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Dachpappe

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Datei:Hard rain on a roof.jpg
Dachpappe
Datei:Dachpappen Produktionsmaschine von 1899.png
Produktionsmaschine für Dachpappen von 1899<ref>Georg Lunge: Die Industrie des Steinkohlentheers und Ammoniaks Bände 1 – 2. F. Vieweg und Sohn, Braunschweig 1899, S. 279 (google.de).</ref>

Dachpappe (auch Teerpappe) war eine mit Bitumen getränkte Pappe, die als Dachabdichtung und Feuchtigkeitssperre in Bauwerken diente. Ihre Erfindung liegt 240 Jahre zurück und heute wird keine Pappe mehr in Bitumenbahnen verwendet. Oft wurde in die Bitumenbahnen Sand, feiner Kies oder Schiefersplitt eingewalzt, um eine höhere Abriebfestigkeit und UV-Resistenz zu erreichen und die Erhitzung durch Sonneneinstrahlung zu begrenzen.

Dachbahnen können als alleinige oder als zusätzliche Dachhaut (Unterdeckung) verwendet werden, etwa unter Dachziegeln oder Schieferdeckungen.

Geschichte und Erfindung

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Datei:Verlegetechnik für Dachpappe Schindeln von Salomo Sachs 1837.png
Verlegetechnik für Dachpappe Schindeln (b) unter sechseckigen Fliesen (c) Fig. 8

Die Dachpappe, auch Asphaltpappe oder Steinpappe, wurde schon 1785 in Schweden vom königlichen Admiralitätsarzt Arvid Faxe (1733–1793) aus Karlskrona erfunden. Faxe hatte eine Masse mit Pappe entwickelt, aber deren Zutaten geheim gehalten. Um diese für die Dacheindeckung besser zu vermarkten, nannte er sie nicht mehr Steinpapier, sondern künstlichen Schiefer.<ref>David Gilly, Daniel Gottlieb Friderici: Handbuch der Land-Bau-Kunst vorzüglich in Rücksicht auf die Konstruktion der Wohn- und Wirthschaftsgebäude für angehende Kameral-Baumeister und Oekonomen. Teil 2. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 325 (google.de).</ref> Im Jahr 1791 erfand Michael Kag in Mühldorf am Inn seine Dachpappe, wobei Kag die Pappe in Ölfirnis tränkte und dann Staubmehl aufbrachte. Später erkannte er, dass Produkte mit Steinkohlenteer viel günstiger zu produzieren waren.<ref>Georg Lunge: Die Industrie des Steinkohlentheers und Ammoniaks Bände 1 – 2. F. Vieweg und Sohn, Braunschweig 1899, S. 274 (google.de).</ref>

Der preußische Architekt David Gilly (1748–1808), beschrieb in seinem Werk von 1805 Handbuch der Land-Bau-Kunst die Entwicklung der Bedachungen aus Varianten mit Pappe.<ref>David Gilly, Daniel Gottlieb Friderici: Handbuch der Land-Bau-Kunst vorzüglich in Rücksicht auf die Konstruktion der Wohn- und Wirthschaftsgebäude für angehende Kameral-Baumeister und Oekonomen. Teil 2 - Abschnitt Von Bedeckung der Dächern. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 325 ff. (google.de).</ref>

  • 1792 in Breslau, Steinpappe von Ober-Landschafts-Rendant F. Herzberg.<ref>David Gilly, Daniel Gottlieb Friderici: Handbuch der Land-Bau-Kunst vorzüglich in Rücksicht auf die Konstruktion der Wohn- und Wirthschaftsgebäude für angehende Kameral-Baumeister und Oekonomen. Teil 2 Verlag= Vieweg. Braunschweig 1805, S. 334 (google.de).</ref>
  • 1797 in Frankreich, Künstlicher Schiefer von Gardeur.<ref name="gabeur">David Gilly, Daniel Gottlieb Friderici: Handbuch der Land-Bau-Kunst vorzüglich in Rücksicht auf die Konstruktion der Wohn- und Wirthschaftsgebäude für angehende Kameral-Baumeister und Oekonomen. Teil 2. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 333 (google.de).</ref>
  • Steinpappe von Letzikowsky aus Thorn<ref>David Gilly, Daniel Gottlieb Friderici: Handbuch der Land-Bau-Kunst vorzüglich in Rücksicht auf die Konstruktion der Wohn- und Wirthschaftsgebäude für angehende Kameral-Baumeister und Oekonomen. Teil 2. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 344 (google.de).</ref>
  • Wilhelm August Lampadius (1772–1842) setzte als erster Teer für die Erzeugung von Dachpappe ein

Im Jahr 1837 erfand der jüdisch-preußische Regierungsbauinspektor Salomo Sachs die Dacheindeckung aus Papier, Pech und Teer und beschrieb in seiner Abhandlung, Anweisung zur Anfertigung einer neuen völlig feuerfesten und absolut wasserdichten Dachdeckung für ganz flache Dächer (Altane), die Herstellung, Handhabung und Vorteile gegenüber den Lehmdächern von Dorn. Darin beschrieb Sachs erstmals die geteerte Dachpappe und kann demzufolge wohl als deren preußischer Erfinder betrachtet werden.<ref>Salomo Sachs: Anweisung zur Anfertigung einer neuen völlig feuerfesten und absolut wasserdichten Dachdeckung für ganz flache Dächer (Altane). Förstner, Berlin 1837, S. 22 (google.de).</ref> Wenige Jahre später wurde die Methode vom Neustrelitzer Architekten Friedrich Wilhelm Buttel, einem Mitarbeiter von Schinkel, wieder aufgegriffen, verbessert und 1841 veröffentlicht.<ref>Friedrich Wilhelm Buttel: Practische Erfahrungen über Dornsche Dächer nebst ausführlicher Beschreibung, Kostenberechnung und Zeichnung solcher Constructionen, welche denselben größere Dauer und Dichtigkeit geben, und einem Anhange: über die Anwendung der flachen Dächer bei ökonomischen Gebäuden. Barnewitz, 1841, abgerufen am 24. Januar 2025.</ref>

Historische Bestandteile und Rezepturen

Datei:Steinpapier Erfindung 1785 von Arvid Faxe (1733–1793).png
Steinpapier – Dachpappe Erfindung 1785 von Arvid Faxe (1733–1793)
  • Gardeur (Frankreich) – gestoßene Pappe, fasrige Anteile von Pflanzen, wie der Sonnenblume und großer Nesseln, Hammerschlag (Eisenoxid), tränken der Pappe in Oel (huile siccative).<ref name="gabeur" />
  • Faxe (Schweden) – Bestandteile nach chemischen Analysen von Sorrius, zwei Teile Kalk, eisenhaltige Erde, Naturoel, zwei Teile Papiermasse.<ref>David Gilly, Daniel Gottlieb Friderici: Handbuch der Land-Bau-Kunst vorzüglich in Rücksicht auf die Konstruktion der Wohn- und Wirthschaftsgebäude für angehende Kameral-Baumeister und Oekonomen. Teil 2 - Abschnitt Von Bedeckung der Dächern. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 328 (google.de).</ref>
    • Bestandteile nach Analysen vom Russisch-kaiserlichen Hofrat Johann Gottlieb Georgi – naturelle, zartwollige Substanzen, Knochenleim, Papier (Zeug bei den Papiermachern genannt), Naturoele für die Festigkeit, wie Leinoel. Roter Ton (Bolus), weißer Ton, weiße Kreide, Eisenvitriol, Tischlerleim<ref>David Gilly, Daniel Gottlieb Friderici: Handbuch der Land-Bau-Kunst vorzüglich in Rücksicht auf die Konstruktion der Wohn- und Wirthschaftsgebäude für angehende Kameral-Baumeister und Oekonomen. Teil 2 - Abschnitt Von Bedeckung der Dächern. ieweg, Braunschweig 1805, S. 327 (google.de).</ref>

Begriffserklärung

Dachpappe ist ein umgangssprachlicher Oberbegriff für zwei Ausführungen von Dichtungsbahnen:

Alternativ zu Bitumenbahnen werden heute auch verschweißte PVC- und verklebte EPDM-Dichtungsbahnen verwendet.

Verwendung

Datei:DachpappeVerschweißen.JPG
Verlegung von Schweißbahnen

Dachpappe wird quer zur Dachneigung und an den Längs- und Querstößen überlappend verlegt und mit Dachpappennägeln oder Heftklammern auf der Dachschalung befestigt.

Schindelförmig formgestanzte Dachbahn-Streifen ergeben ein attraktiveres Erscheinungsbild als unstrukturierte Dachbahnen und können auch auf gewölbten Dächern eingesetzt werden. Als Preolitschindeln wurden sie in der DDR bezeichnet.

Materialien

Dachpappe enthält gewöhnlich eine Einlage aus Glasfaser-, Polyester- oder Jutegewebe.

Teerdachpappe wurde bis in die frühen 1970er Jahre verwendet und in Steinkohlenteer getränkt. Steinkohlenteer gilt auf Grund seiner Inhaltsstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (z. B. Naphthalin, Anthracen oder Benzo(a)pyren) als krebserregend. Deshalb und wegen der ökologischen Belastung wird Steinkohlenteer seit Jahrzehnten nicht mehr in Dachpappen eingesetzt und ist verboten; Teerdachbahnen werden in Europa nicht mehr hergestellt.

Seit Anfang der 1970er Jahre wird stattdessen Bitumen bzw. Polymerbitumen verwendet und Dachbahnen sind völlig frei von Teer. Bei der Herstellung von Bitumen-Dachbahnen werden jedoch leichtere Kohlenwasserstoffe mit bis zu 20 Kohlenstoff-Atomen emittiert.<ref>Karl Bergmann, Walter Pieczonka, Werner Schneider: Kohlenwasserstoff-Emissionen bei der Herstellung von Bitumen-Dachbahnen. Staub – Reinhalt. Luft, 49 (1989) Nr. 1, S. 25–28.</ref>

Um eine Durchwurzelung zu verhindern, werden Dachpappen zur Verwendung unter begrünten Dächern chemisch ausgerüstet. Dazu wird z. B. das Unkrautbekämpfungsmittel Mecoprop eingesetzt.<ref name=":0">Burkhardt, Michael: Informationen über chemische Durchwurzelungsschutzmittel in Bitumenbahnen - Stand 2017. In: www.umtec.ch. HSR Hochschule für Technik Rapperswil, Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik (UMTEC), Michael Burkhardt, 1. November 2017, abgerufen am 19. Januar 2022.</ref> Mecoprop wird in Grund- und Oberflächengewässern nachgewiesen und gilt dort als problematischer Stoff.<ref name=":0" /><ref>Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser: Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser Bericht zur Grundwasserbeschaffenheit – Pflanzenschutzmittel – Berichtszeitraum 2013 bis 2016. LAWA, 4. April 2019, abgerufen am 19. Januar 2022.</ref>

Entsorgung

Datei:Roofing felt.jpg
Entfernen von Dachpappe

Auch heute findet man noch weltweit Dächer alter Industriegebäude oder Lagerhallen, die mit teergetränkten Dachbahnen überzogen sind. Auf Grund der verschiedenen, teils giftigen Stoffe ist bitumenhaltige, aber vor allem teerhaltige Dachpappe ein Sonderabfall und erfordert eine fachgerechte Entsorgung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Entsorgung von Dachpappe (Memento vom 22. November 2013 im Internet Archive)</ref>

Literatur

  • A. L. Crelle, Engel: Dächer mit Papier bedeckt. Von dem Kaiserlich - Russischen Bau -Intendanten, Herrn Engel, zu Helsingfors. In: Journal für die Baukunst in zwanglosen Heften. Band 7. Reimer, Berlin 1834, S. 73–88 (google.de).
  • Fr. Buttel: Praktische Erfahrungen über Dornsche Dächer nebst ausführlicher Beschreibung, Kostenberechnung und Zeichnung solcher Constructionen, welche denselben größere Dauer und Dichtigkeit geben, und einem Anhange: über die flachen Dächer bei ökonomischen Gebäuden. Barnewitz, Neubrandenburg 1841. (Digitalisat auf digitale-bibliothek-mv.de, abgerufen am 14. September 2025)
  • Fr. Buttel: Practische Erfahrungen über Dornsche Dächer nebst ausführlicher Beschreibung, Kostenberechnung und Zeichnung solcher Constructionen, welche denselben größere Dauer und Dichtigkeit geben und einem Anhange: über die Anwendung der flachen Dächer bei ökonomischen Gebäuden. H. 2. Über die Anwendung der flachen Dächer bei ökonomischen Gebäuden; enthaltend: den Bau der flachen Theerdächer in Verbindung mit Leinwand oder Löschpapier, nach den neusten Erfahrungen und unter Benutzung verbesserter Constructionen. Barnewitz, Neubrandenburg 1842.
  • E. Luhmann, R. Eßlinger: Die Fabrikation der Dachpappe und der Anstrichmasse für Pappdächer. 3. Auflage. Hartleben, Wien 1929 (Chemisch-technische Bibliothek. Band 106).
  • Bernd Binné u. a.: Technische Regeln für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit Polymerbitumen- und Bitumenbahnen, abc der Bitumenbahnen, 3., überarbeitete Auflage, vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen, Frankfurt am Main 2002, ISBN 978-3-9801831-4-7.
  • Ludwig Friedrich Wolfram: Handbuch für Baumeister Baumateriallehre · Band 5 – VI. Steinpappe §. 96. Hofbuchhandlung, Rudolstadt 1821, S. 228–231 (google.de).

Weblinks

Wiktionary: Dachpappe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />