Innocence in Danger
Innocence in Danger (englisch für Unschuld in Gefahr) ist eine international operierende Nichtregierungsorganisation, die sich gegen sexuellen Missbrauch von Kindern, insbesondere die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen (Kinderpornografie) durch die Neuen Medien positioniert.
Ziele
Innocence in Danger setzt sich für Präventionsprojekte ein, die die Medienkompetenz bzw. vor allem die digitale Beziehungskompetenz von Kindern und Jugendlichen verbessern. Um die Rechte von Opfern in Gerichtsverfahren zu stärken, engagiert sich Innocence in Danger auch für die gezielte Ausbildung von Polizisten, Therapeuten und Rechtsanwälten, die Kinder beispielsweise in Vernehmungssituationen begleiten. Ein weiteres Ziel von Innocence in Danger ist die Unverjährbarkeit von Verbrechen, die an Kindern begangen werden, da viele Opfer erst nach vielen Jahren Anzeige erstatten.<ref>Über uns – Ziele. In: IID. 19. Mai 2014, abgerufen am 10. Dezember 2019.</ref><ref>Für Medien & Politik – Wir fordern. In: IID. 22. Mai 2014, abgerufen am 10. Dezember 2019.</ref>
Geschichte
Während einer UNESCO-Konferenz in Paris schloss sich 1999 eine Gruppe Innocence en danger/Innocence in Danger zusammen, die sich 2000 als international ausgerichtete Organisation gründete. Die Aktivitäten erfolgen über nationale Vereine in der Schweiz, Deutschland, Kolumbien, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Die Organisation ist dem europäischen Dachverband European NGO Alliance for Child Safety Online angeschlossen.
Deutsche Sektion
Im September 2003 wurde die deutsche Sektion Innocence in Danger e. V. (IID) gegründet. Soscha zu Eulenburg brachte sowohl Stephanie zu Guttenberg<ref>Stephanie zu Guttenberg, Anne-Ev Ustorf: Schaut nicht weg! Was wir gegen sexuellen Missbrauch tun müssen. Kreuz, Freiburg 2010, S. 7.</ref> als auch Julia von Weiler<ref>Julia von Weiler, Christine Gerber, Doris Mendlewitsch: Im Netz. Tatort Internet – Kinder vor sexueller Gewalt schützen. Kreuz, Freiburg 2011, S. 178.</ref> dazu, in dem Projekt mitzuarbeiten. Die Zielsetzung der deutschen Sektion ist die Aufklärung und Prävention im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern mit Fokus auf das Internet. Dabei wird gefordert, dass die Themen in die Lehrpläne und die Lehrerausbildung aufgenommen werden.
Präsidentin der deutschen Sektion ist die Mitgründerin Dorothea von Eberhardt. Geschäftsführerin ist seit 2025 Christina Khosrowi.
