Karl Josef Walter Peter Planyavsky Konstantin Reymaier Ernst Wally
Der Stephansdom in Wien verfügt über vier Orgeln: Die am 4. Oktober 2020 geweihte Riesen-Orgel von Rieger auf der Westempore (Wobei das Prospekt und 42 % der Pfeifen von Kauffmann stammen.<ref name="orf3041077" />), die ebenfalls von Rieger errichteten Instrumente Domorgel (1991) und Haydn-Orgel (2009), sowie eine Truhenorgel (2005) von Jens Steinhoff.
Geschichte
Eine Orgel in St. Stephan wird erstmals urkundlich im Jahre 1334 erwähnt; möglicherweise wurde 1336 eine neue Orgel errichtet. 1371 wurde das betreffende Instrument durch den Organisten und Orgelbauer Peter repariert.
Orgelfuß
Nachdem der Orgelfuß von Meister Anton Pilgram 1513 vollendet worden war, wurde dort eine Orgel aufgestellt; möglicherweise handelte es sich dabei um das 1336 errichtete Instrument. Nach Arbeiten durch Friedrich Pfannmüller (1560) und J. Scherer (1561/1562) baute Hermann Raphael Rodensteen 1566–1567 ein neues Werk.<ref>www.musiklexikon.ac.at: St. Stephan (Wien), abgerufen am 21. März 2015.</ref> Diese Orgel wurde 1797 abgetragen, wobei ihre Register in die neu errichtete Westemporenorgel integriert wurden.<ref>Günter Lade: Orgeln in Wien. Edition Lade, Wien 1990, S. 212.</ref> Eine anlässlich ihrer Demontage angefertigte Notiz „Sie sei über 400 Jahre alt und aufgrund ihres Alters etwas merkwürdig.“ spricht für eine Entstehung dieser Orgel im 14. Jahrhundert.<ref name=":2" />
Füchselbaldachin
Im Jahr 1507 erhielt der Dom eine große Orgel, die auf dem Füchselbaldachin neben der großen Sakristei aufgestellt wurde. Sie stammte aus der Werkstatt des Bozener Meisters Burchhard Tischlinger (Burkhard Dinstlinger) und wurde 1545 durch Jacob Kunigschwerdt aus Zwettl erweitert. Auch diese Orgel wurde 1797 entfernt, wobei ihre Register ebenfalls in der neuen Westemporenorgel weiter verwendet wurden.<ref>Lade 1990, S. 214.</ref>
Chorraum
Auf dem über dem Chorgestühl um 1640 neu errichteten Musikantenchor schuf Ferdinand Josef Römer 1701 eine neue Orgel mit zehn Registern. 1886 erbaute die damals noch in Jägerndorf ansässige Firma Rieger in deren Gehäuse ein neues, 16 Register auf zwei Manualen und Pedal umfassendes Instrument, das beim Einsturz einer Wand sowie von Gewölben infolge des Großbrandes von April 1945 mitsamt dem Musikantenchor zerstört wurde. Nachdem der Dom wiederaufgebaut worden war, errichtete die Wiener Firma Kauffmann eine neue Chororgel<ref>Lade 1990, S. 214.</ref> mit zwölf Registern und sechs Auszügen auf zwei Manualen und Pedal; ihre Traktur war elektrisch ausgeführt. Darüber hinaus verfügte sie über 2 Spieltische, von denen sie wahlweise gespielt werden konnte.<ref>Lade 1990, S. 214.</ref>
Seit der Errichtung der Walcker-Orgel aus dem Jahre 1886 werden die Instrumente auf der Westempore auch Riesenorgel genannt, weil sie oberhalb des Riesentores stehen, einem romanischen Trichterportal.
Römerorgel von 1720
1711 wurde – im Zuge der Barockisierung des Domes zu Beginn des 18. Jahrhunderts – ein Orgelneubau ausgeschrieben, bei dem sich u. a. Ferdinand Josef Römer (1656–1723<ref>Gottfried Allmer, Christian Fastl: Römer Familie. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3046-5.</ref>) aus Wien und Johann David Sieber (ca. 1670–1723<ref>Jiří Sehnal: Sieber, Johann David. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2006, ISBN 3-7001-3067-8.</ref>) aus Brünn beteiligten. Römer, der sich dabei durchsetzen konnte, stellte 1720 das bestellte Instrument fertig, das 32 Register auf zwei Manualen und Pedal umfasste. 1797 wurde es, vermutlich von Ignaz Kober, auf 41 Register erweitert, wobei die dafür notwendigen Pfeifen aus den in diesem Zuge abgetragenen Seitenschiffsorgeln stammten.<ref>Lade 1990, S. 214.</ref>
Neubau durch Walcker (1886)
1886 errichtete der Orgelbauer Friedrich Walcker im Gehäuse der Römerorgel ein neues Instrument mit 90 Registern.<ref>Lade 1990, S. 214.</ref> Dieses bedeutsame und wertvolle Orgelwerk brannte beim Großbrand im April 1945 vollständig ab.<ref>Abbildung 1932, Freeman</ref>
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Auf der Westempore von St. Stephan stand bis 2017 die Monumentalorgel, die in den Jahren von 1956 bis 1960 von dem Wiener Orgelbauer Johann Marcellinus Kauffmann errichtet, bzw. aus angekauften Orgelteilen der Fa. Aug. Laukhuff zusammengebaut wurde. Am 2. Oktober 1960 wurde die Orgel durch Kardinal Franz König gemeinsam mit Kardinal Joseph Frings aus Köln geweiht. Das Instrument hatte 125 Register auf vier Manualen und Pedal mit insgesamt ca. 10.000 Pfeifen; sowie elektrische Kegelladen und einen Freipfeifenprospekt. Sie war damals die größte Orgel, die jemals in Österreich errichtet wurde, und das größte Musikinstrument der Republik. Die den Prospekt tragenden Engel schuf der Osttiroler Bildhauer Josef Troyer.<ref>Franz Falter: Die Opfer des Orgelkrieges bei andreas-unterberger.at; abgerufen am 2. März 2017</ref>
Die Bundesrepublik Deutschland stiftete einen erheblichen Geldbetrag für den Orgelneubau. Die Auftragsvergabe an den Wiener Orgelbauer, der kein vergleichbar großes Orgelwerk zuvor errichtete, war von Anfang an umstritten. Gerüchte von Freunderlwirtschaft tauchten auf; anderen Firmen, die für den Bau solch einer Großorgel geeignet seien, wäre keine reale Chance, den Auftrag zu erhalten, eingeräumt worden.<ref name=":2" />
Nachdem die um 1640 erbaute und für die figurale Kirchenmusik genutzte Empore über dem gotischen Chorgestühl beim Brand von 1945 vernichtet worden war, mussten Chor und Orchester auf die Westempore ausweichen. Deshalb stand nun dort für einen Orgelneubau weniger Platz zur Verfügung. Deshalb platzierte Kauffmann viele Register hinter einem „Schwibbogen“, der die beiden Heidentürme verbindet und der ungehinderten Klangabstrahlung im Wege stand. Die Orgel hatte gut klingende Einzelregister, konnte aber die Kathedrale trotz großer Disposition nicht zufriedenstellend füllen.<ref name=":1">Stephansdom: "Riesenorgel" wird instand gesetzt. 5. April 2017, abgerufen am 30. Mai 2022.</ref> Ihr Klangvolumen sei schon bei der Orgelweihe enttäuschend gewesen.<ref name=":4" /> Ohnehin gilt der Dom mit seinen vielen Netzrippengewölben, den zahlreichen Verzierungen, dem Sandstein und auch wegen seiner Größe als akustisch anspruchsvoller Raum. Auch eine groß besetzte Chor- und Orchesterdarbietung von der Westempore fülle ihn klanglich nicht aus.<ref>Florian Amort, Wien: Kirchenmusik in Wien: Eine Riesenorgel für den Stephansdom. In: FAZ.NET. 24. November 2020, ISSN0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. März 2021]).</ref> Die Kauffmann-Orgel war bei vollbesetzter Kirche beim Gemeindegesang im vorderen Teil des Doms kaum noch zu hören.<ref name=":2">"Eine Riesenorgel für den Stephansdom", Fernsehsendung auf ORF III vom 4. Oktober 2020</ref> Zudem war sie mit minderwertigem Nachkriegsmaterial errichtet worden und galt deshalb von Anfang an als problematisch.<ref>Anton Heiller: Probleme um die neue Orgel des Stephansdomes. In: Österreichische Musikzeitschrift, 15. Jg./Heft 10, Oktober 1960, S. 457f.</ref><ref>Egon Krauss: Die ungenützte Chance. In: Wochen-Presse, Nr. 40, 1. Oktober 1969, S. 25</ref> Wegen der neobarocken Disposition des Instruments waren mit ihm weder symphonische Orgelmusik, wofür Großorgeln an sich prädestiniert sind, noch barocke Werke, da das Instrument über eine dafür schlecht geeignete elektrische Spieltraktur verfügte, darstellbar.
