Theodor Wessels
Theodor Jakob Josef Wessels (* 6. Mai 1902 in Waalwyk, Niederlande; † 14. August 1972 in Sorrent, Italien)<ref name="Uni Köln" /> war ein Staats- und Wirtschaftswissenschaftler, der insbesondere im Bereich der Volks- und der Energiewirtschaftslehre tätig war. Bekannt wurde er vor allem für seine Tätigkeit als Professor an der Universität zu Köln,<ref name="Uni Köln" /> als Gründer und langjähriger Leiter des Energiewirtschaftlichen Institutes und als Sachverständiger und Berater in energiewirtschaftlichen und energiepolitischen Fragen.<ref name="Henny" />
Leben und Wirken
Theodor Wessels wurde als Sohn des Kaufmanns Theodorus Franciscus (Theodor) Wessels und dessen Frau Gertrud Maria, geb. Pitz, in Waalwyk in den Niederlanden geboren. Sein Vater stammte aus Gendringen, seine Mutter aus Kalkar.<ref>Who’s Who in the Catholic world. Band 1. S. 689.</ref>
Nach dem Abitur am Staatlichen Gymnasium zu Cleve Ostern 1921 studierte Wessels Volkswirtschaftlehre an der Universitäten München, Kiel und Köln. Seit 1921 war er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Rheno-Franconia München. Im Februar 1924 bestand er in Köln die kaufmännische Diplomprüfung. Im Juli 1925 wurde er an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln bei Leopold von Wiese mit einer Studie über Die Geldtheorie Léon Walras’ zum Dr. rer. pol. promoviert. 1936 habilitierte sich Wessels an der Universität Bonn mit einer Arbeit über Die Selbstversorgung Deutschlands mit Agrarprodukten.<ref>Theodor Wessels: Die Selbstversorgung Deutschlands mit Agrarprodukten. 1933.</ref><ref>Theodor Wessels. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 10: Thies–Zymalkowski. K. G. Saur, München 2008, ISBN 978-3-598-25040-8, S. Vorlage:VonBis (google.de – eingeschränkte Ansicht).</ref>
Ab 1936 lehrte Wessels zunächst als Privatdozent an der Universität Bonn. Im Jahre 1940 erhielt er einen Ruf zum Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an die Universität zu Köln. Dem Ruf gingen schwierige Verhandlungen voraus,<ref name="Uni Köln" /> da die Wahl Wessels als praktizierender Katholik vom NS-Regime nicht unterstützt wurde.<ref name="Henny" /> Bereits kurz nach Aufnahme seiner Professur in Köln wurde Wessels Direktor des Seminars für Staatswissenschaften der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät; dieses Amt hielt er bis zu seiner Emeritierung inne. 1943 wurde Wessels zum ersten Leiter des neugegründeten Instituts für Energiewirtschaft ernannt.
Zur NS-Regierung wahrte Wessels Distanz;<ref name="Henny" /> zwar erfüllt er im Auftrag der Reichsregierung kriegswichtigen Aufgaben im Bereich der Raumforschung und wurde unter anderen deshalb als „unabkömmlich“ vom Wehrdienst freigestellt, auf der anderen Seite arbeitete Wessels, der christliche und liberale Ansichten vertrat, insgeheim im oppositionellen "Freiburger Kreis" und hier insbesondere in der Arbeitsgemeinschaft Erwin von Beckerath mit.<ref name="Uni Köln" /> Nach Ende des Dritten Reiches wurde Wessels im Rahmen der Entnazifizierung schnell entlastet, rehabilitiert und in seine Ämter wieder eingesetzt.
