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Saasen (Reiskirchen)

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Saasen
Gemeinde Reiskirchen
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1151)&title=Saasen 50° 36′ N, 8° 53′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1151) 50° 35′ 44″ N, 8° 52′ 52″ O
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Höhe: 232 (229–252) m ü. NHN
Fläche: 7,37 km²<ref name="DF" />
Einwohner: 1151 (31. Dez. 2019) HW+NW<ref name="DF">Haushaltsplan 2021. (PDF; 12 MB) In: Webauftritt. Gemeinde Reiskirchen, S. 15 (Vorbemerkungen), abgerufen im März 2022.</ref>
Bevölkerungsdichte: 156 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35447
Vorwahl: 06401

Saasen ist ein Ortsteil der Gemeinde Reiskirchen im mittelhessischen Landkreis Gießen. Zur Ortschaft gehören die Weiler Bollnbach<ref>Bollnbach, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref> und Veitsberg<ref>Veitsberg, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 9. Februar 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref> sowie der Wirberg, eine ehemalige Burg.

Geographische Lage

Saasen liegt in Mittelhessen 3,4 km östlich des Reiskirchener Hauptortes zwischen den Ortsteilen Lindenstruth im Westen sowie Bollnbach und dem Grünberger Ortsteil Göbelnrod im Osten. Es befindet sich im Südteil des Naturraums Lumda-Plateau am Lahn-Zufluss Wieseck; während die Kilometrierung des Fließgewässers nahe der Nachbarortschaft Göbelnrod endet, befindet sich beim Nordrand von Saasen die gefasste Wieseckquelle.

Ortsgeschichte

Datei:Saasen Alte Schule.jpg
Saasen Alte Schule
Datei:Saasen Evangelische Kirche .jpg
Saasen Evangelische Kirche

Mittelalter

Die Ersterwähnung des Dorfs erfolgte in einem Kopiar zwischen 1111 und 1137: „predium quod domnus Mathfridus habuit in Quecbrunnen et in Saasen“.<ref name="lagis" /> In dem genannten Zeitraum erwarb der Erzbischof von Mainz Adalbert I. von Saarbrücken von dem domnus Mathfridus Eigengut in Queckborn und Saasen.<ref>Manfred Stimmig: Mainzer Urkundenbuch. Band 1 (bis 1137). Darmstadt 1932. Nr. 616, S. 537.</ref> Adalbert I. war Kanzler des römisch-deutschen Kaisers Heinrich V.

Die folgenden Nennungen des Ortes beziehen sich auf Mitglieder einer Familie von Saasen, welche den Ortsadel darstellte. 1249 wird „Henricus fon den Saasen“ in einer Urkunde erwähnt.<ref>Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. (AUB). Darmstadt 1851. Nr. 55, S. 39.</ref> Zwei Jahre später finden sich „Petrus et Henricus de Sahsen“.<ref>Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1285, S. 866.</ref> Eine Urkunde von 1279 nennt die Brüder „Volkenandus, Heinricus et VVlpertrus fratres dicti de Saasen“.<ref>Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Nr. 363, S. 271.</ref> Eine weitere Urkunde von 1379 kennt: „Clas von Fulpracht von den Sayssin“.<ref>udwig Baur: Hessische Urkunden. Band 1. Nr. 1118, S. 745.</ref> Der Ortsnamen wird als „Siedlung der (Nieder) Sachsen“ gedeutet. Dabei bezieht man sich auf das althochdeutsche Wort „Sahso“ für Sachse.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 321 f.</ref> Eine Wüstung gleichen Namens findet sich bei Lich.

Die Evangelische Kirche auf dem Veitsberg wurde im 13. Jahrhundert als romanische Saalkirche erbaut und diente als Send- und Pfarrkirche. In Saasen selbst existierte nur für etwa 100 Jahre eine Kapelle, die etwa 1525 errichtet und im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Die Veitsberger Mutterkirche erhielt 1751 einen neuen Ostteil und wurde 1965 durch einen südlichen Queranbau winkelförmig erweitert.

Neuzeit

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Saasen:

„Saasen (L. Bez. Grünberg) evangel. Filialdorf; liegt 1 St. von Grünberg, hat 63 Häuser und 375 Einwohner, die alle evangelisch sind, und unter welchen sich 46 Bauern, 11 Handwerker und 9 Taglöhner befinden. – Die Kirche war noch 1250 eine Mutterkirche, zu welcher damals Harbach gehörte.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 31. Dezember 1970 fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Reiskirchen, Hattenrod, Saasen und Winnerod im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur neuen Großgemeinde Reiskirchen.<ref>Zusammenschluss von Gemeinden zur Gemeinde „Reiskirchen“, Landkreis Gießen vom 6. Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 4, S. 140, Punkt 166 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 6,3 MB]).</ref><ref></ref> Für die eingegliederten Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.<ref>Hauptsatzung. (PDF; 143 kB) § 5. In: Webauftritt. Gemeinde Reiskirchen, abgerufen im August 2020.</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Saasen angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Recht

Materielles Recht

In Saasen galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.<ref> Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103. </ref>

Gerichtszuordnung seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Saasen das „Amt Grünberg“ zuständig. Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Saasen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Saasen wurde dem Amtsgericht Gießen zugeteilt.<ref>Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 a) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 298 kB]).</ref>

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Saasen 1098 Einwohner. Darunter waren 21 (1,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 168 Einwohner unter 18 Jahren, 474 zwischen 18 und 49, 270 zwischen 50 und 64 und 240 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 456 Haushalten. Davon waren 105 Singlehaushalte, 165 Paare ohne Kinder und 141 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 87 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 312 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung

Quelle: Historisches Ortslexikon<ref name="lagis" />
• 1577: 035 Hausgesesse (mit Bollnbach?)
• 1630: 002 dreispännige, 16 zweispännige, 8 einspännige Ackerleute, 6 Einläuftige
• 1669: 147 Seelen (mit Bolnbach)
• 1742: 003 Geistliche/Beamte, 54 Untertanen, 22 junge Mannschaften, kein Beisasse/Jude
• 1791: 232 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD" />
• 1800: 253 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD-1800" />
• 1806: 395 Einwohner, 49 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" /><ref group="Anm." name="Weiler">Mit den Weilern Bollnbach und Veitsberg sowie dem ehemaligen Kloster Wirberg</ref>
• 1829: 375 Einwohner, 63 Häuser<ref name="GW" />
• 1867: 443 Einwohner, 86 bewohnte Gebäude<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref><ref group="Anm." name="Weiler" />
• 1875: 518 Einwohner, 93 bewohnte Gebäude<ref name="WP75">Vorlage:BibOCLC</ref><ref group="Anm." name="Weiler" />
Saasen: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2019
Jahr  Einwohner
1791
  
232
1800
  
253
1806
  
395
1829
  
375
1834
  
495
1840
  
529
1846
  
535
1852
  
540
1858
  
559
1864
  
438
1871
  
534
1875
  
518
1885
  
429
1895
  
449
1905
  
500
1910
  
528
1925
  
543
1939
  
616
1946
  
848
1950
  
890
1956
  
889
1961
  
914
1967
  
958
1980
  
?
1990
  
?
2004
  
1.237
2011
  
1.098
2012
  
1.143
2015
  
1.142
2019
  
1.151
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; nach 1980: Gemeinde Reiskirchen (HW+NW-Sitze) im Haushaltsplan Vorbericht<ref name="DF" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Historische Religionszugehörigkeit

• 1829: 375 evangelische (= 100 %) Einwohner<ref name="GW" />
• 1961: 726 evangelische (= 79,43 %), 173 katholische (= 18,93 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Historische Erwerbstätigkeit

• 1961: Erwerbspersonen: 167 Land- und Forstwirtschaft, 164 Produzierendes Gewerbe, 70 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 47 Dienstleistungen und Sonstiges.<ref name="lagis" />

Vereine

In Saasen gibt es ein reges Vereinsleben. Der größte ortsansässige Verein ist der SV 1936 Saasen.

Verkehr

Literatur

Weblinks

Commons: Saasen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis"> {{Internetquelle | hrsg= Hessisches Institut für Landesgeschichte | url= {{LAGIS/WeblinksZ||10450}} | titel= Saasen, Landkreis Gießen | titelerg= {{LAGIS/Datenbanknamen| }} (Stand: {{FormatDate|2019-01-15 }}) | werk= Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS) | kommentar= |abruf-verborgen=0 | abruf= 2020-04 }} </ref> <ref name="Amt Grünberg"> Die Zugehörigkeit des Amtes Grebenau anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866. </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 419 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Adr-LG-HD"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 197 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1800"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 212 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 257 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 8 und 48, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;. </ref> </references>

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