Heinz Schenk
Heinz Friedrich Schenk (* 11. Dezember 1924 in Mainz; † 1. Mai 2014 in Wiesbaden-Naurod) war ein deutscher Showmaster, Schauspieler und Sänger.
Leben und Wirken
Mehr noch als seine Eltern Friedrich und Hedwig Schenk – er aus Chemnitz, sie geborene Collins aus Wiesbaden – war die Großmutter in der Kindheit für Heinz Schenk wichtige Bezugsperson. Obwohl er wegen seiner geringen Körpergröße eigentlich nicht geeignet war, wurde er auf eigenes Drängen in St. Quintin in Mainz Ministrant und lernte dort, öffentlich aufzutreten. In einem Gespräch mit Joachim Fuchsberger bei Heut’ abend 1985 bescheinigte Schenk sich selbst, er hätte auch Pfarrer werden können und „einen gewissen Zuspruch gehabt, wenn ich gepredigt hätte“. Seine Mutter, Sekretärin bei den Mainzer Stadtwerken, heiratete neu und Heinz wuchs mit neuen Geschwistern auf. Schenk sprach wenig über seine Herkunft und hielt keinen Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie.<ref name="20Millionen" />
Schenk trat bereits als Elfjähriger<ref name="20Millionen">Der 20 Millionen Mann - Entertainer Heinz Schenk. hr-Dokumentation vom 10. Dezember 2024 in der ARD Mediathek.</ref> mit einer Büttenrede im Mainzer Frauenchor-Karneval auf. Nach seinem Schulabschluss am Bischöflichen Willigis-Gymnasium absolvierte er eine Lehre in der Teppich- und Gardinen-Abteilung des Wiesbadener Kaufhauses Krüger & Brandt und nahm parallel dazu Schauspielunterricht. Den für Auftritte erforderlichen Ausweis der Reichstheaterkammer bekam Schenk mit Hilfe seines Pfarrers, welcher die Abstammung der Mutter, einer laut nationalsozialistischer Terminologie „Halbjüdin“, manipulierte.<ref name="20Millionen" />
Als Mitglied der Hitlerjugend kam Schenk in eine Sondereinheit für „Bühnenkunst“ in Wiesbaden-Nerotal, wo er den Musiker Paul Kuhn kennenlernte, sowie Werner Wörle, mit dem er sein Leben lang befreundet blieb und mit dem zusammen er den Wiesbadener Karneval entscheidend beeinflusste. Statt politischer Propaganda sollte diese Einheit „Volksabende“ musikalisch gestalten; inoffiziell haben sie dort auch mit Jazz und anderer amerikanischer Tanz-Musik unterhalten, die offiziell verfemt, bei jungen Deutschen jedoch sehr beliebt war.<ref>Vgl. Jazz im „Dritten Reich“, ORT House, London, abgerufen am 10. Dezember 2024.</ref>
Während des Zweiten Weltkrieges diente Schenk in Polen und Ostpreußen als Funker und Nachrichtenträger<ref name="20Millionen" /> der Wehrmacht. Aufgrund eines Herzfehlers oder weil ein Vorgesetzter seine schützende Hand über ihn hielt, kam er nicht in den Fronteinsatz.<ref>Fernsehdokumentation über Heinz Schenk: Heinz Schenk – das ganze Leben ist ein Circus</ref><ref name="20Millionen" />
Sein erstes Engagement nach dem Krieg erhielt Schenk in Worms bei einem Kabarett namens Elefant für eine Gage von fünf Reichsmark und einem Stammessen pro Abend sowie einer Fahrkarte dritter Klasse. Dort parodierte er Heinz Rühmann, Theo Lingen, Hans Moser und Hans Albers.<ref>worms.de Heinz Schenk – erstes Engagement im Wormser „Elefanten“</ref>
1951 fing er beim Hessischen Rundfunk als Radiomoderator an. Seine ersten Fernsehauftritte hatte er beim Privatsender Telesaar im Saarland; dort musste er als Conférencier die Namen der Werbeprodukte möglichst häufig nennen.<ref>Ein Abend mit Heinz Schenk. In: ARD.de. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2024. Suche im Internet Archive )</ref>
Bekannt wurde Schenk zunächst mit der Hörfunksendung Frankfurter Wecker und später vor allem mit der Fernsehunterhaltungssendung Zum Blauen Bock, die er 1966 von Otto Höpfner übernahm und 21 Jahre lang 134 Mal moderierte. Die Erfahrung mit Karnevalssitzungen kam ihm dabei zugute (Moderationsstil, Schunkeln etc.).<ref name="20Millionen" /> Als Wirtin und auch Produzentin der Sendung fungierte Lia Wöhr, als Assistent Reno Nonsens. Schenk hat alle Lieder, die er im Blauen Bock sang, selbst getextet und meistens mit Franz Grothe zusammen komponiert.
