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Gelita

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Gelita AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1875
Sitz Eberbach, Deutschland
Leitung Peter Hill (Vorsitzender)
Mitarbeiterzahl 2.923<ref name="sr2023">Gelita AG: Sustainability Report 2023. Abgerufen am 4. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Umsatz 1,089 Mrd. EUR<ref name="sr2023" />
Branche Lebensmittel
Website www.gelita.com
Stand: 31. Dezember 2023
Datei:GELITA Eberbach.jpg
Gelita-Zentrale in Eberbach (2019)

Die Gelita AG mit Sitz in Eberbach ist einer der Weltmarktführer in der Gelatineproduktion.<ref>Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.</ref> Die nicht börsennotierte Aktiengesellschaft befindet sich in Familienbesitz und zählt zu den bedeutendsten Unternehmerfamilien Deutschlands.

Geschichte

Die Gründung der heutigen Gelita AG geht auf das Jahr 1875 zurück, als eine Gelatinefabrik in Schweinfurt gegründet wurde. Diese fusionierte 1888 mit der von Heinrich und Paul Koepff in Göppingen gegründeten Gelatinefabrik zu Deutsche Gelatine-Fabriken AG Göppingen und Schweinfurt (kurz DGF AG).<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.swp.deGöppingen: Chance beim Schopf gepackt (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2023. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, Südwest Presse (swp), 31. Dezember 2013.</ref> 1888 entstand unabhängig in Heidelberg-Ziegelhausen durch Heinrich Stoess (1856–1938) eine weitere Gelatinefabrik. Diese stellte vor allem Emulsions-Gelatine zur Beschichtung von Bildträgern her und erhielt bereits auf der Weltausstellung in Chicago 1905 einen „highest award“. 1929 wurden aus Kapazitätsgründen Firmensitz und Produktionsstätte unter der Firma Chemische Werke Stoess & Co. GmbH nach Eberbach verlegt, wo Stoess bereits 1921 die zum Eastman-Kodak-Konzern gehörigen Chemischen Werke Odin gegründet hatte.

In beiden Gelatine-Fabriken wirkte bis März 1932 an leitender Stelle Stoess' Verwandter Wilhelm Keppler, unter dessen Einfluss die Chemischen Werke Stoess eng mit der in Eberbach besonders stark vertretenen NSDAP verbunden waren. Keppler schied 1932, auch auf Verlangen der Eastman Kodak Company, die seine NS-Propaganda nicht dulden wollte, als Direktor der Odin-Werke aus und musste zum selben Zeitpunkt die Entlassung als Geschäftsführer der Stoess-Werke durch Walter Stoess hinnehmen.

Mit der Machtergreifung hatten die Nationalsozialisten strenge Gesetze zur Regelung des Wirtschaftslebens eingeführt. 1936 verkaufte Keppler seine Beteiligungen an den Stoess-Werken und den Odin-Werken an die Familie Stoess. 1937 wurde die DGF wegen Verstößen gegen die Außenhandelsbestimmungen angeklagt und führende Mitarbeiter verhaftet. Stoess dagegen hatte seine Beziehungen zu Eastman Kodak in den Vereinigten Staaten wieder aufgenommen und brachte große Mengen dringend benötigter Devisen nach Deutschland.<ref name=":0">Stoess, Carl Wilhelm Heinrich, Deutsche Biographie, abgerufen im Juli 2020.</ref> Die Chemischen Werke Odin, die zu 50 Prozent im Besitz der Eastman Kodak Ltd., London waren, wurden bei Kriegsausbruch als Feindvermögen beschlagnahmt und stillgelegt. Die Chemischen Werke Stoess versuchten, unter der Marke „Trittfest“ eine Imprägnierung für Soldatenstiefel zu lancieren. Ein Teil des unausgelasteten Werks wurde für Daimler-Benz beschlagnahmt; dort fertigten im Jahre 1944 Zwangsarbeiter, damals 20 Prozent der Belegschaft Antriebsräder für Panzerwagen.<ref name=":0" /><ref>Das ist für uns eine große Chance, Rhein-Neckar-Zeitung, 28. Januar 2020</ref> Dem amerikanischen Vortrupp, der Eberbach am 31. März 1945 einnahm, war das Gelatinewerk als Zentrale der NSDAP bekannt: der Sohn und Nachfolger des Gründers, Walter Stoess, war einfaches Parteimitglied, ein Prokurist des Unternehmens war kommissarischer Bürgermeister, ein anderer zeitweilig Führer der örtlichen Parteiorganisation. Das Unternehmen wurde unter „property control“ gestellt und dem Inhaber erst nach dessen Entnazifizierung zurückgegeben. Die von Walter Stoess, der von den Amerikanern 1948 von Kriegsverbrechen freigesprochen wurde,<ref name=":0" /> bereits 1944 geplante Verbindung mit den DGF wurde nun erst verwirklicht.<ref name="rfb">Gelita AG Company Profile In: referenceforbusiness.com, abgerufen am 14. Februar 2018.</ref>

Im Jahr 1965 heiratete Dipl. Ing. Heinrich Koepff (1911–1986) die Unternehmerin Gerda Koepff geb. Stoess (1919–2006), Enkelin des Gründers Heinrich Stoess und die Tochter seines langjährigen Geschäftspartners Walter Stoess (1889–1972) der Chemischen Werke Stoess. Im selben Jahr fusionierten das Ehepaar Koepff gemeinsam die Firmen Deutsche Gelatine Fabrik und das Familienunternehmen Stoess zu Chemische Werke Stoess & Co. GmbH. Heinrich Koepffs Firma blieb ein Tochtergesellschaft bis das Unternehmen ab dem Jahr 1972 unter dem Namen Deutsche Gelatine-Fabriken Stoess & Co. GmbH in Eberbach firmierte.<ref>Gerald E. Brennan: Gelita AG (en). referenceforbusiness.com, abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref><ref>Weltgrößter Gelatinehersteller: Wie ein Familienstreit Gelita erschüttert. In: Wirtschaftswoche. 22. September 2014.</ref> 1989 wurde die unter Geschäftsführung des Diplom-Ingenieurs Urs W. Nedbal (* 1938)<ref>Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 885.</ref> stehende GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.<ref name="WZW">Gelita, wer-zu-wem.de</ref> Die vinkulierten Aktien gehören ausschließlich den Erben der Gründer der Vorläufer-Unternehmen. 2005 erhielt das Unternehmen, das mehrere Zweigwerke in Deutschland, in anderen europäischen Ländern und in Südamerika unterhält, seinen heutigen Namen „Gelita AG“.<ref name="WZW" /><ref>Sven Tode: The Gelita Story—125 Years of DGF Stoess AG. Hanseatischer Merkur, Hamburg 2003, ISBN 3-922857-25-6. (englisch)</ref>

Produkte

Als Marktführer der Gelatineproduktion liefern sie Produkte für die Pharmabranche, Lebensmittelindustrie sowie für die Foto- und Technikindustrie. Rund 80.000 Tonnen Gelatine werden jährlich an mehr als 21 Produktionsstätten<ref>Dieser Mittelständler trotzt dem Familienzoff. Wirtschaftswoche, (German), September 4, 2018.</ref> weltweit (was 27 % Marktanteil entspricht) produziert.<ref>Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.</ref><ref>Suppliers Gelita AG Nutrainingredients, January 2020.</ref>

Gelatine

Kollagenpeptide

Für die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln für die Gesundheit der Gelenke, Knochen, Muskeln, Sehnen und Bänder sowie Schönheit. Produktbeispiele sind Lebensmittel, Getränke, Riegel, Tabletten, Pulver und Fruchtgummis.

Fette, Mineralien und Proteine

Werden bei der Herstellung von kollagenen Proteinen produziert. Die Hauptanwendungsgebiete für Fette, Mineralien und Proteine sind Lebensmittel und Tiernahrung. Fette dienen beispielsweise als Energiequelle, Proteine können die Textur und damit den Genuss und Verdaulichkeit von Nahrungs- und Futtermitteln verbessern. Weitere Anwendungsbereiche liegen im technischen Bereich, wie zum Beispiel Biokraftstoffen, Reinigungsmitteln, Schmierstoffen für Maschinen oder Rostschutzmitteln. Mineralien sind beispielsweise eine geeignete Phosphat-Quelle für Düngemittel.

Hämostatika

Blutstillende Medizinprodukte aus pharmazeutischer Gelatine für chirurgische Eingriffe. Sie werden beispielsweise bei Operationen verwendet, um Blutungen aus verletzten Blutgefäßen zu stoppen oder zu vermindern. Aufgrund des biokompatiblen Rohstoffes können die Schwämme im Körper verbleiben und werden vom Körper durch Aminosäuren resorbiert. Ein weiterer Eingriff zur Entfernung ist daher nicht notwendig.

Anwendungen

Die Produkte des Unternehmens finden Anwendung in Lebensmittel, Gesundheit und Ernährung, pharmazeutische Industrien und technische Anwendungen. U. a. bei der Produktion von Gummibärchen,<ref>Pillen statt Götterspeise. In: Handelsblatt. 5. Juli 2016.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Haribo-Check (Memento des Vorlage:IconExternal vom 13. Februar 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.daserste.de, daserste.de, Der Markencheck, 16. Oktober 2017.</ref> Zündhölzern, Sülzen und Aspikprodukten in der Fleischerei, Hart- und Weichkapseln in der Medizin, der Fotografie oder bei der Restaurierung von Büchern.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.swp.deGelatine ist ein wahrer Alleskönner. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2025. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot In: swp.de, 5. Juni 2012.</ref>

Marktsegmente (Stand: Mai 2020)
In Prozent Anwendung
55 % Lebensmittel
29 % Pharmazie
14 % Kollagenpeptide
2 % Sonstige

Unternehmensorganisation

Die Gelita AG ist als Holding strukturiert und wird vom Hauptsitz in Eberbach gesteuert.<ref>Gelita AG. Bloomberg, May 2020.</ref>

Produktionsstätten

Datei:Plant in Sergeant Bluff, Iowa.jpg
Das Gelita Werk in Sergeant Bluff ist die größte Gelatinefabrik der Welt.<ref>Ugesh A. Joseph: The Made in Germany Champion Brands: Nation Branding, Innovation and World Export Leadership. 2013, ISBN 978-1-4094-6646-8, S. 192. (englisch)</ref>

Niederlassungen

Tochterunternehmen

  • Gelita Deutschland GmbH, Eberbach
  • ATRO ProVita GmbH, Eberbach
  • Gelita Health GmbH, Eberbach
  • Gelita Medical GmbH, Eberbach

Auszeichnungen

Wissenschaftliche Publikationen

Weblinks

Commons: Gelita – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references />

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