig XIV dann Sébastien Le Prestre de Vauban mit dem Bau einer Zitadelle. Der von Vauban vorgelegte Entwurf einer fünfeckigen Zitadelle wurde von Ludwig XIV. angenommen, so dass am 28. Dezember 1667 mit den Arbeiten begonnen werden konnte. Vauban wählte für den Bau das Marschland zwischen den Nebenarmen der Deûle, Bucquet und Haute-Deûle. In seinem Werk Etat succinct des aille et Citadelle de Lille par rapport à leur fortification et à Vattaque et défense von 1699 hob Vauban die Vorteile hervor, die die Lage der Zitadelle für den Ort mit sich brachte: Da sie auf einem abgelegenen Gelände außerhalb der Stadt liegt, verlängert die Lage der Zitadelle die Verteidigungslinie und unterstreicht bereits die Möglichkeiten einer Erweiterung von Lille nach Westen. Da sie auf sumpfigem Gelände liegt, das für Sappeure ungeeignet ist, besteht für die Zitadelle keine Gefahr eines Angriffs von Land aus. Sie muss daher von der Stadt aus angegriffen werden, was den Feind zu zwei aufeinanderfolgenden Belagerungen zwingt.<ref>Milet: 1962, S. 206 f.</ref>
Die Steine für den Bau stammten anfänglich aus Waremme, das über einen Kanal mit der Baustelle verbunden war. Später kamen Steine aus Ennequin, Templemars und Béthune hinzu. Der Marquis d’Humières Louis de Crevant, Gouverneur der Stadt, ließ zusätzlich alte Gebäude abreißen, um deren Steine wiederzuverwenden. Die Ziegelsteine wurden vor Ort in vier Kohleöfen hergestellt, in denen jeweils eine Million Stück gebrannt werden konnten. Für die Escarpe-Mauern wurden 500.000 m³ Stein, für die Verkleidung sechzig Millionen Ziegelsteine und für die Fundamente 2.300 m³ Sandstein verbaut. Die Zitadelle besteht aus fünf Bastionen, mit den Bezeichnungen Le Roi, Anfou, La Reine, Turenne und Le Dauphin. Jede Bastion hat eine Front (Face) von 2 × 87 Metern und eine Flanke von 2 × 49 Metern. Jeder Saillant (die Spitze der Bastion) hat einen Abstand von 300 m zum nächsten. Die Umfassungsmauer des Festungsbereichs erstreckt sich über 2,5 km. Jede Kurtine, die in ihrer Mitte von einem Tor (heute zugemauert) durchbrochen wird, ist ca. 133 m lang und wurde von einem Ravelin mit einer Front von 2 × 120 m gedeckt. Die zinnenbewehrten Redouten der Ravelins wurden Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen. Die beiden Haupttore der Zitadelle heißen Porte Royale und Porte Dauphine bzw. Porte de Secours. Die Ausfalltore heißen Saint-Georges, Sainte-Barbe und Saint-Sébastien. Alle Tore wurden durch Grabenscheren geschützt.<ref>Milet: 1962, S. 207 f.</ref>
Der heute trockene Hauptgraben ist vierzig Meter breit und konnte bis zu einer Höhe von vier Metern geflutet werden. Das Wasser dazu stammte aus der Deûle und wurde über den Canal Vauban in die Künette geleitet.<ref>Circuit bleu : Carnet de visite „L'eau source de ville à Lille“. Abgerufen am 11. März 2026.</ref> Die Brücken vor den Toren waren aus Holz, damit sie im Falle eines Angriffs zerstört werden konnten. Die Steinbrücke, die den Hauptgraben vor dem Königstor überspannt, wurde erst Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut. Das Dauphine-Tor hatte immer nur eine bewegliche Holzbrücke. Der Gedeckte Weg, welcher den Hauptgraben sowie die Ravelins umschließt, gewährleistete dem Hauptwall einen vollständigen Schutz gegen feindliche Einsicht und direkten Beschuss. Dieser Weg setzte sich nach außen hin in einem Glacis von etwa sechsundfünfzig Metern Länge fort, vor welchem sich wiederum ein vierundzwanzig Meter breiter Vorgraben erstreckte. An jedem Winkel des Gedeckten Weges waren Waffenplätze angelegt worden. An den Feldseiten schützten Lünetten – vor denen ebenfalls ein Graben verlief – die einspringenden Waffenplätze.<ref>Milet: 1962, S. 208 f.</ref>
Seit 1670 wurden zahlreiche Außenwerke zur Verteidigung hinzugefügt: jene, die das Hornwerk des Yperntors mit der Zitadelle verbinden sowie die vorgelagerten Ravelins der Tore von Roubaix und Béthune. Die Zitadelle erfuhr eine Verbesserung durch den Ersatz ihres doppelten gedeckten Weges durch fünf große Kontergarden. Das Innere der Zitadelle wird von zwei Gebäudereihen eingenommen, in denen sich Kasernen für die Truppen, Offizierspavillons und verschiedene Lagerräume befinden.
Über dem Porte Dauphine ist in Latein folgendes zu lesen: Insula Victoriarum Ludovici XIV Devolutas Mariae Theresiae Conjugi Provincias Armis Repetentis Cumulus Ingens Novem Ab Ipso Diebus Stupenti Orbe Ad Deditionem Compulsa Quae Cujusvis Alius Impetum Aut Fregisset Aut Diu Retardasset Quem Invictum Senserat Providium Ac Beneficum Experta Hujus Arcis Regia Munificentia Extruct Ae Praseidio Id Adepta Est Ut Quae Reliquas Catholici Belgii Urbes Opibus et Numero Civium Facile Superabat Nulli Nunc Quod Unum Deerat Munimentorum Gloria Cedat Anno MDCLXX. Ludwig XIV. erklärt mit dieser Inschrift, dass er Lille rechtmäßig als Erbe seiner Gemahlin zurückforderte und innerhalb von neun Tagen unterwarf, um der bereits wohlhabenden Stadt durch den Bau dieser Festung als nun gütiger Herrscher den noch fehlenden militärischen Schutz und unvergänglichen Ruhm zu verleihen.<ref>Derode: 1848, S. 70 f.</ref>
Geschichte
Die als Königin der Zitadellen (frz. reine des citadelles) bezeichnete Anlage in Form eines regelmäßigen Fünfecks wurde kurz nach der Einnahme der Stadt (1667) durch französische Truppen als Teil eines Verteidigungsgürtels entlang der französischen Nordostgrenze errichtet. Damals regierte Ludwig XIV. Baumeister Vaubans war Simon Vollant. Vauban wurde auch ihr erster Gouverneur. Während des Spanischen Erbfolgekriegs wurde die Zitadelle ab 29. Oktober 1708 von einer alliierten Armee unter Prinz Eugen von Savoyen belagert und kapitulierte am 8. Dezember.<ref>Plan of the siege of Lille, 1708. Royal Collection Trust, abgerufen am 30. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Während des Ersten Koalitionskriegs wurde die Festung ab dem 29. September 1792 durch die Österreicher belagert, welche die Bombardierung aber bereits am 6. Oktober einstellten und sich zurückzogen.<ref>1792 : Lille a bien mérité de la Patrie. Archives municipales de Lille, abgerufen am 30. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Ersten Weltkrieg wurde Lille am 24. August 1914 zur offenen Stadt erklärt. Auch die Festung wurde somit nicht verteidigt und am 4. Oktober von deutschen Truppen besetzt.<ref>Le sort de Lille en 1914. Persée, abgerufen am 30. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 1934 wurde die Zitadelle als Monument historique klassifiziert. Im Zweiten Weltkrieg kapitulierte die Zitadelle zu Ende der Kämpfe um den Kessel von Lille am 31. Mai 1940 und wurde von deutschen Truppen besetzt.<ref>La Citadelle de Lille : plus de trois siècles d’Histoire. In: blog.prophoto.fr. Abgerufen am 30. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das 2005 gegründete Rapid Reaction Corps France (eine schnelle Eingreiftruppe) hat seinen Sitz in der Zitadelle.<ref>CRR-Fr/CRR-E</ref> In einem der Wehrgräben befindet sich der Gedenkort für den wegen Spionage im Ersten Weltkrieg vom deutschen Militär hingerichteten Léon Trulin.<ref>Nahe der Oper von Lille, in der rue Léon Trulin, steht ein Bronzedenkmal für ihn: Lille – Denkmal für Léon Trulin. wegedererinnerung-nordfrankreich.com</ref><ref>Plakat des deutschen Militärgouverneurs</ref>
Literatur
- André Pierrard: La Belle Vie Au Pays Noir. G. Blondel, Lille 1979, ISBN 2-902970-01-3. (französisch)
- François Hanscotte, Nicolas Faucherre, Pascal Lemaître (Fotos): La route des villes fortes en Nord: Les étoiles de Vauban. 2004, ISBN 2-914119-26-7 (französisch).
- M. Jean Milot: La Citadelle de Lille. In: Société française d'archéologie (Hrsg.): Congrès archéologique de France : séances générales tenues … par la Société française pour la conservation des monuments historiques. Derache, Paris 1962.
- Victor Derode: Histoire de Lille et de la Flandre Wallonne. Librairie de Vanackere, Lille 1848.
Weblinks
- Datenblatt bei structurae.de
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 50° 38′ 18″ N, 3° 2′ 40″ O
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