Bis zu ca. 12 m hohe Prospektpfeifen drohten bereits Anfang der 1970er Jahre unter ihrem Eigengewicht einzuknicken und herabzustürzen. 1991 fiel die Orgel während einer Messe infolge eines Kurzschlusses endgültig aus. Als mit der Einweihung der neuen Domorgel 1991 ein neues Instrument zur Verfügung stand, konnte die Kauffmann-Orgel stillgelegt werden. Sie wurde 1998 aus dem Denkmalschutz entlassen, um möglichst viele ihrer Teile in einen Ersatzbau integrieren zu können, anstatt ein Orgelwerk, dessen völlige Unbrauchbarkeit absehbar war, zu erhalten. Eine Umsetzung in einen Dom in Ungarn stand auch zur Debatte.<ref>Ländle-Orgelbauer Rieger restauriert Stephansdom-Orgel. Abgerufen am 4. Oktober 2020.</ref>
Zur sog. „Rettung“ der Riesenorgel formierte sich am 1. Oktober 2010, dem 50. Jahrestag der Weihe dieses Instruments, ein Komitee, das sich aus Verwandten von Johann Marcellinus Kauffmann und einigen prominenten Unterstützern zusammensetzte, die trotz gegenteiliger Argumente hartnäckig den Erhalt desselben propagierten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Komitee "Rettet unsere Riesenorgel" gegründet (Memento vom 5. Dezember 2013 im Internet Archive)</ref> 2014 machte Rieger Orgelbau die Orgel mit großem Aufwand für eine Nacht notdürftig spielbar, um ihren Klang noch einmal zu erproben. Dazu zählten umfangreiche Abdichtungsarbeiten, der Ersatz des bereits verschwundenen Gebläsemotors durch ein Provisorium sowie die Bereitstellung von 50 Feuerlöschern aufgrund der von der altersschwachen Elektrik erwarteten Brandgefahr. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse führten nochmal zu einer erheblichen Umgestaltung des Konzeptes für die schließlich ab 2017 errichtete Orgel.<ref name=":4">"Diagonal zum Thema Orgel – die irre Musikmaschine" (Sendung von Ö1, 21. Mai 2022, 17.30 bis 19.00 h).</ref>
Das heruntergekommene und völlig verschmutzte Instrument, in dem Vogelkadaver verwesten, war bis 2017 weder renoviert noch entfernt worden.<ref name=":2" />Vorlage:Klappleiste/Anfang
Die Nutzung der Kauffmann-Orgel war wegen der umfassenden konstruktiven und technischen Mängel lange Zeit unklar.
In der Karwoche 2017 wurde der Vertrag für einen Neubau einer großen Orgel hinter dem denkmalgeschützten Kauffmann-Prospekt durch Fa. Rieger unterzeichnet. Die Kosten für die Umbauten und Instandsetzungen betragen etwa 3 Millionen Euro; die am 12. April 2017 begonnenen Arbeiten nahmen etwa 50 000 Stunden in Anspruch. Die Orgel sollte ursprünglich am Ostersonntag 2020, dem 75. Jahrestag der Zerstörung des Stephansdomes, wieder eingeweiht werden.<ref>Stephansdom: „Riesenorgel“ wird instand gesetzt. religion.ORF.at vom 5. April 2017, abgerufen am 30. Mai 2022.</ref> Dieser Weihetermin wurde, weil die Arbeiten zur Fertigstellung des Instruments aufgrund der COVID-19-Pandemie vier Wochen vor dem geplanten Weihetermin abgebrochen werden mussten, abgesagt, und am 4. Oktober 2020 nachgeholt.<ref>vorarlberg ORF at red: Riesenorgel im Stephansdom erklingt wieder. 4. Oktober 2020, abgerufen am 4. Oktober 2020.</ref>
Das Instrument hat 130 Register mit 8588 Pfeifen<ref name=":3" />, die auf neuen Windladen stehen, auf fünf Manualwerken und Pedal. Es wurden möglichst viele (etwa 50 %) der Kauffmann-Register wieder eingebaut, jedoch unterscheidet sich die Disposition von jener der Kauffmann-Orgel von 1960. Etwa 5000 Pfeifen wurden neu gebaut, die unbrauchbaren Pfeifen eingeschmolzen oder auf einem Basar zugunsten der Orgel angeboten. Die labilen Kauffmann-Prospektpfeifen erhielten eingelötete Verstärkungsbleche in den Stiefeln und im Bereich der Labien. Die längste Pfeife des Prospektes und der gesamten Orgel ist etwas über 12 m hoch. Die Holzpfeife des C des Principalbass 32′ ist mit etwa 650 kg die schwerste Pfeife der Orgel.<ref name=":2" /> Zu den Besonderheiten zählen ein labiales 32'-Register im Hauptwerk, ein akustisches 64'-Register und nunmehr zwei 32'-Zungenstimmen im Pedal, sowie zwei Harmonika-Register im eigenen Windschweller im Solowerk. Von den insgesamt 104 Manualregistern sind acht Labialstimmen in 16'-Lage, 26 Labialstimmen in 8'-Lage und insgesamt 23 Zungenstimmen.<ref>Informationen zur neuen Disposition der Riesen-Orgel</ref> Neu sind auch die Trompeteria mit vier Horizontaltrompeten-Registern und einem Glockenspiel, sowie der bis zum c4 erweiterte Manualumfang.<ref>Neues KlangKonzept. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. Februar 2020; abgerufen am 19. Februar 2020.Datei:Pictogram voting info.svgInfo: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.domorgel.wien</ref> Weiterhin ist die Anordnung einiger Teilwerke geändert: Haupt- und Solowerk sowie die neue Trompeteria stehen nun vor dem die Orgelempore überspannendem Schwibbogen, können dadurch ungehindert in den Dom abstrahlen<ref>Die neue Wiener Domorgel. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. Februar 2020; abgerufen am 19. Februar 2020.Datei:Pictogram voting info.svgInfo: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.domorgel.wien</ref> und sorgen nun für genug Klangvolumen. Die Orgel ist etwa 14 m breit, 20 m hoch und 8 bis 9 m tief. Bei vollem Spiel braucht sie etwa 130 m³ Wind pro Minute.<ref name=":4" /> Teile der Orgel bekamen weiterhin ein (aus dem Kirchenraum nicht sichtbares) Gehäuse, um den Klang zu bündeln und Verschmutzungen zu verringern.<ref name=":1" /> Das große Fenster hinter der Orgel wurde doppelt verglast, um Verstimmungen im Winter sowie bei Sonneneinstrahlung abends im Sommer zu reduzieren. Die Riesen-Orgel und die Chororgel sind von zwei jeweils fünfmanualigen Generalspieltischen aus spielbar. Der erste Spieltisch befindet sich bei der Domorgel im südlichen Seitenschiff. Ein neuer zweiter Spieltisch, der direkt bei der Riesenorgel auf der Westempore steht, wurde am 27. Mai 2024 aufgestellt, er ist 930 kg schwer.<ref>Ein spektakulärer Transport. In: Der Dom. Mitteilungsblatt des Wiener Domvereins. ZDB-ID 1054178-0. Heft 1/2024, S. 5.</ref> Der alte, viermanualige Kauffmann-Spieltisch ist im Technischen Museum Wien eingelagert worden.<ref name=":2" />
I Hauptwerk C–c4
01.
Prinzipal (Prospekt<ref>Die neue Domorgel! | radio klassik. Abgerufen am 20. Oktober 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>)
32′
02.
Prinzipal
16′
03.
Bourdon
16′
04.
Prinzipal Nr. 1
08′
05.
Prinzipal Nr. 2
08′
06.
Doppelflöte
08′
07.
Gedeckt
08′
08.
Viola
08′
09.
Quinte
051⁄3′
10.
Oktave
04′
11.
Offenflöte
04′
12.
Gemshorn
04′
13.
Terz
031⁄5′
14.
Quinte
022⁄3′
15.
Oktave
02′
16.
Mixtur major IV00
022⁄3′
17.
Mixtur minor IV
011⁄3′
18.
Cornett V
08′
19.
Posaune
16′
20.
Trompete
08′
21.
Trompette
08′
22.
Klarine
04′
II Positiv<ref group="A" name="Ev">Evangelienseite.</ref> C–c4 (schwellbar)
23.
Kontrabass
16′
24.
Aeoline
16′
25.
Suavial
08′
26.
Gedeckt
08′
27.
Gambe
08′
28.
Vox coelestis
08′
29.
Aeoline
08′
30.
Blockflöte
04′
31.
Fugara
04′
32.
Nasard
022⁄3′
33.
Flöte
02′
34.
Septime
011⁄7′
35.
Harmonia aetheria IV-V
02′
36.
Klarinette
08′
37.
Rohrschalmei
08′
Tremulant
II Rückpositiv C–c4
38.
Prinzipal
08′
39.
Bourdon
08′
40.
Quintatön
08′
41.
Prinzipal
04′
42.
Nachthorn
04′
43.
Nasard
022⁄3′
44.
Doublette
02′
45.
Tierce
013⁄5′
46.
Larigot
011⁄3′
47.
Sifflöte
01′
48.
Scharff IV-III 00000
01′
49.
Cromorne
08′
Tremulant
III Schwellwerk C–c4
50.
Quintatön
16′
51.
Viola
16′
52.
Diapason
08′
53.
Flute harmonique
08′
54.
Bourdon
08′
55.
Bourdon celeste
08′
56.
Violoncelle
08′
57.
Voix celeste
08′
58.
Octave
04′
59.
Flûte traversière
04′
60.
Salicet
04′
61.
Nazard harmonique
022⁄3′
62.
Flute octaviante
02′
63.
Tierce harmonique
013⁄5′
64.
Fourniture V
022⁄3′
65.
Cymbale III
02⁄3′
66.
Cornet V
08′
67.
Bombarde
16′
68.
Trompette harmonique
08′
69.
Basson-Hautbois
08′
70.
Voix humaine
08′
71.
Clairon harmonique 00
04′
Tremblant
IV Positiv<ref group="A" name="EP">Epistelseite.</ref> C–c4 (schwellbar)
72.
Bourdon
16′
73.
Salicional
16′
74.
Prinzipal
08′
75.
Wienerflöte
08′
76.
Gemshorn
08′
77.
Unda maris
08′
78.
Quinte
051⁄3′
79.
Prestant
04′
80.
Flauto amabile 00
04′
81.
Terz
031⁄5′
82.
Nasard
022⁄3′
83.
Septime
022⁄7′
84.
Oktave
02′
85.
None
017⁄9′
86.
Mixtur IV
02′
87.
Fagott
16′
88.
Trompete00
08′
89.
Cor anglais
08′
Tremulant
V Solowerk C–c4 (schwellbar)
90.
Gambe
08′
91.
Gambe céleste
08′
92.
Flûte harmonique 0
08′
93.
Flûte harmonique
04′
94.
French horn<ref group="A" name="HD">Hochdruck-Register.</ref>
Aufgrund der seit den 1960er Jahren bestehenden unbefriedigenden Orgelsituation<ref>Walter Sengstschmid: „…einer Orgel, die geeignet ist, ihre liturgischen und künstlerischen Aufgaben entsprechend der Bedeutung der Domkirche zu erfüllen…“. Die Entstehung der neuen Domorgel. In: Orgelmusikverein St. Stephan (Hrsg.): Domorgel St. Stephan Wien. Festschrift zur Orgelweihe am 13. September 1991. Wien 1991, S. 19f.</ref> wurde die Orgelbaufirma Rieger mit dem Bau einer neuen Domorgel beauftragt.<ref>Sengstschmid 1991, S. 19.</ref> Das neue Instrument wurde ebenerdig an der Wand des südlichen Seitenschiffes nahe der Vierung situiert, um, neben solistischem Spiel, sowohl die Führung des Gemeindegesangs als auch das Zusammenwirken mit der Dommusik zu ermöglichen. Die Orgel wurde von April bis August 1991 aufgebaut und am 13. September 1991 von Hans Hermann Groërgeweiht.<ref>Sengstschmid 1991, S. 23.</ref> Sie kostete 13 Millionen Schilling.<ref name=":2" />
Das Instrument hat 55 Register mit 4028 Pfeifen auf vier Manualen und Pedal. Um den vielfältigen liturgischen Aufgaben einer Metropolitankirche wie auch konzertanten Ansprüchen gerecht zu werden, wurde der Synthesegedanke der elsässischen Orgelreform – die Gliederung in Hauptwerk, Positiv und Schwellwerk<ref>Roman Summereder: Aufbruch der Klänge. Materialien, Bilder, Dokumente zu Orgelreform und Orgelkultur im 20. Jahrhundert. Edition Helbling, Innsbruck 1995, ISBN 3-900590-55-9, S. 22.</ref> – zur Leitlinie der Disposition gemacht.<ref>Roman Summereder: Aufbruch der Klänge. Materialien, Bilder, Dokumente zu Orgelreform und Orgelkultur im 20. Jahrhundert. Edition Helbling, Innsbruck 1995, ISBN 3-900590-55-9, S. 318.