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Niko Paech

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Datei:Prof Dr Niko Paech 2.jpg
Niko Paech auf einer Veranstaltung zur Postwachstumsökonomie (2011)

Niko Paech (* 9. Dezember 1960 in Schüttorf)<ref name="vita" /> ist ein deutscher Volkswirt. Er lehrt und forscht an der Universität Siegen als außerplanmäßiger Professor im Bereich der Pluralen Ökonomik.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem im Bereich der Umweltökonomie, der Ökologischen Ökonomie und der Nachhaltigkeitsforschung. Paech hat in Deutschland den Begriff der „Postwachstumsökonomie“ geprägt und gilt als Verfechter der Wachstumskritik.

Leben

Paech erlangte 1987 ein Diplom in Volkswirtschaftslehre an der Universität Osnabrück. Anschließend arbeitete er dort bis 1997 als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Forschungsschwerpunkt Außenwirtschaft bei Michael Braulke. 1993 wurde er zum Thema Die Wirkung potentieller Konkurrenz auf das Preissetzungsverhalten etablierter Firmen bei Abwesenheit strategischer Asymmetrien im Bereich Contestable Markets promoviert.<ref>Niko Paech: Die Wirkung potentieller Konkurrenz auf das Preissetzungsverhalten etablierter Firmen bei Abwesenheit strategischer Asymmetrien. Duncker & Humblot, Berlin 1993.</ref> Parallel arbeitete er als Unternehmensberater im Bereich ökologische Lebensmittel und kandidierte bei der Wahl 1990 für den niedersächsischen Landtag.<ref>Max Zeising: Weniger arbeiten, weniger konsumieren (neues deutschland). Abgerufen am 30. Dezember 2020.</ref>

2005 war Paech einer der Gründer und erster Vorstandssprecher des wissenschaftlichen Zentrums CENTOS (Oldenburg Center for Sustainability Economics and Management) und leitet seit 2006 das Forschungsprojekt GEKKO.<ref name="vita" /> Von 2010 bis 2014 war er zunächst gemeinsam mit Gerhard Oesten, später mit Oliver Richters<ref>Internetauftritt von Oliver Richters, abgerufen am 11. Mai 2020</ref>, Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ).<ref>Vorstand der VÖÖ</ref> Paech war außerdem Mitglied des wissenschaftlichen Beirates von attac-Deutschland.<ref>Wissenschaftlicher Beirat von attac - Aktuelles. Abgerufen am 19. Oktober 2021.</ref> Paech ist zudem Mitglied und wissenschaftlicher Beirat des Vereins Naturschutzinitiative e. V., der einen von Naturschutz befreiten Klimaschutz als Ersatzreligion sieht.<ref>Harry Neumann: Ampelpolitik stoppen! In: Naturschutzinitiative e. V. 20. Januar 2023, abgerufen am 14. Dezember 2023.</ref><ref>GEO Magazin August 2019 – „GUT FÜR’S KLIMA – SCHLECHT FÜR DIE NATUR?“ Abgerufen am 16. Oktober 2021.</ref>

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Paechs ehemalige Wirkungsstätte im Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik der Universität Oldenburg

Im Jahre 2006 wurde ihm für seine im Vorjahr publizierte Habilitationsschrift zum Thema Nachhaltiges Wirtschaften jenseits von Innovationsorientierung und Wachstum – Eine unternehmensbezogene Transformationstheorie der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie verliehen.<ref>Kapp-Forschungspreis - Preisträger 2006, abgerufen am 18. Oktober 2011</ref> Von 2008 bis 2018 organisierte er gemeinsam mit Werner Onken die „Ringvorlesung zur Postwachstumsökonomie“ in Oldenburg, in der Vortragende aus Wissenschaft und Gesellschaft über die Bedingungen und Möglichkeiten einer Postwachstumsökonomie diskutieren.<ref>Vortragsreihe zur Postwachstumsökonomie. Abgerufen am 29. August 2018.</ref><ref>Niko Paech: Postwachstumsökonomie. Gabler Wirtschaftslexikon, abgerufen am 6. November 2018.</ref><ref name="richters_konfliktlinien">Oliver Richters: Analyse: Konfliktlinien und politische Ziele im wachstumskritischen Diskurs. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Band 31, Nr. 4, 2018, S. 80–84, doi:10.1515/fjsb-2018-0085.</ref> 2012 veröffentlichte er die Streitschrift „Befreiung vom Überfluss“.<ref name="perlen">Niko Paech: Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, Perlentaucher, abgerufen am 7. November 2018.</ref> 2014 wurde er mit dem Zeit-Wissen-Preis Mut zur Nachhaltigkeit ausgezeichnet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Niko Paech mit dem ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit ausgezeichnet (Memento vom 16. April 2014 im Internet Archive), Pressemitteilung der Universität Oldenburg, 28. Februar 2014.</ref>

