Friedrich Lehner
Friedrich Lehner (* 17. Dezember 1900 in Regensburg; † 3. März 1979 in Hannover) war ein Elektroingenieur und Verkehrsplaner.
Leben und Wirken
Sein Vater war der Kaufmann Heinrich Lehner. Nach einem Studium der Elektrotechnik wirkte Friedrich Lehner bei der AEG in Berlin unter anderem an der Projektierung der Zugspitzbahn mit. 1931 heiratete er Marlen, geb. Büttner. Ab 1938 leitete er als Nachfolger von Friedrich Lademann die Leipziger Verkehrsbetriebe.
Vermutlich zum 1. Mai 1933 war er der NSDAP beigetreten (Mitgliedsnummer 2.584.373),<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/25270881</ref> ab 1941 fungierte er als Blockwart. Antisemitische Ansichten beeinflussten die Geschäftsführung der Verkehrsbetriebe.<ref>Studie der Verkehrsbetriebe Leipzig, zitiert in: Bernd Haase: Fall Lehner beschäftigt auch die Uni. Nazi-Verdacht wird geprüft. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 30. Dezember 2011, S. 13.</ref>
Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete er die Kölner Verkehrsbetriebe. 1954 wechselte er nach Hannover als technischer Direktor und Vorstandsmitglied der Üstra. Unter seiner Leitung wurden zunächst die Überlandstraßenbahnen eingestellt, die früher bis nach Barsinghausen und Hildesheim fuhren. Der beständig zunehmende Autoverkehr in der Stadt Hannover veranlasste die Üstra zum Bau der Stadtbahn. Schon Anfang der 1950er Jahre hatte es Pläne für eine Unterpflasterbahn gegeben. Lehner wirkte nun entscheidend an dem U-Bahn-System der hannoverschen Innenstadt mit, und im November 1965 wurde auf dem Waterlooplatz der erste Rammschlag für das Großprojekt getätigt. Infolge finanzieller Schwierigkeiten geriet es zunächst wieder ins Stocken. 1975, sechs Jahre nach seiner Pensionierung, fuhr Hannovers erste Stadtbahn von Oberricklingen bis unter den Hauptbahnhof.
Lehner bekleidete eine Reihe von Ehrenämtern in nationalen und internationalen Gremien. In der Zeit von 1960 bis 1969 war er Präsident des Verbandes öffentlicher Verkehrsbetriebe (VöV) sowie von 1961 bis 1969 Vizepräsident des Internationalen Verbandes für öffentliches Verkehrswesen (UITP).
Auszeichnungen
- 1966: Ehrendoktorwürde der Ingenieurwissenschaften der TH Hannover<ref name="HAZ11230">Bernd Haase: Fall Lehner beschäftigt auch die Uni. Nazi-Verdacht wird geprüft. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 30. Dezember 2011, S. 13</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dr.-Friedrich-Lehner-Preis ( des Vorlage:IconExternal vom 19. März 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Website der Universität Hannover, abgerufen am 31. Dezember 2012</ref>
- 1969: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Üstra will Friedrich-Lehner-Weg umbenennen ( des Vorlage:IconExternal vom 12. Juli 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., in: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 28. Dezember 2011</ref>
- 1994: Benennung des Friedrich-Lehner-Weg am Straßenbahndepot Glocksee (2013 infolge seiner NSDAP-Mitgliedschaft umbenannt in „Ira-Wolkowa-Weg“.)<ref name="HAZ11230" />
Dr.-Friedrich-Lehner-Stiftung
1979 stiftete Lehner gemeinsam mit seiner Frau Marle die Dr.-Friedrich-Lehner-Stiftung, die von der Universität Hannover betreut wird.<ref>Dr. Friedrich-Lehner-Stiftung - Leibniz Universitätsgesellschaft Hannover e.V. 21. Juni 2021, abgerufen am 17. März 2026.</ref> Die Stiftung vergibt seit 1982 alle zwei Jahre gemeinsam mit dem Freundeskreis der Leibniz Universität Hannover e. V. folgende Preise:
- Dr.-Friedrich-Lehner-Preis<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dr.-Friedrich-Lehner-Preis ( des Vorlage:IconExternal vom 19. März 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Website der Universität Hannover, abgerufen am 31. Dezember 2012</ref>
An Persönlichkeiten bis zum Alter von 35 Jahren, die in der Verkehrswissenschaft, Verkehrstechnik und Verkehrswirtschaft hervorragende Leistungen erbracht haben, zwei bis vier Preise in Höhe von bis insgesamt 5000 Euro.