In Anspielung auf den damals populären niederländischen Eisschnellläufer Ard Schenk bezeichnete er sich in einer seiner Sendungen des Blauen Bocks – die im 1. Programm ausgestrahlt wurden – einmal selbst als „ARD-Schenk“.
Als Schauspieler war er unter anderem 1988 in Dieter Wedels Mehrteiler Wilder Westen inclusive (in der Rolle des Frührentners Konrad Abs) und 1993 mit Hape Kerkeling in der Satire Kein Pardon (in der Rolle des cholerischen Showmasters Heinz Wäscher) zu sehen. Er trat in mehreren Produktionen des Volkstheaters Frankfurt auf, u. a. zusammen mit Liesel Christ in Rendezvous im Palmengarten von Adolf Stoltze, als Datterich, als Prof. Henry Higgins im Musical My Fair Lady und als Geizhals in der hessischen Adaption von Molières Der Geizige.
Anlässlich seines 65. Geburtstages im Dezember 1989 wurde die Sendung Ich lade gern mir Freunde ein von und mit Heinz Schenk ausgestrahlt. Von Februar 1993 bis November 1996 hatte Schenk mit der Sendung Fröhlich eingeSchenkt ein Comeback. Einige Jahre später trat er in der Folge „Das Osterwunder“ der RTL-Serie Alles Atze (erste Folge der zweiten Staffel, Erstausstrahlung am 20. April 2001) im Fernsehen im Rahmen eines größeren Gastauftritts in Erscheinung. 2007 wirkte er in der hr-Jubiläumssendung 50 Jahre Blauer Bock sowie in der ebenfalls vom hr ausgestrahlten Sendung Ein Abend mit Heinz Schenk mit.
Heinz Schenk war auch als Sänger und Textdichter erfolgreich. Seine getexteten Lieder wurden meist von Franz Grothe komponiert und in seinen Fernsehsendungen dargeboten. Sein größter Hit (Platz 35 in den Verkaufscharts) war das anlässlich einer Blauer-Bock-Sendung aus Vaduz 1978 entstandene Lied Es ist alles nur geliehen,<ref>Es ist alles nur geliehen, Video bei YouTube</ref> mit dem er sogar in der ZDF-Hitparade auftrat. Weitere bekannte Songs von ihm sind Alles kann der Mensch sich kaufen – nur keine Zeit<ref>Alles kann der Mensch sich kaufen – nur keine Zeit, bei YouTube</ref> und Wir sind alle Marionetten<ref>Wir sind alle Marionetten, bei YouTube</ref> sowie der Karnevalsschlager Heut ist Karneval in Knieritz an der Knatter,<ref>Heut ist Karneval in Knieritz an der Knatter 1985</ref> der in den 1970er und 1980er Jahren von Ernst Hilbich jedes Jahr in der Karnevalszeit im Blauen Bock präsentiert wurde – der Text wurde von Heinz Schenk jeweils neu umgeschrieben. 1985 sang Schenk auch das Lied der ARD-Fernsehlotterie Gib dem Glück eine Chance.