Durch seine Tätigkeit für das Institut für Energiewirtschaft, das er ab 1947 wieder aufbaute und dem er bis 1970 vorstand, trug Wessels maßgeblich zur wachsenden Reputation des Institutes in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auch durch ein Buch aus 1966 bei.<ref>Theodor Wessels, Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Energiekosten, 1966, S. 1 ff.</ref> Einen Ruf nach Freiburg lehnte Wessels ab, auch deshalb, weil 5000 Studenten einen Fackelzug veranstalteten, um ihn zum Bleiben zu bewegen.<ref>Horst Siebert: Rede anlässlich der Verleihung des Friedrich-August-von-Hayek-Preises für Wirtschaftspolitik. (PDF; 25 kB) Hayek-Stiftung, 13. Mai 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Juli 2007; abgerufen am 22. Oktober 2010.</ref>
Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit erfüllte Wessels verschiedene Ämter an der Universität Köln, als Herausragendste die des Dekans der Fakultät für Wirtschafts und Sozialwissenschaften (1947–49) und des Rektors der Universität (1951–54). In letzterer Funktion ließ sich Wessels von Peter Herkenrath malen.<ref>Rektorenportraits. Theodor Wessels. In: rektorenportraits.uni-koeln.de/. Universität zu Köln, abgerufen am 18. Oktober 2010.</ref>
Auch außerhalb der Universität war Wessels als Lehrer und Sachverständiger tätig und übernahm verschiedene Ämter: Von 1948 bis zu seinem Tod war er Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums unter Ludwig Erhard.<ref>Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. November 2010; abgerufen am 22. Oktober 2010.</ref> Auch in der Enquête-Kommission „Energie“ wirkte er ab 1959 mit. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes bildete Wessels Attachés im wirtschaftswissenschaftlichen Fragen aus. Ab 1952 bis zu seinem Tod war Wessels Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI, Nachfolge Bruno Kuske).<ref>rwi-essen.de</ref> Ab 1953 bis zu seinem Tod übernahm Wessels für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband die wissenschaftlichen Leitung des Lehrinstituts für das Kommunale Sparkassen- und Kreditwesen in Bonn und leitete dort zahlreiche Lehrveranstaltungen und Tagungen.<ref>Günter Ashauer: Meilensteine in der Geschichte des Lehrinstituts. In: s-hochschule.de. Hochschule für Finanzwirtschaft & Management, abgerufen am 20. Juli 2022.</ref><ref>Günter Ashauer: Das Lehrinstitut der Deutschen Sparkassenakademie – Vom 1. Lehrgang (1928/29) bis zum 68. Lehrgang (2005/06). Hrsg.: Deutsche Sparkassenakademie.</ref>
Theodor Wessels verstarb im Alter von 70 Jahren überraschend während eines Urlaubsaufenthaltes in Sorrent/Italien. Er wurde auf dem Kölner Melaten-Friedhof (Lit. D) beigesetzt.
Ehrungen
- Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland für seine Verdienste um die wissenschaftliche Fundierung der Wirtschaftspolitik.
- Universitätsmedaille der Universität Köln.<ref>Ehrenbürger und Ehrensenatoren der Universität zu Köln. (PDF; 481 kB) Universität zu Köln, abgerufen am 22. Oktober 2010.</ref>
- Ehrendoktorwürde (Dr. rer. pol. h. c.) der Universität Bochum.
Vermächtnis
Der Verein der Absolventen und Freunde des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln e. V. hat zu Ehren des Gründers und langjährigen Direktors des Institutes im Jahr 1981 die Theodor-Wessels-Stiftung ins Leben gerufen und den Theodor-Wessels-Preis ausgelobt. Alle ein bis zwei Jahre verleiht die Stiftung den mit 10.000 Euro dotierten Preis für wissenschaftliche Arbeiten aus dem Bereich der Energiewirtschaft, die für die Klärung der betriebs- und volkswirtschaftlichen Fragen der Energiewirtschaft oder für die Lösung wichtiger Aufgaben der Energiepolitik einen bedeutenden Beitrag leisten.<ref>Theodor-Wessels-Stiftung. Verein der Absolventen und Freunde des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln e. V., abgerufen am 20. Juli 2022.</ref>
Schriften (Auswahl)
- Die Geldtheorie Léon Walras’. (Köln, Univ., Diss.,1932).
- Die Selbstversorgung Deutschlands mit Agrarprodukten. Lucas, Beusel-Bonn 1938 (zugleich: Habilitations-Schrift, Bonn, Univ., 1936).
Weblinks
Einzelnachweise
<references> <ref name="Uni Köln"> Theodor Wessels. Rektor 1951–1954. Universität zu Köln, abgerufen am 20. Oktober 2010. </ref> <ref name="Henny"> Lennart Henny: Die Gründung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln. Diplomarbeit im Fach Spezielle Volkswirtschaftslehre. Köln 2008. </ref> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wessels, Theodor |
| ALTERNATIVNAMEN | Wessels, Theodor Jakob Josef (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Staats- und Wirtschaftswissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 6. Mai 1902 |
| GEBURTSORT | Waalwyk, Niederlande |
| STERBEDATUM | 14. August 1972 |
| STERBEORT | Sorrent, Italien |
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- Ökonom (20. Jahrhundert)
- Energiewirtschaftler
- Hochschullehrer (Universität zu Köln)
- Rektor (Universität zu Köln)
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
- Ehrendoktor der Ruhr-Universität Bochum
- Deutscher
- Geboren 1902
- Gestorben 1972
- Mann
- Person des Freiburger Kreises (NS-Zeit)
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