- Dr.-Friedrich-Lehner-Medaille<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dr.-Friedrich-Lehner-Medaille ( des Vorlage:IconExternal vom 19. März 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Website der Universität Hannover, abgerufen am 31. Dezember 2012</ref>
Persönlichkeiten, die auf dem Gebiet der Verkehrswissenschaft, Verkehrstechnik, Verkehrswirtschaft sowie des Verkehrs und Städtebaus langjährige hervorragende Leistungen nachweisen können. Bisherige Preisträger waren unter anderen Manfred Rommel (1990), Wolfgang Meyer (2002), Siegfried Rüger.
Schriften
- Die Linienführung innerstädtischer Verkehrsmittel: Eine Studie über die städtebaulichen und verkehrstechnischen Zusammenhänge zwischen Stadtkörper und Linienführung. Dissertation TH Berlin, 1931. (Auf dem Titelblatt seiner Dissertation ist er als Fritz Lehner aufgeführt.<ref>Gateway Bayern - Bibliotheksverbund Bayern. Abgerufen am 17. März 2026.</ref> Die Angaben im Lebenslauf stimmen überein.)
- mit Friedrich Lademann: Der öffentliche Nahverkehr der Gemeinden. (= Die Praxis der gemeindlichen Wirtschaftsverwaltung. Heft 15). Leipzig 1937.
- Der Oberleitungsomnibus, technische und wirtschaftliche Fragen. 1938.
- Zwei Jahre Obusbetrieb in Leipzig: Erfahrungen u. Betriebsergebnisse. 1941.
- Der Straßenbahn-Fahrmeister: Ein Handbuch für. Straßenbahner. 1948.
- Menge, Arbeit, Leistung und Wirkungsgrad im Verkehr (unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse bei den Straßenbahnen). 1958.
- Entwicklung und Stand der U-Straßenbahn-Planung in Hannover. U-Bahn für Mailand. U-Bahn für Rotterdam. In: Bauwelt 30/1959.
- mit John B. Burnell: Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wettbewerb des öffentlichen Verkehrs mit dem privaten Verkehr: Maßnahmen der Verkehrsbetriebe, der Verkehrsordnung und des Städtebaues, Internationaler Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP), 1959.
- Siedlung, Wohndichte und Verkehr. Schmidt, Bielefeld 1963.
- BOStrab 1965: Stellungnahmen und Erläuterungen (= Schriftenreihe für Verkehr und Technik. Band 26). Schmidt, Bielefeld 1965.
- Wechselbeziehungen zwischen Städtebau und Nahverkehr. Schmidt, Berlin/Bielefeld/München 1966.
- Neue Wege im Nahverkehr, Städtebau und Tunnelbau. Vorträge anlässlich der Jahresversammlung 1967 der STUVA in Hannover, Albis, Düsseldorf 1968.
- Regionale Ordnung in Verkehr und Städtebau, Internationaler Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP). London 1969.
- Verkehr und Städtebau, Probleme der Gegenwart. Schmidt, Bielefeld 1971, ISBN 3-503-00910-8.
- Der maximale Wirkungsgrad des Personaleinsatzes unter besonderer Berücksichtigung der Dienstplangestaltung. Alba, Düsseldorf 1978, ISBN 3-87094-772-1.
Literatur
- Friedrich Lehner – Zur Erinnerung an Friedrich Lehner und seine Arbeit für den öffentlichen Nahverkehr. In: Verkehr und Technik, Jg. 35, 1982, Heft 11, S. 434.
- Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 227.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lehner, Friedrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Ingenieur und Verkehrsplaner |
| GEBURTSDATUM | 17. Dezember 1900 |
| GEBURTSORT | Regensburg |
| STERBEDATUM | 3. März 1979 |
| STERBEORT | Hannover |
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- Verkehrswissenschaftler
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- Ehrendoktor der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
- Manager (Verkehrswesen)
- Deutscher
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- Gestorben 1979
- Mann