Von 2008 bis 2016 vertrat Paech den in dieser Zeit unbesetzten Lehrstuhl für Produktion und Umwelt („PUM“) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.<ref>Felix Rohrbeck: Was bewegt Niko Paech? Der Verstoßene. Die Zeit, 23. März 2017.</ref> Im Jahr 2010 ist er an der Universität Oldenburg zum außerplanmäßigen Professor ernannt worden.<ref>Profil auf der Seite der Universität, abgerufen am 5. November 2016.</ref> Seit 2016 lehrt er im Rahmen des neuen Masterstudiengangs Plurale Ökonomik an der Universität Siegen.<ref>apl. Prof. Dr. Niko Paech auf der Seite des Studiengangs Plurale Ökonomik, abgerufen am 3. September 2019.</ref> 2018 wurde er dort ebenfalls zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Postwachstumsökonomie

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Der von Paech in Deutschland ab 2006 in die Diskussion gebrachte Begriff der Postwachstumsökonomie<ref>Philipp Krohn: Schrumpfen von unten, Frankfurter Allgemeine, 26. Dezember 2013.</ref><ref name="gabler">Niko Paech: Stichwort: Postwachstumsökonomie, Gabler Wirtschaftslexikon, Springer Gabler Verlag (Hrsg.).</ref> bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das zur Versorgung des menschlichen Bedarfs nicht auf Wirtschaftswachstum angewiesen ist. Paech zufolge bedingen Faktoren wie Ressourcenknappheit, psychische Grenzen („Überforderungssyndrom“), die Krisenanfälligkeit des Finanz-, Kapital- und Geldsystems, sowie ökologische Grenzen (Planetary Boundaries) das Ende des Wachstums. Paech grenzt sich bewusst von Begriffen der Nachhaltigkeitsdebatte wie „grünem“ oder „nachhaltigem“ Wachstum ab, bezeichnet das Konzept von grünem Wachstum gar als Utopie,<ref name="utopie">Niko Paech: Wachstum „light“? Qualitatives Wachstum ist eine Utopie. In: Wissenschaft & Umwelt. Interdisziplinär 13|2009, S. 85–86.</ref> Wunder<ref name="wunder">„Grünes“ Wachstum wäre ein Wunder. In: Zeit.de, 21. Juni 2012.</ref> oder Mythos<ref>Niko Paech: Das Elend der Konsumwirtschaft: Von Rio+20 zur Postwachstumsgesellschaft, Blätter für deutsche und internationale Politik, Juni 2012.</ref>. Er sieht sich aber auch ausdrücklich nicht als Linker und bezeichnet sich als eher konservativ sowie dem Anarchismus nahestehend.<ref>Johann Thun: „Aussteigen, aufbrechen“. Wachstumskritiker Niko Paech über die Grenzen von Erde, Staat und linker Gesinnung. In: Der Rabe Ralf. Dezember 2022, abgerufen am 29. Dezember 2022.</ref> Die Notwendigkeit für eine stationäre Wirtschaft ergibt sich für ihn aus der nach seiner Auffassung gescheiterten Entkopplung der Umweltschäden und des Rohstoffverbrauchs von der Wertschöpfung und aus ökonomischen Grenzen wie dem globalen Ölfördermaximum.<ref>Niko Paech: Grundzüge einer Postwachstumsökonomie. Abgerufen am 18. Oktober 2011.</ref>

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Begründung für die Notwendigkeit einer Postwachstumsökonomie

Paech vertritt die Ansicht, dass die modernen Gesellschaften ihren wachsenden materiellen Wohlstand durch Entgrenzungsmechanismen erlangt haben.<ref name="oekom" details="S. 10">Niko Paech: Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, 8. Aufl., oekom verlag, München 2015, ISBN 978-3-86581-181-3.</ref> Die konsumierten Güter seien mit lokalen und regionalen Ressourcen und den eigenen körperlichen Fähigkeiten gar nicht zu produzieren.<ref name="oekom"/>

Diese Perspektive deckt sich mit neueren Analysen von Akteuren wie der Europäischen Zentralbank,<ref>Tina Emambakhsh, Margherita Giuzio, Luca Mingarelli, Dilyara Salakhova, Martina Spaggiari: Climate-related risks to financial stability. 23. Mai 2022 (europa.eu [abgerufen am 26. Juli 2023]).</ref> dem Finanzdienstleister Barclays<ref>Gloomy forecast: The economic costs of extreme weather. Abgerufen am 26. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> oder der Weltbank.<ref>Overview. Abgerufen am 26. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Erst maschinelle, elektrifizierte, automatisierte oder digitalisierte Hilfsmittel würden die Befriedigung materieller Ansprüche ermöglichen; regional nicht vorhandene Ressourcen würden mit Hilfe globaler Wertschöpfungsketten andernorts beschafft. Die bei der Produktion auftretenden ökologischen Probleme würden so einerseits örtlich verlagert,<ref name="oekom" details="S. 49" /> zugleich jedoch die Kosten mittels Krediten in die Zukunft verschoben.<ref name="oekom" details="S. 57" /> Ständig neue Technologien würden das Problem verschärfen, da alte Maschinen entsorgt werden müssten – eine langfristigere Nutzung sei aber oftmals insgesamt nachhaltiger als der frühzeitige Ersatz.<ref name="oekom" details="S. 97" /> Gesellschaften, die von dieser „Fremdversorgung“ besonders abhängig seien, weil die Menschen sich ausschließlich mittels Geld versorgen, seien besonders anfällig: Sie stünden unter Wachstumszwang, weil „moderne, zumal industriell arbeitsteilige Versorgungssysteme ohne Wachstum ökonomisch und sozial nicht zu stabilisieren sind.“<ref name="paech_jena">Niko Paech: Jenseits der Wachstumsspirale, DFG-Kolleg Postwachstum Jena, 30./31. Mai 2013, S. 6.</ref><ref name="oekom" details="S. 64–5" />

Neben den ökologischen Schäden betont Paech, dass die Menschen vom Konsum auch psychisch überfordert seien. Er kritisiert insbesondere das Streben nach Wachstum, den „Expansionsrausch“ und die „verantwortungslose Selbstverwirklichung durch materiellen Konsum“.<ref name="oekom"/> Er bezeichnet dies als „Konsumverstopfung“<ref>Markus Brauck und Dietmar Hawranek: Überdruss am Überfluss. Der Spiegel 14/2014, 31. März 2014.</ref> oder „Konsum-Burnout“, die „radikale Reduktion von Ansprüchen, welche der materiellen Selbstverwirklichung dienen, sei kein Mangel, sondern ein Gewinn.“<ref>Seraina Kobler: Soviel du «brauchst», Neue Zürcher Zeitung, 15. November 2014.</ref> Mit Verweis auf Ansätze der Lebenszufriedenheitsforschung argumentiert Paech, dass subjektives Wohlbefinden an Faktoren geknüpft ist wie zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit, Anerkennung sowie eine intakt empfundene Umwelt. Diese Faktoren benötigen jedoch mehr Zeit und nicht mehr Geld. Das Wohlbefinden sei demnach nicht durch mehr Konsum oder Einkommen zu steigern.<ref name="oekom" details="S. 126" />

Niko Paechs Konzept

Der Kerngedanke der Postwachstumsökonomie besteht in der Aufhebung struktureller sowie kultureller Wachstumstreiber und Wachstumszwänge.<ref name="wazwa">Niko Paech. "Woher kommt der Wachstumszwang?." GAIA-Ecological Perspectives for Science and Society 16.4 (2007): 299–300. doi:10.14512/gaia.16.4.13</ref> Dafür vertraut Paech auf fünf Prinzipien: institutionelle Innovationen, stoffliche Nullsummenspiele,<ref>Niko Paech: Wachstumsneutralität durch stoffliche Nullsummenspiele. In: Ökologisches Wirtschaften. Nr. 3, 2006, S. 30–33.</ref> Regionalökonomie, Subsistenz ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), ‚Bestand‘, : ‚durch sich selbst, Selbständigkeit‘: ‚sich selbst erhaltend‘) und Suffizienz ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), ‚ausreichen‘, ‚möglichst geringer Ressourcenverbrauch‘), „die letztlich in einer höheren individuellen Lebensqualität und mehr Gemeinwohl resultieren.“ Mittels Genügsamkeit bzw. Suffizienz würde der Anspruch verringert, Ressourcen zu verbrauchen. Dies schließt für Paech einen weitgehenden Rückbau von Autobahnen und Flughäfen ein.

Für die Produktion soll die Distanz zwischen Verbrauch und Herstellung verringert werden. Statt globaler Wertschöpfungsketten empfiehlt er einfache Technologien, welche die Produktivität menschlicher Arbeit erhöhen, ohne diese vollständig zu ersetzen, wie z. B. mechanische Nähmaschinen und Angelruten.<ref name="oekom" details="S. 59" /><ref name="fromm">Niko Paech: Befreiung vom Überfluss – Grundlagen einer Wirtschaft ohne Wachstum. In: Fromm Forum 20, 2016, S. 70–76, ISSN 1437-0956</ref> Durch eine Erhöhung der Regional-, Lokal- oder Selbstversorgung würden die strukturellen Wachstumstreiber der „Fremdversorgung“ verringert. Die Kombination aus Gemeinschaftsnutzung sowie Nutzungsdauerverlängerung von Gütern und Eigenproduktion könne dazu beitragen, die Industrieproduktion zu halbieren und die Notwendigkeit monetär entlohnter Erwerbsarbeit zu senken, ohne dass der materielle Wohlstand halbiert werden müsste. Denn: „Wenn Konsumobjekte doppelt so lange halten und/oder doppelt so intensiv genutzt werden, reicht die Hälfte an industrieller Produktion, um dasselbe Quantum an Konsumfunktionen oder 'Services' zu extrahieren.“<ref name="oekom" details="S. 123" /> Aus Konsumenten werden dabei sogenannte Prosumenten, weil sie die hergestellten Güter verbessern und reparieren können.<ref name="oekom"/>

Für die Individuen schlägt Paech vor, eine größere Zufriedenheit und eine geringere Abhängigkeit von globalen Wertschöpfungsketten anzustreben. Es existierten allerdings keine per se nachhaltigen Produkte und Technologien, sondern nur nachhaltige Lebensstile.<ref>Niko Paech: Wachstumsdämmerung, Artikel in Oya 7/2011 (Onlineversion).</ref><ref name="lemonde">Niko Paech: Die Legende vom nachhaltigen Wachstum. In: Le Monde diplomatique. Abgerufen am 27. Juli 2015.</ref> Diese könnten durch Reduzierung der Arbeitszeit auf eine 20-Stunden-Woche und mehr Zeit für den Selbstanbau von Obst und Gemüse und für die Instandsetzung und das Teilen von Gegenständen erreicht werden.<ref>Jakob Pallinger: Edition Zukunft: Umweltökonom: "Wir sind zu Konsumdeppen geworden". Durch unseren ständigen Fokus auf Wachstum und Konsum steuern wir auf eine ökologische Katastrophe zu, sagt der Umweltökonom Niko Paech. Wir müssen unsere Ansprüche verändern. In: www.derstandard.de. Der Standard, 1. April 2022, abgerufen am 4. April 2022 (Interview, MP3-Podcast (41 Min.)).</ref> Dadurch hätten die Menschen mehr Freizeit und ein entschleunigtes Leben. Durch die Orientierung am menschlichen Maß und die Rückkehr zur Sesshaftigkeit würden die kulturellen Wachstumstreiber verringert.<ref name="oekom" details="S. 103–12" /> Subsistenz beziehungsweise Selbstversorgung als zweites Prinzip würde durch eigene Produktion, Gemeinschaftsnutzung (Sharing Economy), Reparatur und gemeinnützige Arbeit erreicht. Er empfiehlt, effiziente, wandelbare und wiederverwertbare Produkte herzustellen. Er regt an, handwerkliche und manuelle Versorgungsleistungen für sich selbst und für das nahe soziale Umfeld unentgeltlich zu erbringen, um sich selbst vor zukünftigen Ressourcenknappheiten zu wappnen, die Umwelt zu schützen und Wachstumszwänge zu mildern. Er hält es für sinnvoll, wenn eine Avantgarde bereits einen entsprechenden Lebensstil pflegt und mit weniger Konsum gut auskommt, damit sie mit ihrem Erfahrungswissen und ihrem Vorbild dazu beiträgt, Frustrationen, Ängste und eventuelle Gewalt zu verringern.<ref>Ökonomie und Ökologie: ‘Grünes Wachstum’ gibt es nicht. sueddeutsche.de, 17. Januar 2014, abgerufen am 18. Januar 2014.</ref>

Das Fazit dieser Erneuerung wäre laut Paech zwar, dass der aktuelle materielle Wohlstand sich so nicht aufrechterhalten ließe, allerdings verbessere sich die Resilienz, also die ökonomische Stabilität der Versorgung.<ref name="oekom" details="S. 11" /> Institutionell schlägt Paech Regionalwährungen mit Umlaufsicherung sowie Veränderungen am Finanzmarkt vor,<ref name="gabler"/> wobei er sich insbesondere auf Hans Christoph Binswanger beruft.<ref name="wazwa"/> Im Umgang mit Boden fordert er eine Begrenzung der Flächenversiegelung.<ref name="gabler"/> Zur Bekämpfung der Klimakrise und Einhaltung des globalen 2-Grad-Zieles schlägt er für jeden Bürger einheitliche Treibhausgas-Emissionskontingente, orientiert an der jährlichen Kompensationskapazität des globalen Ökosystems, (ca. 2-3 t/Jahr)<ref>Niko Paech: Grundzüge einer Postwachstumsökonomie (2009) – postwachstumsoekonomie.de. Abgerufen am 9. Juli 2023.</ref> vor.<ref name="gabler"/><ref name=leschke>Leschke, Martin (2015): Alternativen zur Marktwirtschaft: Ein kritischer Blick auf die Ansätze von Niko Paech und Christian Felber aus Sicht der konstitutionellen Ökonomik, Beiträge zur Jahrestagung des Ausschusses für Wirtschaftssysteme und Institutionenökonomik im Verein für Socialpolitik: „Marktwirtschaft im Lichte möglicher Alternativen“, 27.–29. September 2015, Bayreuth, Verein für Socialpolitik, Ausschuss für Wirtschaftssysteme und Institutionenökonomik, Münster.</ref>

Im Hinblick auf die Bewältigung des Klimawandels setzt Niko Paech weniger auf den Einsatz erneuerbarer Energien als vor allem auf den Ausstieg aus der Konsumorientierung.<ref>In: Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution..., oekom, München 2016 (zitiert nach der Kindle-Ausgabe, S. 106, Pos. 983)</ref>