Schenk erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Hessischen Verdienstorden, den Bambi, die Hermann-Löns-Medaille und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Die hessische Rockband Rodgau Monotones widmete ihm im Lied Die Hesse komme! die Textzeile „(…) unser David Bowie heißt Heinz Schenk“.
Heinz Schenk lebte im Ruhestand in Wiesbaden-Naurod. Seine Ehefrau Gerti, geborene Kraus, eine gelernte Friseurin, mit der er seit 1951 verheiratet war, starb im Alter von 85 Jahren am 4. Dezember 2013 zu Hause in Wiesbaden.<ref>Heinz Schenk trauert um Ehefrau Gerti In: Frankfurter Rundschau, 4. Dezember 2013.</ref> Das Paar blieb kinderlos.
Heinz Schenk starb in der Nacht zum 1. Mai 2014 im Alter von 89 Jahren in seinem Wohnhaus in Wiesbaden-Naurod an den Folgen eines Schlaganfalls.<ref>Christian Matz, Manfred Gerber: Wiesbaden: Fernsehstar Heinz Schenk ist tot – Er starb im Alter von 89 Jahren. In: Wiesbadener Kurier, 1. Mai 2014.</ref> Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) würdigte ihn in einem Nachruf mit den Worten: „Er hat über viele Jahrzehnte das Bild der Hessen in ganz Deutschland mitgeprägt.“<ref>Heinz Schenk ist tot – „Ein Leben für die Show“ – Quelle: https://www.shz.de/6427231 ©2021 (shz.de), 1. Mai 2014</ref> Er wurde am 15. Mai 2014 im engsten Freundeskreis auf dem Friedhof Wiesbaden-Naurod beigesetzt.<ref>knerger.de: Das Grab von Heinz Schenk</ref><ref>Trauerfeier für Heinz Schenk: Stiller Abschied für einen alten Clown auf nwzonline.de, 16. Mai 2014.</ref> 2025 wurde sein Grab von der Stadt Wiesbaden zum Ehrengrab erhoben. Diese Ehrung gilt bis zum Jahr 2044.<ref>Erik Scharf: Würdigung für hessischen TV-Star: Heinz Schenk bekommt Ehrengrab. In: fr.de. 17. Mai 2025, abgerufen am 10. Juni 2025.</ref>
Heinz-Schenk-Stiftung
Nachlassverwalter ist Horst Klemmer aus dem niedersächsischen Oldenburg, persönlicher Freund und 40 Jahre lang Manager von Heinz Schenk. Er wurde zu Lebzeiten Schenks dazu bestimmt, eine Heinz-Schenk-Stiftung zu gründen und zu leiten, die aus dem Nachlass gespeist wird. Diese soll sich um die finanzielle Unterstützung junger Musiker und anderer Bühnenkünstler, die Menschen zum Lachen bringen, beim Start ihrer Karriere kümmern.<ref>Nordwest-Zeitung, 3. Mai 2014</ref><ref>Heinz Schenk ist tot; Süddeutsche Zeitung, 1. Mai 2014; abgerufen am 1. Mai 2016</ref> Schenks Wohnhaus in Wiesbaden, in dem das kinderlose Ehepaar 45 Jahre lebte, wurde zugunsten der Stiftung verkauft.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Heinz Schenk – ganz persönlich! ( vom 6. August 2016 im Internet Archive) Holger Weinert und Margit Sponheimer präsentieren den großen Entertainer im hr-fernsehen; 8. Dezember 2015, abgerufen am 1. Mai 2016.</ref> Teile des Nachlasses (Bekleidung) wurden im Rahmen der Flüchtlingskrise in Europa 2015 für Flüchtlinge in Oldenburg dem Präsidenten des DRK-Landesverbandes Oldenburg, Dieter Holzapfel, übergeben.<ref>Nordwest-Zeitung, 23. Oktober 2015</ref> Zugunsten der Stiftung fand im August 2016 eine Versteigerung von über 9000 Positionen aus dem Nachlass statt. Im ehemaligen Wohnhaus des Ehepaars wurde die gesamte Wohnungseinrichtung versteigert, darunter auch Schenks Audio- und Videoequipment, mehrere Bembel und zwei Bambis.<ref>Heinz Schenk – 420 Euro für einen Bembel, in: Frankfurter Rundschau, 20. August 2016.</ref><ref>Bembel, Bambi und Urlaubsbilder, FAZ vom 20. August 2016.</ref> Das Wohnhaus wurde 2018 abgerissen und das Grundstück mit zwei Zeilen Reihenhäusern bebaut.<ref>Centra Bau: Baubeginn: Holderstrauch 30. Abgerufen am 16. April 2024.</ref>
