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Guido Zingerle

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Guido Zingerle (* 3. September 1902 in Tschars; † 9. August 1962 in Turi) war ein als „Ungeheuer von Tirol“ titulierter Sexualmörder, der Ende der 1940er Jahre zwei Frauen getötet und weitere drei Frauen vergewaltigt hat. Bei seinen Morden nutzte Zingerle zuvor von ihm in den Tiroler Bergen gebaute und ausgestattete Höhlen, in die er seine Opfer verschleppte und vergewaltigte. Die Tötung vollzog Zingerle, indem er seine Opfer unter einem Haufen von Steinen begrub, um sie darunter in tagelangem Todeskampf sterben zu lassen, wobei er dies beobachtete. Weitere Morde Zingerles können nicht ausgeschlossen werden. Zingerle wohnte nach dem Zweiten Weltkrieg in Innsbruck.

Frühes Leben

Zingerle kam 1902 in Tschars im unteren Vinschgau zur Welt. Seine Mutter, eine Arbeiterin, war mit der Versorgung des unehelichen Kindes überfordert und gab ihn bei einer Bauernfamilie im Ort Vals in Pflege. Während seiner Volksschulzeit fiel er bereits durch gewalttätiges und grausames Verhalten auf und fand unter seinen Altersgenossen keinen Anschluss. Im Alter von 15 Jahren folgte die erste Anzeige wegen Diebstahls und eine Unterbringung in einem Jugendfürsorgeheim; in den darauffolgenden Jahren trat er wiederholt strafrechtlich in Erscheinung.

Nach seiner Einberufung 1923 in die italienische Armee zu den Alpini desertierte Zingerle schon nach einem Jahr und flüchtete nach Frankreich, wo er einen fünfjährigen Vertrag in der Fremdenlegion unterzeichnete. 1929 desertierte er auch aus diesem Dienstverhältnis in Nordafrika, wurde jedoch im damaligen Spanisch-Marokko aufgegriffen und nach Italien überstellt, wo ihn ein Gericht wegen Fahnenflucht zu drei Jahren Haft verurteilte. Nach der Entlassung 1932 heiratete er in Pawigl bei Lana und wurde 1934 Vater einer Tochter. Wenig später verließ er seine Familie und ging als Arbeiter nach Abessinien, das Italien 1935 militärisch unterworfen hatte. 1936 kam er jedoch bereits wieder nach Südtirol zurück.

Im Zuge der Option, die auf ein Abkommen zwischen Adolf Hitler und Benito Mussolini zurückging, entschied sich Zingerle für die Auswanderung ins Deutsche Reich; mit Kriegsbeginn wurde er zur Wehrmacht eingezogen, desertierte wiederum, wurde jedoch 1941 von der Gestapo verhaftet und wiederum zum Kriegsdienst eingezogen. 1942 wurde er in Russland schwer verwundet, im September 1944 desertierte er wieder aus dem Spital und flüchtete nach Südtirol. Im April 1945 wurde er gefasst und in Bozen von einem Kriegsgericht wegen Desertion zum Tode verurteilt. Aufgrund des Kriegsendes wurde das Urteil allerdings nicht mehr vollstreckt.

Nach Kriegsende ließ er sich mit Frau und Tochter in Innsbruck nieder und bestritt seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten, Schmuggel und dem Verkauf von Zeitungen. Regelmäßig blieb er tage- oder wochenlang von zu Hause fern; gegenüber seiner Frau begründete er diese Abwesenheiten mit Bergtouren.<ref name=":1">Der Sexualmordprozeß gegen Guido Zingerle. In: Tiroler Tageszeitung. Band 7, Nr. 269. Innsbruck 21. November 1951, S. 5 (onb.ac.at).</ref><ref name=":0" />

Taten

Das erste nachgewiesene Opfer Zingerles war die 20-jährige Lehrerin Gertrud Kutin (eine Schwester von Helmut Kutin) aus Bozen, die er im Mai 1946 bei Glaning entführte, vergewaltigte und unter schweren Steinen begrub, bis sie schließlich nach mehreren Tagen qualvoll starb. Der Leichnam wurde erst im April 1947 gefunden.

Im Juli 1946 vergewaltigte er bei Karneid ein 15-jähriges Mädchen und mauerte es in einer Felsnische ein. Das Mädchen konnte sich jedoch aus eigener Kraft befreien.

Im Juni 1947 zeigten ihn zwei Frauen an, die er mehrere Tage in einer Höhle im Zillertal festgehalten und vergewaltigt hatte; er wurde zu einem Jahr schweren Kerker verurteilt.

Im Juli 1950 vergewaltigte und ermordete Zingerle in der Iss, am Ostabhang des Patscherkofels, die 42-jährige englische Touristin Helen Anne Munro, Tochter des britischen Universitätsrektors John Arthur Ruskin Munro.<ref name=":0">Werner Sabitzer: Gequält, vergewaltigt, eingemauert. In: Kriminalgeschichte. Bundesministerium für Inneres, 2022, abgerufen am 14. April 2026.</ref><ref name=":2">Thomas Hörmann: Ewige Ruhe fern der Heimat: Das fast vergessene Mordopfer von Serientäter Zingerle. In: Tiroler Tageszeitung. 13. August 2025, abgerufen am 14. April 2026.</ref>

Verhaftung und Haft

Im August 1950 wurde Zingerle nach fünfwöchiger Verfolgung der Polizei aus Nord- und Südtirol in einer Almhütte bei Vals (Mühlbach) gestellt. Bereits bei seiner ersten Einvernahme legte er ein Geständnis ab.<ref name=":1" /> Nach Prozessen in Bozen und Innsbruck wurde er zu mehrfach lebenslanger Haft verurteilt. In einem psychiatrischen Gutachten wurde er unter anderem als „gesellschaftsfeindlicher Triebmensch“ bezeichnet.<ref name=":0" />

Am 9. August 1962 starb Zingerle an Leberkrebs im Gefängnis von Turi in der Provinz Bari.

Nachwirkung

Zingerle galt in der Region noch Jahrzehnte nach den Morden als Inbegriff des Bösen, Eltern benutzten vielfach die Erziehungsformel „Wenn du nicht brav bist, holt dich der Zingerle“ gegenüber aufsässigen Kindern.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Brav sein, sonst holt dich der Zingerle“ (Memento vom 14. August 2014 im Internet Archive). stol.it, 27. Oktober 2009</ref><ref>Pia Schorlemmer: „Wenn du nicht brav bist, holt dich der Zingerle“. In: UNIpress. 11. August 2020, abgerufen am 24. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Am Patscherkofel markiert ein Gedenkkreuz den Ort, an dem Helen Munro von Zingerle ermordet wurde.<ref name=":0" /> Ihr Grab am Innsbrucker Westfriedhof wird von Ehrenamtlichen gepflegt.<ref name=":2" />

2010 wurde in Absam das Theaterstück Gemma Zingerle schaugn von Autorin Gertraud Lener uraufgeführt. Das Stück handelt von den letzten Minuten des Mörders in seiner Zelle, in denen er dem Tod begegnet und mit seinen Taten konfrontiert wird.<ref>Das Ungeheuer von Tirol. „Gemma Zingerle schaugn“ beim Theaterverlag CANTUS</ref> 2015 wurde bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs das Theaterstück Fliegende Hitzen, geschrieben von Lorenz Gutmann und Veronika Eberl, uraufgeführt. Mit tiefschwarzem Humor wird die Geschichte des Guido Zingerle neu erzählt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Website der Tiroler Volksschauspiele (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref>

In dem 2018 von Eric Marcus Weglehner gedrehten 40-minütigen Spielfilm Zingerle spielt Roland Silbernagl die Titelrolle.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Website zum Film (Memento vom 5. April 2019 im Internet Archive)</ref>

Literatur

  • Heinrich Schwazer: Der Zingerle: Geschichte eines Frauenmörders. Raetia, Bozen 2002, ISBN 88-7283-181-4.
  • Artur Oberhofer: Die großen Kriminalfälle: Der Frauenmörder Zingerle - Die Geschichte des Ungeheuers von Tirol edition arob, ISBN 978-88-88396-12-5

Einzelnachweise

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