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IX fortas

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 15. Februar 2026 um 23:40 Uhr durch imported>Kompetenter (Besatzungszeit: Erg. zur Geschichte vor 1940).
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Datei:IX forto kareivinės, 1915 m.tif
Die während des Ersten Weltkriegs zerstörte Kaserne des Forts (1919)
Datei:IX Fort (2008-09-20)02.jpg
Rekonstruktion des Fort

IX fortas (IX. Fort, Fort IX oder Neuntes Fort, Devintas fortas) in Kaunas ist eine unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg fertiggestellte Festungsanlage der Festung Kowno, die heute als Gedenkstätte für die Opfer stalinistischer Verfolgung und nationalsozialistischen Massenmordes dient.

Bau

Das IX. Fort wurde ab 1902 erbaut. Dies geschah im Rahmen des Ausbaus der Festungsanlagen, mit dem die damals zum zaristischen Russland gehörende Stadt Kaunas (damals Kowno) zu einer militärischen Festung ausgebaut werden sollte. Im Jahr 1924 wurde im Fort eine Außenstelle des Gefängnisses von Kaunas eingerichtet.<ref name="9.Fort">Museum im 9. Fort Kaunas Museum, aufgerufen am 10. März 2013.</ref>

Besatzungszeit

Datei:Kauno IX forto vaizdas.jpg
Luftbildaufnahme (2017)

Zur Zeit der Ersten Republik Litauen waren im Fort neben Straftätern auch politische Gefangene inhaftiert, hauptsächlich Mitglieder der verbotenen Kommunistischen Partei Litauens wie Motiejus Šumauskas und Antanas Sniečkus, die später zu hohen Staats- und Parteiämtern gelangten.<ref>Gintarė Malinauskaitė: Holocaust Narrative(s) in Soviet Lithuania: The Case of the Ninth Fort Museum in Kaunas. In: Kata Bohus, Peter Hallama, Stephan Stach (Hrsg.): Growing in the Shadow of Antifascism: Remembering the Holocaust in State-Socialist Eastern Europe. Central European University Press, Budapest 2022, S. 109–128, hier: S. 113, doi:10.1515/9789633864364-009.</ref> Während der ersten sowjetischen Besatzungszeit in den Jahren 1940 und 1941 diente es dem sowjetischen NKWD als Gefängnis. Während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg wurden im IX. Fort mindestens 18.500<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />1939–1944 Timeline–Kovno, United States Holocaust Museum (Memento vom 8. Dezember 2012 im Internet Archive), aufgerufen am 10. März 2013.</ref> jüdische Menschen aus Litauen und ganz Europa ermordet. Nach dem Einmarsch der Deutschen wurden zwischen Ende Juni und im Juli 1941 Tausende von Juden ins Fort verschleppt, von litauischen Wächtern misshandelt und erschossen.<ref name="gutman">Israel Gutman u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie des Holocaust. München und Zürich 1995, ISBN 3-492-22700-7, Bd. 2, S. 804.</ref> Am 28. Oktober 1941 wurde die so genannte „große Aktion“ durchgeführt, in deren Verlauf 9000 Juden, die Hälfte davon Kinder, im Fort umgebracht wurden.<ref name="gutman" />

Zwischen dem 25. und dem 29. November 1941 wurden Juden aus Berlin, Frankfurt a. M., Breslau, Wien und München im Fort erschossen.<ref>Alfred Gottwaldt, Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941–1945: eine kommentierte Chronologie. Marix, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-059-5, S. 98–109.</ref> Die Ermordung dieser 4934 Deportierten ist im Jäger-Bericht dokumentiert. Sie wird überwiegend als eigenmächtige Aktion eingeschätzt, die von Friedrich Jeckeln bzw. Karl Jäger ohne Befehl oder Zustimmung Himmlers erfolgt sei.<ref>Christoph Dieckmann: Deutsche Besatzungspolitik in Litauen 1941–1944. Wallstein-Verlag, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0929-6, Bd. 2, S. 962.</ref>

Im August 1943 wurde im Zuge der Aktion 1005 befohlen, die dortigen Massengräber zu öffnen und die Leichen zu beseitigen. Die ersten Gräber an der Westseite des Forts wurden von Hand ausgegraben, später kam ein Greifbagger hinzu. Bis zum Juli 1944 dürften bis zu 70.000 Leichen enterdet und auf Scheiterhaufen verbrannt worden sein. Das verbliebene Häftlingskommando wurde – wie bei solchen Aktionen üblich – als Geheimnisträger erschossen. Allerdings waren 63 Häftlinge im Dezember 1943 ausgebrochen, von denen 14 das Ghetto erreichten und dort berichteten.<ref>Andrej Angrick: „Aktion 1005“ – Spurenbeseitigung von NS-Massenverbrechen 1942–1945. Wallstein-Verlag, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8353-3268-3, Bd. 2, S. 695–717.</ref>

Nach Kriegsende

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Fort einige Jahre wieder als Gefängnis genutzt. Ab 1948 siedelten sich Gewerbebetriebe an, die im Fort bauliche Veränderungen durchführten.<ref name="9.Fort" /> Im Jahr 1958 wurde im Fort ein Museum eingerichtet. Die Ausstellungen im Fort befassen sich jedoch nicht nur mit den Vorgängen in Kaunas, sondern haben auch den gesamten Holocaust in Litauen zum Thema.

Museum und Mahnmal

Siehe auch

Literatur

  • Christoph Dieckmann: Deutsche Besatzungspolitik in Litauen 1941–1944. Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0929-6, Band 2.

Weblinks

Commons: IX Fort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 54° 56′ 42″ N, 23° 52′ 12″ O

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