Die HR-Dokumentation Der 20 Millionen Mann berichtete im Dezember 2024, dass bisher kein Künstler von der Heinz-Schenk-Stiftung unterstützt worden sei.<ref>Der 20 Millionen Mann – Entertainer Heinz Schenk. Abgerufen am 11. Dezember 2024.</ref>
Inzwischen ist das Stiftungskapital auf 1,01 Millionen Euro angewachsen, der Kapitalstock wirft erstmals verwertbare Erträge ab, so dass eine Dotierung des Heinz-Schenk-Preises von 4.000 Euro vorgesehen ist. Zum Bewerbungsende am 31. März 2025 waren 130 Bewerbungen eingetroffen, die Frist wurde daraufhin bis Jahresende 2025 verlängert. Die Preisvergabe soll um den 1. Mai 2026 herum in Wiesbaden stattfinden.<ref>https://www.hessenschau.de/kultur/warum-das-vermaechtnis-von-heinz-schenk-erst-jetzt-realitaet-wird--v1,erbe-heinz-schenk-100.html Abgerufen am 14. Oktober 2025.</ref>
Filmografie (Auswahl)
- 1982: Ein dicker Hund
- 1983: Laß das – ich haß’ das
- 1988: Wilder Westen inclusive
- 1993: Kein Pardon (Satire, als Figur Heinz Wäscher)
- 1994: Briefgeheimnis (TV-Serie)
- 1996: Peanuts – Die Bank zahlt alles
- 2003: Werner – Gekotzt wird später! Tankstellen-Omi (Stimme)
Literatur
- Sabine Hock: Schenk, Heinz im Frankfurter Personenlexikon (Stand des Artikels: 27. November 2024)
- Heinz Schenk in: Internationales Biographisches Archiv 44/2009 vom 27. Oktober 2009, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Matthias Trautsch: Kult-Moderator wird 100. Der Schmerz des Heinz Schenk, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Dezember 2024, abgerufen am 10. Dezember 2024.
Dokumentarfilme
- Heinz Schenk – ganz persönlich!, von Monika Kullmann; Hessischer Rundfunk, 10. Dezember 2015 in der ARD Mediathek (verfügbar bis 10. Dezember 2026).
- Der 20 Millionen Mann – Entertainer Heinz Schenk, von Sven Waskönig, Henriette von Hellborn; Hessischer Rundfunk, 10. Dezember 2024 in der ARD Mediathek mit Interviews mit Jonas Engelmann, Tobias Mann und Sabine Bode (verfügbar bis 10. Januar 2028).
Weblinks
- Literatur von und über Heinz Schenk im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Vorlage:IMDb/1
- Schenk, Heinz Friedrich. Hessische Biografie. (Stand: 14. Januar 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Heinz Schenk in der Rheinland-Pfälzischen PersonendatenbankVorlage:Abrufdatum
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schenk, Heinz |
| ALTERNATIVNAMEN | Schenk, Heinz Friedrich (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Showmaster, Schauspieler und Sänger |
| GEBURTSDATUM | 11. Dezember 1924 |
| GEBURTSORT | Mainz |
| STERBEDATUM | 1. Mai 2014 |
| STERBEORT | Wiesbaden-Naurod |
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