</ref> Dem Schwellwerk kommt im Klangkonzept der Domorgel besondere Bedeutung zu, da es nicht nur zur Darstellung der französisch-romantischen Literatur einsetzbar ist, sondern auch der Wiedergabe der deutschen Romantik und des englischen Kathedralstils dient. Es ist das am höchsten angeordnete Teilwerk und befindet sich etwa 8 m über dem Spieltisch.<ref name=":2" /> Das Positiv, das aufgrund der räumlichen Gegebenheiten in das Hauptgehäuse integriert ist, bildet einerseits das klangliche Gegenüber zum Hauptwerk, andererseits ist es dem Continuospiel wie der Begleitung in leiser Dynamik zugedacht. Das Solowerk ist weniger im Sinne eines hochromantischen Hochdruckwerks oder französischen Bombardwerks zu verstehen, sondern zielt hauptsächlich auf eine Verwendung als Cantus-firmus-Werk, um vor allem im Gemeindegesang die Melodiestimme deutlich hervorheben zu können.<ref>Peter Planyavsky: Schritte zum Klangkonzept. In: Orgelmusikverein St. Stephan (Hrsg.): Domorgel St. Stephan Wien. Festschrift zur Orgelweihe am 13. September 1991. Wien 1991, S. 14ff.</ref>
Im Zuge des Neubaus der „Riesenorgel“ erhielt die Domorgel eine elektrische Einrichtung, mit der sie zusätzlich von den neuen Spieltischen aus gespielt werden kann. Dabei wurde das Instrument überholt, Verschleißteile erneuert sowie eine Reinigung und Intonation vorgenommen.<ref name=":2" />
Im Haydn-Jahr 2009 errichtete die Orgelbaufirma Rieger eine Orgel mit zwölf Registern auf zwei Manualen und Pedal. Im Gedenken an Franz Joseph Haydn und an dessen Brüder Johann Michael und Johann Evangelist, die am Stephansdom eine zehnjährige Ausbildung genossen haben, wird das Instrument als Haydn-Orgel bezeichnet. Die äußere Erscheinung der Orgel ist an das Design der Domorgel angelehnt.
Das Instrument hat im Dom keinen festen Standort, sondern lässt sich mit seinen 1.600 Kilogramm mittels eines integrierten elektrischen Hubstaplers (sog. Ameise) im gesamten Kirchenraum frei bewegen. Diese Mobilität wurde zum einen mit Blick auf den Einsatz bei Gottesdiensten an den verschiedenen Seitenaltären konzipiert, wodurch auf weitere (fest installierte) Kleinorgeln verzichtet werden kann, und außerdem mit Blick auf den Einsatz bei Konzerten im Dom; zu diesem Zweck ist das Instrument mit moderner Tonübertragungstechnik ausgestattet, die es ermöglicht, die Signale der Mikrophone in der Orgel im Regieraum von Radio Stephansdom zu empfangen und an das Mischpult weiterzuleiten.
Diese 2005 gebaute Orgel stammt vom deutschen Orgelbauer Jens Steinhoff (Schwörstadt). Sie hat ein Manual (C bis g3) mit 5 Registern und kann auf die Stimmtonhöhen a1 = 415 Hz / 440 Hz / 465 Hz eingestellt werden.<ref>Truhenorgel – Wiener Dommusik. Abgerufen am 21. Februar 2021.</ref>
Egon Krauss: Zur Kaufmannorgel im Wiener Stephansdom: Die ungenützte Chance. In: Wochen-Presse. Nr.40, 1. Oktober 1969, S.25.
Peter Planyavsky: Schritte zum Klangkonzept der neuen Orgel im Wiener Stephansdom. In: Österreichisches Orgelforum. 1991, S.219–228.
Konstantin Reymaier (Hrsg.): Die Riesenorgel im Wiener Stephansdom. Schnell & Steiner, Regensburg 2020, ISBN 978-3-7954-3484-7.
Einzelnachweise
<references responsive>
<ref name="orf3041077">
Weihe von Riesenorgel abgesagt. In: ORF.at. 26. März 2020, abgerufen am 26. März 2020.
</ref>
</references>