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Aram Radomski

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Datei:DGSchefkeRadomski.jpg
Siegbert Schefke (Mitte) und Aram Radomski (rechts) bei der Verleihung des Preises der Deutschen Gesellschaft e. V. 2019, links Laudator Franz Müntefering

Aram Radomski (* 19. Februar 1963 in Neubrandenburg) ist ein deutscher Fotograf und Designer. Er gehörte zur Opposition in der DDR und war dort politischer Häftling. Bekannt wurde er dadurch, dass er während der Friedlichen Revolution von der entscheidenden Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig gemeinsam mit Siegbert Schefke heimlich Filmaufnahmen machte, die von bundesdeutschen Medien ausgestrahlt wurden und damit auch die Bevölkerung der DDR erreichten.

Leben

Kindheit und Jugend

Aram Radomski verbrachte seine Kindheit in Groß Nemerow am Tollensesee. Als er drei Monate alt war, heirateten seine Eltern. Aram hieß nun Neumann. Seine Großmutter, die SED-nahe Schriftstellerin Margarete Neumann, stammte aus Ostpreußen. Sein Vater, der spätere regimekritische Schriftsteller Gert Neumann, ging 1967 wegen eines Studiums am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ nach Leipzig und wurde hier ansässig.<ref>1999 Gert Neumann. In: Uwe-Johnson-Preis.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Februar 2017; abgerufen am 24. März 2021.</ref> Als dieser 1979 beabsichtigte, sein erstes Buch im bundesdeutschen Fischer-Taschenbuch-Verlag zu veröffentlichen – in der DDR durfte Gert Neumann, der 1969 aus politischen Gründen exmatrikuliert und aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen worden war, nie publizieren – wurde sein minderjähriger Sohn vom Staatssicherheitsdienst verhört. Aram Neumann sollte seinen Vater bespitzeln, was der 15-Jährige ablehnte.<ref>Interview mit Aram Radomski auf jugendopposition.de (Bundeszentrale für politische Bildung / Robert-Havemann-Gesellschaft e. V.), gesichtet am 6. März 2017.</ref>

Nach einer Ausbildung zum Agrotechniker arbeitete Aram Neumann zunächst als Hilfsarbeiter im Krankenhaus von Neubrandenburg, dann in Plauen als Handwerker an der dortigen Fachschule für Ökonomie.<ref name="Kurzbiografie jugendopposition">Aram Radomski Kurzbiografie auf jugendopposition.de, gesichtet am 6. März 2017.</ref><ref name="Junghänel">Frank Junghänel: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />In der Zeitschleife. (Memento vom 1. Juli 2015 im Internet Archive) Siegbert Schefke und Aram Radomski filmten die Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989, in: Berliner Zeitung vom 9. Oktober 2009, gesichtet am 17. August 2010.</ref>

Haft

Im Februar 1983 wurde Neumann bei einer Faschingsveranstaltung in einem Plauener Jugendclub zusammengeschlagen.<ref name="Junghänel" /> Er wusste nicht, dass es sich bei den Schlägern um Stasi-Mitarbeiter handelte, wurde als Täter verhaftet und vom Kreisgericht Plauen wegen staatsfeindlicher Hetze zunächst zu dreizehn, in der Berufungsverhandlung zu sechs Monaten Haft verurteilt.<ref name="Baum 2006">Karl-Heinz Baum: Aram Radomski. In: Ilko-Sascha Kowalczuk & Tom Sello (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition und Widerstand in Biographien und Fotos. Robert-Havemann-Gesellschaft in Verbindung mit der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Berlin 2006, ISBN 3-938857-02-1, S. 380–383, hier S. 380. @1@2Vorlage:Toter Link/web.me.comArtikel im Netz (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2023. Suche im Internet Archive )</ref> Die Verhaftung und das die Tatsachen verdrehende Urteil waren Teil eines Stasi-Zersetzungsplans gegen seinen Vater, den Schriftsteller Gert Neumann, der zum Verlassen der DDR genötigt werden sollte.<ref>Aram Radomski über die Haftumstände auf jugendopposition.de, gesichtet am 6. März 2017.</ref> Im Gefängnis Zeithain traf Aram Neumann dann viele Jugendliche an, die aus politischen Gründen verurteilt worden waren, und er beschloss, gegen das SED-Regime aktiv zu werden. Seine damalige Freundin, eine mongolische Gaststudentin, war während seiner Haftzeit gezwungen worden, die DDR zu verlassen. Er sah sie nie wieder.<ref name="Baum 2006" /><ref name="Junghänel" />

Oppositionelles Engagement

Nach seiner Haftentlassung siedelte Neumann nach Leipzig um. Hier erhielt er einen neuen Personalausweis – allerdings wurde darin sein erster Geburtsname eingetragen: Radomski. Er absolvierte eine zweite Lehre, und zwar als Fotograf. 1984 zog er nach Ost-Berlin und arbeitete als freier Fotograf, stellte Postkarten, Aufkleber und Plakate für Veranstaltungen her und druckte oft, ohne die vorgeschriebene Druckgenehmigung einzuholen.<ref name="Kurzbiografie jugendopposition" /> 1985 begann er hier, im Theater o.N. (Zinnober) mitzuarbeiten.

In der Umwelt-Bibliothek lernte er 1987 Siegbert Schefke kennen, mit dem er die Umweltzerstörung, den Verfall der historischen Städte und den sich formierenden Widerstand in der DDR dokumentierte. Beide stellten ihre Fotos und Video-Reportagen verschiedenen bundesdeutschen Fernsehmagazinen (Kontraste, Kennzeichen D) und Zeitungen zur Verfügung.<ref>Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58357-5, S. 364.</ref> Dies konnte im SED-Staat mit hohen Haftstrafen geahndet werden, zumal der 1983 aus der DDR ausgebürgerte Dissident Roland Jahn die Videoausrüstung nach Ost-Berlin hatte schmuggeln lassen und die Medienkontakte hergestellt hatte.<ref>SUPERillu: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> Schefke und Radomski gaben vor, für kirchliche Einrichtungen tätig zu sein.

Datei:Panasonic M7.jpg
Videokamera Panasonic M7, die für die heimlichen Aufzeichnungen am 9. Oktober 1989 genutzt wurde

Häufig besuchten sie in journalistischer Absicht auch die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche. Am 9. Oktober 1989 lieferte Radomski zusammen mit Siegbert Schefke die ersten Filmaufnahmen von den seit September stattfindenden Montagsdemonstrationen gegen die SED-Diktatur, die am folgenden Tag in den Tagesthemen mit der Schutzbehauptung gezeigt wurden, sie seien von einem italienischen Kamerateam gedreht worden.<ref>Zeitzeuge Aram Radomski über den Herbst 1989 auf jugendopposition.de, gesichtet am 6. März 2017.</ref><ref>Jens Bauszus: Wunder von Leipzig. Die Macht der Fernsehbilder, Focus vom 9. Oktober 2009, gesichtet am 17. August 2010.</ref><ref>Torben Waleczek: Umsturzhelfer? In: Tagesspiegel. 1. Februar 2008 (Online).</ref> Auch die folgenden großen Leipziger Demonstrationen wurden von Radomski und Schefke dokumentiert, was zur weiteren Mobilisierung der mit der SED-Politik unzufriedenen Bevölkerung beitrug.<ref>Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58357-5, S. 403, 420.</ref>

Nach der Friedlichen Revolution

Nach der Friedlichen Revolution war er als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Fernsehsendern und Zeitungen beschäftigt. 1995 absolvierte Radomski eine Ausbildung zum Multimediamanager und war nun als Fotograf und Grafiker für Theaterprojekte tätig. 2002 gründete er die Berlintapete GmbH, als deren Geschäftsführer er bis heute tätig ist.

In Hans-Christoph Blumenbergs Doku-Drama Deutschlandspiel (2000) wurde Radomski von Fabian Busch dargestellt.<ref>Deutschlandspiel in der IMDb, gesichtet am 17. August 2010.</ref>

Auszeichnungen

1991 erhielt Radomski den Siebenpfeiffer-Preis, mit dem journalistisches Engagement für Freiheit und Demokratie, das keine Rücksichten auf berufliche Karriere oder finanzielle Vorteile kennt, gewürdigt wird.<ref>Siebenpfeiffer-Stiftung: Siebenpfeiffer-Preis. Abgerufen am 24. März 2021.</ref> 2004 wurde er mit dem iF communication design award ausgezeichnet und für den Designpreis 2006 der Bundesrepublik Deutschland nominiert.<ref>Berlintapete Profile, gesichtet am 17. August 2010.</ref> Am 26. November 2009 wurde er gemeinsam mit Siegbert Schefke und dem Leipziger Pfarrer Christoph Wonneberger mit dem Bambi in der Kategorie „Stille Helden“ gewürdigt.<ref>Bericht von der Bambi-Verleihung Hollywood-Glanz und Erinnerung an Mauerfall, FAZ vom 27. November 2009, gesichtet am 17. August 2010.</ref> Die Jury erklärte zur Preisverleihung an die Initiatoren der Friedlichen Revolution: „Ihre Aufnahmen gehören zu den wertvollsten Bilddokumentationen der deutschen Geschichte.“<ref>Deutschlandradio Kultur: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>

2014 wurde Radomski zusammen mit Christoph Wonneberger, Siegbert Schefke und Roland Jahn mit dem Leipziger Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien ausgezeichnet.<ref>Preisträger 2014. In: www.leipziger-medienstiftung.de. Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. November 2016; abgerufen am 24. März 2021.</ref>

2019 folgten das Bundesverdienstkreuz<ref>Ordensverleihung „Mut zur Zukunft: Grenzen überwinden“. Abgerufen am 25. November 2019.</ref> und der Preis der Deutschen Gesellschaft e. V. „Stille Helden“ der Friedlichen Revolution.<ref>Preis der Deutschen Gesellschaft e. V. 2019 an »Stille Helden« der Friedlichen Revolution. Abgerufen am 25. November 2019.</ref>

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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