Zum Inhalt springen

Immanuel Gottlieb Huschke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 1. Februar 2026 um 15:32 Uhr durch imported>Hardenacke (Literatur: + wikilink).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Immanuel Gottlieb Huschke (* 8. Januar 1761 in Greußen; † 18. Februar 1828 ebenda) war ein deutscher Klassischer Philologe, der als Professor an der Universität Rostock wirkte (1806–1828).

Leben

Immanuel Gottlieb Huschke war der dritte Sohn von Johann Georg Huschke (1717–1809)<ref>Johann Georg Huschke war ein Nachfahre in 3. Generation eines Hans Andreas Huschke († 1679), der 1658 erstmals in Greußen nachgewiesen ist. Johann Gottfried Huschke (1733–1800), der Vater von Wilhelm Ernst Christian Huschke (1760–1828), gehörte ebenfalls zu dessen Nachfahren in dritter Generation.</ref> und seiner Ehefrau Martha Sophie geb. Heßler (1735–1811). Johann Georg wanderte als Bäckergeselle aus Greußen in die Niederlande, lebte 1738 bis 1752 als Bäcker und Soldat auf Java und kehrte wohlhabend nach Greußen zurück.

Immanuel Gottlieb besuchte von März 1774 bis März 1780 die Landesschule Pforta und studierte dann an der Universität Jena<ref>Eingeschrieben als „Im. Gottl. Huschke“ am 30. Mai 1780 (Matrikel der Universität Jena 1764–1801, S. 65v).</ref> Theologie. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Friedrich Jacobs wandte er sich der Philologie zu. Nach dem Examen arbeitete Huschke als Hauslehrer bei einem livländischen Gutsbesitzer, ab 1789 bei einem deutschen Kaufmann in den Niederlanden. Dort vertiefte er seine philologischen Studien und verkehrte mit den Philologen Jeronimo de Bosch (1740–1811) und Laurens van Santen (1746–1798).

Bei der Besetzung der Niederlande durch die französische Revolutionsarmee und der Proklamation der Batavischen Republik (1795) eröffnete sich für Huschke eine akademische Stelle: Der Leidener Professor Jean Luzac, ein Kritiker der französischen Revolution, war aus seinem Lehrstuhl entlassen worden. Huschke wurde zu seinem Nachfolger berufen, nahm den Ruf auch an und gab seine Hauslehrerstelle auf. Aber weil Luzac vor Gericht gegen seine Entlassung klagte, konnte Huschke nicht angestellt werden und verbrachte einige Jahre Wartezeit.

Ab Herbst 1797 war er an der Universität Göttingen eingeschrieben;<ref>Eingeschrieben am 21. August 1797 als „Imm. Gottl. Huschke, Greussen, ex ac. Jena“ (Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1734–1837. Hildesheim 1937, S. 374).</ref> zeitweise lebte er im Haus seines Bruders Carl Gottfried Huschke im nahe gelegenen Münden. 1802 habilitierte er sich in Göttingen und hielt Vorlesungen über griechische und lateinische Literatur. Da er als Privatdozent kein Gehalt bezog, war er auf Kolleggelder angewiesen.

Erst 1806, im Alter von 45 Jahren, erhielt Huschke eine bezahlte Stelle: Er wurde als Professor der griechischen Literatur an die Universität Rostock berufen. Er folgte dem Ruf sofort und wirkte bis an sein Lebensende in Rostock. Einen erneuten Ruf der Universität Leiden im Jahr 1807 (nach Luzacs Tod) lehnte er ab. 1813 wurde Huschke zum Professor der Beredsamkeit ernannt und zum Rektor der Universität gewählt, 1816 zum Leiter der Universitätsbibliothek Rostock ernannt. In den Jahren 1816 und 1823 musste er aus Krankheitsgründen lange Urlaub von seiner Lehrtätigkeit nehmen. Die Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften (Koninklijk Instituut) nahm ihn 1809 als korrespondierendes Mitglied auf.<ref>Past Members: Immanuel Gottlieb Huschke. Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 10. Mai 2023.</ref> 1826 wurde er korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg.<ref>Ausländische Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften seit 1724. Immanuel Gottlieb Huschke. Russische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 22. August 2015 (englisch).</ref> Er starb am 18. Februar 1828, im Alter von 67 Jahren, nach langer Krankheit.

Leistungen

Huschke gehörte gemäß seiner wissenschaftlichen Prägung zu jener Generation niederländischer Philologen, die Philologie durch Sammeltätigkeit und großangelegte Textausgaben betrieben. Sein Hauptwerk ist eine Ausgabe der Anthologia Palatina (Jena 1800), die in der Fachwelt großen Anklang fand. Danach veröffentlichte Huschke Abhandlungen und Kommentare zu Archilochos, den Orphischen Argonautika und zu den römischen Dichtern Tibull und Properz. Wegen seiner schwachen Gesundheit und seiner schwierigen beruflichen Situation veröffentlichte er verhältnismäßig wenige Schriften. Seine Arbeiten bedeuteten für ihre Zeit Fortschritte, waren jedoch bald nach seinem Tod überholt.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Erster Lehrstuhl (bis 1810 rätliche Professur der Griechischen Sprache): Johannes Posselius (der Ältere) (1553–1591) | Johannes Posselius (der Jüngere) (1593–1623) | Johann Huswedel (1623–1627) | Bernhard Taddel (1650–1656) | Christian Woldenberg (1657–1659) | Heinrich Müller (1659–1662) | Christian Kortholt (1663–1665) | Johann Mantzel (1674–1681) | Gottfried Weiss (1684–1693) | Johann Gottlieb Möller (1694–1696) | Jacob Burgmann (1699–1724) | Jakob Christoph Wolff (1725–1758) | Hermann Jacob Lasius (1764–1802) | Johann Christian Wilhelm Dahl (1802–1803) | Immanuel Gottlieb Huschke (1806–1828) | Gustav Christoph Sarpe (1815–1830) | Ludwig Bachmann (1833–1881) | Rudolf Helm (1907–1937) | Andreas Thierfelder (1938–1940) | Rudolf Helm (1947–1948) | Werner Hartke (1948–1955) | Franz Zimmermann (1961–1962) | Wolfgang Hering (1964–1986) | Gabriele Bockisch (1987–1991, Hochschuldozentin) | Wolfgang Bernard (seit 1994)

Zweiter Lehrstuhl: Franz Volkmar Fritzsche (1828–1887) | Eduard Schwartz (1887–1893) | Hans von Arnim (1893–1900) | Otto Kern (1900–1907) | Johannes Geffcken (1907–1933) | Kurt von Fritz (1933–1934) | Hans Diller (1937–1942) | Hermann Kleinknecht (1944–1951) | Werner Krenkel (1975–1993) | Jürgen Leonhardt (1994–1997) | Christiane Reitz (1999–2019) | Nicola Hömke (seit 2019)

Dritter Lehrstuhl (ab 1888 Extraordinariat): Richard Foerster (1875–1881) | Georg Kaibel (1882–1883) | Friedrich Leo (1883–1888) | Friedrich Marx (1888–1889) | Richard Reitzenstein (1889–1892) | Hans von Arnim (1893) | Erich Bethe (1893–1897) | Otto Kern (1897–1900) | Karl Kalbfleisch (1900–1903) | Otto Plasberg (1903–1909)

Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein