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Affrikate

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Eine Affrikate (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); auch Affrikata, ein Affrikat; Plural Affrikaten, auch Affrikate; deutsch auch Verschlussreibelaut) ist die Bezeichnung für eine derart enge Verbindung eines Plosivs (Verschlusslaut) mit einem homorganen Frikativ (Reibelaut), dass die Plosion direkt in den Frikativ übergeht.

Beispiele

Zu den Affrikaten zählen unter anderem:

Notation

Nach dem Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) werden Affrikaten mit einem Bogen über Plosiv und Frikativ dargestellt, z. B. <templatestyles src="IPA/styles.css" />/p͡f t͡s d͡ʒ/. Oft wird dieser Bogen jedoch einfach weggelassen, z. B. <templatestyles src="IPA/styles.css" />/pf ts dʒ/.

Für einige Affrikaten stehen spezielle Ligaturen zur Verfügung, nämlich <templatestyles src="IPA/styles.css" />/ʦ ʣ ʧ ʤ ʨ ʥ/, die aber seit 1989 nicht mehr als offizielle IPA-Zeichen aufgeführt werden. Zwischen 1947 und 1979 waren außerdem <templatestyles src="IPA/styles.css" />/ƾ ƻ/ für <templatestyles src="IPA/styles.css" />/t͡s d͡z/ offizielle IPA-Zeichen.

Bisweilen werden auch andere Konventionen verwendet, so oft in der Dialektologie, z. B. <templatestyles src="IPA/styles.css" />/c č ǰ/ für <templatestyles src="IPA/styles.css" />/t͡s t͡ʃ d͡ʒ/.

Phonetik vs. Phonologie

In der Phonetik kann jeder Plosiv, der sich in einen homorganen Frikativ öffnet, als Affrikate bezeichnet werden. In der Phonologie hingegen gelten nur diejenigen Folgen aus Plosiv und homorganem Frikativ als Affrikate, die sich wie ein einziges Phonem verhalten. So gilt beispielsweise im Deutschen der Laut <templatestyles src="IPA/styles.css" />[ts] als Affrikate, da er eine ähnliche Distribution aufweist wie einfache Obstruenten: Er kann im Silbenanlaut (Zeh) und vor Frikativen (zwei) auftreten, wie auch im Silbenreim/Coda (Hatz, vgl. hat’s), ebenfalls nach Sonorant (Holz). In der englischen Phonologie hingegen gilt <templatestyles src="IPA/styles.css" />[ts] nicht als Affrikate, da es fast nur über die Morphem-Grenze hinweg auftreten kann (rats ‚Ratten‘, gebildet aus den Morphemen rat und -s). Bisweilen herrscht Uneinigkeit, ob eine bestimmte Affrikate als Phonem gelten soll oder nicht.<ref>Richard Wiese: Phonetik und Phonologie. Wilhelm Fink, Paderborn 2011, ISBN 978-3-8252-3354-9, S. 50–52.</ref>

Affrikate vs. Sequenz aus Plosiv und homorganem Frikativ

In einigen Sprachen unterscheiden sich Affrikaten von gewöhnlichen Sequenzen aus Plosiv und homorganem Frikativ, z. B. im Polnischen. Der Unterschied besteht darin, dass in der Sequenz aus Plosiv und Frikativ ersterer vollständig ausgesprochen wird, also mit eigener Plosion (bzw. release oder Lösung), bevor der Frikativ gebildet wird. Bei einer Affrikate hingegen fehlt eine Plosion, da die Lösung des plosivischen Teils direkt in den frikativischen Teil übergeht.

Beispiel: Polnisch czysta <templatestyles src="IPA/styles.css" />[ˈt͡ʃɨsta] ‚saubere‘ (f.) vs. trzysta <templatestyles src="IPA/styles.css" />[ˈtʃɨsta] ‚dreihundert‘.

Entstehung der Affrikaten <templatestyles src="IPA/styles.css" />/ts/, <templatestyles src="IPA/styles.css" />/pf/ und <templatestyles src="IPA/styles.css" />/kχ/ im Deutschen und seinen Dialekten

In der 2. oder hochdeutschen Lautverschiebung sind die germanischen Fortis-Plosive <templatestyles src="IPA/styles.css" />[t p k] unter bestimmten Bedingungen zu den Affrikaten <templatestyles src="IPA/styles.css" />/ts/, <templatestyles src="IPA/styles.css" />/pf/ und <templatestyles src="IPA/styles.css" />/kχ/ geworden. Sie hat jedoch nur die mittel- und süddeutschen Dialekte erfasst und ist auch nicht überall im gleichen Maß durchgeführt worden (<templatestyles src="IPA/styles.css" />/kχ/ hat sich im Standarddeutschen nicht durchgesetzt, anders als etwa im Schweizerdeutschen).

  • Im Anlaut, z. B. zwei, Pfad, südbairisch Kchind (vgl. englisch two, path, kind). Aber nicht vor r, z. B. treu (vgl. englisch true).
  • In der Gemination, z. B. sitzen, Kupfer, südbairisch oder hoch- und höchstalemannisch Stokch (vgl. englisch sit, copper, stock).
  • Nach Sonorant, z. B. Herz, Sumpf, südbairisch oder alemannisch Dankch (vgl. englisch heart, swamp, thank).

Literatur

  • Helmut Glück (Hrsg.), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe: Metzler Lexikon Sprache. 3., neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart / Weimar 2005, ISBN 3-476-02056-8, S. 17.

Weblink

Wiktionary: Affrikate – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang Plosive | Nasale | Vibranten | Flaps/Taps | Frikative | Affrikaten | Approximanten | Laterale | Klicks | Implosive | Ejektive Vorlage:Klappleiste/Ende Vorlage:Hinweisbaustein