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Germanocolusit

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Germanocolusit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1991-044<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Gclu<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel
  • Cu13VGe3S16<ref name="IMA-Liste" />
  • Cu136V(Ge,As)3S16<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/C.10-047

2.CB.30
03.01.01.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol hexakistetraedrisch; 43m
Raumgruppe P43n (Nr. 218)Vorlage:Raumgruppe/218<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 10,57 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5<ref name="Lapis" /> (VHN40 = 280–370, durchschnittlich 330<ref name="Handbookofmineralogy" />)
Dichte (g/cm3) berechnet: 4,55<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit fehlt<ref name="Lapis" />
Farbe gelblichgrau, grünlichgelb, olivgelb, bronzefarben<ref name="Handbookofmineralogy" /><ref name="Lapis" />
Strichfarbe schwarz<ref name="Lapis" />
Transparenz undurchsichtig (opak)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Metallglanz<ref name="Lapis" />

Germanocolusit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Cu13VGe3S16<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Kupfer-Vanadium-Germanium-Sulfid.

Germanocolusit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form einzelner Körner und Aggregate bis etwa 100 μm Größe entdeckt werden. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den gelblichgrauen, grünlichgelben, olivgelben oder bronzefarbenen Kornoberflächen einen metallischen Glanz. Seine Strichfarbe ist dagegen schwarz.

Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde Germanocolusit zuerst in einer Kupferlagerstätte nahe dem Ort Urup in der autonomen Republik Karatschai-Tscherkessien in der Russischen Föderation und in der Goldlagerstätte Maikain nahe Bajanauyl (englisch Bayanaul) im Gebiet Pawlodar (englisch Pavlodar) in Kasachstan. Als weitere Fundorte werden noch Tsumeb in Namibia und Chelopech in Bulgarien erwähnt.<ref name="JamborGrew" /> Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch E. M. Spiridonow, W. M. Katschalowskaja, W. W. Kowatschew und L. Ja. Krapiwa ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), wiss. Transliteration {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), die das Mineral nach dem enthaltenen Germanium und seiner chemischen Verwandtschaft zum Mineral Colusit benannten.

Das Mineralogenteam um Spiridonow reichte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1991 zur Prüfung bei der International Mineralogical Association ein (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1991-044<ref name="IMA-Liste" />), die den Germanocolusit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung folgte ein Jahr später im russischen Fachmagazin Vestnik Moskovskogo Universiteta, Geologiya und wurde 1994 mit der Publikation der New Mineral Names im englischsprachigen Fachmagazin American Mineralogist nochmals bestätigt.

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Staatlichen Bergbau-Universität Sankt Petersburg (ehemals Staatliches Bergbauinstitut) in Sankt Petersburg unter der Katalog-Nr. 2050/1–2 und im Mineralogischen Museum, benannt nach A. J. Fersman der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" /> Im Fersman-Museum, das als Aufbewahrungsort auch im IMA-Typmineralkatalog bestätigt wird, soll sich das Typmaterial aus der Typlokalität Urup befinden.<ref name="IMA-Typmineralkatalog" />

Klassifikation

Da der Germanocolusit erst 1991 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet. Einzig im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/C.10-47. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit [dem Stoffmengenverhältnis] Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Germanocolusit zusammen mit Colusit, Germanit, Maikainit, Morozeviczit, Nekrasovit, Ovamboit, Polkovicit, Renierit, Stibiocolusit, Sulvanit und Vinciennit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet (Stand 2018).<ref name="Lapis" />

Die seit 2001 gültige und von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Germanocolusit in die neu definierte Abteilung der „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Zink (Zn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Silber (Ag) usw.“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Colusit, Germanit, Maikainit, Nekrasovit, Ovamboit und Stibiocolusit die „Germanitgruppe“ mit der System-Nr. 2.CB.30 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Germanocolusit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“, dort allerdings in die Abteilung der „Sulfosalze“ ein. Hier ist er zusammen mit Colusit, Nekrasovit und Stibiocolusit in der „Colusitgruppe (Isometrisch: P43nVorlage:Raumgruppe/218) mit Cu und V“ mit der System-Nr. 03.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis z/y > 4 und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ zu finden.

Kristallstruktur

Germanocolusit kristallisiert in der kubischen Raumgruppe P43n (Raumgruppen-Nr. 218)Vorlage:Raumgruppe/218 mit dem Gitterparameter a = 10,57 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Germanocolusit bildet sich unter hydrothermalen Bedingungen in germaniumreichen, polymetallischen Lagerstätten. Als Begleitminerale können unter anderem Bornit, Chalkopyrit, Chalkosin, Enargit, Galenit, Gallit, Germanit, Mawsonit, Pyrit, Renierit und Tennantit auftreten.

Von dem sehr selten vorkommenden Mineral sind bisher nur sechs Fundorte (Stand Januar 2021) dokumentiert.<ref name="Mindat-Anzahl" /> Neben seinen Typlokalitäten Urup in der Republik Karatschai-Tscherkessien und Maikain in Kasachstan fand man Germanocolusit noch in der ebenfalls erwähnten Tsumeb Mine in Namibia, in einem Bergwerk bei Kipushi mit Cu-Zn-Pb-Vererzungen in der Demokratischen Republik Kongo, in der Cu-Ni-Lagerstätte Baikal im Yoko-Dovyrensky-Massiv in der Region Transbaikalien im Fernen Osten Russlands und in der Merelani-Tansanit-Mine in den gleichnamigen Bergen der Lelatema Mountains im Distrikt Simanjiro (Manyara) in Tansania. Der in der Erstbeschreibung erwähnte Fundort Chelopech in Bulgarien wird allerdings in den Fundort-Datenbanken nicht bestätigt.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

  • Germanocolusit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Germanocolusite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • David Barthelmy: Germanocolusite Mineral Data. In: webmineral.com. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Germanocolusit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 13. Januar 2021. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmineralkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – G. (PDF 77 kB) In: docs.wixstatic.com. Commission on Museums (IMA), 12. Dezember 2018, abgerufen am 13. Januar 2021. </ref> <ref name="JamborGrew"> </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Germanocolusite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 13. Januar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> </references>