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Thermonatrit

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Thermonatrit
Datei:Villiaumite5 - Poudrette quarry, Mont Saint-Hilaire, Quebec, Canada.jpg
Villiaumit mit weißer Überkrustung aus Thermonatrit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Tnat<ref name="Warr" />

Chemische Formel Na2[CO3]·H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Carbonate (und Verwandte)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

Vb/C.02
V/D.02-010

5.CB.05
15.01.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Pca21 (Nr. 29)Vorlage:Raumgruppe/29<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 10,72 Å; b = 5,26 Å; c = 6,47 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1 bis 1,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,255 (synthetisch); berechnet: 2,262
Spaltbarkeit Bitte ergänzen!
Farbe farblos, weiß, graugelb
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, matt
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,420<ref name="Mindat" />
nβ 1,506<ref name="Mindat" />
nγ 1,524<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,104<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = gemessen: 48°; berechnet: 46°<ref name="Mindat" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten wasserlöslich; schon in schwachen Säuren unter CO2-Abspaltung löslich
Besondere Merkmale alkalischer (laugenartiger, seifiger) Geschmack, dehydratisiert bereitwillig

Thermonatrit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate (und Verwandte)“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Na2[CO3]·H2O<ref name="StrunzNickel" />. Chemisch gesehen handelt es sich um ein wasserhaltiges Natriumcarbonat. Es findet sich überwiegend in Form weißer oder graugelber, pudriger Krusten und Ausblühungen. Sehr selten entwickelt er auch farblose bis weiße, nadelige Kristalle.

Besondere Eigenschaften

Da Thermonatrit einerseits leicht wasserlöslich ist, andererseits an der Luft aber auch bereitwillig dehydratisiert, das heißt Kristallwasser abspaltet und austrocknet, muss er als Mineralprobe in einem luftdichten Behälter geschützt aufbewahrt werden.

Etymologie und Geschichte

Benannt wurde Thermonatrit 1845 durch Wilhelm Ritter von Haidinger, der das Mineral nach dem griechischen Wort θερμός [thermós] für warm und dem verwandten Mineral Soda bzw. der chemischen Verbindung Natron in Anspielung auf dessen Ursprung als "durch Wärmezufuhr ausgetrocknetes Natron" bezeichnete.

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Thermonatrit zur Mineralklasse der „Carbonate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Carbonate ohne fremde Anionen“, wo er gemeinsam mit Chalkonatronit, Gaylussit, Pirssonit, Soda und Trona in der „Thermonatrit-Soda-Gruppe“ mit der Systemnummer Vb/C.02 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/D.02-010. Dies entspricht der Klasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Carbonate, ohne fremde Anionen“, wo Thermonatrit zusammen mit Baylissit, Chalkonatronit, Gaylussit, Pirssonit, Soda und Trona eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer V/D.02 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Thermonatrit in die Klasse der „Carbonate und Nitrate“ und dort in die Abteilung „Carbonate ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen Kationen (Alkali- und Erdalkali-Carbonate)“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 5.CB.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Thermonatrit die System- und Mineralnummer 15.01.01.01. Das entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Carbonate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Carbonate mit A+(XO3) • x(H2O)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 15.01.01.

Kristallstruktur

Thermonatrit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe <math>\ Pca2_1</math> (Raumgruppen-Nr. 29) mit den Gitterparametern a = 10,72 Å; b = 5,26 Å und c = 6,47 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Thermonatrit bildet sich gewöhnlich auf den Böden von Salzsee und in Evaporit-Lagerstätten, selten auch an vulkanischen Fumarolen und in Hydrothermaladern artverwandter Karbonatite. Begleitminerale sind unter anderem Halit, Soda und Trona.

Insgesamt konnte Thermonatrit bisher (Stand: 2011) an rund 50 Fundorten nachgewiesen werden. In Österreich fand sich das Mineral an der Tiroler Gratlspitze und in der Schweiz trat es in den Salzminen bei Bex im Kanton Waadt zutage.

Weitere Fundorte sind der Wadi Natrun in Ägypten; Kanton San Juan (Provinz Nor Lípez) und Laguna Kollpa (Provinz Sur Lípez) in Bolivien; Damxung und Innere Mongolei in China; Narsaq in Grönland; Mont Saint-Hilaire (Montérégie-Hügel) in Kanada; mehrere Orte in der Großen Ungarische Tiefebene, Szeged und Debrecen in Ungarn; der Vesuv in Italien; der Bogoriasee und der Vulkan Suswa im Rift Valley in Kenia; die Mandara-Seen in der libyschen Region Fessan; Antsirabe auf Madagaskar; Tolbatschik auf Kamtschatka, mehrere Orte auf der Halbinsel Kola und Verkhne-Chusovskie Gorodki im Ural in Russland; der Natronsee in Tansania sowie mehrere Salzseen und Salzbergwerke in den US-amerikanischen Bundesstaaten Kalifornien, Michigan, Nevada, New Mexico, Oregon, Utah und Washington.<ref name="Fundorte" />

Synthetische Herstellung

Thermonatrit lässt sich auch künstlich mit Hilfe einer bei 25° zu 37 °C gesättigten Lösung aus Natriumhydrogencarbonat, die langsam abgekühlt wird, herstellen. Bei einer weniger gesättigten Lösung bei niedrigerer Temperatur entwickeln sich allerdings Kristalle aus Soda.<ref>William Phillips, Henry James Brooke, William Hallows Miller: An elementary introduction to mineralogy, 1852, S. 600.</ref>


Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Thermonatrite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Thermonatrit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 8. Mai 2025. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Thermonatrite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 8. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Thermonatrite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 8. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>