Rezeption

In einer Rezension des Buches Befreiung vom Überfluss<ref name="oekom"/> kritisiert Fred Luks in der ZEIT, Paech nehme zu wenig Rücksicht auf die politische Dimension der Probleme und fokussiere sich zu stark auf individuelle Einschränkungen.<ref name="perlen"/> Annette Jensen in der tageszeitung erkennt in dem Buch eine scharfe und ironische Kritik des aktuellen Wachstumsmodells, vermisst jedoch eine überzeugende „Wegbeschreibung in eine wünschbare Zukunft“.<ref name="perlen"/> Ulrich Schachtschneider erkennt in der Zeitschrift für Sozialökonomie an, dass Paech „seine Skizze einer Postwachstumsökonomie konsequent aus seiner Ursachenanalyse“ herleitet und hält das Buch für einen „fulminanten Aufschlag“ und „Meilenstein“ im wachstumskritischen Diskurs, vermisst aber ebenfalls eine tiefere Diskussion der politischen Rahmenbedingungen.<ref>Ulrich Schachtschneider: Rezension zu Befreiung vom Überfluss, Zeitschrift für Sozialökonomie 174–175/2012, S. 80–83.</ref> Martin Leschke sieht Paechs Ansatz aus der Perspektive der konstitutionellen Ökonomie als radikalen Gegenentwurf zur Marktwirtschaft und meint, dass Paech die Möglichkeiten unterschätze, mittels neuer Ideen weiteres Wachstums zu erzeugen.<ref name=leschke/> Paech wiederum hält derartige Konzepte von grünem oder qualitativem Wachstum für unrealistisch.<ref name="utopie"/><ref name="wunder"/> Sonja Ernst im Deutschlandfunk hat zwar einerseits Zweifel, ob die Postwachstumsökonomie realistisch ist, erkennt aber an, dass das Buch „mit seinen konsequenten Forderungen mehr Anregungen als manche Weiter-So-Literatur“ enthalte.<ref>Sonja Ernst: Abschied vom Wachstumscredo, Deutschlandfunk, Andruck – Das Magazin für Politische Literatur, 6. August 2012.</ref>

Paech gilt laut dem Sozialforscher Matthias Schmelzer als einer der wichtigen Vertreter der an individueller Suffizienz orientierten Strömung der wachstumskritischen Bewegung.<ref name="schmelzer_spielarten">Matthias Schmelzer (2015): Spielarten der Wachstumskritik. Degrowth, Klimagerechtigkeit, Subsistenz – eine Einführung in die Begriffe und Ansätze der Postwachstumsbewegung. In: Le Monde diplomatique, Kolleg Postwachstumsgesellschaften. Atlas der Globalisierung. Weniger wird mehr. Berlin: Le Monde diplomatique/taz Verlags- und Vertriebs GmbH, S. 116–121.</ref> Im britischen Guardian wurde er 2012 in einem Artikel zur deutschen Postwachstumsbewegung als „one of the more high-profile members of this movement [...] who recently published a controversial new book called Liberation from Affluence [...]“<ref>Sherelle Jacobs: Germany's 'post-growth' movement, The Guardian, 19. September 2012.</ref> bezeichnet.

Laut der Wochenzeitung Die Zeit ist Paech „für viele klassische Ökonomen“ hingegen „ein Spinner. Einer, der sich mit seiner Radikalität in den Medien Gehör verschafft hat, dessen Vorstellungen sie aber für unrealistisch halten und dessen Methoden wissenschaftlichen Kriterien nicht genügen“.<ref>Die Zeit: Was bewegt Niko Paech?, vom 9. März 2017</ref> Auch laut der NZZ und dem DUZ Magazin ist der Begriff „Spinner“ eine verbreitete Bezeichnung für Paech.<ref>NZZ: «Dann geht in Gottes Namen unter»: Der Ökonom Niko Paech hat radikale Ansichten darüber, wie die Welt zu retten ist – aber er will niemanden zu seinem Glück zwingen, vom 4. November 2019</ref><ref>DUZ Magazin: Auf Wachstum verzichten, um zu überleben, vom 16. November 2018</ref> Laut dem Journalisten Stefan Laurin, Herausgeber des Blogs Ruhrbarone, ist die „Postwachstumsökonomie, vor allem in der Paechsen Ausprägung, eine menschenverachtende, gegen alle Ideen der Aufklärung stehende Ideologie, entstanden in jenem Sumpf, in dem völkisches- und ökologisches Denken eine grün-braune Brühe bilden“.<ref>Ruhrbarone: Niko-Paech: Wanderprediger mit Thesen aus dem grün-braunen Sumpf, vom 16. Januar 2017</ref><ref>Salonkolumnisten: Wirtschaftstheorie aus dem braun-grünen Sumpf, vom 13. Januar 2017</ref> Für öffentliche Kritik sorgte u. a. der Vorschlag von Paech, seine Nachbarn für seiner Meinung nach umweltschädliches Verhalten wie eine Flugreise zur Rede zu stellen. Hubertus Knabe, ehemaliger Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, sah sich durch diese Forderung „an totalitäre Staaten“ erinnert, „in denen man dazu angehalten wurde, gegen seine Mitbürger zu agitieren“.<ref>Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag: Klima-Verhör am Gartenzaun: Nachbarn sollen sich für Urlaub und SUV kritisieren, vom 24. Juli 2019</ref><ref>NZZ: «Dann geht in Gottes Namen unter»: Der Ökonom Niko Paech hat radikale Ansichten darüber, wie die Welt zu retten ist – aber er will niemanden zu seinem Glück zwingen, vom 4. November 2019</ref>

Befürworter erneuerbarer Energien und Branchenvertreter kritisieren zum Teil Paechs Mitwirkung in Lobbyverbänden wie der Naturschutzinitiative<ref>29.08.2016 - Prof. Dr. Niko Paech tritt der NATURSCHUTZINITIATIVE bei! Abgerufen am 20. Juni 2023.</ref><ref>Christian Latz: Neuer Umweltschutzverein gegründet: Wenn die Energiewende spaltet. In: Die Tageszeitung: taz. 15. Februar 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. Juni 2023]).</ref>, da diese den Vogelschlag an Windkraftanlagen überzogen darstellen würden.

Paech ist Mitautor des Buches Geopferte Landschaften, welches den Verbrauch von Naturraum im Rahmen der Energiewende, vor allem für den Ausbau der Windenergie, kritisiert.<ref>Geopferte Landschaften. Abgerufen am 24. Juli 2023.</ref> Er spricht auch im Werbefilm zum Buch.<ref>Geopferte Landschaften - Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. Abgerufen am 24. Juli 2023.</ref> Einer seiner Mitautoren ist Nikolai Ziegler, Vorsitzender der kohle- und kernkraftfreundlichen Vereinigung Vernunftkraft, dem personelle Überschneidungen zu klimawandelleugnenden Organisationen und Parteien wie EIKE und AfD vorgeworfen werden.<ref>Wie sich Niko Paech für abstruse Dinge hergibt - erstes Update. In: Energiewende Rocken. 2. Januar 2021 (energiewende-rocken.org [abgerufen am 20. Juni 2023]).</ref><ref name=":0">Bundesinitiative Vernunftkraft. In: Lobbypedia. Abgerufen am 20. Juni 2023.</ref> Paech wird folglich unterstellt, er lehne die Energiewende ab.<ref>Wie sich Niko Paech für abstruse Dinge hergibt - erstes Update. 2. Januar 2021, abgerufen am 24. Juli 2023.</ref> Er selbst bestreitet dies, fordert aber die Einbettung in eine Postwachstumsstrategie.<ref>Matthias Bauer: „So viel Ökostrom gibt es nicht“. Energiewende geht nur mit weniger Konsum und Verkehr, sagt der Ökonom Niko Paech. In: Der Rabe Ralf. Februar 2017, abgerufen am 14. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Schriften (Auswahl)

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive=""> <ref name="vita">Niko Paech: Lebenslauf. (PDF; 74 kB) Universität Oldenburg, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. März 2013; (Ausführlicher Lebenslauf auf der Internetseite der Universität Oldenburg (Memento des Originals vom 13. März 2013)).</ref> </references>

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