Der gemeinnützige Verein hat seit Anfang 2011 seinen Sitz in Berlin-Charlottenburg.<ref>Das Büro von Innocence in Danger zieht um!</ref>
Tätigkeit
Innocence in Danger fordert seit langem, Smartphones für unter 14-Jährige zu verbieten. „Mit dem Internetzugang über das Smartphone geben wir den Kindern etwas in die Hand, dessen gigantische Folgen sie überhaupt noch nicht abschätzen können“, sagte die frühere Geschäftsführerin Julia von Weiler der Berliner Morgenpost.<ref>Julia Emmrich: Kinderpornos bei Schülern: Smartphone-Verbot könnte helfen. 15. Februar 2019, abgerufen am 16. Februar 2019.</ref> „Wir sollten deswegen den Jugendschutz ausdehnen: So, wie wir Kinder vor Alkohol oder anderen Drogen schützen, sollten wir sie auch vor den Risiken einer zu frühen Smartphone-Nutzung schützen. So lange Smartphones und ihre Apps nicht kindersicher sind, müssten wir sie für Kinder unter 14 Jahren verbieten.“ Die Forderung wurde vielfach aufgegriffen, u. a. von der FAZ,<ref>Gegen Missbrauch: Smartphone-Verbot für Kinder unter 14? ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. Februar 2019]).</ref> dem Tagesspiegel,<ref>Kinderschutz durch Handyverbot? Abgerufen am 16. Februar 2019.</ref> der Deutschen Welle<ref name="dw">Ban smartphones for under-14s, says German government adviser. In: Deutsche Welle. 15. Februar 2019, abgerufen am 16. Februar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und der Washington Post.<ref>A German government adviser recommends a ban on smartphones for children younger than 14. Abgerufen am 16. Februar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Idee entspricht weitgehend den Nutzungsregeln,<ref>Jonas Jansen: Nutzung von Smartphones: Hilfe, was macht mein Kind auf Instagram? ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. Februar 2019]).</ref> die etwa Facebook oder Youtube für Jugendliche vorschlagen – frühestens ab dem 14. bzw. dem 18. Lebensjahr. Der Unabhängige Beauftragte für sexuellen Kindesmissbrauch, Johannes Rörig, und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ging der Vorschlag zu weit. Rörig sagte,<ref name="dw" /> ein Smartphoneverbot beseitige nicht die Gefahren des Netzes für Kinder. Sie wolle sichere Kommunikationsräume für Kinder, sagte Giffey der dpa.<ref>Regierungsberaterin fordert Smartphone-Verbot für Kinder bis 14 Jahre. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Februar 2019; abgerufen am 16. Februar 2019.</ref>
Mit Unterstützung der Aktion Mensch und der Auerbach-Stiftung hat der Verein das Präventionsmodell „Smart user“ durchgeführt.<ref name="faz" /> Neben der Aufklärung über sexuelle Gewalt gegen Kinder im Internet, unterstützt der Verein Familien und Kinder, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Das Projekt „Smart User“ beinhaltet eine Vielfalt von verschiedenen Übungen und Sachinhalten. Diese beinhalten auch das Thema Cybermobbing, eigene Grenzen, Täterstrategien, „Was macht Freundschaft aus?“. Die „Smart User“ werden ausgebildet, um an ihrer Schule erste Ansprechpartner zu sein, den Betroffenen psychisch beizustehen und sie zu einer ausgebildeten Person / Vertrauenslehrer oder einer Fachstelle zu schicken. Die geschulten „Smart User“ können auch selber an ihrer Schule Vorträge halten oder Kurse an Projektwochen erstellen und führen. IiD kooperiert mit Schulen und veranstaltet Sommercamps und Kunstwochen. Außerdem ist geplant, Jugendliche zu „Online-Beratern für Jugendliche“ auszubilden.<ref name="rnz">Vielleicht bringt sie im Herbst ihren Mann mit (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot in: Rhein-Neckar-Zeitung vom 22. März 2011</ref> Innocence hat für seine Projekte „offline“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />offline ( vom 11. April 2014 im Internet Archive)</ref> und „smart user“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />smart user ( vom 23. Mai 2013 im Internet Archive)</ref> den Berliner Präventionspreis und den Bündnis für Kinder-Preis gewonnen (jeweils 3. Platz).
Im August 2013 veröffentlichte der Verein die kostenlose Präventions-App „Clever im Netz“, die Kindern im Alter von 9 bis 11 Jahren das Thema „sexueller Missbrauch von Kindern im Internet“ mittels niederschwelliger Comics nahezubringen versucht. Neben den Kindern fanden auch Erziehungsberechtigte und andere Vertrauenspersonen Informationen und Hilfestellungen für einen cleveren Umgang mit dem Internet. Die europaweit erste Präventions-App dieser Art stand für iOS zur Verfügung, eine Android-Version ist angekündigt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Clever im Netz: Kinder vor Web-Gefahren schützen ( vom 23. Oktober 2013 im Internet Archive) in Allgemeine Zeitung vom 27. August 2013</ref> Sie wurde pro bono von der IT-Firma axxessio entwickelt<ref>axxessio GmbH: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressemitteilung ( vom 28. September 2013 im Internet Archive) (PDF; 1,7 MB)</ref> und ist vom TÜV Rheinland hinsichtlich des Datenschutzes zertifiziert.<ref>Comics sollen Missbrauch verhindern in: Mannheimer Morgen vom 28. August 2013.</ref>
Der Verein prägte für die Atmosphäre des Umgangs von Jugendlichen im Netz den Begriff des digitalen Exhibitionismus. „Die Grundlage der sozialen Netzwerke ist der Exhibitionismus“, schrieb von Weiler in der FAS.<ref>Julia von Weiler: Digitaler Exhibitionismus: Selfies als pädokriminelle Handelsware. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. Februar 2019]).</ref> „Die digitale Vernetzung und die sogenannten sozialen Medien verändern unser Miteinander. Will ich dabei sein, so muss ich Aufmerksamkeit herstellen. Ich muss mich digital exhibitionieren, sonst werde ich übersehen. In sozialen Netzwerken und Chaträumen, bei Online-Spielen und Messenger-Diensten – überall muss ich mich präsentieren. Mit Foto, Beschreibung, besonders cool, lässig, interessant. Irgendwie – aber in jedem Fall öffentlich. Auch bei Bewerbungsportalen veröffentliche ich ein Profil.“ Innocence in Danger setzte sich früh für die Sperrung von kinderpornografischen Inhalten im Netz ein.<ref>Die Freifrau gibt sich zugeknöpft Badische Zeitung vom 30. November 2010</ref><ref>Heftiger Lobbybetrieb vor Anhörung zu Web-Sperren Heise vom 26. Mai 2009</ref>
Interaktive Lernveranstaltung zum Thema „Cybergrooming“
Der Verein bietet zahlreiche Workshop- und Fortbildungsformate für Schüler, Eltern und Fachkräfte an. Seit 2019 unterhält er außerdem die Ausstellung „Klick Clever. Wehr Dich. Gegen Cybergrooming.“, die von Innocence in Danger entwickelt und von der Berliner Landeskommission gegen Gewalt finanziell gefördert wird. Über 2.800 Schülerinnen und Schüler besuchten die Ausstellung im Jahr 2024.<ref>Tätigkeitsbericht 2024. Abgerufen am 31. Januar 2026.</ref>
Social Media Kamagne und Workshops zum Thema „Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen“
Seit Dezember 2022 bietet der Verein das #UNDDU? Online Portal und die App #UNDDU? Fachkräfte (android / IOS) an. Sie klären Jugendliche, Eltern und Profis umfassend über das Thema „sexuelle Gewalt unter Jugendlichen“ auf – und bieten Hilfe an.<ref>#UNDDU? In: Innocence in Danger. Abgerufen am 31. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die App #UNDDU? Fachkräfte bietet haupt- und ehrenamtlichen Fachkräften eine „erste Hilfe to go.“ In der App befindet sich u. a.
- einen animierten Handlungsleitfaden, der sie im Umgang mit Fällen unterstützt.
- die Schnittstelle zum Hilfe-Portal Missbrauch, die in der App direkt zu Hilfsangeboten in der jeweiligen Region führt.
- neben kurzen Wissensmodulen eine Powerbox mit Material für die Arbeit mit Jugendlichen.<ref>Wissensmodule DE | #unddu-portal. In: unddu-portal.de. Innocence in Danker, abgerufen am 8. März 2026.</ref>
Alle Inhalte der App können heruntergeladen werden und sind so auch offline zugänglich.
Finanzierung
Der Verein finanziert sich durch Spenden, die beispielsweise durch die Teilnahme am Prominenten-Spezial der RTL-Sendung Wer wird Millionär? (500.000 Euro) im Jahr 2010<ref name="faz"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Melanie Mühl (Frankfurter Allgemeine Zeitung): „Innocence in Danger“ - Man muss nur die richtige Frage stellen ( vom 31. März 2013 im Internet Archive)</ref> und die Radio-Regenbogen-Spenden-Gala „A Helping Hand“ (100.000 Euro) im Jahr 2011 eingenommen wurden.<ref name="rnz" />
Kritik
Der Verein löste Anfang 2010 eine heftige öffentliche Debatte aus, weil er sich an der Sendung Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder beteiligte. Dabei wurden mit versteckter Kamera und anonymisiert Männer gefilmt, wie sie minderjährige Mädchen treffen wollten, mit denen sie sich vorher in Chats verabredet hatten. Andrian Kreye etwa geißelte in der SZ die TV-Produktionsfirma, weil sie „ähnlich wie eine Bürgerwehr auf eigene Faust und ohne Rücksicht auf rechtsstaatliche Prinzipien auf Verbrecherjagd geht“.<ref>Süddeutsche Zeitung: „Frau zu Guttenberg am Pranger“ Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 2010</ref>
Ende November 2010 wurden unter anderem in Veröffentlichungen aus dem DuMont-Verlagshaus unter Berufung auf Interviewpartner über Kritikansätze zu verschiedenen Punkten der Vereinsaktivitäten berichtet. So bemängelte die Frankfurter Rundschau, dass der Verein weder durch die Veröffentlichung der Finanzen noch durch ein DZI-Spendensiegel eine seriöse Mittelverwendung belegen würde, kein Präventionskonzept verfolge und auch keine Beratungsstellen unterhalte. Der Fokus liege beim sexuellen Missbrauch im Internet und damit außerhalb der Familien, die als primäres Tatumfeld beim sexuellen Missbrauch von Kindern gelten.<ref>Matthias Thieme: „Seriöse Vereine legen ihre Finanzen offen“. In: Frankfurter Rundschau, 27. November 2010.</ref><ref>Matthias Thieme und Katja Tichomirowa: Stephanie zu Guttenbergs Verein – Im Spendensumpf Frankfurter Rundschau vom 27. November 2010.</ref>
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnete die Veröffentlichungen aus dem DuMont-Verlag als eine Kampagne. Auch Greenpeace oder die Deutsche Krebshilfe hätten kein Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. Dies sei zudem freiwillig und mit Kosten verbunden.<ref name="faz" />
Der Verein reagierte auf die Vorwürfe der Intransparenz: „Wir haben die Kriterien des Deutschen Spendensiegels nicht gefürchtet, sondern wir haben ganz bewusst auf das Siegel verzichtet.“<ref>Julia von Weiler über Netzsperren und Spender: „Wir haben nichts zu verbergen“</ref> Ferner kündigte der Verein eine Strafanzeige gegen Journalisten sowie Redakteure des DuMont-Verlagshauses<ref>Innocence in Danger: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressemitteilung ( vom 14. Dezember 2010 im Internet Archive) (PDF; 133 kB)</ref> an und legte seine Finanzen offen.<ref>Spendenorganisationen: Guttenbergs Frau gibt öffentlichem Druck nach Wirtschaftswoche vom 2. Dezember 2010</ref> Das DZI erklärte schließlich, das Auskunftsverhalten von IID sei transparent. „Bei der Durchsicht der vorliegenden Materialien haben sich für das DZI bisher keine kritischen Anhaltspunkte ergeben.“<ref>Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen – Suchergebnisse ( vom 17. Oktober 2013 im Internet Archive)</ref> Die damalige Geschäftsführerin des Vereins erklärte dazu am 7. Dezember 2010 in der taz: „Wir haben die Zahlen in Rücksprache mit unserem Steuerberater vorgelegt, und das hat länger als einen Tag gedauert. Bei einem überschaubaren Budget von knapp über 420.000 Euro im Jahr 2009 haben wir ohnehin nichts zu verbergen.“<ref>Julia von Weiler über Netzsperren und Spender: „Wir haben nichts zu verbergen“</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />