Banalsit
| Banalsit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Bns<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel | BaNa2[Al4Si4O16]<ref name="StrunzNickel" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/F.04 VIII/J.07-100<ref name="Lapis" /> 9.FA.60 76.01.06.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-pyramidal; mm2<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | Iba2 (Nr. 45)<ref name="Liferovich-et-al" /> |
| Gitterparameter | a = 8,5400(7) Å; b = 10,0127(9) Å; c = 16,7897(14) Å<ref name="Liferovich-et-al" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="Liferovich-et-al" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 6<ref name="Lapis" /> bis 6,5<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,065; berechnet: 3,05 bis 3,08<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | gut nach {110} und {001}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | farblos, weiß<ref name="Lapis" /> |
| Strichfarbe | weiß<ref name="Lapis" /> |
| Transparenz | durchscheinend; durchsichtig in dünnen Schichten |
| Glanz | Glasglanz, Perlglanz auf Spaltflächen<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,570<ref name="Mindat" /> nβ 1,571<ref name="Mindat" /> nγ 1,578<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,008<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Achsenwinkel | 2V = gemessen: 41°; berechnet: 52°<ref name="Mindat" /> |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | Lumineszenz |
Banalsit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung BaNa2[Al4Si4O16]<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein Barium-Natrium-Aluminiumsilikat. Banalsit ist zudem das Barium-Analogon des (später entdeckten) Stronalsits (SrNa2[Al4Si4O16]).
Banalsit kristallisiert im Kristallsystem, entwickelt aber nur sehr selten gut sichtbare Kristallflächen. Meist findet er sich in Form grobkörniger bis massiger Mineral-Aggregate. In reiner Form ist Banalsit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung ist er jedoch meist durchscheinend weiß und hinterlässt auch auf der Strichtafel einen weißen Strich. Die seltenen Kristalle weisen einen glasähnlichen Glanz auf. Frische Spaltflächen schimmern dagegen irisierend wie Perlmutt.
Etymologie und Geschichte
Der Name Banalsit ist ein Akronym, das aus den Symbolen der an der Verbindung beteiligten chemischen Elemente Barium (Ba), Natrium (Na), Aluminium (Al) und Silicium (Si) gebildet wurde.
Erstmals entdeckt wurde Banalsit in der „Benallt Mine“ bei Rhiw (Llanfaelrhys) auf der walisischen Halbinsel Lleyn. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch W. Campbell Smith, F.A. Bannister und M.H. Hey, die ihre Erstbeschreibung 1944 im amerikanischen Fachmagazin Mineralogical Magazine veröffentlichten.
Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Mines ParisTech (auch École nationale supérieure des mines de Paris; ENSM) unter der Inventarnummer 23803 und im Muséum national d’histoire naturelle (MHN), beide in Paris, sowie im Natural History Museum (NHM) in London unter der Inventarnummern BM 1944,420 bis BM 1944,423 und im National Museum of Natural History (NMNH) in Washington, D.C. unter der Invantarnummer 105854 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />
Da der Banalsit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Banalsit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Banalsit lautet „Bns“.<ref name="Warr" />
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Banalsit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er gemeinsam mit Danburit und Paracelsian in der „Paracelsian-Danburit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/F.04 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.07-100. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Banalsit zusammen mit Albit, Andesin, Anorthit, Anorthoklas, Bytownit, Dmisteinbergit, Filatovit, Kumdykolit, Labradorit, Liebermannit, Lingunit, Oligoklas, Stöfflerit, Stronalsit und Svyatoslavit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/J.07 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Banalsit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zusätzliche Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Stronalsit die „Stronalsitgruppe“ mit der Systemnummer 9.FA.60 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Banalsit die System- und Mineralnummer 76.01.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Mit Al-Si-Gitter“ in der „Banalsitgruppe“, in der auch Stronalsit, Lisetit und Svyatoslavit eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Banalsit kristallisiert in der orthorhombischen Raumgruppe Iba2 (Raumgruppen-Nr. 45) mit den Gitterparametern a = 8,5400(7) Å; b = 10,0127(9) Å und c = 16,7897(14) Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Liferovich-et-al" />
Eigenschaften
Viele Banalsite zeigen unter kurz- bis mittelwelligem UV-Licht eine gelbgrüne und unter kurzwelligem UV-Licht eine schwache bläulichweiße (sehr selten wohl auch tiefrote<ref name="Mindat-Fluoreszenz" />) Fluoreszenz, die nach Wegnahme der UV-Quelle in eine grüne Phosphoreszenz übergeht.<ref name="fluomin.org" />
Bildung und Fundorte
Banalsit bildet sich in kleinen Äderchen innerhalb von Mangan-Erzen und in Linsen von metamorph umgebildeten Tonsteinen. Dort tritt er in Paragenese unter anderem mit Alleghanyit, manganreichem Andradit, Apatit, manganreichem Biotit, Calcit, Harmotom, Jakobsit, Natrolith, Pyrophanit und Tephroit auf. Im schwedischen Bergbaurevier Långban wurden zudem Macedonit, Magnetoplumbit, Roeblingit und Na-Ca-Zeolithe als Begleitminerale entdeckt.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Als seltene Mineralbildung konnte Banalsit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025).<ref name="Mindat-Anzahl" /> Seine Typlokalität, die „Benallt Mine“ bei Rhiw (Llanfaelrhys) in Wales ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort im Vereinigten Königreich.
Des Weiteren fand sich Banalsit noch in der Sierra de las Minas in Guatemala, der „Shiromaru Mine“ auf Honshū (Japan), im Ice River-Alkalikomplex in British Columbia und den Prairie Lake-Karbonatiten in Ontario in Kanada, bei Hpakant im Kachin-Staat in Myanmar, bei Mikkelvik in der norwegischen Kommune Karlsøy, im Zhidoiskii-Massiv der Oblast Irkutsk und den Chibinen auf der Halbinsel Kola in Russland, auf den Manganfeldern der Kalahari und im Pilanesberg-Komplex bei Rustenburg in Südafrika sowie am Santa Rita Peak im San Benito County (Kalifornien) in den USA.<ref name="Fundorte" />
Siehe auch
Literatur
- Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 783.
Weblinks
- Banalsit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Banalsite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Banalsite. In: rruff.net. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="fluomin.org"> Gérard Barmarin: Database of luminescent minerals – Banalsite. In: fluomin.org. Abgerufen am 28. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Banalsit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 29. November 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – B. (PDF 373 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 29. November 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Liferovich-et-al"> </ref> <ref name="Mindat"> Banalsite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 29. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Banalsite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 29. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Fluoreszenz"> Bild eines tiefrot fluoreszierenden Banalsits. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 28. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Banalsite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 28. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>